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Full text: Dornbirner Gemeindeblatt 1984 (1984)

Die wasserwirtschaftliche Notwendigkeit der ARA 
Dornbirn-Schwarzach 
Verfasser: OBR Dipl.-Ing. F.Osterkorn 
Der Bodensee als Vorfluter für das Land Vorarlberg 
Die Gewässerschutzaktivitäten Vorarlbergs sind eng mit 
den internationalen Bemühungen um die Reinhaltung des 
Bodensees verbunden. Bereits vor 25 Jahren haben die 
Anliegerstaaten des Bodensees das „Übereinkommen über 
den Schutz des Bodensees gegen Verunreinigung“ unter- 
zeichnet. 
Sie verpflichten sich darin, auf dem Gebiet des Gewässer¬ 
schutzes zusammenzuarbeiten, den See vor weiteren Ver- 
unreinigungen zu schützen, seine Wasserbeschaffenheit nach 
Möglichkeit zu verbessemn und einander geplante Wasser- 
nutzungen zeitgerecht mitzuteilen. 
Der erste Kommissionsbericht befaßte sich 1961 mit dem 
Zustand und der neueren Entwicklung des Bodensees. Dabei 
wurde die Ansicht vertreten, daß sich der See in einer 
labilen Phase befinde, in der zwar unbestimmbar, aber 
möglicherweise überraschend schnell eine entscheidende 
Verschlechterung mit unabsehbaren Folgen eintreten könnte. 
Das „Umkippen“ war also nicht mehr auszuschließen, wenr 
es nicht gelingen sollte, die Zufuhr an Nährstoffen ent¬ 
scheidend zu vermindern. Umfangreiche limnologische 
Untersuchungen haben diese Diagnose bestätigt 
Gleichzeitig wurde die Frage gestellt, ob und in welchem 
Ausmaß eine in den Hochrhein entwässernde Ringleitung 
den Nährstoffeintrag in den See reduzieren könnte. Die 
Untersuchungen zeigten, daß unter den gegebenen Ver- 
hältnissen am Bodensee die Weiterverfolgung eines Ring¬ 
kanal-Projektes nicht zweckmäßig war. 
Schließlich wurde in eigenen Zuflußuntersuchungen die 
ursprüngliche Annahme bestätigt, daß der auf die Abwässer 
entfallende Phosphoranteil etwa 2/3 beträgt und eine 
günstige Entwicklung im See nur dann möglich erscheint, 
wenn die abwasserbedingte Nährstoffzufuhr möglichst rasch 
und entscheidend reduziert werden kann. 
Auf Grundlage dieser Untersuchungen und Überlegungen 
wurde das heute noch maßgebende Konzept für die Rein¬ 
haltemaßnahmen für den Bodensee entwickelt. Ferner 
wurden technische Grundsätze für die Durchführung der 
Reinhaltemaßnahmen ausgearbeitet, die dann in den 
„Richtlinien für die Reinhaltung des Bodensees“ 
in der Fassung vom 1.Juni 1967 
ihren Niederschlag gefunden haben. 
Zu Beginn der 70er Jahre wurde ein gemeinsames Bau¬ 
und Investitionsprogramm erstellt, aus dem man erseher 
kann, wie sich der Anschluß an die zentralen Abwasser¬ 
reinigungsanlagen zeitlich vollziehen sollte und welche 
Investitionen hiefür erforderlich sind. 
Das Programm wird periodisch fortgeschrieben und soll 
demnächst wieder neu aufgelegt werden. 
Die Gewässerschutzmaßnahmen konzentrierten sich in der 
ersten Zeit auf das unmittelbare Einzugsgebiet des Sees 
und das dicht besiedelte Rheintal, wobei grundsätzlich die 
Errichtung von regionalen Abwasserbeseitigungsanlagen 
angestrebt wurde. Kommunale Einzelanlagen wurden nur 
dort geplant, wo wegen der topographischen Verhältnisse 
ein abwassertechnischer Zusammenschluß von Gemeinden 
nicht zweckmäßig war. 
Die Industrieabwässer sollten nach einer allenfalls erforder- 
lichen innerbetrieblichen Vorbehandlung in den regionalen 
und kommunalen Anlagen mitbehandelt werden. 
Auf der Karte „Kläranlagen und Verbandskanäle in Vorarl- 
berg“ ist der heutige Stand der Abwasserbeseitung im 
österreichischen Einzugsgebiet des Bodensees dargestellt. 
Der Bodensee heute 
Wenn nun der Beitrag der ARA Dornbirn-Schwarzach zur 
Reinhaltung des Bodensees dargelegt werden soll, so muß 
der heutige Zustand und die derzeitige Belastung des Sees 
kurz beschrieben werden 
Dank der großen Anstrengungen der Bodenseeanlieger um 
die Reinhaltung des Sees ist es gelungen, den 1950 
beginnenden Anstieg der Phosphorkonzentration im Frei¬ 
wasser des Sees Mitte der 70er Jahre abzubremensen und 
zu stabilisieren. 
In den vergangen Jahren hat die Phosphorkonzentration 
deutlich abgenommen. Sie beträgt im Frühjahr 1984 
während der Monate Februar bis April im Mittel 70 mg 
Phosphor/m° (1983: 77 mg P/m3) 
Diese Phosphorgehalte sind allerdings immer noch zu 
hoch, sie können bei bestimmten Witterungsverhältnissei 
eine noch höhere Pflanzenproduktion zulassen, was beim 
Bodensee deshalb sehr gefährlich sein könnte, da seine 
Tiefenregionen wegen des unregelmäßigen Zirkulationsver- 
haltens dann möglicherweise über Jahre nicht oder nur 
ungenügend mit Sauerstoff versorgt werden könnten. 
Nach den derzeitigen Überlegungen, die auf Ergebnissen 
eines Phosphor-Bilanzmodells beruhen, müßte die durch- 
schnittliche Phosphorkonzentration im 
Freiwasser 
mindestens auf 30 mg P/m° gesenkt werden, um eine 
Gefährdung des Sees weitestgehend zu beseitigen.
	        
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