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Full text: 90 Jahre Landesstelle Vorarlberg. Festbericht der Gewerkschaft der Arbeiter des graphischen und papierverarbeitenden Gewerbes und Jahresbericht 1961

bereit sein, persönliche, mitunter sehr kleinliche Interessen zu­ 
gunsten der größeren Gemeinschaft zurückzustellen. 
Der Fähigste unter uns soll auf den Kommandostand — und die 
anderen sollen mit ihren jeweiligen Fähigkeiten ohne Vorbehalte 
zu ihm stehen und so der Gemeinschaft dienen zum Wohle aller. 
Mögen alle Schaffenden erkennen, wo ihr Platz in der großen 
Gemeinschaft ist, und sich alle der Bedeutung des Leitmotivs, 
daß Einigkeit stark macht, bewußt werden, dann braucht uns 
um die Zukunft unserer Bewegung nicht bange zu sein. 
Die Vorläufer der Gewerkschaft 
Die Buchdruckergehilfen Österreichs erkannten schon frühzeitig 
den Wert des Zusammenschlusses. Man weiß aus der Geschichte 
der Gewerkschaftsbewegung, daß die Buchdrucker bereits in der 
Zeit des Vormärz zur Elite der Arbeiterschaft zählten und sehr 
starken Anteil an der Gründung der damaligen Unterstützungs­ 
vereine wie auch der Arbeiter-Bildungsvereine hatten. 
Die Jünger Gutenbergs waren schon immer sehr wanderfreudig 
und viele von ihnen walzten durch weite Gebiete unseres Kon­ 
tinents. Die Begegnung auf den Landstraßen wie auch in den 
Herbergen gab reichlich Gelegenheit zu gegenseitiger Aus­ 
sprache und auch zu gegenseitigem Erfahrungsaustausch. In den 
damals noch recht seltenen und meist nur in größeren Städten 
bestehenden Buchdruckereien gab es wohl ab und zu ein kleines 
„Kunden"-Geschenk. Dieses reichte aber meistens kaum für eine 
Nächtigung in einer Herberge und bestenfalls zu einer billigen 
Jause. 
Es war daher verständlich, daß gerade in den Reihen der Buch­ 
druckergehilfen der Wunsch reifte, für ihre auf der „Walze" 
sich befindlichen wie auch für die am Ort erkrankten Kollegen 
irgend eine Vorsorge zu treffen. 
Von den österreichischen Buchdruckern dürften die Innsbrucker 
Kollegen die ersten gewesen sein, die diesen Wunsch zur Tat 
werden ließen, denn sie gründeten schon im Jahre 1826 eine 
Kranken- und Viatikumskasse. 
Die damaligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhält­ 
nisse waren so, daß der Anfang jeder organisatorischen Tätig­ 
keit vornehmlich auf dem Unterstützungsgebiete liegen mußte. 
Auch die Wiener Buchdrucker gründeten im Jahre 1842 einen 
Unterstützungsverein für erkrankte Buchdrucker und Schriftgießer 
und wandelten diesen 1848 in den Gutenberg-Verein um, der 
später auch noch durch einen Invalidenfonds erweitert wurde. 
Dieser Verein wurde 1852 behördlich aufgelöst und sein Ver­ 
mögen beschlagnahmt. 9
	        
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