Bald Steinbruch im Vorderland?
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Mittwoch, 15. Mai 1974
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Mittwoch, 15. Mai 1974
Namenstag
Sophie
Wetterbericht
der Wetterwarte Innsbruck
Großwetterlage: Die
S tör ungszone eines Atlantiktief-
ausläufers hat Mitteleuropa
überquert und dem Nordalpen-
raum vorübergehend Wetterver-
schlechterung gebracht. Kräfti-
ger Luftdruckanstieg im Ge-
folge läßt eine baldige Wieder-
herstellung freundlicher Witte-
rung erwarten.
Vorhersage: Bei abklin-
gender Niederschlagsbereitschaft
fortschreitende Bewölkungsab-
nahme oder Aufheiterung. Früh-
temperaturen zwischen 5 und 10
Grad, Tageshöchstwerte 17 bis
22 Grad.
Höchste bzw. tiefste Tempera-
turen von gestern, 13 Uhr: Salz-
burg 11 Grad, Graz 23 Grad;
Ärztekammer-
Vollversammlung
konstituiert
Dornbirn. —
In der konstituieren-
den Kammervollversammlung der
Ärztekammer für Vorarlberg am ver-
gangenen Freitag, den 10. Mai, in
Dornbirn wurden für die Funktions-
periode 1974-1978 gewählt: Zum
Präsidenten MR Dr. Leopold Bischof,
Gemeindearzt, Götzis; Vizepräsident:
Dr. Alfred Schnauder, Facharzt für
Radiologie, Dornbirn, und als weitere
Spärars
Joki
Manche fühlen
si mit am
klenna Ikomma
nur so glück-
lich, wil si
emsig dra sind,
des Ikomma all
übri ges Europa: Athen 23 Grad,
größer z'macha.
Bonn 12 Grade
Wetterbericht
der Wetter war te Zürich
Allgemeine Lage: Über
Westeuropa hat sich eine Hoch-
druckzelle gebildet. Sie verla-
gert sich nur langsam gegen
Osten und wird das Wetter in
der Schweiz vorübergehend be-
stimmen.
Schönes
Vorhersage:
Wetter, in den Bergen zum Teil
bewölkt. Durchschnittliche Tem-
peraturen 3 bis 22 Grad.
Sonnenaufgang 4.56 Uhr, Son-
nenuntergang 19.58 Uhr; der
Mond geht über sich bis Mitt-
woch, 22. Mai (Tierkreiszeichen:
Fische).
Zitat des Tages
Es liegt in der Natur der Men-
s chen, daß sie nicht über einen
Berg stolpern, wohl aber über
einen Ameisenhügel, Lü Bu-we
Mitglieder des Kammervorstandes:
Dr. Peter Feuerstein, Turnusarzt,
Landesnervenkrankenhaus Valduna,
Rankweil; Dr. Wolfgang Bertolini,
prak t. Arzt, Dornbirn; Dr. Daniel
Metzler, prakt. Arzt, Feldkirch;
Prim. Dr. Josef Riedlinger, Facharzt
für Chirurgie, Bregenz, sowie Dr.
Anton Obwegeser, Facharzt für
Za hn-, Mund- und Kieferkrankhei-
ten, Bludenz.
5 „silberne" Blutspender
Mit 124 Blutspendern konnte die
Gemeinde Tschagguns am ve rgan-
genen Freitag einen neuen Rekord
erreichen (1970 wurden 118 Blut-
beu tel gefüllt). Die Blutbank Bre-
genz war mit diesem Ergebnis sehr
zufrieden. Dank gilt vor allem der
Gemeindeführung mit Bürgermei-
ster Martin Both und Vizebürger-
meister Eduard Bitschnau sowie
Sekretär Otto Bitschnau, Dekan Jo-
sef Ellensohn und Gemeindearzt
Dr. Bernd Tagwercher. Die Ab-
nahme fand in der Schule statt.
Schulwart Alban Steiner gab sich
alle Mühe, beste Abnahmebedin-
gungen zu schaffen.
Unter den Spendern sah man
diesmal besonders viele Frauen.
