Freitag, 21. Jänner 1983
Stadtgebiet gestellt. Die ÖVP erkannte damals
die Notwendigkeit nicht und lehnte immer
wieder ab. Dabei wäre seinerzeit schon der
eindeutige Bedarf gegeben gewesen. Nun geht
man viel zu spät daran, Versäumnisse aus der
Vergangenheit gutzumachen.
Ähnlich steht es mit den Schulen. Zwar
erscheinen die Volksschulen im großen und
ganzen ausreichend versorgt - Ausnahmen
sind die Volksschulen Mittelfeld und Markt
sowie die Sonderschule, doch existiert an den
Hauptschulen trotz zahlreicher, im vergan¬
genen Jahrzehnt vorgenommenen Neubauten
nach wie vor ein großer Platzmangel, der durch
die neue Gesetzgebung in den nächsten Jahren
noch verschärft werden dürfte. Sich auf die
kommenden Verhältnisse in naher Zukunft
schon jetzt entsprechend einzustellen und vor¬
zubereiten, ist die Pflicht aller maßgebenden
politischen Mandatare in diesem Haus.
Abschließend möchten wir unsere Bereitschaft
zur Zusammenarbeit neuerlich bekunden. Dies
vor allem deshalb, weil der dornenreiche
finanzielle Weg mit der Vollendung des Spital¬
und Kulturhauses ohnedies vorgezeichnet
erscheint. Allerdings erwarten wir, daß unseren
Vorstellungen besser als bisher entsprochen
wird. Wir müßten ansonsten unsere Haltung zu
den Budgets überdenken.“
Stadtvertreter Ludwig Nosko nimmt zum
Voranschlag 1983 wie folgt Stellung:
Herr Bürgermeister, meine Damen und Herren,
einmal pro Jahr hat sich das Stadtparlament
mit dem Entwurf eines Voranschlages für das
nächste Jahr zu beschäftigen. Dieser Voran¬
schlag gibt Richtlinien für die weitere Entwick¬
lung unserer Stadt. Die uns heute vorliegenden
Zahlen sollen beweisen, daß in Dorbirn immer
nur so viel ausgegeben wie eingenommen wird.
Daher scheint alles in Ordnung zu sein. Und
das nennt man dann einen ausgeglichenen
Haushalt.
778 Millionen Ausgaben stehen 778 Millionen
Einnahmen gegenüber. Soll sich da der
Dorbirner darüber aufregen?
1980 haben wir 568 Millionen ausgegeben,
1981 haben wir 682 Millionen ausgegeben
1982 haben wir 762 Millionen ausgegeben,
1983 wollen wir 778 Millionen ausgeben.
Jeder von uns weiß, wo was ausgegeben wird,
muß auch etwas eingenommen werden. Wenn
wir die Entwicklung des Schuldenstandes
unserer Stadt betrachten, dann sieht das so aus:
1980 257 Millionen
1981 333 Millionen
1982 406 Millionen
1983 468 Millionen
Nun, wir alle wissen auch, daß die großen
Projekte wie z. B. Spital und Kulturhaus zu
dieser Entwicklung der Schulden entscheidend
beigetragen haben. Sicher, jetzt wo diese
Projekte fertig sind, ist es unnütz, über die
Entwicklung dieser Kosten zu diskutieren. Es
ist aber sicher notwendig, zu überdenken, wie
es in Zukunft in Dornbirn weiter gehen soll!
Die Demokratie muß in unserer Gemeindestube
lebendiger werden. Vor allem auf Gemeinde¬
ebene sollten die verantwortlichen Politiker
sich im klaren sein, daß alle Ausgaben die
Bürger zu bezahlen haben. Gerade hier in der
Gemeinde ist es notwendig, daß der Bürger in
wichtige Entscheidungen des öffentlichen
Lebens verstärkt miteingebunden wird.
Daher ist es unverständlich, wenn der Herr
Bürgermeister auf Grund seines Mandates für
fünf Jahre so tut, als könne er in dieser Zeit
ohne Rücksicht auf die Meinung der Bevölke¬
rung, und vor allem ohne Aussprache mit der
Bevölkerung, alle Entscheidungen treffen.
Der Bürger muß dabei wissen, daß viele Ent¬
scheidungen von Interessengruppen beeinflußt
werden und nur unter dem Stichwort „Club¬
zwang“ anscheinend einstimmige Beschlüsse
in den Parteien gefaßt werden.
Bei der Fraktion der Freiheitlichen Partei Dorn¬
birn gibt es diesen „Clubzwang“-nicht und wir
waren daher auch bei der „Ortsdurchfahrt'
immer für eine Befragung der Bevölkerung.
Oder sind Volksbefragungen zu Themen einer
Gemeinde nicht so wichtig wie Volksbefragun¬
gen zu Bundesthemen?
Die FPÖ geht davon aus, daß wir Dorbirner
mitentscheiden sollen, wofür unsere Steuer¬
gelder verwendet werden. Und zwar nicht im
nachhinein, sondern bevor Tatsachen geschaf¬
fen werden. Unsere Demokratie leidet immer
mehr unter der ausschließlichen Meinungsbil¬
dung von Interessengruppen und Parteien.
Dadurch wird dem Bürger das Gefühl der
Ohnmacht vermittelt.
Was soll der Bürger gegen die ständige Erhö¬
hung der Ausgaben machen?
Wie kann er verhindern, daß den ständig stei¬
genden Ausgaben, ständig steigende Einnah¬
men gegenüberstehen müssen?
Sind denn ständig steigende Einnahmen nicht
ständig steigende Steuern?
Steuern, die aus unseren Taschen kommen?
Und in Zeiten wie diesen zeigt sich, daß die
Quellen der gemeindeeigenen Steuereinnah¬
men immer geringer werden und daher abzu¬
sehen ist, wann die Steuerschraube weiter
angezogen werden muß, um das „Loch“ der
Verschuldung zu verkleinern.
Die sogenannten frei verfügbaren Geldmittel
geben uns Auskunft, mit welchen Beträgen die
Zukunft unserer Stadt beeinflußt werden kann.
Waren es im letzten Haushaltsentwurf noch
116 Millionen, sieht die Rechnung heute so aus: