Der Landesverband des Roten Kreuzes von Vorarlberg hat dieser Tage
der Rettungsabteilung Egg einen neuen Rettungswagen übergeben. Mit
dieser Neuanschaffung ist es der RA Egg möglich, ihren Sanitätswagen-
park zu vervollständigen.
Gestern am Sonntag
Eigentlich schade, daß ich nicht
zu jener Sonntagselite zähle, die
am Tag des Herrn mindestens ei-
nen Dreitausender besteigt, den
Bodensee
bei Frühlings- und
Schmelzwassertemperatur durch-
schwimmt, 12 Holes am Golfplatz
macht oder im auditorium maxi-
mum antiproleticum einen stür-
misch gefeierten Vortrag hält. Ge-
stern weckte
mich auch kein Film-
star zum Frühstück und es traf
kein Telegramm ein, daß ein mir
unbekannter Erbonkel zu meinen
Gunsten das Leben gelassen habe.
In einem Anfa ll von Selbstkritik
denke ich an Karl Kraus, für den
ein Feuilleton schreiben hieß, auf
einer Glatze
Locken
zu drehen.
Na alsdann, suchen wir nicht nach
einer Perücke,
sondern nach den
Härchen. Man kann an den Haa-
ren
etwas
herbeiziehen, daran
Haare lassen und ein ganzes
Schicksal oder ein
Leben kann an
einem Haar hängen. Als Samson
seine Haare opfer te, nahm ihm
der Herr die Kraft. Darum geben
sich heutzutage gerade die jungen
Lehrlinge oder
Gymnasiasten so
gottesfürchtig was die Haartracht
betrifft. Und schließlich gehört es
zu den Erkenntnissen der reiferen
Semester, daß sich
eine Frau für
einen Mann zwar den Kopf, aber
nicht die Haare abschneiden läßt.
Also, mein Sonntag bega nn li-
terarisch. Aber da ich noch dies-
seits von Eden und noch nicht
jenseits von Gut und Böse bin,
schmökerte ich nicht nur in der
hohen Ethik der großen Geister,
sondern als stattlicher Abonnent
stattlicher Zeitungen mit den da-
zugehörigen stattlichen Magazin-
seiten in der süßen Luft der Film-
festspiele von
Cannes. Ebenfalls
als meine fe sche Nachbarin zwar
registrierte es mein Radarschirm,
vorschriftsmäßig, aber leichter be-
kleidet als sonst durch den Garten
ging. Wie sagte Nietzsche? . . .
Gut les en, das heißt langsam, tief,
rück- und vorsichtig, mit Hinter-
gedanken, mit offen gelassenen
Türen, mit zarten Fin gern und
Augen lesen . . . Dieses Philoso-
phenwor t haben die Illustrierten-
produzenten so gründlich mißver-
standen, daß eigentlich nur noch
der Reliefdruck fehlt, wenn man
die Thematik noch drastischer,
deutlicher oder plastischer auf den
Markt bringen wollte.
Früher, ja früher . . . da war es
auch nicht besser, aber halt ein
bisserl anders. Da spazierten am
letz ten S onntag im Mai die Ro-
meos und Julias durch den Son-
nenschein, krochen s tundenlang
zwischen
alten Gemäuern herum,
erzählten sich blödsinnige
Ge-
schichten oder
saßen händestrei-
che lnd am Bach oder am See. Sie
r edeten von der Vergangenheit;
liebten die Gegenwart und trä um-
ten von der Zukunft. Heutzutage
ist der Alla mehr wert als der
Romeo und die Kommunikation
zwischen jugendlichen Femininen
und Maskulinen spielt sich an rot-
geschalteten Verkehrsampeln und
dann ab, wenn der Discjockey
zwischen zwei heiß en Nummern
länger als erlaubt auf der Leitung
sitzt. Im Wald und auf den Wie-
sen traf ich gestern nur noch alte
Leutchen. Wie in einem Reservat
zwischen dem Lärm, der Hektik
und der Gefahr der Straße. Im
Wald gibt es auch Räuber, aber
offensichtlich nicht so viele oder
so schlimme. Dort weicht man sich
noch aus oder redet miteinander,
wenn man sich auf steinigen,
schmalen Pfaden begegnet ...
Valentin
Copyreed: Rexeegg.
Man ch
n. vertreten durch:
Herzog-Verlag, Tübingen
Von James
30
Seite 6
Herriot
Montag, 27. Mai 1974
FAMILIENCHRONIK
Goldene Hochzeit
Dornbirn. Heute feiern die Ehe-
leute August und Rosa Köb geb.
Hämmerle, Mühlebach, das Fest der
goldenereHochzeit. Die Jubilare wur-
den 1889 in Dornbirn geboren. Ihr
Leben war gekennzeichnet von har-
ter Arbeit, großem Fleiß und Spar-
samkeit. Aus der glücklichen Ge-
das jüngste starb im Alter von vier
meinschaft entsprossen vier Kinder,
Jahren. Das Fest können Herr und
Frau Köb bei guter Gesundheit und
äußerst rüstig begehen. Wir schlie-
ßen uns den Glückwünschen an und
freuen uns, wenn das Jubelpaar im
Kreise der Kinder und acht Enkel-
kinder noch viele gemeinsame Jahre
verbringen kann.
