einem Schlage von zwanzig auf sechs herunter. Der Schachzug
der Unternehmer gegen die organisierten Kollegen erwies sich
allerdings wenig später als eine Fehlspekulation. Die Nicht
organisierten, die an Stelle der Gewerkschafter eingestellt
wurden, waren durchwegs sogenannte „Schuster", die ihre
Stellungen nur ihrer bedingungslosen Unterwürfigkeit ver
dankten. Im Notfall war ja den Unternehmern mit diesen Nieten
vielleicht gedient, auf längere Dauer aber ging ihnen ihre
Milchmädchenrechnung nicht auf.
Es konnte auch ihnen nicht verborgen bleiben, daß die orga
nisierten Kollegen durchwegs die bessere Disziplin und Qualität
aufwiesen. Sehr bald gingen sie wieder daran, diese „Auch
kollegen" gegen organisierte Buchdrucker auszutauschen, und
schon nach wenigen Monaten war die statutenmäßig notwendige
Anzahl von Mitgliedern wieder vorhanden, um die Sektion
neuerdings ins Leben zu rufen.
Am 8. März 1891 fand im Gasthaus „Storchen" in Bregenz eine
Generalversammlung statt, in der wieder ein Ausschuß bestellt
und die Sektion neuerdings zum Leben erweckt wurde. Mit
großem Eifer ging man nun daran, den Verein wieder auf
zubauen. Der gewerkschaftliche Gedanke war nun den Kollegen
schon etwas vertrauter und die Hemmungen, die ja in den
meisten Fällen in einer bereits überlebten und rückständigen
Erziehung wurzelten, waren wesentlich leichter zu überwinden.
Leider ergaben sich auch innerhalb der Gewerkschaft öfter
kleine Rivalitäten. Beleidigte Leberwürste hat es zu allen Zeiten
gegeben und gerade durch sie und durch rechthaberische Ge
sellen wurden manche inneren Krisen heraufbeschworen, die
sowohl das Ansehen als auch die Schlagkraft des Vereines un
günstig beeinflußten.
Schon im darauffolgenden Jahr fand wieder ein Wechsel in
der Sektionsleitung statt. Der neue Obmann rührte wieder
tüchtig die Werbetrommel und im Jahre 1893 zählte die Sektion
bereits wieder 45 Mitglieder. In dieser Zeit kam es in Bregenz
öfter zu tariflichen Konflikten und es mußte einige Male mit der
damals in Übung stehenden Mitgliedersperre gegen Unter
nehmer vorgegangen werden, die sich nicht an die tariflichen
Bestimmungen halten wollten.
Diese unverständliche Haltung ist auch heute noch nicht aus
gestorben. Der Tarif ist eine Abmachung, die sowohl von den
Unternehmern wie auch von den Arbeitnehmern akzeptiert wird,
also auch beide Teile zur Einhaltung der darin niedergelegten
Ordnung verpflichtet. Interessanterweise gibt es aber immer
noch Leute, die in dem fatalen Glauben leben, daß für sie nur
jene Abmachungsklauseln Gültigkeit besitzen, die ihnen Vorteile
bringen, während sie jene Paragraphen, die ihnen unsympa
thische Verpflichtungen auferlegen, ohne besondere Hemmun- 16