DORNBIRNER
GEMEINDEBLATT
besondere „Feier" auferlegt.
Obwohl die
freiheitliche Fraktion bereits vor 12 Monaten
den Bürgermeister gebeten hat,
auf die
Tagesordnung
der
Budgetsitzung möglichst
keine
anderen Punkte aufzunehmen und er sich
diesem
Anliegen
damals
positiv gegenüber
geäußert hat, hat er trotzdem sein
Versprechen
wiederum nicht realisiert.
Zehn Tagesordnungspunkte
mit
wichtigen
Beschlußfassungen gehören
nicht zusammen
mit der
wichtigsten Beschlußfassung
des
Jahres,
dem
Jahresvoranschlag,
in eine
Sitzung.
Die Generaldebatte zum
Jahresbudget gibt
der
Opposition
die
Möglichkeit,
einen Rückblick
auf das
vergangene Budgetjahr
zu machen
und
gleichzeitig
die von der Stadtregierung
geplanten
Aktivitäten für das kommende Jahr
kritisch zu betrachten. Es besteht kein Zweifel,
daß Dornbirn eine
erfolgreiche
Stadt ist. Nicht
weniger
als fünf Dornbirner Industrie-Unternehmen
mit zusammen über 6000 Mitarbeitern
gehören
1986 zu den 300 umsatzstärksten
Unternehmen Österreichs. Zusammen mit einer
Reihe von Klein- und Mittelbetrieben sind diese
die Quelle, aus welcher die
sogenannte
öffentliche
Hand,
in diesem Falle unsere
Gemeinde,
in die
Lage
versetzt wird,
Geld
auszugeben.
Da dieses Geld zuerst von uns
Dornbirnern erarbeitet werden
mußte,
sollten
wir auch
fragen,
was passiert
mit unserem
Geld?
„Mit
volla Hosa ischt
guot
stinko"
Dieses alte
Sprichwort gilt
auch für unsere
Stadtregierung.
Die
Frage
ist
nur,
ob die 948
Millionen
Schilling
dieses
Budget's richtig
ausgegeben
werden; zum Beispiel,
ob die
Finanzwirtschaft unserer Stadt ähnlich undurchsichtig
gehandhabt wird,
wie dies vom Rechnungshof
beim Krankenhausneubau
aufgedeckt
wurde. Man darf nicht
vergessen,
daß
gerade
im
Rechnungshofbericht
zum Krankenhaus die
Stadtverwaltung
mit
„mangelnder Sparsamkeit"
gerügt
wurde und die Mehrkosten und die
damit verbundenen finanziellen Nachteile in
Millionenhöhe für den Dornbirner Steuerzahler
bei einem
entsprechenden Projektmanagement
weitgehendst
hätten vermieden werden können.
Der Rechnungshof
hielt ebenfalls
fest,
daß es
durch die „mangelhafte Leistungsabgrenzung
zu Doppelvergaben kam,
die der Stadt Dornbirn
finanzielle Nachteile verursachten
Daß die Mehrheitspartei
ihre Fehler mehr oder
weniger
kleinlaut
eingestand,
ist
positiv
zu
vermerken. Daß die Maßnahmen zur
systematischen
Kontrolle, der
Überprüfung
der Kostenentwicklung,
die Kompetenzabgrenzung
bei
Bauvorhaben und die Erstellung
von neuen
detaillierten
Ausschreibungsrichtlinien
erst im
Jahre 1986
ergriffen
wurden,
läßt die
Frage
offen,
wie hat das denn vorher
ausgesehen?
Wie wurde denn mit unserem Geld in der
Vergangenheit gewirtschaftet
und läßt uns
16. JÄNNER 1987
zweifelnd
fragen:
können wir sicher
sein,
daß
hier nicht nur aus dem Vollen
geschöpft
wird -
und können wir
hoffen,
daß in Zukunft die vorhandenen
Geldmittel
optimal
und nur zum
Wohle unserer Stadt
aüsgegeben
werden?
Leider wurde in der Öffentlichkeit nicht bekannt,
wie es um die vom Herrn
Bürgermeister
angekündigten gerichtlichen
Schritte zur Rückforderung
von Architekten,
Planern und
Lieferanten steht.
Wie steht es um:
1.
Rückforderungen von Architektenhonoraren
für zusätzliche
Quadratmeter, die in der
Errichtungsbewilligung
nicht enthalten
sind;
2.
Rücksendungen
und Gutschriften über
Geräte, die
aufgrund
falscher
Bedarfsplanung
nicht
eingesetzt
werden können;
3.
Rückforderungen
wegen geringwertiger
Leistungserfüllung;
4.
Rückforderungen wegen Mehrzahlung;
5.
Rückforderungen
für falsche
Einschätzungen
der Herstellkosten;
6.
Rückforderungen gemäß
den Punkten
6.2. 1. und
14.1.,
die vom Rechnungshof
mit
finanziellem Schaden für die Stadt vermerkt
wurden.
Die freiheitliche Fraktion fordert die restlose
Aufklärung
dieser Punkte und
verlangt,
daß den
Fraktionen
entsprechende
schriftliche
Stellung
nahmen des
Bürgermeisters zugestellt
werden.
Nur Offenheit und Ehrlichkeit können dazu
führen,
daß wir wieder Vertrauen in das Management
unserer Stadt erhalten.
Wenn man sich die Mühe macht und die
Ankündigungen
in der
Budgetrede von 1986
unseres
Bürgermeisters
nachliest und mit dem
heutigen
Stand der
Dinge vergleicht,
wird
klar,
daß es schwer
fällt,
Vertrauen in eine Ankündigungspolitik
zu haben. So heißt es dort zum
Beispiel:
1. „Erfreulich ist die
Tatsache,
daß nach längerem
Warten die
Ampelanlage
bei der
Kreuzung Wieden/Kastenlangen
im
Frühjahr
1986 erstellt werden soll".
Die betroffenen Verkehrsteilnehmer
wissen,
daß
die
Anlage
erst in diesen
Tagen
in Betrieb
ging.
2. steht im
Budget
1986:
„Insgesamt
19 Millionen
Schilling
sind für die
Gemeindestraßen
vorgesehen,
wobei die
Prioritäten bei den
Ablöseverhandlungen
im
Bereich der
zukünftigen Spange liegen,
zumindest
um diese bis zur
Riedgasse
weiterzuführen,
bzw. abzuchließen".
Hier kann man erkennen, daß sich die
Situation zwischen
Eisengasse
und
Riedgasse
im Bereich der
sogenannten Spange
im vergangenen
Jahr nicht
geändert hat.