Freitag, 27. Mai 1983
Bereits 1594 erfahren wir zum erstenmal von diesem Haus, als Graf Kaspar (1573-1640) zur
Vergrößerung des um den Turm angelegten Schloßgartens ein Stück Reben hinter dem Baustadel
und 1618 von der Locherin (Anna Locher aus einem reichen Patriziergeschlechte aus Bregenz),
der Witwe des Emser Vogtes Georg Gross, um „1250 fl ein hölzernes Haus mit Garten, Hofstatt
zu einem Amtshaus erwarb, das in Hinkunft das Vogtshaus sein sollte. Der Kaufvertrag ist von
Landammann Conrad Salzmann gesiegelt. In den folgenden Jahren wurde vom Grafen Kaspal
angeordnet, daß das ganze Gelände mit einer Mauer umfangen werde, Ställe und Torkel erneuert
werden. Der Emsische Vogt hatte auch noch „ein ziemlich gut möbliertes, mit einer Laube und
einem schwarzen Schlitten mit dem Grossischen-Locher'schen Allianzwappen und einem mit
Leder überzogenen und mit dem Emsischen Wappen geschmückten Sessel versehenes Amtshaus
zur Verfügung“.
Hier wohnten also in Zukunft die Emsischen Vögte. Um 1600 war noch Georg Gross Emsischer
Vogt, der die Verwaltung über Rechte und Einkünfte des Grafen wahrnahm. Anschließend versah
dieses Amt Peter v. Riet, der frühere Kammerdiener des Grafen. Nach 36-jähriger Dienstzeit bekam
sein Sohn Antoni v. Riet die Vogtstelle. Die Nachkommen der von Riet heirateten in bäuerliche
Dorbirner Kreise und besaßen nach dem Häuserverzeichnis von 1768 die schönen Bauernhauser
am Kellenbühel 1 und 2 und hatten auch größeren Grundbesitz. Die letzten Vögte waren Felix und
Rudolf Seewald, bis zum Loskauf von Ems. Das waren bis 1772 die Bewohner des Vogtshauses.
Noch vor dieser Ablöse fand am 23. Oktober 1763 eine Lehensausgleichskonferenz statt. Sie wurde
einberufen zur Beilegung eines Besitzstreites, welche Teile des ummauerten Gebietes Österrei¬
chisches Lehen und welche Privatbesitz der Emser seien. Das Ergebnis dieser Konferenz war nicht
mehr wichtig, da 1771 bereits der Loskauf Dornbirns von Ems kam. Die Ratifizierung des Kauf¬
kontraktes über die gräflichen Allodialgefälle zu Dornbirn, Schwarzach und Wolfurt durch Kaiserin
Maria Theresia erfolgte 1774. Danach konnte das Gericht und die Gemeinde Dornbirn diese Guter
versteigern oder verkaufen. Bei dieser Gelegenheit verkaufte der Loskaufammann Johann Kaspar
Bhomberg namens des Gerichtes das emsische Vogts(Amts-)haus samt Stadel, Zehentstadel und
Beben an Säckelmeister Lorenz Rhomberg für 1200 fl. 1778 übernimmt Josef Bartholomäus Rhom¬
berg (geb. 1744) und Antoni (Zachers) das Haus mit Stadel, Garten und Reben für 800 fl. In den
Steuerbüchern erscheint noch 1794 Wuhrmeister Josef Rhomberg und 1807 seine Witwe als Be¬
wohnerin. Ihr Sohn Jüngling Franz Josef Rhomberg (geb. 1784) ist 1808/09 als Wohnungsinhaber
verzeichnet. Er dürfte den Mauerstock mit Portal des alten Hauses als junger Ehemann instand¬
gesetzt haben, was die Jahreszahl im Schlußstein über der Haustüre „F.J.RB.1815“ zeigt, welche
la nicht die Erbauung des Hauses, welches ja bedeutend älter ist, sein kann! Franz Josef, der
1828 als Handelsmann, 1832 und noch 1857 als Wirt im Ratsprotokoll steht, hatte auch eigene
Weingüter, Rhomberg wurde seines vornehmen Gebahrens wegen allgemein „s Gröfle“ genannt
und übertrug den Hausnamen „Gröfles“ auch an seine Nachkommen bis heute. Ein Portrait besitzt
die Weinstube „Zum Verwalter“, denn Gröfles 2. Tochter heiratete Martin Herburger, während
seine älteste Tochter die erste Frau von Franz Martin Hämmerle war, und die dritte den Maschi¬
nenfabrikanten Alfred Rüsch freite. Vielleicht war dies auch ein Grund, daß Franz Martin Hämmerle
1860 dieses Haus erwarb, das ja das Geburtshaus seiner ersten Frau war, welche 1845 starb. Sein
Schwager und Buchhalter Johann von Ratz bewohnte fortan das alte Pfarrhaus.
Und noch einen letzten Bewohner wissen wir, den aus Bozen stammenden Weinhändler Josef
Weiss sen., der das Haus des guten, tiefen Kellers wegen für seinen Wein benötigte. Er pachtete
dazu noch die benachbarten Keller von Herburger, Kirchgasse 3 und Zanzenberggasse, die alle
zweistocktiefe Keller hatten. Josef (Pepe) Weiss ist noch im Pfarrhaus geboren.
In einer Sitzung des Pfarrpfründekomitees 1888 und der Gemeinde konnte mitgeteilt werden, daß
Mitglieder der Familie Hämmerle willens seien, das Wohnhaus Schloßgasse 1 samt Waschkuche
und Garten der neuen Pfarrpfründe gegen einen billigen Kaufpreis von 5500 fl ins Eigentum zu
überantworten. Der Kaufpreis war insofern günstig, als die Familie Hämmerle 5000 fl aus eigenem
zur Zahlung übernahm. So kam das stolze Holzhaus an die Pfarrei Oberdorf, aus dessen netten
Pfarrgärtlein oft Blumen zum Schmuck der Kirche verwendet wurden. Nachdem aber der Pfarrnof
wegen Baufälligkeit einer neuen Pfarrwohnung weichen mußte, wäre zu wünschen, daß von den
neuen Besitzern das schöne alte Rheintalhaus mit dem Kreuzgiebel und den typischen Klebeda¬
chern über beiden Stockwerken stilgerecht hergerichtet werden könnte, um unter möglichster
Verwendung des alten Baukerns zu einer gemütlichen Heimstätte für zwei Familien zu werden.
Dipl. Ing. Rudolf Hämmerle