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Full text : 90 Jahre Landesstelle Vorarlberg. Festbericht der Gewerkschaft der Arbeiter des graphischen und papierverarbeitenden Gewerbes und Jahresbericht 1961

des Neunstundentages und die Erhöhung des Minimums auf elf
Gulden darstellten.

Die Einführung dieses ersten für ganz Österreich gültigen
Normal-Lohntarifes in Vorarlberg ging, wenn man von einigen
Maßregelungen in Bregenz absieht, ziemlich glatt vonstatten.

Das weitere Auf und Nieder

Von 1896 sind außer den üblichen Versammlungen keine besonderen
 Ereignisse vermeldet.

1897 brachte wieder einen Wechsel in der Sektionsleitung und
die Verlegung derselben nach Dornbirn. Ferner fand eine
erfolgreiche Intervention des Zentralobmannes bei zwei Bregenzer
 Firmen statt.

1898 war ein sehr ruhiges Vereinsjahr. — Teilnahme von zehn
Kollegen am Konstanzer Johannisfest. — Ausschluß von fünf
Mitgliedern wegen unkollegialen Verhaltens.

1899 brachte abermals einen viermaligen Wechsel in der Sektionsleitung.
 Auch wurde diese wieder nach Bregenz verlegt. —
Dieses Jahr brachte wieder eine Tarifrevision mit allen ihren
üblichen Aufregungen. — Der Mitgliederstand am Schluß dieses
Jahres: 22.

Die Scheidung der Geister um 1900

Um die Jahrhundertwende kam es zwischen den Gehilfen
plötzlich zu einem Zwiespalt, der vornehmlich geistiger Natur
war, der aber für sie auf Jahrzehnte hin sehr nachteilige
Folgen hatte.

Die einen verschrieben sich der mächtig aufkommenden sozialdemokratischen
 Partei und der Lehre des Karl Marx, während
die anderen sich zum Teil neutral verhielten und zu einem
anderen Teil der ebenfalls stark in Erscheinung tretenden
christlichsozialen Partei und dem Geiste der von Papst Leo
XIII. verfaßten Enzyklika „Rerum novarum" huldigten.

Für die Verwirklichung der von der Gewerkschaft angestrebten
Ziele war diese Scheidung der Geister von verheerender Wirkung.
 Beide Gewerkschaften, auf der einen Seite der Verband
und auf der anderen Seite der Gutenbergbund (später christlicher
 graphischer Zentralverband), strebten dem gleichen Ziele
zu. Die einen glaubten, daß die Wucht der Gewalt allein zielführend
 sei, während die anderen hofften, daß die Macht des 18
            
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