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Full text : Dornbirner Gemeindeblatt 1988 (1988)

Das

Gemeindeblatt

vor 100

Jahren

Hält man

heute ein Gemeindeblatt aus dem

Jahre

1888 in

den Händen, so ist es sehr unterschiedlich zur

heutigen

Ausgabe,

zählte es doch im Durchschnitt nur 18 Seiten

pro

Woche.

Auch das Format in der Größe war es nur halb so

groß,

wie wir es heute

gewohnt

sind.

Aber,

und da steht es

dem jetzigen

Gemeindeblatt nicht

nach, man fand doch

allerhand Wissenswertes, Interessantes und Neues

darin,

denn an Käufern

mangelte es dem Dornbirner Gemeindeblatt

 nie.

Damals erschien das Gemeindeblatt

jeden Sonntag

morgen



und im Untertitel hieß es

„Organ

für alle

gemeindeamtlichen



Kundmachungen".

Sie bestanden aus Edicten,

Kundmachungen und amtlichen

Anzeigen.

Auf diese

folgten

 „Mittheilungen", die allerlei Wissenswertes aus dem

Gemeindeleben enthielten. Natürlich durften auch die

Anzeigen

nicht

fehlen,

die Geschäfte warben wie heute für

ihre Waren. In der

Apotheke gab

es feinsten alten

Malaga

in

großen

und kleinen Flaschen und frische Mineralwässer

zu kaufen, die Gasthäuser

priesen

ihre Blut- und Leberwürste

 an und Sennereien

versteigerten den Schotten. Auf

der letzten Seite wurden die Fleisch- und

Brotpreise,

sowie der

Telegraphische

Kursbericht von Wien veröffentlicht,



Metzger waren damals acht in

Dornbirn, davon fünf

im Markt und

je

einer im

Hatlerdorf, Oberdorf und

Haselstauden. Bei den Bäckern waren auch wieder fünf im

Markt, zwei im Hatlerdorf und

je

einer im Oberdorf und in

Haselstauden.

In einem kleinen Rückblick sollen nun

einige

der

größeren

und kleineren

Ereignisse

des

Jahres 1888, die auch damals

ihren

Niederschlag im Gemeindeblatt

fanden, angeführt

werden. Die bemerkenswertesten

Ereignisse

fanden in

Zusammenhang mit der damals noch kaiserlich und

königlichen

 Post statt. Am 16.

Jänner

wurde das

hiesige

Vertragspostamt

 in ein Aerarial-Post- und

Telegraphenamt

umgewandelt. Am

Tag

der

Eröffnung waren sämtliche

Häuser

am

Gemeindeplatz beflaggt

und im Oberdorf

Imrden Pöller

abgeschossen. Das alte Schulhaus im Markt

in der

Mozartstraße, das

bisherige Telegraphengebäude,

wurde

später von der

Gemeinde, die es bisher der k k

Postdirektion

unentgeltlich zur

Verfügung gestellt hatte,

verkauft, Auch die Gebrüder

Rhomberg,

die bisher für die

Post

tätig waren,

traten nunmehr vom Postwesen zurück

Das

Postamt hatte von acht Uhr früh bis sechs Uhr abends

ununterbrochen

geöffnet. Das

Telegraphenamt war bis

9

Uhr

abends

geöffnet,

Die

Eröffnung

der k k Postbotenfahrten

Dornbirn-Bregen-Zerwald

 fand am l.

Juni

statt. Um sieben Uhr früh fuhr der

erste k k Postomnibus in den

Bregenzerwald Der

Wagen

war mit Fahnen und Kränzen

dekoriert, ebenso die drei

anderen

an diesem

Tage

verkehrenden

Wagen,

Trotz des

durch

Regen aufgeweichten Bodens

benötigte

der

Wagen
für

die Strecke Dornbirn—Alberschwende eine Stunde

und

zwanzig Minuten,

für die Retourfahrt

fünfzig

Minuten,

Nachmittags versammelten sich an die

fünfzig Festgäste

beim

Marktplatz und

begleiteten den

fahrplanmäßig

abfahrenden, bekränzten

Postwagen

in neun Kutschen,

denen

sich dann in Haselstauden noch vier anschlossen,

Beim

Vorsteher

Luger

in

Haselstauden, dessen Haus in

vollem

Fahnenschmuck

prangte, war ein

Triumphbogen

errichtet, eine zweite

gezierte Inschrift war bei der

Einfahrt in die Wälderstraße. Beim

Anstieg nach Knie

ertönten

Pöllersalven, welche sich in

Ruschen, Winsau und

Alberschwende wiederholten.

Anfangs Jahr

wurde auf den

Marktplatz

Kies

aufgeschüttet.

Für die obere Hälfte des

Marktplatzes wurden 2000

Truhen Kies

benötigt.

Der Kies wurde vom Steinebach

(Bündtlitten) herbeigeschafft. Zuvor konnten

Privatleute,

die an Humus vom Marktplatz

interessiert

waren,

diesen

abholen. Die mußten für zwei Truhen Humus drei Truhen

Kies aufführen.

Auch kulturelle Aktivitäten wurden im Gemeindeblatt

angekündigt.

So führte der Katholische Gesellenverein im

Frühjahr und Herbst ein Theaterstück

auf,

die Marianische

Congregation Lustenau hielt hier eine

Vorstellung

und

eine

Theatergruppe aus

Augsburg war

gleich

mit einem

Zyklus von

Vorstellungen

in Dornbirn zu Cast.

Dies war nur ein kleiner Rückblick auf das Gemeindeblatt

vor 100 Jahren,

im noch vor uns stehenden

Jahr

wird sich

sicher noch manche

Gelegenheit bieten, an dieser Stelle

etwas aus der

Vergangenheit zu berichten,

Werner

MATT, Stadtarchivar

1

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