DORNBIRNER GEMEINDEBLATT
„Herr Bürgermeister,
meine Damen und
Herren.
Das Stadtparlament
hat sich zum ersten Male
in dieser
Legislaturperiode
mit dem Entwurf
eines
Voranschlages
für das kommende Jahr
zu befassen. Wir
begrüßen es,
daß die Beratung
und Beschlußfassung
über den
Voranschlag
nach unserer
mehrfachen
Forderung
nun vor
Beginn
des
Budgetjahres erfolgt,
wir kritisieren
jedoch,
daß ein so wichtiger
Punkt mit einer
Budgetsumme
von 873 Millionen
Schilling
so
nebenbei in einer
Tagesordnung
mit 12
Tagesordnungspunkten
abgehandelt
wird. Ein Voranschlag
ist für uns und die
Bürger
von
Dornbirn die
wichtigste
Richtlinie für die
weitere
Entwicklung
unserer Stadt. Wir bitten
den Herrn
Bürgermeister daher,
daß er in
Zukunft das
Stadtbudget
in einer
eigens
dafür
vorgesehenen Sitzung
behandelt.
373,5
Mill.
Schilling Ausgaben
sind keine
Kleinigkeit
und
können von den Stadtvertretern nicht unter
Zeitdruck beschlossen werden.
1980 hat Dornbirn 563 Millionen
Schilling
ausgegeben.
Schilling
1981 haben wir 682 Millionen
ausgegeben.
1982 haben wir 762 Millionen
Schilling
ausgegeben.
Schilling
1983 haben wir 778 Millionen
ausgegeben.
1984 haben wir 784 Millionen
Schilling
ausgegeben.
1985 haben wir 832 Millionen
Schilling
ausgegeben.
1986 will Dornbirn
873,5
Millionen
SchiUing
ausgegeben.
Jeder
weiß, wo ausgegeben
wird muß auch
etwas
eingenommen
werden. Daß unsere Ausgaben
jeweils
mit den Einnahmen übereinstimmen,
liegt
nur daran,
das
jeweils
soviel
Schulden
gemacht werden, um das Zahlenspiel
auszugleichen.
1980 hat Dornbirn 257
Millionen
Schilling
Schulden
gehabt,
1986 wird
die Stadt 482,5
Millionen
Schilling
Schulden
haben, ohne daß besondere Investitionen
gemacht werden,
da die
großen Bauprojekte,
wie z. B. Krankenhaus und Kulturhaus
ja
abgeschlossen
sind. Herr
Bürgermeister
Sohm
hat in einer seiner
vergangenen Budgetreden
versprochen,
daß ein ausreichendes Investitionsprogramm
in den kommenden Jahren
ohne
Ansteigen
der
Verschuldung möglich
sei.
Wie ist dies mit der nun
ausgewiesenen
Verschuldung
von 482,5
Millionen
Schilling zu
vereinbaren?
Warum können denn die dringend
notwendigen
Kanalisierungsprojekte
für
einige
Stadtbereiche
nicht im
notwendigen
Ausmaß
durchgeführt
werden? Die
Planungsfehler
der
Vergangenheit
machen sich nun immer mehr bemerkbar und
obwohl, wie fast
jedes
Jahr
,
über 27 Millionen
Schilling
für den Neubau von Abwasserkanälen
vorgesehen sind,
ist dieser
Betrag
viel zu
gering,
um die wahren
Abwasserprobleme in
unserer Stadt schnell zu lösen.
17. JÄNNER 1986
Wir wollen anerkennen, daß unser
Bürgermeister
Anstrengungen
unternommen
hat, um
z. B. im Bereich des Stadtbauamtes und der
Verwaltung
der Stadt mehr
Ordnung
zu
schaffen und
begrüßen es,
daß mit dem Zeiterfassungssystem
für die Beamten ein Zustand
geschaffen wurde, wie dieser in der Privatwirtschaft
schon seit
langer
Zeit üblich ist.
Trotzde würden wir uns wünschen,
daß durch
noch besser
geregelte
Amtsstunden der
Bürgerservice
verbessert würde.
Der Service für den
Bürger
könnte auch im
Krankenhaus verbessert werden, wenn z. B.
im Bereich der
Belegärzte
bei den Fächern
Urologie, Orthopädie
und
Augenheilkunde
ähnliche
Lösungen angestrebt würden, wie
diese bereits im Bereich Hals-Nasen-Ohren
realisiert worden sind.
Warum kann man nicht in
jedem
Fach mindestens
zwei
Belegärzte
bei der
gleichen
Bettenanzahl
zur
Verfügung
stellen? Es ist nicht
einzusehen, daß nur ein
Belegarzt
für eine
Abteilung
zur
Verfügung
steht und z. B. in
seiner Abwesenheit Patienten in anderen
Krankenhäusern
operiert
werden müssen.
Da ein
Belegarzt
oft
gar
nicht in der
Lage ist,
die vorhandenen Betten
auszulasten, könnte
durch eine solche
Lösung
die
Bettenbelegsquote
erhöht werden und die Kosten entsprechend
gesenkt
werden. Darüberhinaus
sollten in Dornbirn
chirurgisch-praktizierende
Ärzte in der
Lage sein, jederzeit
ihre aus
Dornbirn stammenden Patienten im Krankenhaus
Dornbirn
operieren
zu können. Was
nützt uns unser schönes
Krankenhaus, wenn
Dornbirner Ärzte ihre Dornbirner Patienten
hier nicht
operieren
können?
Irgend
etwas scheint am Dornbirner Krankenhaus
nicht zu stimmen. Zuerst verschwindet
der
zuständige
Stadtrat von heute auf
morgen
von der
politischen Bildfläche, dann verläßt
uns nach kurzem Wirken der Chefarzt in
Richtung
Feldkirch und der
Rechnungshofbericht,
der dem Herrn
Bürgermeister seit
April
dieses Jahres zur
Verfügung steht, wurde
bis zum
heutigen Tag
trotz mehrfacher Aufforderung
den Fraktionen noch nicht übergeben.
Warum wird hier etwas
verheimlicht,
wenn es nichts zu
verbergen gibt?
Im
Budget
ist für das
Stadtspital
eine
Röntgeneinrichtung
angeführt.
Dafür ist
allerdings
nur
ein
Betrag
von 10.000
Schilling angegeben,
dabei ist
bekannt, daß Dornbirn schon seit
einiger
Zeit mit einer
Computertomographie-Anlage
um 10 MMIionen
Schilling liebäugelt.
Warum ist dieser
Betrag
im
Budget
nicht vorgesehen?
Wie aus
Untersuchungen
bekannt
ist,
ist es aus
Kostengründen und aus Gründen
der
optimalen
medizinischen
Versorgung
der
Dornbirner
Bürger sinnvoll, dieses Gerät im
Krankenhaus Dornbirn anzuschaffen. Warum
wird da noch
gezögert, wenn bei diesem Kauf
eine nicht mehr
benötigte Röntgenanlage um
3,5
Millionen
Schilling an den Lieferanten
zurückgegeben
werden könnte?