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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

00 
drängt auf baldige 
Fearteienverhandlung 
Im P aket: Meinun gsvielfalt , Redak teursstat ut, 
Verfassungsverankerung, Anstalt öffentlichen Rechts 
mit unabhängiger Aufsicht 
Einen Monat vor der Präsidentenwahl 
läger geht es ;ei ie Si cher e t 
Kirchsc 
Sommerkleider 
f rdert die i nere Integration 
von Größe 34 bis Damengröße 48 
groß im Angebot 
reL kys iiviank au-T hem en 
aus rawda" 
i® 
Blickwinkel 
Moska u (TASS/dpa) 
In einem Artikel des 
„Prawda"-Korrespon- 
denten Igor Milnikow 
wird in der am Freitag 
erschienenen Ausgabe 
der Moskauer:. Wochen- 
zeitschrift „Sa Rubes: 
hom" zu dem bevor- 
stehenden. Besuch von 
Bundeskanzler 	Dr. 
Bruno Kreisky in der 
Sowjetunion Stellung 
genommen. Die Zeit- 
schrift unterstreicht die 
weitere Vertiefung vor 
allem der wirtschaftli- 
chen Zusammenarbeit 
Ländern, die seit dem 
Besuch des sowjeti- 
schen Ministerpräsi- 
denten Alexej Kossy- 
gin in Österreich vor 
weniger als einem Jahr 
vor sich gegangen ist. 
Der Ausbau der Wirt- 
schaftsbeziehungen sei 
auch durch den kürz- 
lich erfolgten Besuch 
des Präsidenten der 
Österreichischen Indu- 
striellenvereinigung, 
Dr. Hans Igler, geför- 
dert worden. Insbeson- 
dere wird in dem Ar- 
tikel darauf verwiesen, 
der Sowjetunion 80 
der Auslandsaufträge 
der 	Korneuburger 
Werft darstellen. 
gesichts der' Steige-' 
rungsrate des sowje- 
tisch-österreichischen 
Handels von 15,8 Pro- 
zent im Jahre 1973 
werfe sich die Frage 
auf, ob das Bestreben 
einiger Vertreter poli- 
tischer und geschäftli- 
cher Kreise Österreichs 
richtig sei, den öster- 
reichischen Außenhan- 
del vor allem auf den 
gemeinsamen Markt zu 
Samstag, 25. Mai 1974 
orientieren. 
    
ACHRMI-1 
  
Seite 3 
(1)010100.1)00000 
    
Unser Pariser Mitarbeiter, A. Frisch, zeichnet ein Porträt des neuen Präsidenten 
Wenn Sie mit einem Mitglied 
der Bundesregierung sprechen 
wollen, rufen Sie mich bitte an. 
32 64 
Vorwahl 
d 
(05572) 
Dornbirn 
000000 00t00 
Val8ry Giscard d'Estaing darf 
Giscard endgültig Sieger 
trotz sei nes unromantischen Charak- 
ters mit einem Märchenprinzen ver- 
glichen werden, vom Schicksal aus- 
erkoren, in allen Etappen seines Le- 
bens der Erste, der Beste und Er- 
folgreichste zu sein, so daß seine 
Laufbahn von den vielen, weit we- 
niger glücklichen Erdenbürger fast 
als Provokation empfunden werden 
muß. Um sei nen Lebensweg hatte er 
sich nicht zu sorgen, denn von Geburt 
an war er für ihn vorgezeichnet. 
Fam ilie, Ausbildung, soziales Mi- 
lieu und eine planmäßige Karriere 
dienten stets seinem unverkennba- 
ren Ehrgeiz als wei ches und rei- 
bungsfreies Bett, in dem sein Le- 
bensstrom seiner Erfüllung zustre- 
ben konnte. Seine Biographie ist ein- 
tönig, weil ihm jeder Hindernislauf 
erspart blieb und infolgedessen die 
dramatische Spannung fehlt. Aber 
hinter jeder noch so schönen und 
glatten Fassade verbirgt sich doch 
immer ein Schicksal, das eng ver- 
bund en ist mit den unvermeidlichen 
menschlichen Schwächen und auch 
mit allerlei Enttäuschungen. 
Der Großvater des 1926 in Ko- 
blenz geborenen Valäry Giscard 
d'Estaing, jacques Bardoux, zählte 
Wien 
(SK) SP-Klubobmann Abg. 
