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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

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ACHRICHTE 
=N 
Seite 3 Samstag, 18. Mai 1974 
44 
Als zuversichtlicher Meisterkoch 
hofft Australiens Premierminister 
Gough Whitlam, Labourführer, und 
an. 
seit 18 Monaten 
der Macht, daß 
er bei den heutigen Wahlen als Sie- 
ger hervorgehen wird. Sein Sieger- 
menü will er dann selbst zubereiten. 
(Foto: Keystone) 
Deutsch-österreichische 
Uni-Kooperation 
Wien (APA) Die noch im Ausbau 
befindliche Hochschule Linz und die 
geplante Universität in Passau sol- 
len ab dem Jahr 1978 nach den 
Wünschen von Wissenschaftsmini- 
ster Dr. Hertha Firnberg und des 
bayrischen Staa ts min isters für Un- 
terricht- und-Kultus, 
Univ.-Prof. Dr. 
Hans Maier, eng kooperieren. Dies 
erklärten Firnberg und der auslän- 
dische Gast gestern auf einer 
Pressekonferenz. Die Kooperation 
soll sowohl den fachlichen als auch 
den personellen Bereich umfassen. 
Innsbruck: Koalition an 
Universität geplatzt 
Wien (APA) Die nach den Hoch- 
schülerschaftswahlen vom Jänner 
dieses Ja hres an der Innsbrucker 
Universität gebildete Koalition zwi- 
schen der ÖSU (Österreichische Stu- 
denten-Union) und der Gruppe Team 
ist nunmehr geplatzt. Dies geht aus 
einer Pressemitteilung der._ Inns- sorgliche,...Zweitatimme -der 
brucker Hochschülerschaft hervor. 
Als Ursache der Differenzen wird 
'angegeben,-`daß.• 
vorn „Team" die solute:Mehrheit erreicht. Kampagne 
Innsbrucker ÖSU Jinkstendenziösen Bewerber, eiries Machtwechsels nach 
Charakter" habe und außerdem eine 
Aktionseinheit mit dem VSSTÖ 
(Verband Sozialistischer Studenten 
Österreichs) und mit der kommuni- 
stischen Gruppe der Uni Innsbruck 
gebildet habe. Damit sei eine „sach- 
bezogene Zusammenarbeit" mit dem 
„Team" nicht mehr gewährleistet. 
Unmittelbarer Anlaß sei ein Miß- 
trauensvotum der ÖSU gegen den 
Hauptausschßvorsitzenden 	Etzl 
(Team) wegen finanzieller Frag en 
gewesen. 
Rumänische Parlaments- 
delegation bei Kreisky 
(APA) Bundeskanzler Dr. 
Wien 
Kreisky gab gestern in den Festräu- 
men des Bundeskanzleramtes ein 
Mittagessen für die Delegierten der 
großen Nationalversammlung der so- 
zialistischen Republik Rumänien. 
Daran nahmen von österreichischer 
Seite teil: Nationalratspräsident Ben- 
ya, Klubobmann Dr. Koren und die 
Nationalratsabgeordneten Libal und 
Dr. Brösigke. 
Bundeskanzler Dr. Kreisky un- 
terstrich in seinem Trinkspruch die Portugals Demokratie-Gehversuche durch viele Sp litter grup pen behindert 
freundschaftlichen Beziehungen zwi- 
schen Österreich und Rumänien und 
gab der Hoffnung Ausdruck, daß die 
Handelsbeziehungen nach dem Aus- 
bau des Rhein-Main-Donau-Kanals 
Sydney (AP) Mit einem ehrgei- 
noch weiter intensiviert würden. , 
zigen Ziel stellt sich die australi- 
sche Labour-Regierung am kom- 
men den Samstag nach nur 18 Mo- 
naten Amtszeit den Wählern: Sie 
will die Mehrheit in be iden Häusern 
des Parlaments erringen. Den Mei- 
nungsumfragen zufolge wird es 
allerdings ein knappe s Rennen zwi- 
schen der Labour-Party und der vor 
allem aus Liberalen und Land-Par- 
tei bestehenden Opposition geben. 
Die Wahl im November 1970 hatte 
zu folgender Sitzverteilung im Senat 
(60 Sitze) geführt: Labour 26 Man- 
So ergab sich der Anlaß der vor- 
zeitigen Neuwahl aus dem Sys tem. 
