Ein blutiges Wochenende gab es sowohl in Nordirland — die Todes-
zahl wurde gestern mit 28 bestätigt — als auch in London, wo in
einem Parkhaus am Flughafen Heathrow am Sonntag eine Auto-
(Funkbilder: VN/UPI)
bombe erheblichen Schaden anrichtete.
Deutscher NaturS`ChütZtSidiikutieri 0'111V/elfprobleihe
I reit
Verlängerter Aufenthalt und intensive Gespräche Dschalluds mit' der Kreml-
Montag, 20. Mai 1974
Führung — Vermutungen über Waffenlieferungen Moskaus an Libyen
ACHMCHTE
Seite 3
Nach blutigem Freitag in Dublin droht nun Arbeitskampf
London, Belfast (Reuter, AP, UPI) Der irische „Autobomben"-Terror
traf am Sonntag auch den Londoner Großflughafen Heathrow. In einem
mehrstöckigen Parkgebäude am „Terminal I" des Flughafens explodier-
ten in dort abgestellten Wagen kurz hintereinander zwei Bomben. Meh-
rere Menschen wurden verletzt. Die Täter waren beinahe mit Sicherheit
irische Extremisten. Kurz vor der Explosion hatte sich bei der britischen
Nachrichtenagentur Press Association ein anonymer Anrufer mit iri-
schem Akzent gemeldet. Der Mann, der ein bei der Polizei bekanntes
Codewort benutzte, teilte mit, es werde „zwischen 11.10 und 11.15 Uhr
in Heathrow eine Bombe hochgehen" und hän gte ab.
Der Londoner Großflughafen
wird Tag und Nacht scharf bewacht,
doch konzentrieren sich die Sicher-
auf
heitsmaßnahmen mögliche
Überfälle auf Flugzeuge und ihre
Passagiere. Jedermann kann dage-
gen mit einem Privatwagen ungehin-
dert und undurchsucht in eine der
drei großen Parkgaragen unmittel-
bar neben den Terminals fahren und
den Wagen dort stehen lassen. Der
Bombenanschlag folgte 48 Stunden
auf die ,,Autobomben" in Dublin
und Monaghan, die 28 Todesopfer
forderten.
Seit Dezember des Vorjahres ha-
ben irische Extremisten in England
Von der Gnade der
Vereinten Nationen abhängig, fri-
sten fast 100.000, in libanesischen
Lagern untergebrachte palästinen-
sische Flüchtlinge ihr kümmerliches
Leben in der Hoffnung, eines Tages
wieder in ein Land zurückkehren
zu können, das sie vor 26 Jahren
verloren. All ein im Libanon gibt es
15 solcher Elendslager, und fast noch
einmal die gleiche Zahl von Flücht-
lingen vegetiert außerhalb der La-
ger in trostlosen Behausungen. Als
Unterkünfte dienen durchwegs nied-
rige Zementbauten mit je einem
Raum oder verwitterte Wellblech-
baracken, wo oft Familie n mit 13
Köpfen leben müssen.
Die langen Reihen der Behau-
sungen werden von ungepflasterten
Wegen durchzogen, die im Winter
im. Morast ertrinken und im Som-
mer ständig unter dichten Staub-
62 Bombenanschläge verübt, bei de-
nen zwölf Menschen getötet und
über 100 verletzt wurden. Der Groß-
teil der Anschläge wurde im Be-
reich Londons verübt.
Nach dem Aufruf des protestanti-
schen Ulster-Arbeiterrats zum Ge-
neralstreik in Nordirland hat die
britische Regierung am Sonntag den
Ausnahmezustand über die Provinz
verhängt. In der Republik Irland
hatte die Regierung am Vortag be-
schlossen, nach den blutigen An-
schlägen von Freitag in Dublin und
Monaghan ihre 340 den Friedens-
truppen der Vereinten Nationen im
Nahen Osten unterstellten Offiziere
Beirut (AP) sation, und geduldig scharen sich
Frauen um die weit auseinander
liegenden Wasserzapfstellen, um
ihre Kanister zu füllen.
Die Flüchtlinge müssen mit Hun-
gerrationen auskommen, die von der
zuständigen UNO-Organisation ver-
teilt werden: 10 kg Mehl, je ein
gutes halbes kg Zucker und Trok-
kenbohnen, ein knappes halbes ,kg
-Reis und runde 380 ccm :Brennöl zum
Kochen pro Kopf und Monat.