Auch Urlaubsgäste aus Deutschland
beteiligten sich an dieser Hilfsaktion
für unse re Kranken. Fast geschlos-
sen kam die Feuerwehr Latschau.
Das silberne Blutspenderabzeichen
erhielten: Karl Bahl, Otto Bitschnau,
Frieda Durig, Josef Loretz und
Rankweil (VN) Wie letzthin be-
Friedrich Vonier,
richtet wurd e, stehen derzeit An-
gebote auf Eröffnung eines Stein -
bruches im Vorderland an der über-
saxner Straße zur Debatte. Auf-
grund geologischer Gutachten fin-
den sich beidseits der tYbersaxner
Straße, nämlich im Kärle sowie in
der Langen Rütti und in der Bären-
lache, abbauwürdige Gesteine. Am
Samstag nachmittag wurde nun un-
ter Führung des Obmannes der Bür-
gergemeinschaft Rankweil Hofrat
Dipl.-Ing. Märk eine Begehung des
betreffenden Waldgebietes vorge-
nommen, damit sich die Mitglieder
des Verwaltungsausschusses sowie
des Aufsichtsrates ein anschauliches
Bild von dem Vorhaben machen
können.
Lingenau. — Vergangene Woche
hielt die Vorarlberger Jungbauern-
schaft die Gründungsversammlung
für den Bezi rk Bregenzerwald ab. 60
Mädchen und Burschen waren ge-
kommen, um an der weiteren Ge-
staltung der Organisation mitzuwir-
ken. Als Gäste kon nte Obmann An-
ton Natter im Caf6 „Alpenblick" in
Lingenau Bürgermeister Alfons Fehr
und den Direktor der neuen Fach-
schul e Hohenems, Dipl.-Ing. Fill, be-
grüßen.
In einem Kurzreferat erläuterte
der Obmann die Aufgaben der Vor-
arlberger Jungbauernschaft. Beson-
ders dringend ist eine organisatori-
sche Erfassung der Jungbauern im
Hinterwald. Bei den anschließend
durchgeführten Wa hlen wurde Josef
Schwärzler aus Lingenau zum ersten
Obmann des Bezirkes Bregenzerwald
gewählt. Obmannstellvertreter wurde
Josef P. Nußbaumer, ebenfalls aus
Lingenau. Bregenzerwälder Mäd-
chenreferentin ist nun Annemarie
Kaufmann, Schwarzenberg (Schrift-
führer Helmut Geist, Sulzberg, Kas-
Grundsätzlich würde man nur für
sier Jodok Felder, Andelsbuch).
den Steinbruch an einem Ort ein-
ste hen; zwei Abbaugebiete hält man
nicht für angezeigt. Und in Betracht
käme lediglich das nächst der über-
saxner Straße gelegene Waldgebiet
Lange Rütti. Das geologische Gut-
ac hten würde den Abbau von
Schrattenkalk in einer Stärke von
30-40 m empfehlen, also eines Ge-
steins, das für verschiedene Zwec ke
sehr gesucht ist. Der Bruch würde
bei der ersten großen Kurve ein-
setzen; die Straße selbst soll bei der
Regulierung begradigt und über das
Auffüllgebiet geführt werden.
Nach diesem Waldbegang bega-
ben sich die Ausschüsse über den
Gute-Blons-Weg nach Lorex. Dort
wurde vergangene Woche mit der
Im anschließenden Referat er-
klärte Dir. Fill, der als Vertreter des
Bildungszentrums
Bäuerlichen
sprach, die Organisation und den Be-
trieb der neuen Landwirtschaftsschu-
le Hohenems. Wie Dir. Fill meinte,
sei es eine besondere Aufgabe der
Jungbauernschaft, auf den Un ter-
schied zwischen Fach- und Berufs-
schule hinzuweisen.
In der anschließenden Diskussion
wurde die dreijährige Dauer der
Schule und die daraus für die Eltern
erwachsenden Schwierigkeiten be-
sprochen. Die Notwendigkeit von Be-
triebshelfern wurde hier wiederum
betont.
