bereit sein, persönliche, mitunter sehr kleinliche Interessen zu
gunsten der größeren Gemeinschaft zurückzustellen.
Der Fähigste unter uns soll auf den Kommandostand — und die
anderen sollen mit ihren jeweiligen Fähigkeiten ohne Vorbehalte
zu ihm stehen und so der Gemeinschaft dienen zum Wohle aller.
Mögen alle Schaffenden erkennen, wo ihr Platz in der großen
Gemeinschaft ist, und sich alle der Bedeutung des Leitmotivs,
daß Einigkeit stark macht, bewußt werden, dann braucht uns
um die Zukunft unserer Bewegung nicht bange zu sein.
Die Vorläufer der Gewerkschaft
Die Buchdruckergehilfen Österreichs erkannten schon frühzeitig
den Wert des Zusammenschlusses. Man weiß aus der Geschichte
der Gewerkschaftsbewegung, daß die Buchdrucker bereits in der
Zeit des Vormärz zur Elite der Arbeiterschaft zählten und sehr
starken Anteil an der Gründung der damaligen Unterstützungs
vereine wie auch der Arbeiter-Bildungsvereine hatten.
Die Jünger Gutenbergs waren schon immer sehr wanderfreudig
und viele von ihnen walzten durch weite Gebiete unseres Kon
tinents. Die Begegnung auf den Landstraßen wie auch in den
Herbergen gab reichlich Gelegenheit zu gegenseitiger Aus
sprache und auch zu gegenseitigem Erfahrungsaustausch. In den
damals noch recht seltenen und meist nur in größeren Städten
bestehenden Buchdruckereien gab es wohl ab und zu ein kleines
„Kunden"-Geschenk. Dieses reichte aber meistens kaum für eine
Nächtigung in einer Herberge und bestenfalls zu einer billigen
Jause.
Es war daher verständlich, daß gerade in den Reihen der Buch
druckergehilfen der Wunsch reifte, für ihre auf der „Walze"
sich befindlichen wie auch für die am Ort erkrankten Kollegen
irgend eine Vorsorge zu treffen.
Von den österreichischen Buchdruckern dürften die Innsbrucker
Kollegen die ersten gewesen sein, die diesen Wunsch zur Tat
werden ließen, denn sie gründeten schon im Jahre 1826 eine
Kranken- und Viatikumskasse.
Die damaligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhält
nisse waren so, daß der Anfang jeder organisatorischen Tätig
keit vornehmlich auf dem Unterstützungsgebiete liegen mußte.
Auch die Wiener Buchdrucker gründeten im Jahre 1842 einen
Unterstützungsverein für erkrankte Buchdrucker und Schriftgießer
und wandelten diesen 1848 in den Gutenberg-Verein um, der
später auch noch durch einen Invalidenfonds erweitert wurde.
Dieser Verein wurde 1852 behördlich aufgelöst und sein Ver
mögen beschlagnahmt. 9