Bericht der Geschäftsführung
Da über das Gründungs-Geschäftsjahr 1939 fein veröffentlichter Geschästsbericht vorliegt, erscheint es
angezeigt, diesen Bericht nicht streng über das Kalenderjahr 1940 abzustellen, sondern dort wo dies
zum Verständnis der Entwicklung der Gesellschaft notwendig erscheint, etwas weiter auszuholen. Darüber
hinaus erscheint es zweckmäszig, fallweise auch Ergebnisse, die erst in der ersten Hälfte des Jahres
1941 erzielt wurden, kurz zu erörtern.
1. Gründung und Entwicklung der Gesellschaft
In Vorarlberger Kreisen bestanden wohl schon vor dem Ulmbruche einzelne Siedlungsgenossenschaften,
von denen manche Anerkennenswertes geleistet haben. Den gewaltigen Aufgaben, die mit der Heimkehr
ber Ostmark ins Groszdeutsche Reich auf dem Gebiete des sozialen Wohnungsbaues zur Lösung gestellt
wurden, waren fie jedoch nicht mehr gewachsen. Im Winter 1938/1939 wurden die Möglichkeiten geprüft,
für die Vorarlberger Kreise ein geeignetes Instrument für die Entfaltung einer großzügigen
Siedlungstätigkeit zu schassen. Tie Verhandlungen mit den zuständigen Dienststellen von Partei und
Staat sowie die Fühlungnahme mit der Vorarlberger Industrie führten alsbald zu praktischen Ergebniffen.
Am 27. Februar 1939 wurde die Vorarlberger gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschast
m. b. h. mit einem Stammkapital Von Reichsmark 265.300.— gegründet. An der Aufbringung
dieses Kapitals beteiligten sic als Gesellschafter das Land Vorarlberg mit *M 160.000.— und vierzehn
industrielle Firmen mit zusammen NM 105.300.—. Zum alleinzeichnungsberechtigten Geschäfts-Führer
wurde ber bamatige Leiter der Landesstelle für Raumordnung, Dipl.-Ing. Alois Tschabrun,
ber alte Verhandlungen zur Gründung der Gesellschaft führte, bestellt. Am 20. März 1939 Würbe bie
Firma im Handelsregister des Amtsgerichtes Feldkirch eingetragen.
Durch Erlasz des Wohn- und Siedlungsamtes im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit in Wien
Vom 30. April 1939, 31. 559615/39, mürbe bie Gesellschaft als gemeinnütziges Wohnungsunternehmen
anerkannt. Mit Bescheid Vom 2. Dezember 1940, 30. IV d—1526/6/40, hat her Reichsstatthalter in Tirol
und Vorarlberg diese Anerkennung auf Grund des Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetzes vom 29. Februar
1940 Von amtswegen mit Wirkung vom 27. Februar 1939 ausgesprochen.
In bie Zeit ber sortschreitenden Gründungsarbeiten, auf bie schon ber Kriegsausbruch nicht ohne Einflusz
blieb, fiel ein Ereignis, das für bie sprunghafte weitere Entwicklung ber Gesellschaft von ausschlaggebender
Bedeutung Würbe: „Die Umsiedlung ber Volksdeutschen aus Südtirol." Blitzartig ergab
sic bie Notwendigkeit, in unserem Gau eine grosze Anzahl Von billigen Volkswohnungen in kürzester
Frist zu errichten, um nuferen Volksgenossen aus Südtirol ein neues Heim an neuer Arbeitsstätte zur
Verfügung stellen zu können.
Der Anteil, ber im Rahmen ber Sondermasznahme Südtirol auf bie Gesellschaft entfiel, liesz schon im
Oktober 1939 erkennen, dasz die Gesellschaft auf längere Zeit in Viel stärkerem Ausmasze zur Durch-Führung
des sozialen Wohnungsbaues herangezogen Werbe, als bei ihrer Gründung angenommen
worden War. Eine auszerordentliche Generalversammlung faszte daher schon am 8. November 1939 ben
Beschlusz, das Stammkapital zu erhöhen. Wohl Waren bie Selbstverwaltungskörperschaft Vorarlberg,
bezw. ber Reichsgau Tirol unb Vorarlberg sowie Weitere Kreise aus ber Vorarlberger Wirtschaft bereit,
sich an ber Lösung ber groszen Aufgaben durc Uebernahme von Stammeinlagen zu beteiligen.
Doch nur zu halb zeigte es sich, baß ber Nahmen ber ursprünglichen Gesellschafter überschritten werden
muszte, weil dieser Kreis allein nicht in ber Lage War, auf bie Dauer bie für bie Finanzierung
ber Volkswohnungen erforderlichen lO°/oigen Eigenmittel ber Gesellschaft zur Verfügung stellen zu
können. Dazu kam, dasz ber soziale Wohnungsbau immer mehr Aufgabengebiet ber Deutschen Arbeitefront
Würbe, was zur Folge hatte, dasz auc bie Bereitstellung ber von ben einzelnen Trägergesellschasten
benötigten Eigenmittel vorwiegend Angelegenheit ber DA7 Würbe. Aus biefen Gründen
Würbe daher von ber Durchführung ber ant 8. November 1939 beschlossenen Stammkapitalerhöhung
Abstand genommen, nachdem bie inzwischen mit bem Reichsstatthalter unb ber DAF geführten weite- 3