Premierminister Whitlam mit dem 
Rückhalt von. 67 der 125 Abgeordne- 
ten im Repräsentantenhaus und einer 
Minderheit von 26 der 60 Sitze im 
Oberhaus mit seiner liberal-konser- 
vativen Herrschaft wurden von die- 
ser bis zum Ende des Haushaltsjah- 
res im Juni noch benötigten Finanzen 
nicht bewilligt. Generalgouverneur 
Sir Paul Hasluck stimmte darauf dem 
Antrag Whitlams zu, das Parlament 
in dieser Zwangslage aufzulösen. 
Abgestimmt wird nun nach einem 
eigenartigen Mehrheitswahlrecht mit 
einer zusätzlichen Eventualstimme. 
Jeder Australier gibt seine Haupt- 
stimme einem Kandidaten, eine vor- 
	aufbe- 
wahrt. Im Wahlkreis • siegreich- ist, 
wer mit den Hauptstimmen die ab- 
Gelingt, 
das 
keinem-- 
so, 
 scheiden- die 
Kandidaten mit den wenigsten Stim- 
men aus. Den anderen werden nun 
die Zweitstimmen angerechnet, bis 
ein Bewerber über der Schwelle der 
absoluten Mehrheit ist. Gewählt 
wurde bisher auf drei Jah re. 
Dem Europäer scheint das Land 
stets sympathisch, sob ald er seine 
aufgeschlossenen Bewohner' kennen- 
lernt, doch betrachten viele Austra- 
lien noch heute nur als einen Ab- 
leger englischer Weltherrschaft. Die- 
ses Bild bedarf einer Korrektur. Der 
fünfte Erdteil war zwar seit 1788 bri- 
tischer Besitz, und diente der Krone 
40 Jahre als Sträflingskolonie. 1830- 
50 begann aber schon die Zeit der 
freiwilligen europäischen Einwan- 
derung, ausgelöst durch Goldfunde. 
Am 9. 7. 1900 wurde das Land 
durch Verfassungsakt zum Common- 
Als die wichtigsten politischen 
Partizipationsgefäße im neuen Portu- 
gal können folgende Gruppen ange- 
sehen werden: 
MRPP (Bewegung zur Erneuerung 
der Partei des Proletariats): Die 
linksextreme Maoistengruppe wurde 
vor vier Jahren gegründet. Sie ist 
lautstarker Hauptfeind der gegen- 
wärtigen Regierungskoalition („We- 
der Spinola noch die Faschisten"), 
rief nach dem Putsch zu einem roten 
1. Mai auf und versucht, durch die 
Organisation von Streiks die Revolu- 
tion weiter nach links zu tragen. 
Trotz ihrer Propaganda dürften ihr 
nur wenige Prozente der Portugiesen 
folgen. 
	Arbeiter-Partei 
Revolutionäre 
(P.R.P.). Die Partei ist aus der 1962 
gegründeten und in Algier seßhaft 
date, Liberal 21, Land-Partei 5, 
gewesenen portugiesischen. Befrei- 
und Unabhängige 3 Mandate. 
Im Dezember 1972 hatte die La- 
bour Party bei der Wahl des Reprä- 
sentantenhauses 67 Sitze errungen, 
gegenüber 38 der Liberalen und 20 
der Land-Partei. Statt bisher 125 
werden am Samstag 127 Abgeord- 
nete gewählt. 
Nunmehr findet zum erstenmal 
seit 1951 wieder gleichzeitig die 
Wahl beider Häuser des Parlaments 
s tatt. Und erstma ls sind die 18- bis 
20jährigen wahlberechtigt. Die Her- 
wealth of Australia, dem Australi- 
schen Bund. In den Weltkriegen un- 
terstützte Australien stets das Mut- 
terland. Später stellte man UN-Trup- 
pen für Korea, von 1965 bis Anfang 
der siebziger Jahre standen austra- 
lische Sol daten als Verbündete der 
USA mit in Vietnam, bis diese Waf- 
fenbrüderschaft aufgekündigt wurd e. 
Von „VN"-Korrespondent 
Wolfgang Richter 
Für die jungen 
Australier ent- 
stand hieraus gleich der Wahlschla- 
ger Nummer 1, den Labour heraus- 
stellte, die bereits vollzogene Ab- 
schaffung der allgemeinen Wehr- 
pflicht. 
-1apptthement, 
e .1 
„- 
ProPaganda• 
sind' allerdings `wirtschaftliche 
gen. Hatte Whitlam noch seine letzte 
	der,, 
NotWendigkeit 
-damals 
23jähriger Herrschaft konservativer 
Koalitionen geführt, so geht es dies- 
mal innenpolitisch um konkrete, um- 
strittene Projekte. Labour will 
Schlüsselindustrien stärker kontrol- 
lieren, eine Behörde für Rohstoffe 
einrichten und den Krankheitsschutz 
sowie das Erziehungswesen reformie- 
ren. Das sprengt Systeme und kostet 
Geld. 
Neben ausgesprochenen Wahlge- 
schenken wie Hilfen für junge Fami- 
lien stehen Dinge an, die weit weni- 
ger populär sind. Dazu zählt die dro- 
hende überfremdung, weshalb Whit- 
lam strikte Kontrollen verspricht, 
wenn Ausländer australische Firmen 
aufkaufen wollen. Das richtet sich in 
ers ter Linie gegen Chinesen, deren 
Einwanderung die Labour-Partei 
zwar aus Arbeitsplatzgründen befür- 
ungsfront hervorgegangen, die wäh- 
rend zehn Jahren das Radiopro- 
gramm „Die Stimme der Freiheit" 
nach Portugal ausgestrahlt hatte. Ihr 
Führer sind der 60jährige Piteira 
Santos und der Poet Manuel Alegre. 
In der Nähe dieser noch wenig pro- 
Von „VN"-Korrespondent 
Werner Herzog, Madrid 
filierten Partei sind auch die Links- 
katholiken unter dem Architekten 
Teotonio Pereira anzusiedeln. 
0 Kommunistische Partei (P.C.P.) 
Die älteste Partei des neuen Portu- 
gals wurde 1921 gegründet. Sie ist 
mit zwei Ministern im neuen Kabi- 
nett vertreten.' Generalsekretär ist 
der aus dem Exil zurückgekehrte Al- 
varo Cunhal. Der KP wird von den 
absetzung des Wah alters gehö rte 
Linksextremisten „Revisionismus" 
zu den Reformen, die die mit gro- 
ßem Elan angetretene Labour Party 
verwirklichte. Die Regierung be- 
mühte sich auch um soziale Verbes - 
serungen, schaffte die Wehrpflicht 
ab und revidierte die Außenpolitik 
in einer Weise, die unter anderem 
zur Aufnahme diplomatischer Be- 
ziehungen zu Peking führte. Andere 
Neuerungen blieben allerdings in 
den Anfängen' stecken, und ganz 
besonders machen der Regierung die 
ständig steigenden Lebenshaltungs- 
kosten zu schaffen. 
wo rtet, die man aus einf luß reichen 
Positionen aber fernhalten will. 
So erklärte die Opposition neben 
der Stabilität die Außenpolitik zum 
Schwerpunkt. Whitlam löste Austra- 
lien aus der Abhängigkeit von den 
USA. Die Liberalen fordern daher 
die Rückkehr zur gemeinsamen' Ver- 
teidigung mit den Vereinigten Staa- 
ten und stellen die Regierung vor die 
Wahl zwischen Washington und Pe- 
king, ohne Kompromiß. 
