C Mitbürger
von Dornbirn!
C39 Deute,
Sonntag, den 12. Mai, werden Schüler der k. k. Oberrealschule und
Schülerinnen der Mädchen=Fortbildungsschule bei Euch Allen erscheinen, um von Euch die An¬
meldungen entgege nzun ehm en, wieviel und was von Euerem diesj ä hrigen Anbau zu dem
vom Wirtschaftsrate angestr ebten Notvorr ate für den Frühling 1919 beizusteue rn, Ihrin
Euerem allezeit hilfsbereiten und mildtätigen He rzen be schlo ssen habt.
Es wird bestimmt in Dor nbirn niemand en geb en, niemand en im Tale und niemanden 6
0auf
den Berghöfen, der sich der gestellten, so selbs t v erstä ndlichen Bitte mit kaltem, un nahbarem
He rzen ab weisend entgegenstell en wird. Es wird keiner es übers Herz b ringen, unserer sam¬6
melnden Jugend, die in den vergangenen Kriegsjahren selbst so viele Arbeitsstun den zur Schulzeit
9und
in den Ferien zum allgemeinen Nutzen geopfert hat, ohne irgend eine Gabe herb die Tür
zu we isen und ein schändliches Beispiel zu geben. Wird es einen unter Euch geben, der in((
2 Verzeichnisse
derer fehlen will, die mit diesem Werke zeigen, daß sie ihre Zeit verstanden und
darnach gehandelt haben? Keiner wird sich finden la ssen, der es auf sich ni mmt, für die ko mmende
G eschichte der Kriegszeit unserer Stadt den so reinen Schild der Bürgertugend auch nur im
ger ingsten be flecken zu lassen. (
Viel e, die nur ein bescheiden Hausgärtlein oder nur ein oder zwei Ar wenig ertrag¬
reichen B odens zum Anbau er worben haben, erklärt en sich schon bereit, freudigen Herzens und
mit stolzer Stirne, an diesem Werke mitzutun. Das Beispiel ist schon gegeb en. Wo wird auch(
jemand sein, der nicht ein paar Meter Boden für einen so notwendi gen Zweck widmen wollte!
Am Können wird es nicht fehl en, der Wille aber wird ü berall sein(
B ürger von D ornbirn! Das Land hat Kunde vom Werke, das wir da unternehmen.
CEuer
Be ispiel wird daher maßgebend sein, Anregung bedeuten, als B eispiel anfe uern und(
zu gleicher Tat bewegen. Die Bedeutung der Sammlung geht weit über die Markungen der
16 Gemeinde,
es soll den wei tern und selbs t w eitesten Kreisen gezeigt werden , was man kann, was
in diesen Zeiten die so notwendige und so sehr außer Acht gelassene Sel bsthilfe für Werte in
sich birgt Mitbürger!
In den Listen, die an die sem Sonntage ausgefül lt wer den, werden wir
also alle ohne A usnahme stehen und wenn der Ante il, mit dem wir uns an dieses Werk an¬
9. schließen, noch so klein wäre. Da wird nicht nur der Bauer zu ehrender Erinnerung für alle
Zeit v erzeichnet sein, sondern auch der Angestellte und der Arbeiter, der von seinem g eringen
Flecken Boden einen bescheiden en Antei l opfert. In diesen Listen wird nicht nur der Rei che und
Besitzende verzeichnet sein, der diese seine P flicht in umso größere m Maße und umso lie ber
er¬
fül len wird, da sie ihm leic ht ist, sondern auch der mittler e und kleine Besi tzer, der von dem
Wenigen, das er hat, wenig aber gerne gibt und dessen Gabe in ihrem Werte darum doppelt
w iegt. Nicht nur im weiten Felde draußen sollen diese wahren Liebesgaben wachsen und im((
Herbste zu edler, hoher Reife gehen, sondern auch im eigenen Hausgärtlein wird sich ein bescheiden
Plätzlein finden lassen. Und wird im Ziergarte n unter all' den schönen Blumen irgen d etwas
chöner sein, als wenn unter all' der Blumenpracht ein Beet lein steht, das von der Liebe geweiht
b a rmherziger Tat gewidmet ist?
C Dornbirner!
Heute werden wir alle für dies es Werk am Platz e sein! Wird einer
von uns f ehlen? Wer wird und will dies sein? D ornbirn erwartet , daß jedermann seine
C Pflicht
tue!
Der Gemeinde=Wirtschaftsrat der Stadt Dornbirn .
B0000 S esssa 281