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Full text : Dornbirner Gemeindeblatt 1987 (1987)

DORNBIRNER GEMEINDEBLATT

Schulen nicht schon wesentlich früher

begonnen

 wurde.

Organisatorische

Mißstände hätten

schon viel früher

beseitigt

werden können. Die

Probleme waren

lange genug

bekannt.

Soweit unser

allgemeiner Beitrag

zum

Budget

1987."

Stadtvertreter Dr. Günther

Hagen

nimmt

namens der „Offene Bürgerliste

Dornbirn"

(OBL-Fraktion)

zum Voranschlag

1987 wie

folgt

Stellung:

„

Liebe mit Zahlen überhäufte

Mitglieder

der

Dornbirner

Stadtvertretung,

sehr

geehrte

Damen und Herren!

Das Dilemma des Riesendorfes:

Ist es Fortschritt, wenn sich das

Budget

einer

40.000-Einwohner-Stadt allmählich der

Milliardengrenze

nähert? Oder ist es ein Warnsignal,



daß die öffentliche Hand allmählich

zuviel

Aufgaben übertragen bekommt, die sie

dann zu teuer löst? Eine

gewisse Bewunderung

für die Finanzkraft dieser

Stadt, verglichen

mit

anderen Städten, kann die

Skepsis

nicht

zudecken,

daß wir ziemlich viele Blankoschecks

 auf die Zukuft ziehen. Als im letzten

Jahrhundert aus vier Bauerndörfern,

deren

Subsistenzbasis auf zwei Beinen

stand,

nämlich

der Landwirtschaft und der Manufaktur,

allmählich

 ein idustrialisiertes Riesendorf

wurde,

waren die sozialen Kosten der Infrastruktur

noch

gering,

die Ortskerne waren noch dicht

verbaut,

die Industrie

lagerte

an ihren

Energiequellen,



dem Wasser. Die Bautechnologie

in

diesem Jahrhundert

ermöglichte,

daß man auch

auf Schollenboden bauen kann

- damit war

eine der natürlichen Grenzen für die Zersiedelung

 gefallen

und die Stadt

begann

sich wie ein

Brei auf die

ganze umgebende

Grünfläche auszudehnen,

 aber es wurde keine Stadt,

sondern

ein Mammutdorf mit einem

riesigen

Straßennetz

und einer

jetzt nachfolgenden

Kanalisation, die

wir kaum mehr

vermögen.

Dazu kam noch die

Geschichtslosigkeit

der letzten 40 Jahre

(als

Verdrängung)

nach dem vorausgehenden

Trauma mit dem Blut- und

Bodenmythos,

in der

nicht nur die Brücken zur Vergangenheit

und

zu unserem

Selbstverständnis

abgebrochen

wurden, symbolisiert

durch den Abbruch der

beiden

gedeckten

Brücken in der Schmelzhütten

 und in der Achmühle,

sondern es entstand

 auch eine Kulturlosigkeit

und in diesem

Vakuum konnte alles

gebaut

werden, was

tagespolitisch

oder aus sogenannten

Sachzwängen

 opportun

und scheinbar

notwendig

war aber nichts mit Kultur und schon

garnichts

mit Kunst zu tun hatte: Am tiefsten Punkt der

Stadt

steigt

die Flut des

giftigen

Klärschlamms.

Ist Dornbirn noch zu finanzieren? Und wenn

ja,

mit wieviel Milliarden?

In

Folge

der

ungeheuren Ausdehnung

der Stadt

fehlen die

(wahrscheinlich

auch kaum finanzier-16.

 JÄNNER 1987

baren)

öffentlichen Verkehrsmittel,

brauchen

die Familien den

Zweitwagen,

um ihre Kinder

z. B. in den

Kindergarten

oder in die Musikschule

 oder zu sonstigen Veranstaltungen

zu

bringen.

Dazwischen

gibt

es den Schulbus,

den Gott sei Dank der Bund, aber auch wieder

die öffentliche Hand bezahlt, gibt

es

Kosten für

Kindertransporte

in die

Kindergärten, gibt

es

darüberhinaus eine Umweltbelastung

durch

diese

Fahrzeuge

im

inversionsgeplagten

Dornbirn,



die im Herbst die Rheintalbronchitis aufkommen

 läßt. Wer aber

persönlich

einmal den

Erstickungsanfall

eines an Pseudokrupp

erkrankten Kleinkindes erlebt hat,

dem ist

darüber

längst

das Lachen

vergangen.

Sie wissen

genau,

meine Damen und Herren,

daß dies nicht Pessimismus

ist,

sondern

Realität und daß wir die Probleme um so eher

bewältigen je

nüchterner wir mit dieser Realität

umgehen.

Auch wir

wissen,

daß wir die katastrophale

Fehlentscheidung,

wonach

dem,

der viel

Wasser verbraucht, ein

billigerer

Tarif

gegeben

wird,

oder dem der viel Abwasser macht noch

ein Rabatt zuteil

wird,

nicht von heute auf

morgen umkrempeln können,

obwohl wir es

müßten,

weil die Zeitbombe bei Müll und Abwasser

 tickt. Die Tarifänderungen

in diesem

Bereich,

denen auch wir

zugestimmt

haben,

sind noch sehr

zaghaft,

ewe müssen sie in den

nächsten Jahren schneller ändern,

damit

die,

die mit

Energie,

Wasser und Luft verschwenderisch,

 ja

zerstörerisch

umgehen,

stärker zur

Kasse

gebeten

werden. Auch wir wollen keine

Wettbewerbsverzerrungen,

aber wir können es

auf die Dauer nicht zulassen,

daß hier die

Lasten auf die falschen Schultern verteilt

werden. Auch die maßlose Baulandausweitung

muß in den nächsten Jahren

verringert

werden,

weil wir die Kosten der Infrastruktur

gar

nicht

mehr bezahlen können. Es muß wieder mehr

öffentlichen

lebendigen

Raum

geben

und

weniger

durch den PKW-Verkehr verwüstete

Straßen und Plätze. Aber mit der Natur und dem

Lebensraum ist es halt wie mit der Jungfräulichkeit

 im

allgemeinen,

es ist

jeder dafür,

daß man

sie

heiligt

-

im besonderen aber nimmt

jeder

für sich in

Anspruch,

daß er sie zerstören darf.

Wenn Sie mir aber

jetzt vorwerfen,

ich rede ein

Gemeinplätzen,

dann zu den konkreten Fakten

der Gemeinde.

Faktuml.€

Wahrscheinlich ist

jede

Administration lieblos:

Ein

Beispiel:

(Da

kommt nun der Brief hinein,

Amt der Stadt

Dornbirn an die Schuldirektion und Antwort

von

Reinhold

Luger.)

Die Schulen bleiben in ihrer

Gestaltung

unser

Sorgenkind.

Aber damit uns niemand falsch versteht:
            
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