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fernten die nassen Kleider und wärmten ihn notdürftig mit
einem Mantel. Zu diesem Zeitpunkt gab es kein Vor und kein
Zurück. Sie waren auf einer großen Eisscholle gefangen. Die
Männer zwangen die Buben sich wie sie auf dem Eis zu bewe-
gen, um nicht ganz auszukühlen. Rudolf Lerbschers Schäfer-
hund wärmte ihn selbst und Pepe Rossaro. Verzweifelt riefen
die kleineren der Buben um Hilfe und nach ihrer Mutter. Für
diese drei wurde die Nacht auf dem Eis – mittlerweile zeigte
das Thermometer 36 Minusgrade – zur Todesfalle. Der jüngste
der Buben, Konstantin Meyer, rutschte in den See. Sein Leich-
nam konnte nicht mehr geborgen werden. Die beiden ande-
ren, Johann Broilo und Emil Kölbl, erfroren.
Durch den aufziehenden Nebel war die Sicht sehr einge-
schränkt. Zwar wurden am Ufer Leuchtfeuer entzündet, aber
die Eingeschlossenen konnten sie nicht sehen. Und wenn
doch, sie hätten das rettende Ufer nicht erreicht. Pepe Ros-
saros Nichte Ingrid Oberhauser berichtet, dass vor allem ihre
Mutter Ida Wörz (eine Schwester von Pepe Rossaro) oft vom
Ereignis auf dem See erzählt hat. Gemeinsam mit ihrer Mut-
machten. Otto Strobel war im Besitz eines Pferdeschlittens,
mit dem schon seine Eltern und Großeltern bei den See-
gfrörnen 1830 und 1880 über den See nach Lindau und wie-
der zurück nach Hard gefahren waren. Er wollte diese histo-
rische Schlittenfahrt am Funkensonntag 1929 wiederholen.
Um zu prüfen, ob das Eis die nötige Tragfähigkeit hat, musste
der See am Aschermittwoch dieses Jahres zu Fuß überquert
werden. Damit nahm die Tragödie ihren Lauf. Ergänzt wird
die Darstellung der Geschehnisse durch den Harder Chro-
nisten Rudolf Gunz und den Lindauer Gendarmeriebericht
vom 14. Februar 1929 sowie durch diverse Zeitungsberichte.
Der Schiffsverkehr über den See war eingestellt. Am
13. Februar 1929 zeigte das Thermometer 29 Grad unter
Null. Es wehte eisiger Ostwind. Da die Sonne schien, ver-
sprach die Seequerung gefahrlos zu werden. Die drei
Männer schickten die Buben zurück, diese wollten aber
nicht gehen. Damit begann die wohl längste Nacht von Pepe
Rossaro und seinen Schicksalsgefährten.
Auf halber Strecke zwischen Hard und Lindau gelang es
den Männern die fünf Buben zum Umkehren zu bewegen.
Sie wollten heim. Aber ein Sprung im Eis, der beim Hin-
weg noch ganz ungefährlich ausgesehen hatte, war mitt-
lerweile zum etwa einen Meter breiten Spalt geworden.
Pepe Rossaro und der etwa gleichaltrige Rudolf Lerbscher
hätten es geschafft darüber zu springen, aber nicht die
drei jüngeren Buben, die erst zwischen neun und elf Jahre
alt waren. Also machten sie sich wieder auf den Weg Rich-
tung Lindau, den Männern hinterher. Kurz vor Lindau war
das Eis aber so dünn, dass es kein Weiterkommen gab.
So entschieden die Männer wieder heimwärts zu gehen. Die
Warnung der Buben, dass der Weg abgeschnitten sei, wurde
von den Erwachsenen ignoriert.
Auf dem Weg zurück rutschte einer der Erwachsenen,
Josef Kloser, ins Wasser, weil sich mittlerweile große Sprünge
im Eis gebildet hatten. Gemeinsam zogen sie ihn heraus, ent-
NACHT
DIE LÄNGSTE