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Full text: 90 Jahre Landesstelle Vorarlberg. Festbericht der Gewerkschaft der Arbeiter des graphischen und papierverarbeitenden Gewerbes und Jahresbericht 1961

Selbstverständlich mußte einmal ein Anfang gemacht werden. 
Er mußte schon deshalb gemacht werden, weil ein skrupelloses 
Wirtschaftsdenken und -handeln in der damaligen Zeit die bis 
zur völligen Rechtlosigkeit herabgedrückten Werktätigen einfach 
dazu zwang. Dieses liberal-kapitalistische Wirtschaftssystem hatte 
bereits Formen angenommen, die für die werktätigen Menschen 
schon allmählich unerträglich wurden. 
In dieser Zeit also unternahmen einige einsichtsvolle Männer die 
Gründung einer Gemeinschaft in der richtigen Erkenntnis, daß 
nur eine geeinigte Gehilfenschaft die notwendige Kraft auf­ 
bringen kann, um der immer unverschämter wuchernden Aus­ 
beuterei durch eine in dieser Hinsicht sehr geeinte Unternehmer- 
clique ein energisches Halt zu gebieten. 
Unsere Zeit hat in gewerkschaftlicher Beziehung der Vergangen­ 
heit vieles voraus. Die Kräfte, die sich noch vor dreißig Jahren 
in verschiedenen Parteigruppierungen zu ihrem eigenen Nach­ 
teile bekämpften, sind heute unter einem Banner vereinigt und 
die schaffenden Menschen haben erkannt, daß es doch besser 
ist, gemeinsam einer Sache zu dienen, als in verschiedenen 
Gruppen sich gegenseitig zu bekämpfen. Das Streben aller 
dieser Vereinigungen galt doch schließlich demselben Ziele, 
nämlich der sozialen Besserstellung. Diese Zwistigkeiten aber 
zersplitterten nur wertvolle Kräfte und das angestrebte Ziel 
war getrennt doch wesentlich schwerer zu erreichen, als dies 
im gegenwärtigen Zeitraum der Fall ist, wo alle diese Kräfte in 
einem starken Bund vereinigt sind. 
Selbstverständlich brauchte es viele Jahre der Entwicklung und 
nur viele Opfer und bitterste Erfahrungen ließen die Kämpfen­ 
den sehend werden. 
Es soll heute nicht untersucht werden, wer das eine Mal im Recht 
und wer das andere Mal der Klügere war. Der Gegensatz, der 
einst bestand, gehört hoffentlich endgültig der Vergangenheit 
an. Er soll uns Heutigen lediglich eine Warnung sein, nicht 
wieder einmal zu unserem eigenen Nachteil in diesen Fehler 
zurück zu verfallen. 
Wir wollen mit dieser Festschrift auch bewußt keinen Personen­ 
kult betreiben. Das haben früher erschienene Festschriften schon 
bis zum Überdruß besorgt. Jeder der Alten, ob er nun ganz 
vorne oder ganz hinten stand, hat seinen braven Anteil zum 
Gelingen des Ganzen beigetragen. Es ist einem Obmann auch 
nur dann möglich, etwas zu leisten, wenn er eine treue Gefolg­ 
schaft hinter sich hat, die in guten wie in bösen Tagen treu zu 
ihm hält. 
Wir wollen in jedem Kollegen den Menschen mit dem guten 
Willen erkennen, den Menschen, der bereit ist, sich für das 
Gesamtwohl der Kollegenschaft einzusetzen. Es muß auch jeder 8
	        
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