Bregenz während der Seegfrörne 1929. Das Eis hielt der "Dornbirn" und dem Automobil stand.
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und sogar einem auf dem See gelandeten Flugzeug zeugen
von der Tragfähigkeit des zugefrorenen Wassers. Einem alten
Brauch folgend wird bei einer Seegfrörne die Büste des Heiligen
Johannes, der in katholischen Gemeinden als Weinheiliger
gilt, in einer feierlichen Prozession von Ufer zu Ufer über
das Eis getragen. 1929 wurde die Büste von Münsterlingen in
der Schweiz in das gegenüberliegende deutsche Hagnau gebracht,
1963 von Hagnau wieder zurück nach Münsterlingen.
Im Winter 1963 wurden wir in der zweiten Klasse von unserer
Lehrerin Maria Held, der Schwester des damaligen
Kaplans Josef Held, eindringlich vor den Gefahren des
zufrierenden Sees gewarnt. Als Beispiel nannte sie eine
tragische Geschichte, die sich 34 Jahre zuvor ereignet hatte.
Die Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1929 verbrachten
acht Personen aus Hard – drei erwachsene Männer
und fünf Kinder – auf dem Eis. Drei der Kinder kamen dabei
ums Leben. Die anderen erlitten zum Teil schwerste
Erfrierungen. Wir sollten das auf keinen Fall riskieren und
den See, vor allem aber das Eis, meiden. Wir gehorchten natürlich
nicht und bewegten uns, unserem kindlichen Alter
entsprechend, in Ufernähe. Die Größeren, Mutigeren wagten
sich über den See, mein ältester Bruder Helmut gar mit
dem Moped bis nach Lindau. Meine stärkste Erinnerung sind
Schwäne, die auf dem See angefroren waren und von der
Feuerwehr gerettet wurden. Wir Buben schlugen mit einem
Nagel Löcher in das Eis, um dann gleich das entweichende
Methangas anzuzünden, das vom moorigen Seegrund aufgestiegen
war. Wenn wir nicht rechtzeitig vor der Flamme zurückwichen,
verbrannten unsere Augenbrauen, was uns dann
zu Hause und in der Schule verriet.
Vermutlich hat auch Pepe Rossaro im Jahr 1929 ähnliche Warnungen
vor dem Eis gehört und ganz sicher hat er mit seinen
Kollegen „Güllen“, wie wir die Gaskammern unter der Eisoberfläche
nannten, aufgeschlagen und angezündet. Jedenfalls
vertrieben sich Pepe Rossaro und seine vier Freunde Johann
Broilo, Emil Kölbl, Konstantin Meyer und Rudolf Lerbscher am
Nachmittag des 13. Februar – einen Tag vor Pepes Geburtstag
– die Zeit am See. Es war Aschermittwoch und mittwochs war
damals am Nachmittag schulfrei. Sie waren in der Gegend
der „Dampfsäge“, wo heute die Bootswerft Hartmann und der
Liegeplatz der Hohentwiel sind, mit ihren Schlittschuhen in
Ufernähe unterwegs. Dort beobachteten die Buben, wie sich
die drei Männer Otto Strobel, Vinzenz Kloser und Josef Kloser
über das Eis auf den Weg nach Lindau machten und schlossen
sich ihnen an. Mit dabei war der Schäferhund von Rudolf
Lerbscher.
Dank eines Berichtes von Eugen Stadelmann (geb. 1. 2. 1919,
gest. 15. 12. 1998), der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs
Lehrer und später Direktor der Volksschule Hard war, wissen
wir, warum die drei Männer sich auf den Weg übers Eis
Physikalisch
bedingt ist eine
Seegfrörne durch
eine Besonderheit.
Ab einer Wassertiefe
von 50 Metern
und mehr hat der
Bodensee bis hin
zum Seeboden eine
Temperatur von
etwa vier Grad
Celsius. Wasser mit
dieser Temperatur
hat die höchste
Dichte – damit
ist, vereinfacht
gesagt, das Gewicht
gemeint – und sinkt
Richtung Seeboden
ab. Die darüber
liegenden Wasserschichten
weisen
geringere Dichten
auf, sind daher
nicht so schwer
und können auf
niedrigere Werte
abkühlen. Wer
schon einmal eine
Eisbildung beobachtet
hat, kann
dies bestätigen.
Wasser beginnt
an der Oberfläche
zu frieren. Dadurch
kann sich die
Eisdecke bilden.
Johann Broilo, geb. 2.2.1919 – in der Nacht erfroren
Emil Kölbl, geb. 8.2.1918 – in der Nacht erfroren
Konstantin Meyer, geb. 20.2.1920 – im See ertrunken
Otto Strobel, geb. 1882, gest. 1935
Rudolf Lerbscher, geb. 29.9.1916,
seit 1.5.1945 vermisst
Vinzenz Kloser, geb. 1911, gest. 1955 in Brasilien
Josef Kloser, geb. 1892, gest.1977
Pepe Rossaro, geb. 14.2.1915, gest. 7.4.2002