Auf froher Fahrt
Dornbirn. Kürzlich mac hte der
Jahrgang 1914 seinen Jubiläumsaus-
flug. Bei strahlendem Frühsommer-
we tter rollten drei vollbesetzte Auto-
busse über Hohenweiler, Queralpen-
straße, Immenstadt, Sonthofen zum
ersten Halt nach Hindelang. Nach der
ersten Rast ging es über das Ober-
joch nach Tannheim. Ein kleiner Ab-
stecher zum Vilsalpsee, ein herrlicher
Alpsee in 1100 in Seehöhe, wurde
noch vor der Mittagspause gemacht.
Es ging weit er über den Haldensee
nach Weißenbach und durch das
heimatliche
Umgebung. Nach einer
Pause in Schoppernau ging es flott
und heiter zurück nach Dornbirn ins
Hotel Hirschen zum Nachtessen und
gemütlichen Beisammensein.
Veranstaltungen -Treffpunkte
Lustenau. Kath. Bildungswerk:
Montag, 27. Mai, 20.15 Uhr, Vortrag
von Prof. P. Dr. Josef Neuner, In-
dien, „Was bedeutet Mission heute?",
im Kultursaal.
Dornbirn. Im WIFI werden bei
dem heute, Montag, um 19.30 Uhr
stattfindenden Filmabend die Filme
„Das ist Kanada: Quebec und Onta-
rio", „East African Safari 73", „Ren-
dezvous in Griechenland" und „Jun-
ge Naturforscher" gezeigt.
Rankweil. ÖVP-Ortsgruppe: Mon-
tag, 27. Mai, 20.15 Uhr, Informations-
und Di skussio nsve rsamml ung mit
Referat von AK-Präsident LAbg.
Bertram Jäger „Zeit zum Umden-
ken" im Gasthof Kreuz.
!WIR QRATULIEREN
Lochau. Heute vollendet Johann
Ziehaus, Bäumle 4, das 77. und Frau
Hedwig Leder, Hörbranzer Straße 26,
das 78. Lebensjahr.
Sulzberg. Das '76. Lebensjahr voll-
endet heute Frau Magdalena Keller,
Bröger.
Hard. Frau Elsa Jabinger geb.
Zwickle, Badgasse, feiert heute die
Vollendung des 70. Lebensjahres.
Höchst. Im Haus Rebgarten 178
vollendet heute Frau Anna Helbock
das 73. Lebensjahr.
Lustenau. Frau Rosine Berchtold,
Steinackerstraße 3, vollendet heute
das 82. Lebensjahr.
Dornbirn.
Daniel Luger, Bäumle-
gasse 17a, vollendet heute das 85.
und Frau Angelika Stefe, Schulgasse
Nr. 37, das 80. Lebensjahr.
Götzis. Prokurist Ludwig Högen
schen, Römerweg, fei ern heute das
und seine Gattin Doris geb. Dör-
Fest der Silberhochzeit.
Lechtal nach Warth in die gewohnte Röthis. Das 72. Geburtstagsfest
feiert heute Frau Adelheid Knünz,
Haus-Nr. 121.
Düns. Heute vollendet Frau Petro-
nilla Fetz, Haus-Nr. 27, das 77. Le-
bensjahr. In Dünserberg wird Frau
Maria Rauch 86 Jahre alt.
Bludenz. Ernst Weggemann, Wer-
denbergerstraße 47, vollendet heute
das 76. und Theodore Kissenberth,
Montafoner Straße 22, das 77. Le-
bensj ahr.
Mim. Heute vermählen sich Hel-
mut Burtscher, Judavollastraße, und
Hele ne Höld, Lindau.
St. Gallenkirch. Zwei Mitbürger
feiern heute ihren hohen Geburtstag:
Ignaz Düngler und Bernhard Kasper
werden 74 Jahre alt.
Verlautbarungen
Bürgermeister Gerhard Köhlmeier
hält am Montag, den 27. Mai 1974,
von 17 bis 19 Uhr eine öffentliche
Sprechstunde im Rathaus (hinterer
Eingang) der Marktgemeinde Hard
ab.
=Impressum
Eigentümer, Herausgeber, Ver-
leger und Druck: Vorarlberger_
Graphische Anstalt, Eugen Ruß .
& Co., 6901 Bregenz, Kirch-
straße 35.
Chefredakteur und für den In-
halt verantwortlich: Prof. Dr.
Franz Ortner.
