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Hiezu neh men in der W echs elrede der Vorsitzende,
G. A. Albert Thurn her, Lehrer Josef Rüf, Schul¬
eiter Hans Martin und E. M. Josef Ant. Dünse
das Wort.
Bürgermeister=Stellvertreter bemerkt hiezu, da
Bregenz im allgeme ine n keineswegs b esser versorgt
sei als Dornbirn. Zwar habe Bregenz jüngs t von
der Zentraleinkaufsstelle für Kartoffel, Miles in
Wien, Kartoffeln erhalten, währ end Dornbirn keine
erhielt, obwohl Dor nbirn r echtzeitig und nachdrück¬
lich die Kartof felz u weisung a ng esprochen hatte
allein s olche ans ch einend dur chaus ungerechtfertigte
Ausnahmen, die denn doch bei einer amtlich be
stell ten Zentrals tell e nicht vorkommen sollten, kön nen
einer anderen, dadurch ben achte iligte n Gemeinde nich
zum Vorwurfe g emacht werden. Wie schon heute er¬
wähnt, weilt der Bürgermeister g egenw ärtig in Berlit
um die Durchfuhr holländischer Kartoffeln durch
das deutsche Reich nach Oesterreich zu betreiben
Nach heute e ingelangt er te legrap hisc her Mir tellung
hat der Bürgermei s ter bereits 7 Waggon von der
Besch lagnah me befreit und deren Zufu hr nach
Dornbirn erwirkt
E. M. Josef Anton Dünser spricht über Börsen
berichte, über die eingelangten Kar toffeln aus Poler
und über angeblich im Kornhaus zu Bregen z ohne
Brot k ar tenzwang abgegebene Rollgerste sowie über
Reis a bgabe.
G. A. Lehr er Jos. Rüf nimmt zu län geren Aus
ührungen das Wort, in welchem er hauptsächlich
hervorhebt: Die Stadt Brege nz hat in einiger
Fällen durch einen ihrer Handelsleute vermoc ht,
im Kompensationswege für Vorarlberg aus der
Sch weiz Waren einzuführen, welche alsdann jedoc
nur zum Teil an das Land üb erg ingen, währe nd
der and ere Teil in den Besi tz der Stadt Br egen
kam. Aehnlich liegt die Sache mit dem besc hlag¬
ahmten 1 Waggon Kaffee. Diese r Kaffee ist
nicht für Dornbixn, sondern für das Land beschlag
nahmt worden und zwar über Einsch reite n des
Bürge rmeiste rs Engelbert Luger als Vertreter des
L andes. Was die Kartof felz uf uhr anbelangt, hat
die Stadt Do rnbirn alles ge tan, was sie nur tun
k onnte. Schon am 31. Jänner ds. Ihrs. wurde n
an z ustä ndiger S telle polnische und hollän dische
Karto ffeln in reichster Menge bestellt und bezahlt;
es wurd en alle Hebel in Bewegung gesetz t, um
die Kartoffeln herzubringen, doch größtenteils ver¬
geblich. Wenn im Börsenberichte etwas von Kar
toffelhandel zu lesen ist, so ist selbstred en d damit noch
ange nicht gesag t, daß Kartoffeln auch herzubringen
sind. Es mögen ja in Russisch=Polen noch große Men¬
gen Kartoffeln lagern, aber wenn der Abtran spo rt
und die Zufuhr nicht möglich ist, nützt der sch önst
diesbezügliche Börsenbericht uns in Vorarlber¬
keinen Pfifferling
Die Abg abe der Rollgerste ist gesetzlich nur gegen
Vrotkarte ges tattet: die Reisabgabe in Dor nbirn
erfolgte, schon seit die Reisbestände sparsam sind,
nur in kleinen Men gen.
