Die Gemeinden Gaschurn und St. Gallenkirch
kooperieren schon seit langem in unterschied-
lichen Bereichen, so lag es nahe, auch das
Altstoffsammelzentrum im Hochmontafon
gemeinsam umzusetzen. Um eine entspre-
chende Qualität sicherzustellen, wurde ein
Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Mitiska
Wäger Architekten überzeugten mit ihrem
Projekt, das in gekonnter Linienführung die
gesamte Anlage behutsam ins Gelände einfügt.
Sämtliche Funktionen werden zeitgemäß
und kundenorientiert vereint. Das Bauhofteam
ist mit Werkstätten, Maschinen, Fahrzeugen
und dem Loipengerät im hinteren Bereich
untergebracht und im Eingangsbereich das
Altstoffsammelzentrum mit Brückenwaage und
Problemstoffsammlung.
Die kommunale Infrastruktur wird
dadurch mit einem zeitgemäßen Angebot für
Umweltschutz ergänzt. Der Neubau bezieht
sich auf das umliegende bewegte Gelände, die
Uferschutzzone der Ill, einen Hochspannungs-
masten und auf die angrenzende Siedlungs-
Fotonachweis Titel: Ägypten, Hans Steiner / S 02: Land Vorarlberg, Walser; „Aufräumen“ Martina Pfeifer Steiner / S 03 Zeichnung „Ordo, Chao, Coach“ Andrea Maria Dusl / S 05: Lukas Hämmerle / S 07: Hans Steiner / S 08: Martina Pfeifer Steiner /
S 09: Hans Steiner / S 10: L‘architecte revue archive, Pol Abraham / S 11: Martina Pfeifer Steiner, Susanne Stacher / S 12 ASZ Feldkirch Marc Lins; ASZ Hochmontafon Bgm. Martin Netzer MSc Medieninhaber und Herausgeber Amt der Vorarlberger
Landesregierung, Abt. Raumplanung und Baurecht, 6900 Bregenz, www.vorarlberg.at/gemeindeentwicklung Erscheinungsweise viermal jährlich Auflage 7.100 Stück Für den Inhalt verantwortlich Dr. Wilfried Bertsch Projektleitung Heiko Moosbrugger;
heiko.moosbrugger@vorarlberg.at Redaktionsleitung Mag. Martina Pfeifer Steiner; martina.pfeifer@aon.at; www.pfeifersteiner.com / sofern nicht anders angegeben, wurden alle Texte von Martina Pfeifer Steiner verfasst Redaktionsteam Dr. Wilfried
Bertsch, Dr. Sabine Miessgang, Mag. Stefan Obkircher Gestaltung Richard Steiner, Gerhard Wolf, Hard Lektorat Mag. Ulrike Delclos Kneissl Druck Thurnher, Rankweil. Offenlegung gemäß § 52 Mediengesetz ist auf www.vorarlberg.at/gemeindeentwicklung
veröffentlicht. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben ausschließlich die Meinung des Autors wieder, die sich nicht mit der des Herausgebers oder der Redaktion decken muss. Zugunsten der Lesbarkeit wird, wenn von den Autorinnen und Autoren nicht
anders vorgesehen, von geschlechtsspezifischen Endungen abgesehen. Ein kostenloses Abonnement der Zeitschrift vorum kann angefordert werden bei: E-Mail: raumplanung@vorarlberg.at; T +43 (0) 5574/511-27105
Bauherrschaft: Gemeinde Gaschurn
Immobilien Verwaltungs GmbH
Architektur: mitiska.wäger architekten ZT
Wettbewerb: 2011
Bauzeit: 2012-2013
Grundstück: 8.408 m²
Bebaute Fläche: 1.790 m²
Umbauter Raum: 5.335 m³
Konstruktion: Stahlbetonmassivbauweise
Bauherrschaft: Stadt Feldkirch
Architektur: Marte.Marte Architekten ZT GmbH
Bauzeit: 2013-2014
Bebaute Fläche: 2.360 m²
Umbauter Raum: 20.532 m³
Konstruktion: Holzbau
Das Konzept der Marte Marte Architekten für
das Altstoffzentrum der Region Vorderland-Feld-
kirch schafft eine großzügige Lösung. Es sollten
keine verhüttelten Konglomerate von Gebäuden,
Sammelplätzen und Verwaltung werden. Man
legt es rigoros an und überdacht das gesamte
Grundstück, seiner Form folgend: Eine große
Halle, die alle Funktionen einhaust, eine
Wenn schon, dann ordentlich
Altstoffsammelzentren sind Schlüsselstellen. Ernst
gemeint haben es aktuell zwei Kommunen mit ihren
Neubauten, die qualitätvoll, dauerhaft, sinnvoll und
nachhaltig sind.
