Lunge
64
Lunge
65
5.4 Lunge
5.4.1 Interpretation
Prim. Dr. Johannes Rothmund, Pulmologie LKH Feldkirch
Verbreitung: Die Inzidenz des Bronchuskarzinoms ist im Vergleichszeitraum relativ stabil gewesen,
lediglich die Erkrankungszahlen der Frauen steigen, möglicherweise im Zusammenhang mit
dem gestiegenen Nikotinkonsum der Frauen in den letzten Jahrzehnten. Die Mortalität bei den
Männern steigt an, bei den Frauen ist ein eher geringerer Anstieg der Mortalität im Vergleich
zur Inzidenz zu beobachten. Bei Beachtung der Inzidenz im Bereiche der einzelnen politischen
Bezirke ist bei Männern kein wesentlicher Unterschied zu beobachten, die Inzidenz bei Frauen ist
in den Bezirken Bludenz und Feldkirch am höchstens, in Bregenz und Dornbirn am niedrigsten. Die
Altersverteilung bei Frauen und Männern ist annähernd gleich, mit einem Häufigkeitsmaximum im
Alter zwischen 70 und 74 Jahren.
Im europäischen Vergleich sind die Inzidenzzahlen eher niedrig, bei Vergleich mit unserem
Nachbarland Tirol sind die Inzidenz- und Mortalitätsraten bei Frauen geringfügig niedriger.
Bei Männern ist die Inzidenz fast ident mit Tirol. Im Vergleich der Mortalität der Männer ist Tirol
allerdings günstiger zu bewerten.
Riskofaktoren: Seit über 30 Jahren ist gesichert, dass die Inhalation von Tabakrauch der
entscheidende Faktor bezüglich der Genese der Erkrankung darstellt. Durch Beeinflussung
der Tabakinhalationsstoffe ist bestenfalls in einem minimalen Umfang eine Modifikation der
Erkrankungshäufigkeit zu verzeichnen. Da die Erkrankung bei Frauen lediglich zu 60 % als tabak-
abhängig angesehen wird, sind Umweltfaktoren wohl mit wesentlich entscheidend, könnten evtl.
Hinweis darauf sein, dass die Erkrankungshäufigkeit in den nördlichen Bezirken des Landes Bregenz
und Dornbirn niedriger ist als in den südlicheren Landesteilen Feldkirch und Bludenz. Eine Kontrolle
der Indoor-Emission von Radon könnte evtl. Aufschlüsse zur deutlichen Nord-Süd Diskrepanz der
Erkrankungshäufigkeit führen.
Im Vergleich der Bundesländer Vorarlberg und Tirol fällt ein Unterschied der Überlebens-
wahrscheinlichkeit an der 5 Jahresgrenze auf. Diese könnte möglicherweise auf unterschiedliche
Gepflogenheiten der Diagnostik und Therapie hindeuten, sowohl die Erfassung als auch die
chirurgische Therapie wird in Vorarlberg wesentlich dezentraler durchgeführt als in Tirol, wobei
insbesonders aufgrund der niedrigeren Fallzahlen an den Institutionen, die mit Diagnose und
chirurgischer Therapie beschäftigt sind schlechtere Ergebnisse erzielt werden. Eine Verbesserung
der Überlebenszeit zum 5 Jahreszeitpunkt ist von einer optimalen thoraxchirurgischen Intervention
abhängig, da bei strahlentherapeutischer oder medikamentöser onkologischer Therapie
Langzeitüberleben nicht gewährleistet erscheint.