Der Kauf wurde dann aber doch
perfekt.
Mit
Kaufvertrag vom 3. 4. 1880 erwarben die Söhne des
Firmengründers
Franz
M. Hämmerle
(t 1878),
Otto und
Viktor,
für sich und ihre
minderjährigen
Brüder Theodor und
Guntram,
als nunmehrige
Eigentümer
der Firma F. M.
Hämmerle, von den I. G. Ulmer'schen Erben Franziska
Fußenegger, geb. Ulmer,
und ihrem Gemahl Carl
Fußenegger,
den neu erbauten Betrieb samt
beiliegendem
Stadel.
Die Kaufsumme
von 60.000,—Gulden
—
heute
( 1984) etwa
4,500.000,—öS
—
beinhaltete nicht nur den
Betrieb,
sondern auch eine stattliche Zahl von kultivierten Gründen und Wiesen beim Betrieb links und rechts des
Fischbaches, in
Bündtlitten und in Kehlen. Das ehemals Bohle'sche
Wohnhaus, Kehlerstraße
79, zugleich Bleicherei,
in der Nähe des
Franzosenbrunnens
gelegen, war samt dem
zugehörigen
Hofstattboden ebenfalls in der Kaufsumme enthalten.
Schon vor dem Abschluß des
Kaufvertrages
sicherten sich die Käufer die
Möglichkeit
der
Erweiterung
des Steinebachwasserrechtes.
Sie erhielten noch im
Kaufjahr von der
Bezirkshauptmannschaft
Feldkirch die
Genehmigung,
das Steinebachwasser
bereits in
Bündtlitten, unterhalb der Winder'schen Brücke im
Eulental, zu fassen und
durch eine 940 Meter
lange Druckleitung
der Turbine zuzuleiten. Die maximale
Antriebsleistung stieg
durch die so
gewonnene Gefälleerhöhung
von 24 auf ca. 80—85 PS
(von 17,6
auf ca. 59-—62 K
W).
Nun
begann
im Fischbach eine
mehrjährige
Umbau-und
Modernisierungsphase. Es
erfolgte
die
Übersiedlung
der in
beengten
Verhältnissen im Glöckelehaus Steinebach
untergebrachten Türkischrot-Garnfärberei nach Fischbach. Das Lieblings-,
aber auch
Sorgenkind
Otto Hämmerles
gedieh
unter dem Chemiker und Färbereileiter
Ludwig
Ertl zu einer der
größten
und modernsten Färbereien Österreichs. Ihr
angeschlossen waren eine maschinelle
Garnhasplerei
im
gleichen
Gebäude und eine Trocknerei sowie ein
Dampfkesselhaus.
1884,
im
gleichen Jahr,
in dem zum ersten Mal ein
Eisenbahnzug
durch den
Arlbeyg
fuhr und Anlaß zu einem
abermaligen
Kaiserbesuch in
Vorarlberg war,
lieferte Stirnemann & Co. in Zürich für Fischbach um
4.717,—RM
eine aus
Nürnberg
stammende
Beleuchtungsanlage samt
Gleichstromgenerator und ab Zürich um
490,93
sfrs. eine Transmission hiezu. Hier
handelte es sich
um den ersten
Stromerzeuger
und die erste elektrische
Beleuchtung
bei F. M. Hämmerle und somit in
Dornbirn.
Das erste elektrische Licht in
Vorarlberg,
eines der ersten in der
Donaumonarchie, brannte
angeblich
seit 1882 bei
Jenny
& Schindler in Kennelbach.
Ob die
Beleuchtungsanlage
noch im Dezember 1884 oder
anfangs Jänner
1885 in Betrieb
ging,
ließ sich nicht mehr feststellen.
Jedenfalls
schrieb Otto Hämmerle
am 24.
Jänner
1885 seinem Freund Hornschuch in Forchheim darüber:
„Meinem
vorgestrigen (Brief)
habe ich noch
nachzutragen,
daß die elektrische
Beleuchtung
meiner Rotfärberei brillant
funktioniert,
dieselbe ist von Schuckert
(in Nürnberg)
7
Bogenlampen
å 1000
Kerzen,
eine
Lampe
in der
Beizerei,
eine in
der
Wäscherei, eine in der
Färberei, eine in der
Warenhänge,
eine in der Packerei und zwei in den Hofräumen".