Für Australien, ein Land mit nur 
13 Millionen erwachsener Einwohner 
auf 7,7 Millionen Quadratkilometern 
im Bundesstaat mit 6 Einzelstaaten 
— ohne die Treuhandgebiete wie Pa- 
pua und Neuguinea — ist die Frage 
lebensWichtig. Sie wird aber rein 
nach pragmatischen Kriterien beant- 
wortet werden. Dem Land fehlt näm- 
lich jede Tradition. Also orientieren 
sich die Bürger meist an anglikani- 
schen Beispielen, die Urbevölkerung 
der Eingeborenen zählt übrigens 
keine 50.000 Menschen mehr. Sie le- 
ben im Busch als Sammler und Jä- 
ger, zu Gruppen von 25 bis 200 Leu- 
ten, mit noch heute vorzeitlichen 
Waffen wie Keule und Speer, ohne 
Zivilisation und auf tieferer Kültur- 
stufe ajs frü 	.47; 
-Entscheidend- 
' für, das --Wahlresul- 
tat dürfte in der internationalen. In- 
flationsinentalität die.; GlaubWriirdig- 
keit 'der Parteien' in ihren WirtSchäft- 
lichen Programmen sein. AuStralien 
lebt von der :Schafzucht, die im Ex- 
port von Wolle ein Drittel des .Welt- 
bedarfs deckt, von der Ausfuhr land- 
wirtschaftlicher Produkte und vorn 
Export der Bodenschätze .Eisen, 
Bauxit, Kohle, Blei, Zink und Gold 
sowie den verarbeiteten Erzeugnissen 
wie Stahl. Haupthandelspartner ist 
Großbritannien, von dem mit sei ner 
wackeligen Labourregierung aber für 
Whitlam nur schwerlich eine positive 
Signalwirkung ausgehen dürfte. Pro- 
gn ose: Wenn die anglikanische und 
protestantische Bürgermehrheit (nur 
1/5 Katholiken) einer Partei im Par- 
lament eine tragfähige Mehrheit gibt, 
um Koalitionen zu verhindern, so 
k önnte sie ihr bei taktischer Wahl als 
Gegengewicht er neut einen oppositio- 
nellen Senat entgegensetzen. 
vorgeworfen. In künftigen Wahlen 
rechnen die gut organisierten Kom- 
munisten, die das Prog ramm der Ar- 
mee unterstützen, mit rund 15 bis 20 
Prozent der Stimmen. 
Sozialistische Partei (PSP): Die 
Schattierungen dieser vor zehn Jah- 
ren gegründeten und 1972 erneuer- 
ten Partei reichen von Linkssoziali- 
sten bis zu den Sozialdemokraten. 
Die PSP erhielt drei Ministerien zu- 
gesprochen. Generalsekretär,' Mario 
portugiesischer- 
Soares ist 
Abgeord- 
neter an die Sozialistische Interna- 
tionale und persönlicher Freund der 
meisten europäischen Führer der So- 
zialdemokraten. Mit täglich rund 200 
neuen Anhängern hat die gemäßigte 
PSP gute Chancen, die mit ihr ver- 
bündete— aber auch rivalisierende — 
KP zu überflügeln. 
Demokratische Wahlkomitees 
(CDE): Die CDE nennt sich auch 
portugiesische demokratische Bewe- 
gung und umspannte ursprünglich 
auch die Sozialisten und Kommuni- 
sten. Diese Komitees waren unter 
Caetano in Wahlzeiten die einzige 
legale Opposition. Heute gehören der 
loee gewordenen Gruppierung vor 
allem „antifaschistische Christen" an. 
Leaders sind der Historiker Jose 
Tengarrinha und der katholische 
Australien 
Wirtschaftsexperte und jetzige Mini- spielen. 	(Funkbild VN/UPI) 
auf einen Blick 
Fläche: Inselkontinent (der ein- 
zige der Erde) mit rund 7,7 
Mill. qkm, Ost-West-Ausdeh- 
nung 4500 km, Nord-Süd-Aus- 
dehnung 3300 km. 
Einwohner: Ca. 13 Mill., davon 
nur mehr 50.000 Ureinwohner, 
Einwanderer kamen großteils 
aus England. 
Sprache: Australian English. 
Religion: 
überwiegend Protestan- 
ten. 
Hauptstadt und wichtige Zentren: 
Canberra 150.000 Ew., Sydney 
2,8 Mill., Melbourne 2,4 
Einwohner. Brisbane 720.000 
mit Vororten 820.000, Adelaide 
810.000, Perth 650.000. 
Staatswesen; Parlamentarischer, 
monarchischer Bundesstaat und 
unabhängiges Mitglied des 
„Commonwealth of Nations". 
Staatsoberhaupt ist die bri ti- 
sche Königin, vertreten durch 
einen ' Generalgouverneur. 
Mehrparteiensy.stern. 2-Kam- 
mer-Parlament mit Repräsen- 
tantenhaus und Senat. Sechs 
autonome Bundesstaaten mit 
eigenem Parlament. 
Geschichte: Schon im 2. Jh. n: 
Chr. Hinweise auf eine Terra 
Australiens. Araber, Indonesier 
und Chinesen im Mittelalter 
an der Nordküste gelandet. 
Portugiesen als erste,Europäer 
(vor' rund 300 Jahren) auf dem 
Inselkontinent. Dann Hollän- 
der und später Engländer. 