Für.' einen:Tageslohn yOn umge- aber auch
rechnet 27 Schilling verd ingen sich
die männlichen Familienmitglieder
als Hilfsarbeiter, um einen zusätz-
lichen Verdienst zu schaffen. Es gibt
keine Spielplätze für die Scharen
von Kindern. Doch immer wieder
trösten sich die Flüchtlinge mit dem
Gedanken, das Lagerleben sei „vor-
übergehend", bis ihre Heimat „be-
freit" ist.
Die älteren Palästinenser leben
in der Vergangenheit, doch ihre er-
wachsenen Kinder, die zornigen,
jungen Männer, die Palästina nie
gesehen haben, sind zu Guerillas in
Kampfanzügen geworden, die meist
mit automatischen Gewehren vom
Typ AK-47 bewaffnet sind. Obwohl
die palästinensischen Guerillaorga-
nisationen alle Flüchtlinge als
„Kämpfer" bezeichnen, wird die
tatsächliche Zahl ihrer bewaffneten
Männer in Libanon auf 14.000 ge-
schätzt.
Im Rahm en eines fünf Jahre
alten Abkommens mit der libanesi-
schen Regierung werden die Lager
von ihnen verwaltet, was verbreite-
te Kritik über „Staaten in einem
Staat" hervorgerufen hat. Obwohl
der Liba non. ihnen mehr Freiheit
als jedes andere arabische Land ge-
stattet, st ehen ihre Beziehungen zur
Regierung in Beirut nicht . zum be-
sten und sind oft gespannt.
Dem Vernehmen nach hat der li-
bys che Ministerpräsident seither
mindestens vier bis fünf Stunden
mit dem Parteichef konferiert. Ob
an diesen Gesprächen auch Minister-
präsident Al exej Kossygin teilnahm,
ist nicht bekannt. Dschallud hält sich
Nordirland lahmzulegen
seit Dienstag in der UdSSR auf und
und Mannschaften nach Irland zu-
rückzuholen, wo sie die Sicherheits-
kräfte des Landes verstärken sollen.
Der Ausnahmezustand erlaubt es
dem britischen Nordirlandminister
Merlyn Rees, bei • allen lebenswich-
tigen Versorgungseinrichtungen Sol-
daten einzusetzen. Ein britischer
Armeesprecher teilte mit, die 15.500
in Nordirland stationierten briti-
schen Soldaten hätten noch keine
Anweisungen erhalten, Elektrizi-
tätswerke oder Docks zu überneh-
men.
Der A rbeite rrat hatte am Sams-
tag zum Generalstreik aufgerufen.
Schon zuvor hatten die Streikenden
in den Elektrizitätswerken der Pro-
vinz die Stromversorgung zum gro-
ßen Teil lahmgelegt. Die Streiks
richten sich gegen die Entscheidung
der nordirischen Provinzversamm-
lung vom vergangenen Dienstag,
dem sogenannten Sunningdale-Ab-
kommen zuzustimmen! Das von Ver-
tretern Großbritanniens, der Repu-
blik Irland und der Provinz Nord-
irland ausgehandelte Abkommen
sieht unter anderem engere Bindun-
gen zwischen der Prov inz und der
Republik sowie die Bildung eines
gesamtirischen Rats vor. Die mili-
tanten Protestanten in Nordirland
befürchten, daß dieses Abkommen
dem Anschluß der Provinz an die
überwiegend von Katholiken be-
w ohnte Republik Irland den Weg
ebnen könnte.
Jeder zehnte Österreicher
behindert
Wien
(ÖVP-PD) — Das Verhalten
der Gesellschaft gegenüber den Be-
Bedeutung;
hinderten und die
die sie
den Rehabilitationsmaßnahmen bei-
mißt, muß als sichtbarer Gradmesser
für das Nive au der humane n Ein-
stellung der Gesellschaft bezeichnet
-werden...Wepm-eine Gesellschaft dem
behinderten .Menschen nicht die nö-
.tige
vQr
AchtLIP',34P.d:
-Lciie_uot-
alleh
wendige pp4p.nd,tupg .zutei,1-..; werden
ein-Zeichen,
läßt, dann ist: dies
daß_
die solidarische Lebenshaltung noch
stark auszubauen ist, betonte der
Bundesobmann der Jungen•ÖVP, Jo-
sef Höchtl, anläßlich eines Experten-
gespräches, das aus Anlaß des 15.
