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Full text: Dornbirner Gemeindeblatt 1870 (1870)

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Dornbirn, 26. September. Die k. k. Statthalterei für Tirol und 
Vorarlberg hat der am 7. d. M. durch einen furchtbaren Brand verunglückten 
Gemeinde Mellau gestattet, eine Sammlung von Haus zu Haus in den 
Gemeinden des Landes vorzunehmen. Es ist noch nicht bestimmt, wann 
die Vertrauensmänner der Gemeinde Mellau hier zum gedachten Zwecke ein¬ 
treffen werden. Der Schaden Mellaus beläuft sich nach amtlicher Schätzung 
auf zirka 160,000 Gulden. Das Mitgefühl für das herbe Unglück, das 
eine Gemeinde betroffen, mit welcher wir Jahr aus Jahr ein in mannigfacher 
Berührung sind, ist bei uns so lebhaft, daß es keiner besondern Aufmunterung, 
keiner besondern Anrufung der alle Zeit bewährten Mildherzigkeit bedarf, 
um den Mellauern eine gute Aufnahme vorzubereiten. Unsere Gemeinde 
wird ihre brüderliche Christenpflicht wie immer wacker üben! 
Dornbirn, am 29. September. Das am letzten Sonntag abgehaltene 
Schauturnen, bei welchem Gesangverein und Musikbande bestens mit¬ 
wirkten, hatte einen sehr guten Fortgang und Erfolg. Der Schauplatz war 
ungewöhnlich stark besucht, namentlich war er reich geschmückt von der Frauen¬ 
welt und frohbelebt von den Kindern. Alles folgte mit Befriedigung den 
Produktionen der Musikbande, der Sänger und den mit gewohnter Meister¬ 
chaft durch Turnwart Georg Luger geleiteten Massenübungen. Herr 
Apotheker Kofler hatte die Freundlichkeit, in einer schwungvollen Ansprache 
unter dem wohlverdienten Beifalle der Zuhörer die Bedeutung der deutschen 
Turnerei und den Anlaß des heutigen Schauturnens, nämlich den gegen¬ 
wärtigen deutsch-französischen Krieg, zu beleuchten. — Die Einnahme belief 
sich auf nahezu zweihundert Gulden, ein Ergebniß, welches wir, in Anbetracht 
der überdies statthabenden Hauptsammlung, überraschend groß finden. 
Die schon im letzten Blatte besprochene Sammlung für die Hinterbliebenen 
wird, nach den ersten Zeichnungen zu urtheilen, gleichfalls ein schönes Re¬ 
Diese Summe und die Einnahme vom Schauturnen werden 
ultat ergeben. — 
wahrscheinlich im nächsten Blatte zur Veröffentlichung gelangen, und auch 
angegeben werden welcher Hauptsammelkassa dieses Geld zugeführt worden 
Bekanntlich hat der Turnverein dahier bereits vor einigen Wochen 
sei. 
unter seinen Mitgliedern allein eine Summe von 104 fl. öst. W. zusammen¬ 
gebracht, wovon ein Theil für ein im Feld befindliches Vereinsmitglied be¬ 
stimmt, der übrige Theil aber zu Gunsten der Hinterbliebenen an eine 
Hauptsammelkassa in Leipzig geschickt wurde. 
E. Ein interessanter Fund. Von einem Arbeiter des Herrn Hämmerle 
wurde beim Graben des Fundamentes zur Wassermauer hinter dem neuen 
Arbeiterhause im Gütle auf dem rechten Ufer der Dornbirner Ach 4 Schuh 
von der Rinnsohle und in einer Tiefe von 5 Schuh im Kies (Alluvialgrund) 
ein Gegenstand von Metall von ihm unbekannter Form gefunden; derselbe 
wurde von Apotheker Kofler erworben (bei dem er besichtigt werden kann) 
und als Geräthe der Bronzezeit *) angehörig — somit als weit 
vorrömisch — erkannt. Herr Professor Haakh in Stuttgart, dem der 
Erwerber diesen Fund zur Begutachtung zeigte, bestätigte diese Ansicht und 
erklärte denselben für ein Geräthe aus der Bronzezeit, also für 
„6*)Anmerkung. Bronze ist die Bezeichnung für die bekannte Guß-Mischung 
von Kupfer und Zinn.Sa
	        
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