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Samstag, April 1974
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Protestkundgebung der Ärzte in Dornbirn:
Prophylaxe-Musterländle hart gegen Spitalsambulatorien
Dornbirn (VN-pem) In erster Linie gegen die nicht übersehbare Aus*
Weitung der Krankenhausambulanzen war eine Protestkundgebung
der Ärztekammer für Vorarlberg gestern mittag im Dornbirner Vereins
haus gerichtet. Diese Aktion war von rund der Hälfte aller Vorarlberger
Ärzte besucht, wenn man die den Notdienst aufrechterhaltenden Ärzte
in diese Rechnung nicht einbeziehi. Aus den Referaten von Präsident
MR Dr. Leopold Bischof und von Vizepräsident Prim. Dr. Josef Ried-
linger ging der Unmut gegen die Novellierung des Krankenanstalten
gesetzes, das am 25. April den Nationalrat passieren soll, nicht nur
aus Personal-, Raum- und Zeitgründen, sondern aus prinzipiellen Er
wägungen hervor. Man sieht u. a. eine Einschränkung des Arztes in
seiner freien Praktizierung, was schlußendlich dem Patienten zum
Schaden gereiche.
Die Abfassung einer Resolution
hatten sich die Ärzte wahrlich nicht
leicht gemacht. Der ursprüngliche
Entwurf erschien verschiedentlich
als „zu wenig scharf“, so daß sich
schließlich ein Ausschuß zu einer
endgültigen Formulierung unter Be
rücksichtigung der Diskussionsbei
trag mit der endgültigen Abfassung
der Resolution, die wir gesondert
bringen, befaßte. Die Protestkund
gebung, zu der die Ärzte im weißen
Mantel erschienen waren, verlief
ruhig und in sachlicher Form. Die
Referenten erhielten nach ihren
Ausführungen minutenlangen Bei
fall. Nach' eineinhalbstündiger Dau
er der Veranstaltung kehrten die
Ärzte in die Spitäler und Ordinatio
nen zurück.
Schlechte Erfahrungen
in Schweden
Die Ausführungen von Präsident
Dr. Bischof gingen von dem Grund
satz aus, daß die Medizin der Zu
kunft großteils nicht des Ambula
toriums bedarf, sondern von der
freipraktizierenden Ärzteschaft
wirklich gelöst werden kann. Diese
Tatsache wird seit vielen Jahren in
Vorarlberg, das einen Modellfall für
ganz Österreich darstellt, durch , die
der
aufs Neue bestätigt. Ambulato
rien in Rußland, Schweden, Jugo
slawien und der DDR basieren auf
einer anders gearteten gesellschaft
lic hen Struktur und brächten nega
tive Erscheinungen mit sich, wie'et
wa in Schweden, wo die Hauskran
ken nicht mehr vom Arzt betreut
werden, sondern teils von Schwe
stern behandelt, teils „fernbehan
delt“ und im äußersten Notfall dann
im Krankenhaus aufgenommen wer
den und dort die Hälfte der Betten
füllen: Patienten, die bei uns vom
Hausarzt versorgt werden.
Die Ambulanzen würden . durch
die Gesundenuntersuchungen über
fordert werden. Es würden Warte
listen entstehen oder man würde
die Ambulanzen mit enormen Ko
sten vergrößern müssen. Solange
nicht alle Krankenabteilungen aus
gebaut seien und solange todkranke
Patienten auf die künstliche Niere,
die Dialyse, warten, dürfe man nicht
neue Pläne schmieden, die sehr viel
Geld kosten. Einen kleinen Teil die
ser so „lockeren“ Gelder solle man
als Starthilfe und Zinsbeihilfe für
jene Ärzte geben, die eine Praxis als
praktischer Arzt oder Facharzt auf
bauen wollen. Ansonsten würden
die freien Praxen • veröden, wollte
man die jungen Ärzte, die ihre Aus
bildung beendet haben, irp- Kran
prophylaktische. Medizin immer wie kenhaus ; zurückbehalten.
K ommt Chaos in Spitälern?
Vizepräsident Dr. Riedlinger
stellte nur drei Punkte aus der
Krankenanstaltsnovelle in den Vor
dergrund, allein aus diesen drei
Punkten müßte man die Auflehnun
gen der Ärzte verstehen:
© 1. Für Ambulanzen fehlen Per
sonal, Raum und Zeit.
© 2. Wo liegen der Sinn und die
Kassenambulatorien
Notwendigkeit in der Errichtung von
praktisch als
„Hotelbetrieb“ zur kurzfristigen Un
terbringung ambulanter Patienten?
© 3. Die „kollegiale“ Führung der
Krankenanstalten ist nicht genau
definiert.
Und weiter führte Dr. Riedlinger
aus, daß die generellen Gesunden
untersuchungen in den Ambulanzen
der Krankenhäuser zu einem Chaos
Vortrag zum Weltgesundheitstag:
Dem Infarkt keine Chance
ein „Gläsle“ Schnaps nach dem
Essen „gesund“ sei, stimme nicht.