Weltinvalidentages Samstag in Wien
stattgefunden hat.
In den Gesprächen wurde insbe-
sondere darauf hingewiesen, daß die
Behinderten auch in Österreich nicht
eine verschwindende Minderheit dar-
stellen, sondern, daß jedes 12. ös ter-
reichische Kind' körperlich oder gei:-
stig behindert ist, und wenn man alle
in Österreich statistisch betrachtet,
sogar jeder 10. davon betroffen ist.
„House of Lords"
abschaffen?
London (AFP) Einen Gesetzes-
entwurf zur Abschaffung des
Oberhauses will der Labourabge-
ordnete John Lee im kommenden
Monat im Unterhaus einbringen.
Dem Entwurf zufolge sollen alle
Adelstitel unverzüglich abge-
schafft werden.. An die Stelle des
ehrwürdigen „House of Lords"
soll nach Lee ein aus Experten
zusammengesetzter Senat treten..
sollte ursprünglich am Samstag aus
Moskau nach Leningrad weite rrei-
sen.
Informierten arabischen Kreisen
zufolge sollen in Moskau mehrere
libysch-sowjetische Abkommen über
eine Kooperation auf den Gebieten
Berchtesgaden (dpa) Die Sorge um
der Industrie, des Handels sowie
auf des arabischen Ostens."
die Erhaltung der Natur, die von der nachbarten.
Freizeit- und Urlaubswelle, von der
wirtschaftlichen und industriellen
Entwicklung und auch von indivi-
duellen Eingriffen zunehmend be-
droht ist, stand am Wochenende im
Mittelpunkt des deutschen Nat ur-
schutztages 1974 in Berchtesgaden.
Rund 500 Vertreter der Natur-
schutzverbände aus der ganzen Bun-
Der amerikanische
Jerusalem
(AFP)
Außenminister Henry Kissinger
hofft, seine Vermittlungsmission
zwischen Israel und Syr ien für eine
an
Truppentrennung
der Gola n-
Front in der kommenden Woche po-
sitiv abschließen zu können. Dies
verlautete am Sonntag aus der Um-
gebung des Ministers.
Kissinger selbst erklärte vor der
israelischen Presse, daß er mit vier
weiteren Reisen zwischen Jerusalem
und Damaskus rech ne, um die noch
offenen Punkte eines Golan-Abkom-
mens klären zu können.
dem- Erdölsektor unterzeichnet wer-
den.' Voraussichtlich dürfte sich Mös=
kau.zu Waffenlieferungen an Libyen
bereiterklären.
Dschällud, der sich an der Spitze
einer 'Delegation aus rund 35 Mit-
gliedern in Moskau aufhält, will dem
libyschen Rundfunk zufolge versu-
chen, eine „lybisch-sowjetische Al-
lianz zur Eindämmung des ameri-
kanischen Einflusses im Nahen
Osten zu bilden".
Die Nachrichtenagentur TASS
ging am Samstag indirekt auf die-
ses Thema ein, als sie die libysche
Zeikung „Al Fair äl Jadied" mit dem
Satz zitierte: „Diese Gespräche öff-
nen ein neues Kapitel in den Bezie-
hungen der UdSSR mit den Ländern
desrepublik,
aus dem be-
Österreich, diskutierten
zwei Tage über die aktuellen Pro-
bleme von Natur und Umwelt und
ihrer Gefährdung.
Bei einer Podiumsdiskussion am
Sonntag kritisierte Professor König,
Wien, in Vertretung des Nobelpreis-
trägers Prof. Konrad Lo renz die na-
turbedrohende Überproduktion und
den Überkonsum unserer heutigen
wolken liegen. Es gibt keine Kanali- Gesellschaft.
Der US-Außenminister führte am
Sonntag in Jerusalem weitere Ge-
spräche mit der amtierenden Mini-
sterpräsidentin Meir und Außen-
minister Eban. Das israelische Ka-
binett hatte zuvor den Stand der
Verhandlungen mit Syrien erörtert.