Mit Bregenz hat Dor nbirn schon wieder hol
gemeinsam e ingeka uft. Dabei kommt es vor, daß
eine Ware, welche in Bregenz Absatz findet, hier
nicht wegzubringen ist. Auch ist es gewiß leichten
eine Stadt mit 6000 bis 8000 Einwohne rn mit
Lebensmitteln zu versorgen, als eine solche mit
etwa 15.000 Einwohnern
G. A. Albert Thurnher spricht über Vergrößerung
des Brotkartenausmaßes für arme Leute, welch
fast nur auf die Brotkarte angewiesen sind.
b)
G. A. Hans Martin stellt und begründet der
Antrag, der Stad trat werde b eauftragt, an kom
pete nter Stelle vorstellig zu werden, damit die
Ausfu hr von Käse aus Vorarlberg eingestellt werde
und dieses wichti ge und notwendig e Nahrungs ¬
mitt el im Lande blei be
G.=A. Alber t Thurnh er spricht in gleichem Sinne
Der Vor sitzend e aber nimmt den An trag zur Kent nis
E. M. Josef Anton Düuser regt an, für Ermög¬
lich ung einer Brotzufuhr aus Lustenau Sc hritte
zu machen.
Hiezu nehme n G. A Josef Anton Mayer und
Arbogast Michler das Wort und letzterer sprich
eingehend über die in Betracht kommenden Ver
hältnisse gegenüber der S chweiz und der Markt
gemeinde Lustenau, wo nach jedes amtli che Ein
chreiten vollkomm en aussichtslos erschei ne
G. A. Jos. Ant. Mayer beantragt, die Bekämpfung
c)der
sogenann ten Rabenplage mit geeigneten Mit teln
vom Stadtrate aus a nzustrebe n, der Stadtrat wolle
sich diesbezüglich mit den Jagdpä chtern ins Ein¬
vernehmen se tzen.
G. A. Arbogast Mic hler befürwortet diesen An¬
trag auch im Hinblick auf einen jün gst im Gegen ¬
stande erflossenen Erlaß der k. k. Bezirk s hauptmann¬
schaft Feldki rch
Schluß der Sitzung: 8 Uhr abends .
Berufungen gegen die hiemit verlautbarten B eschlüsse des Ge
neindeausschuss e s können an den L andesausschuß (§ 89 Gemeinde
or dnung) oder an die k. k. Bezirkshaupt m an nschaft Fel dkirch (§§ 93
und 94 G.= O.) innerhalb 14 Tagen, gerechnet vom Tage nach Er
scheinen dieses Blattes, beim Stadtrate, Zimmer Nr. 8, eingebrach
w erden
Der Bürgermeister=Stellvertreter: Albert Winsau er.
E inberuf ungs= Kundmach u ng.
Auf Grund der Allerh öc hsten Entschließungen, mit
welchen der gesamte k. k. und k. u. Landst urm aufgeboten
wurd e, wer den
die L and sturmpflic htigen der G eburtsjahrgäng e
1897 bis eins chließlich 1866
zwe cks Festsellung ihrer Eign ung zum Landstu r mdie nst
mit der Wasse hi emit zu einer neuerlichen Musterung
diese r Geburtsjahrgänge einberufen.
Must e rungspflicht
Zur Musterung haben alle in den obbezeichneten
Jahren ge borenen Landsturmpflichtigen (österreichische
und ungarisch e Staatsbürger sowie auch jene, welch e eine
au sländisch e Staatsangehörigkeit nicht nachzuweisen ver
nögen) ohne Rücksicht dar auf, ob sie schon bi sher
mu st e rungspflichtig waren, beziehungsweise ihrer
Musterungspflicht entsprochen haben, zu er s cheinen.
Ansgenommen von der Pflicht zum Erschein en
zur Musterun g sind l ediglich:
1. diejenigen, welch e derzeit oh nedies be reits als
Landsturmpflichtige dem akt iven Militärverbande ange
hör en, einschließlich der Mitglieder der k. k. S c hießstände
n Tirol und Vorarlberg (Standschützen)
die Mitglieder sonstiger landsturm pfl ich tig er Kör per¬
schaften haben jedoch zur Musterung zu erscheinen;
2. die Aerzte (Doktoren der Medizin)
3.die Militärgagisten des Ruh estand es und des
Verhältnisses außer Dienst:
4. diejenigen, welch e in der Lokoversorgung eines
Militärinvalidenhauses untergebracht sind