In besonderen Härtefällen (Wai-
senschaft, Unfälle usw.) müßten zu-
sätzliche Mittel für die betroffenen
Fam ilien zur Verfügung gestellt wer-
den. Dies wird damit begründet, daß
es notwendig wird, eine fremde Ar-
beitskraft einzustellen. Die Meinung,
daß Landwirtschaft heute mehr denn
je ein Fachberuf ist, der gründliches
Wissen voraussetzt, wurde wieder-
Weiterführung eines Waldweges ge-
holt betont.
gen den Spiegelstein zu begonnen.
Rund ein Viertel der 900 m langen
Wegstrecke wurde mittels einer
Raupe abgeschoben. Dieser Weg soll
eine günstigere Durchforstung des
Waldgebietes ermöglichen. Später
könnte noch ein Abzweiger in Rich-
tung Büchelewand vorgetrieben wer-
den, denn gerade in diesem unweg-
samen Waldgebiet würde eine Weg-
erschließung von großem Vorteil
sein.
Dalaas: Tödlicher
Sturz mit Motorrad
Dalaas — Am Montag gegen
13.45 Uhr fuhr Kurt Schipany aus
Lustenau mit se inem Motorrad vom
Arlberg kommend in Richtung Blu-
denz. In Höhe des Kraftwerkes in
Innerbraz überholte er eine Kfz-
Kolonne und wurde dabei von einem
ebenfalls zum überholen ansetzen-
den VW-Bus aus Klösterle abge-
drängt. Dadurch geriet der Motor-
radfahrer ins Schleudern und prallte
gegen einen Randstein und kam
schließlich zu Sturz. Dabei zog sich
der Motorradlenker schwere Ver-
let zungen zu, an denen er im
LIT KII Feldkirch noch am selben
Tage verstorben ist.
Wegen Gewohnheitsdieb-
stahls verhaftet
Bludenz.
Sonntag wurde wegen
Verbrechens des Diebstahles und
unbefugter Inbetriebnahme eines
Mope ds nach Betreten auf frischer
Tat der beschäftigungslose Rein-
hard F. (27 Jahre) aus Schruns ver-
haftet und in das Gefangenenhaus
des LG Feldkirch eingeliefert. Wie
sich im Zuge der Ermittlungen her-
ausstellte, hat F. in der Zeit zwi-
schen 22. April bis 12. Mai d. J. im
Raume Bludenz zwei Mopeds und
ein Fah rrad unbefugt in Betrieb ge-
nommen sowie einen Opferstock-
und einen Kassettenrecorderdieb-
stahl begangen und im Raume Blu-
denz—Muttersberg—Schruns in 10
Wochenendhütten eingebrochen. Er
wird noch weiterer strafbarer Hand-
l ungen verdächtigt, deren Ermitt-
11- 11111181811111110111888225111911181811118281381111111,11118ZIMMUIRIIIIIWIM81121811113•211311 -
lungen noch im Gange sind.
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Jungbauernschaft nun im
regenzerwald organisiert
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In gar nicht so lange zurücklie-
genden Zeiten konnten sich nur
begüterte und reiche Menschen
einen Arzt lei sten. Die Aufnahme
in einem Kra nkenh aus gar war
mit großen finanziellen Opfern
verbunden. Für die große Masse
der Bevölkerung aber, für die
Mittellosen und Armen, bauten
verschiedene geistliche Orden Spi-
täler. Solche, sich vorwiegend mit
Krankenpflege beschäftigende Or-
den haben sich um die Kranken-
behandlung große Verdienste er-
worben. Die kostenlose Behand-
lung in einem solchen Spital war
ein Akt der Gnade, ein Rechtsan-
spruch darauf bestand nicht.
Inzwischen haben sich die Ver-
hältnisse gründlich geändert. Mit
dem Ausbau des Krankenversiche-
rungswesens und der nahezu rest-
losen Erfassung der gesamten Be-
völkerung hat jeder Versicherte
einen rechtlichen Anspruch auf
Krankenhausbehandlung. Natür-
lich muß eine entsprechend
schwere Er kranku ng, die nur im
Krankenhaus behandelt werden
kann, vorliegen. In Österreich,
wie auch in allen anderen Staaten
Europas, mit Ausnahme der Ost-
blockstaaten, sind die Betten eines
Krankenhauses in drei Gebühren-
klassen eingeteilt: Es gibt eine
erste, zweite und dritte Klasse.