Weisz hat gestern den Klubs der VP 
und FPÖ ein Arbeitspapier über die 
Schaffung eines österreichischen 
Rundfunks auf der Basis einer öf- 
fentlich rechtlichen Anstalt übermit- 
telt. Gleichzeitig mit dieser Ge- 
sprächsgrundlage hat die SPÖ die 
Einladung ausgesprochen, unverzüg- 
lich die im ORF-TJnterausschuß ver- 
einbarten Parteiengespräche au fzu- 
nehmen.' Von der SPÖ wurden für 
diese Verhandlungen die Abgeordne- 
ten Dr. Fischer und Blecha nominiert. 
Das Arbeitspapier baut auf den 
wesentlichen Bestimmungen der Re- 
gierungsvorlage zu einer Rundfunk- 
gesetznovelle sowie auf den bisher 
erzielten Verhandlungsergebnissen 
im ORF-Unterausschuß auf. So wur- 
den aus der Regierungsvorlage fol- 
gende gesetzliche Bestimmungen 
übernommen: 
Ge Berücksichtigung der Vielfalt der 
im öffentlichen Leben vertretenen 
Meinungen in den Prog rammen des 
ORF, 
Einrichtung einer Höhrer- und 
Sehervertretung zur Wahrung der 
Interessen der Rundfunk- und Fern- 
sehteilnehmer, 
gesetzliche Verpflichtung für den 
ORF, mit seinen journalistischen 
Mitarbeitern ein Redakteurstatut ab- 
zuschließen, durch das die Gewicgens- 
freiheit sowie die journalistische Un- 
abhängigkeit und Eigenverantwort- 
lichkeit der Redakteure gewahrt 
wird, 
(0 
Schutz des österreichischen Rund- 
funks vor Einflußnahmen von außen. 
Aber auch die Ergebnisse, die in 
den zwölf Sitzungen des ORF-Unter- 
ausschusses bei 562 Wortmeldungen 
erarbeitet werden konnten, wur den 
in das Arbeitspapier übernommen: 
40 
Eine Verfassungsbestimmung, mit 
der dem Rundfunk garantiert wird, 
daß er bei der Erfüllung der ihm 
übertragenen Aufgaben „von jeder 
Einflußnahme von außen frei und 
unabhängig" ist. 
Ein detaillierter Programmauf- 
trag an den ORF, mit dem er zu Ob- 
jektivität und Meinungsvielfalt ver- 
pflichtet wird. 
Die , Verpflichtung des ORF, im 
Auftrag und auf Rechnung der Bun- 
desregierung einen ausreichenden 
Kurzwellendienst zu gestalten. 
Die volle Verantwortlichkeit der 
politischen Parteien und Interessen- 
vertretung für die von ihnen gestal- 
teten Belangsendungen. 
Die Anstalt öffentlichen Rechts er- 
hält durch die bereits erwähnten Ver- 
fassungsbestimmungen volle Autono- 
mie und Unabhängigkeit von der 
Bundesregierung sowie von jedem 
anderen Einfluß von außen. Die Stel- 
lung als öffentlich rechtliche Anstalt 
entspricht der Bedeutung des Rund- 
funks für das öffentliche Leben un- 
seres Landes. Die Angestellten des 
Rundfunks sind weiterhin frei und 
unabhängig. 
zu den bekanntesten und wegen sei- 
Das Arbeitspapier, hält ausdrück- 
nes verbissenen Nationalismus auch 
umstrittensten Parlamentarier der 
III. und IV. Republik. In sei nen letz- 
ten Lebensjahren machte er sich 
durch seine schonungslose Opposition 
gegen den Schuman-Plan, die euro- 
päische Verteidigungsgemeinschaft 
und den Gemeinsamen Markt be- 
merkbar. Sein Urgroßvater war in 
der Anfangszeit der III. Republik' Telefon 
zwei Jahre lang Erziehungsminister. 
Sein Vater Edmond spielte zunächst 
als Mitglied des Elitekorps der Fi- 
nanzinspektoren in der Verwaltung 
eine einflußreiche Rolle, bevor er 
sich der Industrie zuwandte. 
Giscards Gattin, die den blumen- 
reichen Vornamen Anne-Aymone 
(Anemone) trägt und ihm zwei Töch- 
ter sowie zwei Söhne gab, war über 
ihre Großmutter mit dem Schneider- 
konzern verbunden. Mit ihm knüpfte 
später der junge, hoffnungsvolle Fi- 
nanzminister auf anderen Wegen 
sentimentale Bande, die, wie es sich 
gehört, diskret verschwiegen wer- 
den. 