Alles unter einem Dach
Auch in einem Altstoffsammelzentrum darf man sich wohl fühlen. In Feldkirch bietet die
lichtdurchflutete Halle in Holzkonstruktion Aufenthaltsqualität und Raumerlebnis.
Landschaftsarchitektur
In einer Tourismusgemeinde wie Gaschurn kommen nicht viele Plätze in Frage, um Abfall zu
trennen und entsorgen. Also lässt man die gesamte Anlage in der Hügellandschaft verschwinden.
Kubatur, die jetzt und in Zukunft die
Nutzung flexibel sein lässt. Ganz selbst-
verständlich landet man an der richtigen
Stelle. Wenn das Tor des Altstoffsammel-
zentrums offen ist, wird dies niemand
übersehen, die Wegführung ist klar. In
den appetitlichen, hellen Nischen findet
jeder die richtigen Container, diese sind
von oben her zu füllen. Rund um das
Gebäude, etwas abgesenkt, ist genau eine
Fahrspur breit Platz, um die Großcontai-
ner abzutransportieren. Das bedeutet,
dass die PKWs der Nutzer den großen
LKWs nicht begegnen können. Diese der
Grundstücksgrenze folgende Transport-
schneise integriert sich wieder sehr
selbstverständlich zwischen Halle und dem
massiven, bestehenden Erdwall zum Ardetzen-
berg, der schon früher zum Schutz gegen
Steinschlag errichtet wurde.
Man war sich einig, dass es ein Holzbau
sein sollte. Im Sinne von Umweltbewusstsein
und Nachhaltigkeit wollte die Stadt Feldkirch
den nachwachsenden Rohstoff Holz verwenden
struktur. Die Anlage belegt daher lediglich
den südseitigen Bereich des Grundstücks und
nützt die Hügellandschaft. Im Südosten wird
die sichelförmig anlaufende Böschungskante
aufgenommen und an der äußeren Gebäude-
flucht, Richtung Fluss weitergeführt. Somit
sieht man im Wesentlichen nur die Vordach-
und darüber hinaus die Lärchen (für die gesamte
Fassade) aus dem eigenen Stadtforst des Samina-
tals. Einverstanden war die Bauherrschaft auch
mit der hochwertigen und anspruchsvollen Holz-
konstruktion. Die großen Spannweiten werden
mit kreuzförmigen Gabelstützen, verleimt und in
Stahlfüße eingespannt, gelöst. Das Dach ist exten-
siv begrünt. Die großen runden Lichtpunkte der
Decke lassen die Halle freundlich-hell erschei-
nen. Zwei Schiebetore und die Büros des Verwal-
tungstraktes im Erdgeschoß sind kommunikativ
nach außen zur Kapfstraße gerichtet. Über dem
Verwaltungstrakt gibt es noch Dispositionsfläche,
die zurzeit für Spezialsammelplätze auf einer
offenen Galerie genutzt wird.
zunge als bauliche Erscheinung über dem
Geländehorizont. Lager, Werkstätten und
Garagen werden als Quader platziert und mit
dem U-förmigen Rangierhof sowie dem Flug-
dach zusammengehalten. In direkter Verlänge-
rung der Zufahrtsachse befindet sich das höher
liegende Büro mit adäquatem Überblick. Im
Juryprotokoll wird festgestellt: „Alles in
allem ein rundum überzeugender ganz-
heitlicher Ansatz im Sinne von Natur-
raum, NutzerInnen und Baukultur.“