Die wasserwirtschaftliche Notwendigkeit der ARA
Dornbirn-Schwarzach
Verfasser: OBR Dipl.-Ing. F.Osterkorn
Der Bodensee als Vorfluter für das Land Vorarlberg
Die Gewässerschutzaktivitäten Vorarlbergs sind eng mit
den internationalen Bemühungen um die Reinhaltung des
Bodensees verbunden. Bereits vor 25 Jahren haben die
Anliegerstaaten des Bodensees das „Übereinkommen über
den Schutz des Bodensees gegen Verunreinigung“ unter-
zeichnet.
Sie verpflichten sich darin, auf dem Gebiet des Gewässer¬
schutzes zusammenzuarbeiten, den See vor weiteren Ver-
unreinigungen zu schützen, seine Wasserbeschaffenheit nach
Möglichkeit zu verbessemn und einander geplante Wasser-
nutzungen zeitgerecht mitzuteilen.
Der erste Kommissionsbericht befaßte sich 1961 mit dem
Zustand und der neueren Entwicklung des Bodensees. Dabei
wurde die Ansicht vertreten, daß sich der See in einer
labilen Phase befinde, in der zwar unbestimmbar, aber
möglicherweise überraschend schnell eine entscheidende
Verschlechterung mit unabsehbaren Folgen eintreten könnte.
Das „Umkippen“ war also nicht mehr auszuschließen, wenr
es nicht gelingen sollte, die Zufuhr an Nährstoffen ent¬
scheidend zu vermindern. Umfangreiche limnologische
Untersuchungen haben diese Diagnose bestätigt
Gleichzeitig wurde die Frage gestellt, ob und in welchem
Ausmaß eine in den Hochrhein entwässernde Ringleitung
den Nährstoffeintrag in den See reduzieren könnte. Die
Untersuchungen zeigten, daß unter den gegebenen Ver-
hältnissen am Bodensee die Weiterverfolgung eines Ring¬
kanal-Projektes nicht zweckmäßig war.
Schließlich wurde in eigenen Zuflußuntersuchungen die
ursprüngliche Annahme bestätigt, daß der auf die Abwässer
entfallende Phosphoranteil etwa 2/3 beträgt und eine
günstige Entwicklung im See nur dann möglich erscheint,
wenn die abwasserbedingte Nährstoffzufuhr möglichst rasch
und entscheidend reduziert werden kann.
Auf Grundlage dieser Untersuchungen und Überlegungen
wurde das heute noch maßgebende Konzept für die Rein¬
haltemaßnahmen für den Bodensee entwickelt. Ferner
wurden technische Grundsätze für die Durchführung der
Reinhaltemaßnahmen ausgearbeitet, die dann in den
„Richtlinien für die Reinhaltung des Bodensees“
in der Fassung vom 1.Juni 1967
ihren Niederschlag gefunden haben.
Zu Beginn der 70er Jahre wurde ein gemeinsames Bau¬
und Investitionsprogramm erstellt, aus dem man erseher
kann, wie sich der Anschluß an die zentralen Abwasser¬
reinigungsanlagen zeitlich vollziehen sollte und welche
Investitionen hiefür erforderlich sind.
Das Programm wird periodisch fortgeschrieben und soll
demnächst wieder neu aufgelegt werden.
Die Gewässerschutzmaßnahmen konzentrierten sich in der
ersten Zeit auf das unmittelbare Einzugsgebiet des Sees
und das dicht besiedelte Rheintal, wobei grundsätzlich die
Errichtung von regionalen Abwasserbeseitigungsanlagen
angestrebt wurde. Kommunale Einzelanlagen wurden nur
dort geplant, wo wegen der topographischen Verhältnisse
ein abwassertechnischer Zusammenschluß von Gemeinden
nicht zweckmäßig war.
Die Industrieabwässer sollten nach einer allenfalls erforder-
lichen innerbetrieblichen Vorbehandlung in den regionalen
und kommunalen Anlagen mitbehandelt werden.
Auf der Karte „Kläranlagen und Verbandskanäle in Vorarl-
berg“ ist der heutige Stand der Abwasserbeseitung im
österreichischen Einzugsgebiet des Bodensees dargestellt.
Der Bodensee heute
Wenn nun der Beitrag der ARA Dornbirn-Schwarzach zur
Reinhaltung des Bodensees dargelegt werden soll, so muß
der heutige Zustand und die derzeitige Belastung des Sees
kurz beschrieben werden
Dank der großen Anstrengungen der Bodenseeanlieger um
die Reinhaltung des Sees ist es gelungen, den 1950
beginnenden Anstieg der Phosphorkonzentration im Frei¬
wasser des Sees Mitte der 70er Jahre abzubremensen und
zu stabilisieren.
In den vergangen Jahren hat die Phosphorkonzentration
deutlich abgenommen. Sie beträgt im Frühjahr 1984
während der Monate Februar bis April im Mittel 70 mg
Phosphor/m° (1983: 77 mg P/m3)
Diese Phosphorgehalte sind allerdings immer noch zu
hoch, sie können bei bestimmten Witterungsverhältnissei
eine noch höhere Pflanzenproduktion zulassen, was beim
Bodensee deshalb sehr gefährlich sein könnte, da seine
Tiefenregionen wegen des unregelmäßigen Zirkulationsver-
haltens dann möglicherweise über Jahre nicht oder nur
ungenügend mit Sauerstoff versorgt werden könnten.
Nach den derzeitigen Überlegungen, die auf Ergebnissen
eines Phosphor-Bilanzmodells beruhen, müßte die durch-
schnittliche Phosphorkonzentration im
Freiwasser
mindestens auf 30 mg P/m° gesenkt werden, um eine
Gefährdung des Sees weitestgehend zu beseitigen.