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Full text: 90 Jahre Landesstelle Vorarlberg. Festbericht der Gewerkschaft der Arbeiter des graphischen und papierverarbeitenden Gewerbes und Jahresbericht 1961

erschien auch wieder ein Gewerkschaftsblatt „Der Gewerk­ 
schafter". Die Kollegen waren der neuen Gewerkschaft gegen­ 
über sehr mißtrauisch und standen vorerst Gewehr bei Fuß. 
Es kostete wieder viel Kleinarbeit, die Kollegen zum Mittun zu 
bewegen. 
1935: Am 20. Jänner fand die erste Bezirksversammlung der 
graphischen Arbeiter im Gasthof „Brändle" in Bregenz statt. 
Es wurden Referate zur neuen Organisationsform gehalten und 
Kassen- und Situationsberichte über die einzelnen Betriebe er­ 
stattet. Gleichzeitig wurde wieder ein Ausschuß gebildet. 
Natürlich nützten einzelne Unternehmer diese Krisenzeit be­ 
schämend aus. Kurzarbeit, Überstundenschinderei bei untarif­ 
licher Entlohnung und sonst empörende Mißstände nahmen 
überhand. Nach Neubildung der Gewerkschaft, in der nun alle 
ehemaligen Gewerkschafter, gleich welcher Richtung, mitarbei­ 
teten, gelang es ziemlich rasch, die aufgekommenen Übelstände 
abzustellen. In diesen Krisenmonaten hatte sich blitzlichtartig die 
wahre Gesinnung dieser Philantropen gezeigt. Ein im Herbst 
herausgegebener Generalpardon bewirkte eine rapide Zu­ 
nahme der Mitglieder. Auch sehr viele Neubeitritte waren zu 
verzeichnen. Ein weiterer Fortschritt war auch die Bestellung 
von Vertrauensmännern in allen Betrieben, die mindestens fünf 
Arbeiter beschäftigten. Das durch den Wegfall der politischen 
Meinungsverschiedenheiten beruhigte Klima innerhalb der 
Gewerkschaft bewirkte eine rege und fruchtbringende Zusam­ 
menarbeit. 
1936: Am 1. Jänner 1936 wurde für jene Gesellen und Hilfs­ 
arbeiter, die nicht der Gewerkschaft angehörten, eine Gehilfen­ 
umlage eingeführt und damit diese Schmarotzer an den 
Errungenschaften der Gewerkschaften auch einmal zu einer 
Leistung herangezogen. Diese Verordnung löste natürlich bei 
den „Nassauern" große Erregung aus, aber nachdem die orga­ 
nisierten Kollegen diese Maßnahme sehr begrüßten, blieb ihnen 
nichts anderes übrig, als eben den Obulus zu leisten. Diese 
Maßnahme bewirkte in der Folge beim größten Teile eine gei­ 
stige Einkehr mit dem Resultat, daß sie nun auch der Ge­ 
werkschaft beitraten. Manche Menschen bedürfen eben einer 
etwas unsanften Nachhilfe, bis sie darauf kommen, wohin sie 
gehören, wo ihr Platz in der großen Gemeinschaft ist. — An den 
Pfingsttagen dieses Jahres wurde die 50-Jahr-Feier der Wieder­ 
errichtung der Sektion Vorarlberg mit einer würdigen Feier 
begangen. Beim Festabend im ehemaligen „Deutschen Haus", 
heute „Gösserbräu", bestritt der Gesangsklub „Typographia 
Innsbruck" einen Großteil des Programms. Ein Ausflug auf den 
Pfänder mit den Innsbrucker Kollegen bei herrlichstem Wetter 
bekräftigte aufs neue die enge freundschaftliche Verbundenheit 
mit den Tiroler Kollegen. 26
	        
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