Die Leber, die durch den Fettinhalt
der Mahlzeit schon strapaziert wird,
wird durch den Alkohol noch mehr,
gefordert.
„Um uns' richtig zu ernähren,
müßten'wir zunächst täglich 25 Pro
zent weniger Fett zu uns nehmen“,
mahnte Dr. Radmayr. Denn: über
mäßige Mengen an Kohlehydraten,
die in tierischen Fetten reichlich
enthalten sind, lagern, sich in. den
Blutbahnen in Form einer Schicht
ab, es können sich Partikelchen bil
den, wodurch das Blut ins Stocken
gerät. Und: Kohlehydrate verursa
chen das Dickwerden! Überhaupt
sollten anstatt tierische viel mehr
pflanzliche Fette verwendet werden.
Dr. Radmayr plädierte dafür, daß
in jedem Haushalt ein Kalorienplan
vorhanden sein soll. Nur dadurch
könne zweckmäßige Ernährung . —
also die richtige Dosierung der Ka
lorien' — gewährleistet sein. ,Daher:
Eß richtig und gebt dem Herzinfarkt
in
keine Chance mehr!
diesen Anstalten führen würden
und daß sich dann wieder die Ärzte
einer „chaotischen Front“ einer un
zufriedenen Bevölkerung gegenüber
sehen würden. Wer solle denn ent
scheiden, ob ein Patient in Zukunft
in ein Krankenhaus oder in ein Ho
tel (= Kassenambulatorium) gehört?
Bei einer „kollegialen“ Führung
würde die Verantwortlichkeit, wie
sie jetzt der leitende Krankenhaüs-
arzt trägt, geringer.
Riedlinger betonte, daß die Ärzte
aus Gründen des Verantwortungs
bewußtseins nicht den bequemeren
Weg gehen würden, indem später die
Nichtanwendbarkeit die ses Gesetzes
der Öffentlichkeit bewiesen werden
würde, da ja den Schaden dadurch
die Patienten zu tragen hätten und
nicht der Politiker.
Solidarität der Bauern
Bemerkenswert war die Solidari
tät des Vertreters der Bauernschaft,
Nationalrat Hagspiel, der um die
Aufnahme ungefähr folgenden Pas-
süsses in die Resolution - ersuchte,
daß durch die Novellierung die ärzt-
. Führend in Hosen
Hosen-Center, Schruns
liehe Versorgung auf dem Land ge
fährdet erscheine. Von seiten der
Politiker wohnte auch ■ Bundesrat
DDr. Hans Pitschmann der Protest
kundgebung bei.
Ein Telegramm von Präsident
Dr. Daume von der österreichischen
Ärztekammer über am Vorabend
geführte Besprechungen mit dem
Bundeskanzler, in dem dieser Ver
handlungsbereitschaft erkennen ließ,
löste in der Versammlung zumindest
die Gewißheit aus, daß die Ansicht
der Ärzte nicht gänzl ich ungehört
verhalle. Angeblich sollen nun Ge
spräche mit. .Gesundheitsminister
Dr. Leodolter (14.; April) 32-Uhr)j£mä:
SPÖ-Klubobmann ' Weiß (18.’* ÄpfiT,"
9.30 Uhr) geführt werden. Mög
licherweise, so war dem Telegramm
zu entnehmen, könnte sich die SPÖ
zu einer Einigung über die Einwei
sung in die Ambulatorien nur über
Zuweisung des Arztes einverstan
den erklären.
: (VN - RÜG) Der Mensch kann sich
zu Tode essen. Der Herzinfarkt ist
meist nichts anderes als das Ergeb
nis jahrelanger falscher Ernährung.
Die Speisen, die wir tagtäglich zu
uns nehmen, sind zu üppig, zu fett
reich und enthalten oft Unmengen
Kohlehydrate. Dadurch werden Le
ber, Niere, Galle und auch die Zähne
anfällig. Der Organismus gerät aus
den Fugen, wir werden dick, kränk
lich.
Unter dem Motto: „Bessere Er
nährung für eine gesündere Welt“
veranstaltete aus Anlaß des Welt
gesundheitstages die Arbeitsgemein
schaft für Volksgesundheit gestern
im WIFI-Gebäude in Dornbirn für
die Gymnasiasten der Messestadt
einen Vortrag über richtige Ernäh
rung. Oder besser einen Vortrag
über: Wie viele und welche kuli
narischen Sünden begeht der Men sch
tagtäglich? Der Vortragende, Dr.
Radmayr, erklärte, daß die falsche
Ernährung oft schon im Mutterleib
beginne, daß schwangere Frauen
ihren falschen Eßgewohnheiten un
gehindert nachgingen, ohne zu be
denken, daß das wachsende Leben
mitbeeinflußt werde. Durch Über
mengen an Süßigkeiten und üppigen
Speisen fände die falsche Ernährung
ihre Fortsetzung.
