Selbstverständlich mußte einmal ein Anfang gemacht werden.
Er mußte schon deshalb gemacht werden, weil ein skrupelloses
Wirtschaftsdenken und -handeln in der damaligen Zeit die bis
zur völligen Rechtlosigkeit herabgedrückten Werktätigen einfach
dazu zwang. Dieses liberal-kapitalistische Wirtschaftssystem hatte
bereits Formen angenommen, die für die werktätigen Menschen
schon allmählich unerträglich wurden.
In dieser Zeit also unternahmen einige einsichtsvolle Männer die
Gründung einer Gemeinschaft in der richtigen Erkenntnis, daß
nur eine geeinigte Gehilfenschaft die notwendige Kraft auf
bringen kann, um der immer unverschämter wuchernden Aus
beuterei durch eine in dieser Hinsicht sehr geeinte Unternehmer-
clique ein energisches Halt zu gebieten.
Unsere Zeit hat in gewerkschaftlicher Beziehung der Vergangen
heit vieles voraus. Die Kräfte, die sich noch vor dreißig Jahren
in verschiedenen Parteigruppierungen zu ihrem eigenen Nach
teile bekämpften, sind heute unter einem Banner vereinigt und
die schaffenden Menschen haben erkannt, daß es doch besser
ist, gemeinsam einer Sache zu dienen, als in verschiedenen
Gruppen sich gegenseitig zu bekämpfen. Das Streben aller
dieser Vereinigungen galt doch schließlich demselben Ziele,
nämlich der sozialen Besserstellung. Diese Zwistigkeiten aber
zersplitterten nur wertvolle Kräfte und das angestrebte Ziel
war getrennt doch wesentlich schwerer zu erreichen, als dies
im gegenwärtigen Zeitraum der Fall ist, wo alle diese Kräfte in
einem starken Bund vereinigt sind.
Selbstverständlich brauchte es viele Jahre der Entwicklung und
nur viele Opfer und bitterste Erfahrungen ließen die Kämpfen
den sehend werden.
Es soll heute nicht untersucht werden, wer das eine Mal im Recht
und wer das andere Mal der Klügere war. Der Gegensatz, der
einst bestand, gehört hoffentlich endgültig der Vergangenheit
an. Er soll uns Heutigen lediglich eine Warnung sein, nicht
wieder einmal zu unserem eigenen Nachteil in diesen Fehler
zurück zu verfallen.
Wir wollen mit dieser Festschrift auch bewußt keinen Personen
kult betreiben. Das haben früher erschienene Festschriften schon
bis zum Überdruß besorgt. Jeder der Alten, ob er nun ganz
vorne oder ganz hinten stand, hat seinen braven Anteil zum
Gelingen des Ganzen beigetragen. Es ist einem Obmann auch
nur dann möglich, etwas zu leisten, wenn er eine treue Gefolg
schaft hinter sich hat, die in guten wie in bösen Tagen treu zu
ihm hält.
Wir wollen in jedem Kollegen den Menschen mit dem guten
Willen erkennen, den Menschen, der bereit ist, sich für das
Gesamtwohl der Kollegenschaft einzusetzen. Es muß auch jeder 8