Wie der Vater absolvierte Val8ry 
die Eliteschule Ecole Polytechnique, 
trat unmittelbar danach in die Ver- 
waltungshochschule ein und im Alter 
lich fest, daß der Rundfunk auch in 
Zukunft nach privatwirtschaftlichen 
Grundsätzen zu füh ren sein wird. 
	eine 
Die Staatsaufsicht 
für eine 
öffentlich rechtliche Anstalt uner- 
läßliche Einrichtung — wird auf eine 
reine Rechtsaufsicht beschränkt, die. 
  
einer 17gliedrigen Komniission 
tragen wird, deren Mitglieder in der 
Mehrheit dem' Richterstand angehö- 
ren müssen.,Diese Kommission ist als 
unabhängige, weisungsfreie Auf- 
sichtsbehörde eingerichtet. 
Koren sieht Torschlußpanik 
der SPÖ in der ORF-Frage 
Wien (ÖVP-PD) — Die Vorgangs- 
weise der SPÖ in der ORF-Frage ist 
mehr als ungewönhlich und offen- 
sichtlich von einer Torschlußpanik 
der SPÖ diktiert, betonte Klubob- zwischen den beid en daß die Auftr äge aus 
mann Prof. Koren zu der Aussen- 
dung der sozialistischen Korrespon- 
denz über Parteiengespräche zur 
ORF-Reform. 
Die ungewöhnliche Art und Weise 
dokumentiert sich vor allem in zwei 
Punkten: 
Noch am Vormittag wurde auf 
Betreiben der SPÖ Vertraulichkeit 
über den Inhalt des sozialistischen 
ORF-Arbeitspapiers. vereinbart.. Zu 
diesem Zeitpunkt war, das Papier der 
()VP noch nicht übermittelt worden. 
Wenige Stunden später wurden von 
der sozialistischen Korrespondenz 
trotz vereinbarter Vertraulichkeit die 
wesentlichen Inhalte dieses Papiers 
publiziert. 
Obwohl die Vorgangsweise der 
SPÖ zu keinen großen Hoffnungen 
für eine gemeinsame ORF-Lösung 
berechtigt, ist die ÖVP gesprächsbe- 
reit. Die ÖVP nominiert für diese 
Parteienverhandlungen Klubobmann 
Prof. Koren und Generalsekretär Dr. 
Kohlmaier. 
Wien (APA) Einen Monat vor der 
für 23. Juni angesetzten Wahl, bei 
der das österreichische Volk den 
neuen Bundespräsidenten bestellen 
soll, befinden sich die beiden Kan- 
didaten Dr. Kirchschläger und Dr. 
Lugger im vollsten Einsatz auf der 
Reise durch die österreichischen 
Bundesländer. 
des Präsidenten, 
Die Volkswahl 
die nur in wenigen Staat en üblich 
sei, gebe ihm den massiven Auftrag, 
für die Sicherheit der Republik nach 
innen und außen Sorge zu tragen, 
erklärte der SPÖ-Präsidentschafts- 
von 26 Jahren in das machtbewußte 
kandidat Außenminister 
'Dr. 
Kirch- innere Integration Österreichs mehr 
Führungskorps der Finanzinspekto- 
ren. Seine Leidenschaft war jedoch 
schon in sehr jungen Jahren die Po- 
litik. Als er noch kurze Hosen trug, 
sagte Großvater Bardoux zu einer 
der grauen Eminenzen der drei letz- 
ten französischen Republiken, unter 
seinen zahlreichen Enkelkindern be- 
säße der kleine Valery die beste Eig- 
nüng, seinen Wahlkreis eines Tages 
zu übernehmen, denn er sei schur- 
kenhaft genug, um sich in der Poli- 
tik durchzusetzen. Diese Erbschaft 
trat Giscard d'Estaing bereits im 
Jänner 1956 an. 
Zwei Jahre vorher hatten sich 
ihm die Kulissen der Po litik als 
stellvertretender Kabinettsdirektor 
von Ministerpräsident Edgar Faure 
geöffnet. Im Jänner 1959 nahm ihn 
der erste Premierminister de Gaulles, 
Michel Debr8, als Staatssekretär für 
Finanzen in seine Regierung auf. Er 
bestand seine Bewährungsprobe der- 
artig ausgezeichnet, . daß er drei 
Jahre später im Alter von knapp 36 
Jahren mit dem besonders angese- 
henen Finanz- und Wirtschaftsmini- 
sterium beauftragt wurde. In dieser 
Funktion blieb er bis 1966 und über- 
nahm sie erne ut 1969 bis zum heu- 
tigen Tage. 