Jamies Cook erforschte ,Ostkü- 
ste (1770). 1788 kamen die er- 
sten englischen Strafgefange- 
nen, seit 1814 Name Austra- 
lien statt Neuholland., Gold- 
rausch (1851) brachte viele neue 
:,.Siedler vorallem aus Großbri- 
tannien, • seither starke Ein- 
wanderungstätigkeit. 
Währung: Australischer Do llar 
(mit 100' Cents)::. = ca. 2G bis 
28 Schilling. 	gs. 
ster ohne Portefeuille Prof. Pereira 
da Moura. 
'0 'Völksdeniokraten (PPD)•1 Unter 
der Führung des 40jährigen Advo- 
katen und ehemaligen Abgeordneten 
Sa Carneiro und Magalhaes Mota 
(beide Minister) hat sich die Pa rtei 
nach dem 25. April konstituiert. Be- 
reits sind Splittergruppen aus ihr 
hervorgegangen. Die liberalen Volks- 
demokraten könnten als Zentrums- 
partei in Wahlen eine wichtige Rolle 
spielen. Ihre Tend enz ist mit der 
italienischen Democrazia Cristiana 
vergleichbar. 
0 Föderalisten: Die Föderalisten 
nennen sich „Zentrum-Rechtspartei", 
welche wie Spinola ein „plurikonti- 
nentales Portugal" verteidigen. Zu 
dieser noch wenig bekannten Partei 
gehören liberale Technokraten. In 
dieses Auffanggefäß der Rechten ge- 
hören auch die relativ unbedeutenden 
Monarchisten. 
Es ist klar, daß sich neben den 
Hauptgruppen der Kommunisten, 
Sozialisten • und den Zentrumsdemo- 
kraten die Rechte mit ihrer salazari- 
stischen Vergangenheit noch nicht 
stark zu profilieren wagt. Gelingt 
das demokratische Experiment in 
Portugal und - zieht sich General 
Spinola wie angekündigt nach einem 
Jahr auf einen militärischen Posten 
zurück, könnte in die sem ehemali- 
gen Bollwerk des Faschismus ein de- 
mokratisches Staatsgebilde entstehen, 
das dem italienischen Beispiel nicht 
unähnlich ist. 
Der bisherige zweite Mann in der 
portugiesischen 3111itärjunta, Gene- 
ral Francisco da Costa Gomes, wird 
auch nach der Bestellung der ersten 
Zivilregierung unter General Spino- 
la eine bedeutende Rolle in Portugal 
Der fünfte Kontinent interessiert nicht nur, weil 
er ein Land ist ohne 
Altertum. Er besticht auch durch die Besonderheit seines Regierungssy- 
stems, das eine immerhin relative Stabilität stets garantiert hat. Die or- 
ganisatorischen Grundzüge des politischen Lebens konnten dennoch nicht 
verhindern, daß nun eine vorgezogene Parlamentswahl notwendig wurde. 
11/2 
An der Macht ist die australische Labour-Party erst seit knapp Jah- 
ren. Im Bundesparlament in Canberra mit zwei Häusern, dem Repräsen- 
tantenhaus und dem Senat, stehen ihr aber mit den Liberalen des früher 
sehr beliebten ehemaligen Regierungschefs Holt, der Country Party und 
der Australian Democratic Labour starke Kräfte gegenüber. 
Nach der Einsetzung der Übergangsregierung richtet sich in Portu- 
gal die Aufmerksamkeit der politisch interessierten Schichten auf die Par- 
lamentswahlen. Diese Wahlen sollen bis zum 25. April 1975 stattfinden. 
Unzählige Grüppchen und Gruppen sind in den letzten Wochen aus dem 
plötzlich fruchtbar gewordenen politischen Boden gesprossen und haben 
in Form von Assoziationen, Bewegungen oder Parteien der Junta die ver- 
langten politischen Richtlinien unterbreitet. Der neue Außenminister, Ma- 
rio Soares, nannte die Zahl von 48 solcher Gruppen und forderte in dieser 
Zeit der politischen Morgenröte die vielen Splitterbewegungen auf, sich 
den traditionellen Parteien oder den übergeordneten Neuformationen an- 
e 
zuschließen. 
Y5 
Der 5. Kontinent und seine Besonderheiten wählt beide Volksvertretungen Volksvertretungen
	        
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