Die pflichtversicherten Kassen-
patienten werden auf Kassenko-
sten in der dritten Klasse aufge-
nommen und behandelt. Sind die-
se Kassenpatienten, also die Pa-
tienten der dritten Klasse, schlech-
ter dran als die der zweiten und
ersten Klasse? Darüber bestehen
in der Öffentlichkeit viele falsche
Meinungen.
Soweit es Österreich betrifft,
kann ge sagt werden, daß die me-
tienten der dritten KIasse nach
dizinische Behandlung der Pa-
den modernsten Erkenntnissen
der Medizin und den jeweiligen
Möglichkeiten des Krankenhauses
und seiner Ärzte durchgeführt
wird. Sämtliche zur Behandlung
nötigen Medikamente stehen die-
ser Patientengruppe zur Verfü-
gung. Alle Heilmethoden, ein-
schließlich der kompliziertesten
und teuersten Operationen, wer-
den durchgeführt. Es würde dem
hippokratischen Geist unserer Me-
dizin widersprechen, würden, me-
dizinisch gesehen, die Patienten
der dritten Klasse schlechter be-
handelt werden, als die der „bes-
seren" Klasse.
Worin besteht nun der wirk-
liche Unterschied? In erster Linie
in der Unterbringung. Klassen-
patienten werden in Einzelzim-
mern, zu zweit, oder zu dritt, in
freundlichen Krankenzimmern
behandelt. Die Patienten der drit-
ten Klasse werden in alten Kran-
kenhäusern leider immer noch in
Krankensälen, aber manchmal
auch schon in kleineren Zimmern
untergebracht. Statt des einfachen
Essens in der dritten Klasse gibt
es besseres und abwechslungsrei-
cheres in der zweiten und sogar
Wunschdiät in der ersten Klasse.
Während die Besuchszeiten in der
dritten Klasse genau eingehalten
werden müssen, könn en die Pa-
tienten der Privatstationen auch
außerhalb der Besuchszeiten Be-
sucher empfangen. Für diese Pa-
tienten erfüllen natürlich auch die
Schwestern verschiedene Sonder-
wünsche und Extrawürsteln. Der zu
jeweils gültigen Hausordnung
aber sind auch diese Klassenpa-
Ein Klassenpatient hat An-
tienten unterworfen.
spruch auf täglich mindestens
einen Visitenbesuch durch den lei-
tenden Arzt, Primarius, Dozenten
oder Professor. Auf operativen
Stationen weiß er, von wem er
operiert wird: Vom Chef persön-
lich. Insofern hat er also eine be-
schränkte freie Arztwahl, eine
nahezu völlig freie Arztwahl be-
steht aber lediglich in den soge-
nannten Belegspitälern, von de-
nen es in Österreich sehr wenig
gibt.
Die Patienten der dritten
Klasse werden von den im Kran-
kenhaus angestellten Ärzten be-
handelt. Der Patient hat keine
freie Arztwahl, er kann sich den
Arzt, der ihn operiert, nicht selb st
aussuchen. Diese Entscheidung ob-
liegt dem Chefarzt. Ein gutes
Krankenhaus ist daher interes-
siert, gute Kräfte heranzubilden
und auch der Anstalt zu erhalten.
Dieses Mehr an Annehmlichkei-
ten auf der „Klasse" muß natür-
lich bezahlt werden. Es ist nicht
billig. Wer trotzdem darauf nicht
verzichten will, muß eine Zusatz-
versicherung abschließen, die
dann die Kosten für die höhere
Gebührenklasse übernimmt. Die
Krankenhäuser und die Ärzte
sind natürlich daran interessiert,
möglichst viele Kranke auf den
„Klassenstationen" unterzubrin-
gen. Für die Spitalsärzte, in er-
ster Linie die Chefärzte, stellen
die von den Klassenpatienten be-
zahlten Honorare den größten Teil
ihres Verdienstes dar.