Während seiner gesamten Lauf- 
bahn mußte sich daher Giscard 
d'Estaing nur drei Jahre lang mit 
einer relativen Abseitsstellung zu- 
rechtfinden, gemindert durch die 
Tatsache, daß er der einflußreiche 
Präsident des gaullistischen Koali- 
tionspartners, der Unabhängigen Re- 
publika ner , blie b. 
Die bittere Pille war für ihn seine 
politische Einsamkeit. Er verdankte 
alles seiner Persönlichkeit, die er 
systematisch aufbauen mußte, wozu 
erhebliche Energie, ständige Vor- 
sicht und auch nicht wenig Entsa- 
gung gehörten. Es fehlte die Haus- 
macht, auf die er sich berufen konn- 
te. Seine Unabhängigen Republika- 
ner waren nie eine geschlossene Ge- 
meinschaft. Nur auf einen kleinen 
Kreis konnte Giscard Einfluß aus- 
üben. 
Als Folge dieser Schwäche mußte 
er seinem Stolz viele Zügel anlegen. 
Da er nicht auftrumpfen , konnt e, 
blieb ihm nichts anderes übrig, 'als 
auf dem Posten des Wirtschafts- und 
Finanzministers zu beharren. Sobald 
er sich zu eigenwillig verhielt, ris- 
kierte er die Kaltstellung, die ihn 
politisch stark belastet hätte. Aus 
taktischen G ründen zeigte er sich 
passiv gegenüber zahlreichen An- 
griffen, die nicht immer leicht zu 
ertragen waren. Es gab für ihn keine 
andere Lösung, als ständig seine 
Tüchtigkeit, seine intellektuelle 
Überlegenheit und seinen in jeder 
Beziehung glaubwürdigen Charakter 
unter Beweis zu stellen, um sich 
eines Tages als Präsident auf zu- 
zwingen, ganz einfach weil er wie- 
der einmal als der Beste galt. 
So entstand das Bild eines voll- 
kommenen Technokraten, der mit 
meisterhafter Akrobatik eine fast 
aristokratische Distanz durch eine 
gut gespielte und deswegen als ehr- 
lich empfundene volkstümliche Be- 
scheidenheit ergänzte. 
Diese glänzende Medaille besitzt 
natürlich eine Kehrseite. Als ausge- 
sprochener Einzelgänger war Gis- 
card d'Estaing nie ein Chef. Politi- 
sche Leidenschaft ist keine Gewähr 
für einen taktisch gerissenen, politi- 
schen Verstand. Der Sprung vom er- 
probten Fachminister zum Staats-. 
präsidenten ist gewagt. Da das poli- 
tische Ziel erreicht ist, muß Giscard 
,ein Mann des politischen Ausgleichs 
werden und sich an den schwierigen 
Umgang mit einer sehr egozentri- 
schen Welt gewöhnen. 
schläger am Donnerstag beim Be- 
ginn seiner Wahlreise durch Ober- 
österreich. Zu der Feststellung, daß 
der Präsident gegenüber dem Aus- 
land die Pflicht habe, das Vertrauen 
für Österreich zu mehren, wies Dr. 
Kirchschläger auf den seinerzeitigen 
Be such von B undespr äs ident Schärf 
in der Sowjetunion hin sowie jenen 
von Bundespräsident Jonas beim 
italienischen Präsident Saragat, 
Beide Besuche hätten dazu gedient, 
das Vertrauen in Österreich wieder 
herzustellen bzw.' das Eis zu brechen. 
Der Bundespräsident müsse die 
Für soziale Angleichung 
zwischen 
Arbeitern und Angestellten 
Wien (APA) Die Arbeiterschaft 
sei nicht da für, daß bestimmten 
Gruppen soziale Errungenschaften 
weggenommen würden, um eine 
Gleichstellung aller Arbeitnehmer 
zu erreichen. Die Arbeiterschaft habe 
auch keine feindseligen Gefühle ge- 
genüber den Angestellten. Sie könne 
jedoch nicht verstehen, daß zwischen 
Arbeitern und Angestellten weiter- 
hin soziale Unterschiede bestehen. — 
Dies erklärte der Vorsitzende der 
Gewerkschaft Handel, Transport und 
Verkehr gestern vormittag anl äß- 
lich der Eröffnung des 8. HTV-Ge- 
werkschaftstages, der im Zeichen des 
70jährigen Jubiläums dieser Gewer k- 
schaft steht. 
fördern, erklärte der VP-Präsident- 
schaftskandidat Dr. Lugger gestern 
auf einer Pressekonferenz in Wien. 
