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Full text: 90 Jahre Landesstelle Vorarlberg. Festbericht der Gewerkschaft der Arbeiter des graphischen und papierverarbeitenden Gewerbes und Jahresbericht 1961

auf der anderen Seite geht man dann her und verlängert sie 
freiwillig selbst. Das ist aber nicht der Sinn der Abmachung. 
Unsere Landesstelle steht nun schon seit vielen Jahren im 
Zeichen starker Abwanderung der Jungkollegen in die Schweiz. 
Dadurch besteht bei uns im Lande anhaltend ein Mangel an 
Fachkräften und dieser wird vielfach mit Überstunden aus­ 
geglichen. — Die Jugendgruppe unternahm eine Exkursion nach 
Stuttgart in die Schriftgießerei Weber. — Mit den Unternehmern 
wurden Zwischenprüfungen für die Lehrlinge vereinbart. 
1958: Auch in diesem Jahr mußte viel gegen die Überstunden­ 
schinderei gepredigt werden. Vielfach werden Anschaffungen 
auf Ratenzahlungen eingegangen und schließlich kommt man 
darauf, daß man sich dabei übernommen hat. Nun werden 
natürlich Überstunden geleistet, obwohl man weiß, daß dies 
nur in Ausnahmefällen gestattet ist. — Vom 15. bis 17. Mai fand 
ein Ausflug ins Südtirol statt, der allerdings sehr unter Schlecht­ 
wetter litt.— Das Restantenunwesen nimmt immer umfangreichere 
Formen an. — Die Interesselosigkeit der Mitglieder lähmt den 
ganzen Vereinsbetrieb. — In Wien wurden sehr zähe Verhand­ 
lungen um die Arbeitszeitverkürzung in den Kartonagebetrieben 
geführt. — In diesem Jahre fanden auch wieder Verhandlungen 
wegen einer Sonderzahlung statt, die aber vorerst ergebnislos 
verliefen. Darauf wurde von der Zentrale die Leistungs­ 
verweigerung von Überstunden angeordnet. In einigen Fällen 
wurde auch passive Resistenz geleistet. Schließlich erklärten 
sich die Unternehmer zu weiteren Verhandlungen bereit und 
bewilligten eine starre Zulage von wöchentlich S 14.- für Fach­ 
arbeiter und S 10.- für Hilfsarbeiter. Das Ergebnis entsprach 
nicht ganz den Erwartungen. Die Anordnung der Überstunden­ 
verweigerung wurde leider nicht in allen Betrieben eingehalten. 
1959: Im Oktober bezogen wir ein eigenes Zimmer in dem neu 
erbauten Gewerkschaftshause in Bregenz. Somit haben wir 
endlich ein eigenes Heim für Sitzungen, Parteienverkehr usw. — 
Das Leben in der Jugendgruppe läßt in der letzten Zeit sehr 
zu wünschen übrig. Das ganze Vereinsleben krankt schon seit 
Jahren an Überalterung der Spitze. Es war schon längst kein 
richtiger Schwung mehr in der Führung dieser Gruppe, man 
verlor sich in Halbheiten und unersprießlichen Debatten über 
Dinge, die keinen interessierten. Lobhymnen auf die geheiligte 
eigene Person waren schon längst nicht mehr gefragt. Auch 
der Mitgliederstand zeigte mit 298 eine auffallend sinkende 
Tendenz. 
1960: Dieses Jahr brachte endlich den längst notwendigen Um­ 
schwung in der Zusammensetzung der Landesleitung. Es sind 
da seit Jahren Mißstände festzustellen, die bei einiger Auf­ 
merksamkeit und entsprechender zeitgerechter Intervention 
unbedingt zu vermeiden gewesen wären. (Beitragsunehrlichkeit, 30
	        
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