NNr.2
Edikte.
Es wird zur Kenntniß ge bracht,
daß in Folge hohen oberl a ndes¬
gerichtlichen Präsidialauftrages vom 20. d. Mis., Nr. 4301, die V erpf legung
der Arres tante n in der daig en Frohnfes te im Wege der minn endd Ver¬
steigerung ausgesch rieb en werde.
Die Versteigerung findet am Montag, den 9. Jänner 1871,
Vormittags 9 Uhr, im Amtszimmer Nr. 6 st att, und werden vor derselben
die Bedingungen bekannt gegeben.
Als Ausrufspreise sind festgesetzt:
1)ffür
ordi näre Atzung per
Tag28 kr.
2) an Fasttagen s 16
kr.
3) an Festtagen unter der Woche Zuschlag per Kopf
J712
kr.
4) für Krank e 33
kr.
K. K. Bezirksger ich t Dorn birn, am 30. Dezember 1870.
Linser. 2,2
Mitth eilun gen.
Darnbirn, W e ihnachten 1870. Der Herr Bürgermeister von
Nürnberg hat in einem dieser Tage ei n getroffenen herz lichen Schreiben den
Empf ang der im November an ihn übersa ndten und für die Wi ttwen und
W aisen deutscher Krieger bestimmten 1050 fl. hie her gemeldet. Im Auf¬
trage des M agistratsk ollegi ums der Stadt Nürnberg spricht er der Bü rger¬
sch aft von Dornb irn „den innigsten Dank aus für diese von so edlen Seelen
und in so r eichem Maße dargebrachten Spenden."
„Dieser fürchterliche Krieg", heißt es in dem Schreiben, „erforder t
enorme Summen, um nur einigermaßen die Wunden zu stillen, we lche er
geschlag en hat. Das Elend, we lches er nach sich zieht, ist vorer st noch nicht
zu übersehen, und erst die Zukunft wird uns das richtige und wahre Bild
mit Schrecken zeigen; aber eine um so größere Beruh igung kann es in dem
Herzen eines jeden deutschen Mannes sein, wenn er sieht, wie ihm neben
den glorreichen Erfolgen der deutschen Waffen die Sympathien von allen
Enden Deutschlands, ja der Erde zu Theil werden."
Das Geld bleibt, so lange das V erhältniß der beide n de utschen Stif¬
t ungen, Viktoria Stiftung und W ilhelms Stiftu ng, nicht voll kommen geregelt
ist, nach Beschluß des Nürnberger Magistrates neben der von der Stadt
Nür nberg zum gleichen Zwecke gewid meten Summe von 35,000 G ulden in
Nürnberg fruchtbringend angelegt, und wird der Herr Bürgermeister von
Stromer seiner Zeit über die Verwendung des Geldes hieher Rechenschaft
geben.Dornbirn,
2. Jan uar. Die Neu jahrsnacht war seit lan gem nicht mehr
so still, wie dies Jahr. Wir rechnen dies unser er Bevö l kerung zur nicht ge¬
ringen Ehre an. In einem Zeitpunkte, wo über ganze Länderstrecken unseres
Welttheils die Geisel des furchtbars te n Krieges w üthet, und das Elend den
siegenden Stammesbruder wie den besiegten Feind in maßloser Ausdehnung
trifft, in einem solc hen Augenblicke ziemt es sich nicht zu lärmen und zu
jubeln. Betrübten Herzens erwägt der Verständige beim Scheiden des merk¬
würdigen Jahres 1870, daß der letzte Akt des furchtbaren Dram a's noch
nicht abge spiel t, daß das Maß der Schrecken noch nicht erfüllt sei; er gedenkt