DORNBIRNER GEMEINDEBLATT
nem Ressort scheinbar damit
revanchiert, daß
er
dafür alles in der Stadt
planen will, bei diesen
Planungen
erklärt „die
Ermittlung
der
Kosten der
Eigenplanung
ist irrelevant".
Wenn die eine
(Planungs-)Arbeit gemacht wird,
bleibt eben die andere Arbeit
liegen,
also sind
die Kosten nicht irrelevant.
Bei den Schulen
wird, wie dies seit Jahren
üblich
ist, sehr viel Geld investiert. Hier sind
wir der
Meinung,
daß
generell
neue
Konzepte
entwickelt werden
sollten, sowohl was die
Energieplanung anbelangt
mit Wärmerückgewinnung,
Schülerabwärmenutzung etc.
—
aber auch bei der
Gesamtausstattung: Weg
von
der Kunststoffwelt
zu einer
Gestaltung
mit
natürlichen Stoffen und zu mehr
Sorgfalt und
Liebe zum Detail! Eine lieblose Architektur in
der Schule wird auch den Geschmack der
nächsten Generation
prägen.
Eine Gartenzwergarchitektur
wird
Gartenzwerge produzieren.
Ich wiederhole hier
nochmals,
daß ich den
Zubau bei der
Hauptschule
Markt für eine
Fehlplanung
halte. Die Parole heißt hier scheinbar
Schulbus statt Schulbau. Die sozialen
Kosten
wegen längerer Schulwege
und Verkehrsbelastung
werden eben leider nie veranschlagt,
sonst würde manche
Entscheidung
anders lauten.
Kindergärten:
Dem
Budget vermag
ich nicht zu entnehmen,
ob nun die industriestadt Dornbirn
(mit
einem
extrem hohen Anteil an Frauenarbeit in der
Industrie)
einen
Ganztagskindergarten plant.
Wer im
Wege
über die
Eheberatung
etwas Einblick
hat in viele familiäre Verhältnisse wundert
sich,
daß
Dornbirn, aus welchen
ideologischen
oder finanziellen Gründen auch immer,
hier
noch nichts unternommen hat. Denn bei einem
Arbeiter mit einem Monatseinkommen von
S
9.000,—und
z. B. bei zwei Kindern muß die
Frau arbeiten
gehen,
um nicht weit unter das
Existenzminimum zu
geraten.
Jugendherberge:
Für den Fremdenverkehr werden recht ansehnliche
Beträge ausgegeben.
Eine
Jugendherberge
fehlt
jedoch
in Dornbirn,
obwohl
gerade
dies
aufzeigen würde, wie touristenfreundlich
gerade gegenüber
Leuten mit kleinen Brieftaschen
diese Stadt ist. Und der Kostenfaktor
Jugendherberge
ist
erfahrungsgemäß gering.
Ich verweise auf die Städte Feldkirch und
Bregenz.
Zu den
Sportanlagen:
Bei den
Sporthallen
fehlen
mittelfristige
Baukonzepte,
was dazu
führt, daß
(siehe Beispiel
der Messehalle)
immer wieder neu dazu improvisiert
wird. Dies führt zu einer wesentlichen
Verteuerung,
weil
das, was
gerade gebaut
wurde,
wieder
abgebrochen
werden muß.
17. JÄNNER 1986
Kultur:
Der seit Jahren
ausgeschriebene Preis für wissenschaftliche
und künstlerische
Leistungen
in Höhe von S
40.000,—wird, so hoffen
wir,
bald
ergänzt
durch einen
Komponistenpreis
und einen
Dramatikerpreis.
Wenn man berücksichtigt,
wie sehr die Zahl der Musikschüler
zugenommen hat, so wäre es durchaus wünschenswert,
wenn hier ein weiterer
Impuls
zu
nicht nur zu reproduzierender, sondern auch
zu kreativer
Tätigkeit gegeben
wird. Man darf
doch nicht
übersehen, daß für die Abonnementkonzerte
S
450.000,—jährlich
Subvention
gegeben werden, wieviel wird für
Komponisten
gegeben?
Das kulturelle Niveau der Stadt
Dornbirn wird historisch, aber nicht nach der
Zahl der Konzerte und der im Konzertsaal
getragenen
Nerze
beurteilt, sondern nach der
kreativ künstlerischen
Lebendigkeit
einer Stadt.
Bei der bildenden Kunst stellen wir schon
länger
die
Frage: „Was wird
angekauft
und
wer wählt aus?"
Die Literatur ist in Dornbirn offiziell nicht nur
sprachlos,
sondern auch
geldlos.
Für sie
gibt
es keinen
Budgetposten. Gerade im Zusammenhang
mit dem
geplanten
Stadtbuch und
weiteren Kulturinitiativen wäre es kein Schaden,
wenn die
Formulierungen
nicht in Funktionärs-
oder
Beamtendeutsch, sondern von
jenen gemacht werden, die einen
sorgfältigen
Umgang
mit der
Sprache pflegen
oder
pflegen
sollten, eben den Schriftstellern.
Der
Budgetposten „Heimatmuseum" wird
hoffentlich bald zu einem
eigenen
Posten:
„Stadt- und Industriemuseum" weichen und
eine
Einrichtung bringen,
die die
gleiche
Lebendigkeit
entwickelt, we die
Vorarlberger
Naturschau. Wir wollen
ja
nicht mit Alberschwende
konkurrenzieren.
Einer der erfreulichsten
Budgetposten
ist die
Ortsbildpflege.
Ich
glaube,
hier haben wir alle
erkannt, daß Dornbirn einen
sorgfältigen
Umgang
mit seiner
alten,
aber auch mit neuer
Bausubstanz samt Umraum
dringend benötigt.
Zum
Kapitel
Soziales:
Nur zwei Stichworte:
Krisenwohnung: Sie soll doch auch in Dornbirn
kommen.
Bei der
Pflegestation konnten wir noch kein
Konzept feststellen, ob es nun für chronisch
Kranke oder für
Pflegefälle oder für beides und
in wessen
Kompetenz geführt
werden soll. Ein
Sterbeheim für alle alten Leute des Landes
Vorarlberg
sollte es nicht werden, auch wenn
seine
Lage
an der höchst
frequentierten
Straßenkreuzung
der Stadt, durchaus eine
makabre Sterbehilfe bedeuten könnte.
Bei den Straßenbauten hat die Trendwende
noch nicht
begonnen.
Die
Versiegelung
der
Landschaft
geht
weiter. Statt
14,4
Mill. 1985
sind 19 Mill.
Schilling
1986
budgetiert. Die