Hier liegt der Keim
gewis-
sen Unzukömmlichkeiten, über die
Patienten wie Ärzte gleidierrna-
dritte
ßen Klage führen: Wer darf die
Klasse, wer soll die höhere
Klasse in Anspruch nehmen? In
der Bundesrepublik Deutschland
wurde erst jüngst wieder Klage
geführt, daß Patienten gezwungen
würden, die zweite Gebühren-
klasse zu benützen. Es soll sogar
in man chen Kliniken vorkommen,
daß Patienten bei der Aufnahme
nach ihren Vermögensverhältnis-
sen und nicht nach ihren Schmer-
zen befragt werden: „Wie hoch ist
Ihr Einkommen, wieviel Hektar
bewirtschaften Sie, welchen
Grundbesitz haben Sie?" Begü-
terte, auch nur scheinbar begüter-
te Patienten, hören dann oft als
Antwort: „Ja, bei diesen Vermö-
gensverhältnissen müssen Sie auf
„Klasse" gehen, die dritte kommt
für Sie nicht in Frage." Im Aus-
land versucht man es auch oft
anders: „Sie wollen doch Ihre
Mutter wieder gesund werden las-
sen", oder gar, „Sie wollen doch
bestens operiert werden?" und
„Sie wollen doch ein gesundes
Kind gebären". Mit solchen unter-
schwelligen Drohungen werden
manchmal Patienten in ihrem Lei-
denszustand förmlich erpreßt.
Wohlgemerkt, nicht in Österreich.
Von Einzelfällen abgesehen,
sind Österreichs Ärzte ihren ärzt-
lichen und sozialen Pflichten ge-
genüber sehr aufgeschlossen.
Trotzdem werden auch bei uns
zwei Meinungen vertreten.
Die einen stehen auf dem
Standpunkt, die dr itte Klasse
müsse den Bedürftigen und so-
zial schwachen Bevölkerungskrei-
sen vorbehalten bleiben. Das De-
fizit, das die Patienten der dritten
Klas'e dem Krankenhaus verur-
ernd aus Steuermitteln ausge-
sachen, muß ja bekanntlich dau-
glichen werden. Wer es sich lei-
sten kann — der Begriff wird
hier sehr weit gespannt — müsse
aber die höhere Klasse benützen.
Es gehe nicht an, daß ein gut
situierter Patient auf Kosten der
Allgemeinheit beim Spitalsaufent-
halt finanzielle Vorteile genieße.
Es widerspreche auch dem Sinn
einer Zusatzversicherung, wenn
ein auf solche Art Versicherter die
dritte Klasse benütze und den
dadurch eingesparten Betrag als
finanziellen Gewinn einstreiche.
Andere wieder sind der Mei-
nung, daß niemand gezwungen
werden kann und darf, auf „Klas-
se" zu gehen. Wer sparen will und
bescheiden ist, soll auch im Kran-
kenhaus nicht zum Gegenteil ge-
zwungen werden. Selbst Millionä-
ren stehe es frei, im Theater die
dritte Galerie zu besuchen und
zum Erwerb einer Eisenbahnfahr-
karte zw eiter Klasse sei auch kein
Mittellosigkeitszeugnis nötig.
Welcher St andpunkt ist nun
der richtige? Im allgemeinen wird
es wohl stets so sein, daß der-
jenige, der es sich leisten kann,
der entsprechend versichert ist,
und vor allem der, der seinen
gewohnten Lebenskomfort nicht
missen will, ohnehi n stets frei-
willig auf „Klasse" gehen wird.
Es gibt aber derzeit keine gesetz-
liche Handhabe, einen Patienten
dazu zu zwingen.
Die hippokratische Medizin —
zu dieser bekennen sich alle wah-
ren und großen Är zte, g leich wel-
chen Ranges — muß jene Rich-
tung vertreten, die dem Patienten
am meisten nützt. Der Arztberuf
ist seinem innersten Wesen nach
ein freier Beruf, mit Recht po-
chen immer wieder die Ärzte auf
diese Freiheit. Der Arzt wird aber
nur so lange frei sein, so lange
auch die Patienten frei sind: Frei
in der Wahl des Arztes ihres
Vertrauens und frei in der 'Wahl
Klassen im Krankenhaus
der Gebührenklasse.
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