Unsere Eßgewohnheiten führen
indes nicht nur zu Herzinfarkt und
organischen Schäden, sondern auch
zu Zahnverfall. Abends viel zu
e ssen, anschließend aber, ohne die
Zähne zu putzen, ins Bett zu gehen,
sei eine der Hauptsünden, erklärte
Die
Dr. Radmayr. Auch die Ansicht, daß
Resolution
der Ärzte
an Bundeskanzler Dr. Kreisky,
Gesundheitsminister Frau
Dr. Leodolter und
Sozialminister Häuser
„Die Vorarlberger Ärzteschaft
hat gezeigt, daß sie die Probleme
der Vorsorge- und Sozialmedizin
aus ihrem ärztlichen Gewissen
heraus lösen will. Die Erstellung
von Hotelambulatorien oder die
Ausweitung der Krankenhaus
ambulanz ist daher nicht notwen
dig und bringen hohe Kosten und
Unordnung.
Wir protestieren dagegen, weil
wir der sicheren Überzeugung
sind, daß der freipraktizierende
Arzt dadurch vor der Bevölke
rung in seinem Arbeitsklima und
seinem Ansehen abgewertet und
diskriminiert wird.
Die gesundheitliche Versorgung
besonders im ländlichen Raum
wird durch diese .Abwertung des
Idealismus sehr gestört.
Wir bestehen auch bei der Er
weiterung von Ambulanzbetrie
ben auf dem demokratischen
Recht der Ärztekammer zur Mit
bestimmung und lehnen jeden
Gewissenszwang der Ärzte bei der
Erweiterung der Fristenlösung ab
und appellieren an die Deklara
tion des Weltärztebundes von
Neues Wahlrecht in
Oslo vom 22. 8.1970.“
Vorarlbergs Landtag
(VLK).'Dem Vorarlberger Land
tag wird der von der Vorarlberger
Landesregierung genehmigte Ent
wurf eines Gesetzes über eine Än
derung des Landtagswahlgesetzes
vorgelegt. In einer Sitzung im. Ok
tober 1973 hatte der Vorarlberger
Landtag die Landesregierung in ei
ner Entschließung ersucht, „ehemög
lichst ein - Gesetz - über eine Abän
derung des Vorarlberger Landtags
wahlgesetzes vorzulegen, welches
die Verteilung der Mandate in zwei
Ermittlungsverfahren vorsieht“. Die
Regierungsvorlage trägt der Ent
schließung Rechnung.
sollen
Im ersten Ermittlungsverfahren
die Mandate den einzelnen
Parteien wahlbezirksweise nach der
Methode Hagenbach-Bisehoff zuge
wiesen .werden. Im;zweiten Ermitt
lungsverfahren sollen die Restman
date nach dem Verfahren dTIondt auf
jene Parteien verteilt werden, wel
che im ersten Ermittlungsverfahren
wenigstens in einem Wahlbezirk ein
Mandat erreicht' haben. Für das
zweite Ermittlungsverfahren soll das
ganze Land einen einzigen Wahl
kreis bilden. Besondere Bestimmun
gen' wurden auch für Wahlkarten
wähler getroffen.. Die ~ Regierungs
vorlage sieht vor, daß die von dieser
Wählergruppe abgegebenen Stim
men in jedem Falle in jenem Wahl
bezirk ausgewertet werden sollen, in
welchem die ■ betreffenden - Wähler
ihren ordentlichen- Wohnsitz haben.
So können auch gelenkte Aufent-
hältsveränderungen zum Zwecke der
Beeinflussung des Wahlergebnisses
ausgeschaltet werden.
Durch die Bestimmungen der Re
gierungsvorlage sollen Unstimmig
keit en in den Formulierungen besei
tigt und zum Zwecke der Verbesse
rung der Übersichtlichkeit Paragra
An der Protestkundgebung der
phenüberschriften eingefügt werden.
Vorarlberger Ärzteschaft beteilig
ten sich seitens der Politiker auch
BR Dr. Pitschmann und NR Hag
spiel. — Bild oben: Entschuldi
gungsschreiben '.der Nationalste
Melter und- Heinz verlas Kam
meramtsdirektor Guntram Zop-
pel (stehend). Rechts neben ihm
Kammerrat Dr. Wolfgang Berto
lini, links Vizepräsident Prim. Dr.
Josef Riedlinger, dann weiter die
Kammerräte Dr. Kager, Dr. Jahn
und OMR Dr. Kleiner. — Bild
rechts: Das Hauptreferat wäh
rend der Protestkundgebung hielt
Medizinalrat Dr. Leopold Bischof,
der Präsident der Vorarlberger
Ärztekammer, der mit der Ein
führung ' der prophylaktischen
Medizin in Vorarlberg großen Er
folg hatte.