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ning und Qigong! An Klavierkonzerten nahm sie nicht teil,
denn die Klaviermusik mochte Martha überhaupt nicht, sie
blieb der Blasmusik treu. Gerne war sie bei den Ausflügen des
Seniorenhauses mit dabei. Am Ende der Blütenfahrt nach
Kressbronn bedankte sie sich sehr bei Hugo Rogginer und
meinte mit ihren 91 Jahren: „Wenn du näschts Johr widar
kuscht, denn kum i ou!“ Martha hat Wort gehalten. Drei
weitere Male konnte sie noch mitfahren.
Die Besuche ihres Sohnes Karlheinz waren etwas ganz
Besonderes, er war doch der Kronprinz und ihr Liebling.
Da ging die Sonne auf und sie fühlte sich gleich wieder gut!
Sehr freute sie sich auch über die Besuche von Cousine Herta,
Schwager Helmut Reiner und Herlinde, Schulfreundin Berta
Agerer, Renate Reiner sowie Hubi Felder. Selbst Frisörin Lilly
versorgte Martha im Seniorenhaus weiter mit Dauerwellen.
Nach einer Ausfahrt mit dem Rollstuhl an den See wurde der
Nachmittag, speziell am Sonntag, beim großen Tisch in der
Eingangshalle verbracht. Hier war Platz für Kinder und
Schwiegerkinder, Enkelkinder und Urenkel sowie für viele
andere! Dieser Platz wurde zu ihrem Stammplatz! Gerne sind
die Menschen auf sie zugegangen und haben mit ihr und ih-
ren Besuchern ein paar Worte ausgetauscht.
Einige Familienschicksale musste sie noch im hohen Alter
verkraften. Besonders erschüttert haben sie die Todesfälle
von Ziehtochter Inge Armellini und Nichte Renate Reiner. Am
schwersten war für Martha die Zeit der Krankheit und des
Abschieds von ihrer Tochter Helga.
Der Glaube war Martha stets wichtig. Sie sorgte sich das gan-
ze Leben um das Wohlergehen der Menschen rund um sie.
Streit oder Reibereien mochte sie nicht. Marthas Leitsprüche
waren: „Dem Frieda z‘ lieb!“ oder aber auch „Monsch was tät
ma säga!“ Sie war stets eine treue Besucherin der Gottes-
dienste und interessierte sich, was in der Pfarrgemeinde lief.
Jahrelang war sie als Zuschauerin bei der Prozession der Erst-
der Glaube
war ihr sehr
wichtig
IMPRESSUM
Herausgeber:
Sozialzentrum
SeneCura
Haus am See
Gemeindearchiv Hard
im Rahmen der
Ausstellungsreihe
„Museum für Lebens-
geschichten“ Hard
Text:
Edith Loser
Lektorat:
Resi und Urs Riesner
Fotos: privat
Gesamtverantwortung:
Alwin Ender
Ulrike Baur
Nicole Ohneberg
Layout:
Alexandra Köß
Seestaße 9, Hard
kommunionkinder durchs Dorf dabei.
Ganz wichtig war ihr der Besuch der Gottesdienste in der
Pfarrkirche St. Sebastian. Ab dem Zeitpunkt, als Martha die
Sehkraft verloren ging, begleitete sie Nachbarin Gertrud
Matovic (geborene Büchele) am Samstagabend zur Kirche, auf
den Friedhof und wieder nach Hause. Zu Gertrud sagte sie
oft: „Früher hean i uf di gschout, jeatz schoust du uf mi!“ Der
Gräberbesuch war stets Pflicht, wollte sie doch „Nachschau“
halten. Daher fragte sie öfters andere Friedhofbesucher, ob
das Familiengrab schon „ghörig isch“. Sie hatte kein blindes
Vertrauen und musste sich vergewissern lassen.
Als Martha das Sterbesakrament erhielt, sagte Pfarrer Hubert
Lenz, dass Martha wieder Sachen sehen werde, die sie zuvor
nicht mehr sehen konnte. Ihre Kinder hatten das Gefühl,
dass es wirklich so war – in der Nacht vor ihrem Tod hatte
Martha die Augen immer offen. Sie schien zu beobachten,
was ihr Sohn Karlheinz und die Tochter Ilse machten.
Gemeinsam hielten die beiden Nachtwache bei der Mama.
Tags zuvor hatte Irmgard mit ihr gesungen und über ihre
Familie gesprochen. Martha gab geschwächt noch ihre spaßi-
gen Kommentare: „Min Brüder Bernhard hot nia singa künna!“
Nach ihrem Sterben am Morgen des 24. April 2017 wurde sie
schön angekleidet – mit Kleid, Unterwäsche, Unterrock und
Seidenstrümpfen, so wie es sich gehört und wie sie es immer
getragen hatte.
D A N K E
Am Schluss möchte ich im Sinne von Martha allen DANKE sagen,
die mir Einblick in das Leben einer fleißigen, humorvollen, friedlie-
benden, starken, vorbildlichen, hilfsbereiten, musikbegeisterten
Frau, Mama, Schwiegermama, Oma, Uroma, Gota, Tante, Nach-
barin, Freundin und Wegbegleiterin gegeben haben. Sie lebt weiter
in ihren Kindern, Enkeln und Urenkelkindern, denn es heißt oft:
„Was tät d’Martha säga? Jo, sind brav und
anständig!!!“Edith Loser