Eine der beiden
Bogenlampen
der Hofräume war
jene,
die
zur
Beleuchtung
des unmittelbar
an den Hofraum
angrenzenden,
firmeneigenen Eisplatzes
diente.
Die Inbetriebnahme dieser
Lampe erfolgte am Fest der Hl. Drei
Könige (6. Jänner)
1885 im Rahmen einer
Festlichkeit,
über die die
Vorarlberger. Landeszeitung folgendes
berichtete:
Dornbirn, 7.
Jänner,
„Es muß das Herz eines
Jeden,
der in diesem von der Natur
so reich
begabten
Ländchen
lebt, erfreuen, wenn inmitten der
Stagnation
des sozialen Zusammenlebens
Bestrebungen
zutage treten,
die unterschiedslos aufs
allgemeine
Beste hinzielen.
Das
gestrige
Eisfest in Dornbirn kann wieder
bezeugen,
wieviel zum
allgemeinen Vergnügen
bei
einiger Opferwilligkeit
und
Entgegenkommen
andererseits
geboten
werden kann.
In wahrhaft munifizierter Weise war der
zugefrorene
Weiher
am Fischbach bei
Dornbirn,
der Hämmerle'schen Rotfärberei
zugehörig,
dem Publikum
zur
Huldigung
des
Eissportes zur
Verfügung gestellt,
und
gestern
fand ein solennes Eisfest in
wahrhaft
großstädtischer Weise daselbst statt.
Schon in den
Nachmittagsstunden begann
sich der
Eisplatz
mit theils
Einheimischen, theils von allen Seiten herbeigeströmten
Schlittschuhläufern
zu füllen und die
Rampe
des Platzes wår von einer mehr als
tausendköpfigen Menge
fröhlicher Zuschauer bedeckt.
Als die
Dämmerung hereinbr@h, wurde die inmitten des Platzes
an hoher
Stange angebrachte
elektrische
Bogenlampe
mit
einer Lichtstärke
von 1000 Kerzen
(
Schuckert
System München) von der in
genannter
Färberei funktionierenden
Dynamomaschine
angespeist, eingeschaltet
und ein Meer von weißem, ruhigem
Lichte badete die
ganze Gegend
in feenhaftem
Glanze. Mehr als 200 buntfarbene
Lampions an der
Rampe
des
Eisplatzes aufgesteckt
und beinahe ebensoviele
an den
Köpfen
vieler
Eissportjünger,
machten den Eindruck
von
unzähligen
Irrlichtern und erhöhten den Effekt außerordentlich.
Dazu
trugen
auch die heiteren
Klänge
der Dornbirner
Musikkapelle
und ein niedliches Feuerwerk sehr viel
bei,
während
die Turner durch buntfarbene
Kostüme,
mancher
sogar
als Dame höchst
strapant kostümiert, zur
allgemeinen
fröhlichen
Stimmung
ein
Superplus geboten
hatten.
Bis
gegen
8 h abends dauerte dieses in
jeder
Weise
gelungene
und
nachahmungswürdige Fest und wird
jeder
Teilnehmer
gewiß
mit
Befriedigung
und Dank für die edlen Autoren desselben erfüllen".
Der
Ertrag
des Eisfestes wurde am
darauffolgenden Sonntag
den Gemeinderäten überlassen und durch diese an die Armen
der vier Viertel
von Dornbirn verteilt.
Zur
gleichen Zeit,
in der der Betrieb Fischbach die erste elektrische
Beleuchtungsanlage erhielt,
lief ein weiteres
Großprojekt
über die
Bühne,
das
Projekt Dampfmaschine.
Wasser und
Antriebskraft,
beides
Grundvoraussetzungen
für die Existenz eines aufstrebenden
Unternehmens, wurden
noch
jahrzehntelang
nicht frei Haus
geliefert,
Sie waren
schlichtweg Mangelware,
oder fehlten
überhaupt,
wie der
elektrische Strom.
Eine
anfangs
sehr
spärliche Stromversorgung
der
Marktgemeinde
Dornbirn
setzte erst nach der Inbetriebnahme des
Elektrizitätswerkes Ebensand 1899 ein. Die öffentliche
Stromversorgung
in
Vorarlberg begann
1901 im Raume Rieden
bei
Bregenz,
für die das 1890 errichtete Elektrizitätswerk der Firma
Jenny
& Schindler in Rieden den Strom lieferte.