Lugger, der zu einem stärkeren Soli- 
daritätsgefühl aller Österreicher auf- 
rief, meinte weiters, daß die Zeit 
geistiger Demarkationslinien in 
Österreich ebenso vorbei sein müsse 
wie jene, wo man Unbedenklich- 
keitszertifikate ausstellte. Zur inne- 
rer Integration Österreichs gehöre 
u. a. die Verbesserung des Schicksals 
alter Menschen. Ebenso müßte zwi- 
schen den Ballungsräumen und den 
Grenzzonen ein Bildungsausgleich 
vor seinem sozialistischen Kontra- 
geschaffen werden. 
henten Frangois Mitterand mit dem 
relativ knappen Vorsprung von 
424.599 Stimmen. 
Die offizielle Stimmenauszählung 
ergab folge ndes En derge bnis: 
13,396.203 (50,81 Prozent) stimmten 
für Giscard d'Estaing, 12,971.604 
(4 9,19 Prozent) für Mitterand. Der 
Stimmenvorsprung des Siegers be- 
trug damit 1,62 Prozent. 
Einlenken Ostberlins? 
Bonn — 
In dem durch die 
Spionage Guillaume schwer bela- 
stet en Verhältnis zwischen den 
beiden deutschen Staaten zeichnet 
sich überraschend eine Wende ab. 
Die DDR-Regierung will die 
im 
November 1973 einseitig erhöhten 
Zwangsumtauschmindestbeträge 
für West-Besucher in der DDR 
überprüfen. Anstelle des sonstigen 
Leitartikels im SED-Zentralorgan 
Von „VN"-Korrespondent 
Bernd-Dieter Fridrich, Bonn 
„Neues Deutschland" zitierte das 
Parteisprachrohr jetzt ausführlich 
mit Zustimmung des DDR-Staats- 
ratsvorsitzenden Erich Honecker 
die Anregungen des SPD-Frak- 
tionschefs Wehner, die dieser 
jüngst in der Debatte im Bonner 
Parlament zur Verbesserung der 
deutsch-deutschen Beziehungen 
gemacht hatte. Überhaupt fiel da- 
bei die ungewöhnlich sachliche 
Berichterstattung auf, ganz frei 
von der üblichen parteipolitischen 
Polemik. 
Die Verdoppelung des Zwangs- 
umtausches und dessen Ausdeh- 
nung auch auf Rentner-Besucher 
gehörten zu den bisher unmensch- 
lichsten Maßnahmen der DDR, 
vom Schießbefehl an der Mauer 
und Stacheldraht einmal abgese- 
hen, und stehen ganz im Wider- 
spruch zum Geist der Ostverträge. 
Niemand weiß bis zur Stunde, 
wie weit das Entgegenkommen 
sein wird, was die Mot ive für das 
beabsichtigte Einlenken sind. 
Was auch immer dahinter stek- 
ken mag: die gesamtdeutsche Mi- 
sere ist einmal mehr offenkundig 
geworden. Jetzt muß Bonn sogar 
ichon darüber verhandeln, daß der 
Zustand wiederhergestellt wird, 
der vor dem Grundvertrag in Sa- 
Paris (UPI) Der französische Ver- 
hen Geldumtausch gegolten hatte. 
fassungsrat hat am Freitag den Sie- 
' ger der Stichwahl vom 19. Mai, den 
ehemaligen' Wirtschafts- und Fi- 
nanzminister Giscard d'Estaing, for-' 
mell zum neuen Staatsoberhaupt 
Frankreichs ernannt. 
Gleichzeitig gab der Präsident 
des Verfassungsrates, Roger Frey, 
das offizielle Wahlergebnis beka nnt: 
Staatssekretär im 
Demnach sie gte Giscard d'Estaing 
Bundeskanzleramt 
Samstag, 25. Mai 1974 
9 bis 13 Uhr Uhr
	        
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