erschien auch wieder ein Gewerkschaftsblatt „Der Gewerk
schafter". Die Kollegen waren der neuen Gewerkschaft gegen
über sehr mißtrauisch und standen vorerst Gewehr bei Fuß.
Es kostete wieder viel Kleinarbeit, die Kollegen zum Mittun zu
bewegen.
1935: Am 20. Jänner fand die erste Bezirksversammlung der
graphischen Arbeiter im Gasthof „Brändle" in Bregenz statt.
Es wurden Referate zur neuen Organisationsform gehalten und
Kassen- und Situationsberichte über die einzelnen Betriebe er
stattet. Gleichzeitig wurde wieder ein Ausschuß gebildet.
Natürlich nützten einzelne Unternehmer diese Krisenzeit be
schämend aus. Kurzarbeit, Überstundenschinderei bei untarif
licher Entlohnung und sonst empörende Mißstände nahmen
überhand. Nach Neubildung der Gewerkschaft, in der nun alle
ehemaligen Gewerkschafter, gleich welcher Richtung, mitarbei
teten, gelang es ziemlich rasch, die aufgekommenen Übelstände
abzustellen. In diesen Krisenmonaten hatte sich blitzlichtartig die
wahre Gesinnung dieser Philantropen gezeigt. Ein im Herbst
herausgegebener Generalpardon bewirkte eine rapide Zu
nahme der Mitglieder. Auch sehr viele Neubeitritte waren zu
verzeichnen. Ein weiterer Fortschritt war auch die Bestellung
von Vertrauensmännern in allen Betrieben, die mindestens fünf
Arbeiter beschäftigten. Das durch den Wegfall der politischen
Meinungsverschiedenheiten beruhigte Klima innerhalb der
Gewerkschaft bewirkte eine rege und fruchtbringende Zusam
menarbeit.
1936: Am 1. Jänner 1936 wurde für jene Gesellen und Hilfs
arbeiter, die nicht der Gewerkschaft angehörten, eine Gehilfen
umlage eingeführt und damit diese Schmarotzer an den
Errungenschaften der Gewerkschaften auch einmal zu einer
Leistung herangezogen. Diese Verordnung löste natürlich bei
den „Nassauern" große Erregung aus, aber nachdem die orga
nisierten Kollegen diese Maßnahme sehr begrüßten, blieb ihnen
nichts anderes übrig, als eben den Obulus zu leisten. Diese
Maßnahme bewirkte in der Folge beim größten Teile eine gei
stige Einkehr mit dem Resultat, daß sie nun auch der Ge
werkschaft beitraten. Manche Menschen bedürfen eben einer
etwas unsanften Nachhilfe, bis sie darauf kommen, wohin sie
gehören, wo ihr Platz in der großen Gemeinschaft ist. — An den
Pfingsttagen dieses Jahres wurde die 50-Jahr-Feier der Wieder
errichtung der Sektion Vorarlberg mit einer würdigen Feier
begangen. Beim Festabend im ehemaligen „Deutschen Haus",
heute „Gösserbräu", bestritt der Gesangsklub „Typographia
Innsbruck" einen Großteil des Programms. Ein Ausflug auf den
Pfänder mit den Innsbrucker Kollegen bei herrlichstem Wetter
bekräftigte aufs neue die enge freundschaftliche Verbundenheit
mit den Tiroler Kollegen. 26