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Full text: Geschichte des Geschlechts Furtenbach

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EINE WACHTSTUBENGESCHICHTE 
Es war im Januar des Jahres 1825, so erzählte uns jüngst in einem heite­ 
ren Familienzirkel ein unter den Waffen ergrauter Offizier, — wo ich an 
einem kalten Wintertag die Hauptwache zu N.... bezog. Da zu erwarten, daß 
sich die Kälte bei hereinbrechender Nacht noch bedeutend steigern würde, 
entschloß ich mich im Interesse meiner Mannachaft an die Kommandantschaft 
die Bitte zu stellen, ob nicht alle Stunde abgelöst werden durfte. Allein, 
es mochte sein, daß auf der Kommandantur eine laue Temperatur vorherrschte, 
meine Vorstellung kam zurück mit dem Bescheid: es bleibe beim Alten. Mit 
geröteten Nasen kehrten die Soldaten in die Wachtstube zurück, und suchten 
sich durch kreuzweises Übereinanderschlagen der Arme zu erwärmen bevor 
sie ihr Lager, die Pritsche, aufsuchten. So erging es einer Ablösung wie 
der anderen. Nachts um 1/4 auf 2 Uhr kehrte wieder ein Posten zurück, aber 
die Ablösung ging nicht hinaus. Der Soldat N.N. beeilte sich durch die 
Hintertür der Wachtstube in den Hofraum zu gelangen, um ein durch die Käl­ 
te herbei geführtes Bedürfnis zu befriedigen. Während seiner Abwesenheit 
bemächtigten sich die Kameraden seines Lagerplatzes: es wäre dem Zurück­ 
kehrenden durchaus nicht möglich gewesen, ein freies Plätzchenausfindig 
zu machen. 
Ich in meinem Zimmer, zündete mein Pfeichen an, ging auf und nieder und 
dachte bei mir selbst: es ist nicht richtig, daß die Burschen samt und 
sonders auf der Bärenhaut liegen, doch heute, alter Kamerad, mußt du ein 
Auge zudrücken, wenn es nottut wirst du alle beide schließen. Zweimal ist 
der Offizier der Runde dagewesen, die dritte Runde kommt erst zwischen 
3 und 4 Uhr: in Gottes Namen, wärmt euch und schlaft immer zu ! 
Am Fensterchen, das angebracht ist in der Zimmerwand, zu schnellen Befeh­ 
len und Kontrolle, — zog ich den Vorhang sorgfältig zu bis auf einen 
schmalen Spalt für ein Auge. Denn mit dem Abwesenden wird etwas vorfal­ 
len das muß ich sehen, dieBurschen haben einen derben Humor. Und ich hat­ 
te mich nicht getäuscht. Die Türe tat sich rasch und geräuschvoll auf, 
herein trat ein junger schlankgewachsener Mann mit schönem bärtigem Sol- 
datenkopf und zornentbrannten Augen. Der übersah die Lage sofort und fol­ 
gerte richtig ! Bis in die Mitte der Stube schritt er trotzig, drehte sich 
um nach allen vier Wänden: empizierte das Terrain. Plötzlich rief er aus: 
"Daß dich ein heiligs-kreuz-millionen Schockschwerenot verschlug ! Da liegen
	        
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