Am Montag wird Kissinger nach
Damaskus zurückkehren, wo er am
Samstag in einer vierstündigen Ge-
sprächsrunde mit dem syrischen Prä-
sidenten Assad entscheidende Fort-
schritte erzielt hatte.
Aufgrund der Verlängerung sei-
ner bereits dreiwöchigen Nahostmis-
sion um eine weitere Woche wird
Kissinger nicht an der Tagung des
Cento-Paktes teilnehmen, die am
Dienstag in Washington beginnt.
Neuer PEN-Club-Pr äsident
Ochrid (Jugoslawien), (dpa) Der
PEN-Club hat am Sonntag als Nach-
folg er des westdeutschen Nobelpreis-
trägers Heinrich Böll den britischen
Romanschriftsteller und langjähri-
gen Literaturkritiker der sozialisti-
schen Wochenzeitung „New States-
man", ' Victor Pritchett, zum neuen
Präsidenten der internationalen
Schriftstellervereinigung gewählt.
ALS! SUISSE,
die bekannte SchweizerUhr
Auf einer Konferenz am Ochrid-See
in Mazedonien erhielt der 74 Jahre
alte Pritchett 29 von 44 Stimmen
nationaler PEN-Zentren bei einer
Enthaltung. Als Gegenkandidat un-
terlag der 40jährige Schwede Per
Wästberg, Romanschriftsteller und
Afrika-Experte der sozialdemokrati-
UNO-Generalsekretär Kurt Wald-
schen Regierung in Stockholm.
heim wird am 6. Juni im Rahmen
einer Reise durch den Nahen Osten
für drei Tage nach Ägypten kom-
men.
Der Gewerkschaftstag der Ge-
werkschaft Druck und Papier wurde
am Samstag mit den Neuwahlen ab-
geschlossen. Zum Obmann wurde
Arnold Steiner wiedergewählt. Zu
Obmannstellvertretern wurden Al-
fred Wosyka, Johann Decker und
Johann Blei und zum Zentralsekre-
tär Paul Krasa bestellt.
Die letzte Forumveranstaltung am
Samstag, der in Wien abgehaltenen
14. Europagespräche, stand unter
dem Titel „Welcher Reformen bedarf
die Demokratie heute, um sich auch''
in Zukunft behaupten zu können?"
In Stellungnahmen und Diskussions-
beiträgen äußerten sich zu' Gegen-
warts- und Zukunftsdemokratie Abg.
Dr. Felix Ermacora, Präsident der
UN-Menschenrechtskommission, Abg.
Dr. Tassilo Brösigke, Prof. Dr. Th.
Mellwein (München), Prof. Dr. P. Fi-
scher-Appell (Hamburg), Prof. Dr.
Prof.
Friedrich Fürstenberg (Linz),-
Dr. Anton Pelinka (Essen) und Prof.
M. Welan (Wien).
Die Wiener Landeskonferenz der
Gewerkschaft der Privatangestellten
forderte am Wochenende eine schär-
fere Preiskontrolle. Die Gewerkschaft
werde Jedenfalls durch eine aktive
Gehaltspolitik verhindern, daß durch
die' Preissteigerungen die Realein-
kommen geschmälert werden. ÜGB-
Präsident Benya, der über aktuelle
Wirtschaftliche Fragen sprach, bet on-
te, er sehe in der De-facto-Aufwer-
tung
des
Schillings keine Gefahr für
die Exportwirtschaft und den Frem-
Ein Leben in Elendsla ern
denverkehr.
Fast 100.000 palästinensische Flüchtlinge leben von
täglichen Hungerrationen — Nährboden für Terroristen
Die intensiven Gespräche des libyschen Minister-
Moskau
(dpa)
präsidenten Abdel Salam Dschallud mit der sowjetischen Führungsspitze
im Moskauer Kreml sind überraschend verlängert worden. Wie am Sonn-
tag aus arabischen Kreisen in der sowjetischen Hauptstadt zuverlässig
verlautete, bat sich KPdSU-Generalsekretär Leonid Breschnjew persön-
lich in die Beratungen eingeschaltet, ohne daß dies von der sowjetischen
Presse gemeldet wurde. In Moskau war nur die erste Begegnung
Breschnjews mit Dschallud am vergangenen Donnerstag offiziell mitge-
Kissinger hofft und hofft...
teilt worden.
Optimistische Aussichten für baldige Truppentrennung Truppentrennung