Stellvertreter: Josef Mattner
Chef vom Dien st und Hei-
matteil: Doris Rinke — Fa-
milienchronik,_Motor und Tech-
nik: Hans Lerchenmüller —
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Willy Hillek — Außenpolitik
und Region: Siegfried Gabrielli
-- Wirtschaft und Ombuds-
mann: Hans Henning Sch ar-
sach — Kultur: Liselotte Hanl
Sport: Josef Mattner, Peter
Strauß — Wiener Redaktion:
Sepp Bacher, Danningerweg 9,
1210 Wien, Tel. 02 22 38 47 222
Bezirk Bludenz: Adolf Pic-
colruaz, Herm.-Sander-Str. 16,
Am Beispiel Bürserberg
6700 Bludenz, Tel. 0 55 52 / 24 71.
Am Beispiel Bürserberg sieht man,
daß der Versuch der Vorarlberger
Landesregierung, für das Gemeinde-.
gebiet Bürserberg eine Planung mit
„Modellcharakter" erstellen zu las-
Von Adolf Piccolruaz
sen, durchaus gelungen ist. Dem
Land ging es dabei vor allem darum,
ein Modell zu schaffen, das anderen
Vorarlberger Gemeinden in Zukunft
die Inangriffnahme raumplanerischer
Maßnahmen erleichtern soll.
Die vom Büro für Orts- und Re-
gionalplanung Dipl.-Ing. Architekt C.
Fingerhuth, Zürich, in engster Zu-.
sammenarbeit mit dem Raumpla-
nungsausschuß und der Bevölkerung
— durch laufende Information — der
Gemeinde Bürserberg erarbeitete
Planung stellt nicht nur eine Modell-,
sondern gleichzeitig auch eine Mu-
sterplanung dar.
Schon allein die Vorgangsweise ist
beispielhaft, weil das Planungsbüro
— wie in der Schweiz üblich — den
unmittelbaren Kontakt mit der Dorf-
bevölkerung bei ihren bisherigen Ar-
beiten — und ist dies auch nur in _
Form von laufender Information ge-
schehen — mit in den Vordergrund
stellte: Man wollte dieser nämlich
nicht irgend ein Konzept aufzwin-
gen, sondern deren Wünsche so weit
als möglich in dieser Planung be-
rücksichtigen, was bisher auch gelun-
gen ist.
Das Kernproblem all dieser Pla-
nungen ist und bleibt die Benachtei-
l igung des einen oder anderen, die
es immer wieder gibt und auch wei-
terhin geben wird. Nachdem aber
viel diskutiert wird, können die so-
genannten „Härtefälle" teilweise
schon von vornherein ausgeschaltet,
zumindest aber in einem minimalen
Maß gehalten werden (wenn es nicht
zu einer Kompromißlösung kommt).
Was die „Modellplanung" Bürser-
berg aber noch zeigt, ist die Notwen-
digkeit der Erstellung eines Entwick-
lungskonzeptes vor dem Flächen-
widmungsplan für Gemein den, de-
ren weitere Entwicklung sich haupt-
sächlich auf den Fremdenverkehr
abstützt, wie dies auch für Bürser-
berg selbst zutrifft. Jene Vorarlber-
ger Gemeinden, die ihre Chan ce im
Fremdenverkehr sehen und diese
auch nützen wollen, werden um die
Erstellung eines Entwicklungskon—
zeptes einfach nicht herumkommen,
wollen sie Fehlentwicklungen • ver-
hindern.
Ich denke hier besonders an die'
Großwalsertaler, Klostertaler und,
Montafoner Gemeinden, die am Bei-
spiel Bürserberg echt profitieren
könnten. Im Montafon geht es zwar
nicht um den Fremdenverkehrsauf-
bzw. -ausbau, sondern vielmehr um
die Zielsetzung der weiteren Ent-
wicklung.
Im Montafon besteht nämlich die
Gefa hr einer Übererschließung, was
dem Fremdenverkehr sicherlich nicht
dienlich ist. Ohne ein solches Ent-
wicklungskonzept so llten dort vor-
erst ganz einfach keine weiteren Er-
schließungen mehr zugelassen wer-
den, um eine mögliche Fehlentwick-
lung zu verhindern. Die b eiden an-
deren Täler können ihre Entwicklung
noch selbst bestimmen.
Die derzeit vorliegende „Modell-
planung" für das Gemeindegebiet
Bürserberg wird nun noch mit ver-
schiedenen Vorschlägen aus der Be-
völkerung überarbeitet, ehe sie der.
Gemeindevertretung zur Beschluß-
fas sung vorgelegt werden kann.
Mißbilligend In diesem W irrwarr kramend,
zog sie ein altes Kassenbuch mit Eselsohren
hervor und hielt es zwischen Daumen und
Zeigefinger. „Was ist das?"
Siegfried trat einen Schritt näher. „Oh,
das ist unser Hauptbuch. In das tragen wir
unsere Besuche aus dem Tageskalender ein,
der hier irgendwo liegen muß." Er wühlte
auf dem Schreibtisch. „Ach ja, hier ist er.
Da schreiben wir die täglichen Anrufe ein."
Ein paar Minuten lang studierte sie die
beiden Bücher mit einem Ausdruck von Be-
stürzung, der allmählich in Galgenhumor
überging. „Wenn ich Ihre Bücher führen
soll, müssen die Herren aber doch schreiben
lernen. Hier sind drei ve rsch iedene Hand-
schriften, aber diese hier ist bei weitem die
schlimmste. Geradezu fürchterlich. Von wem
ist sie?"
Sie wies auf eine
einer
Eintragung, die nur aus Geld Tag für. Tag hier liegen lassen?". meinem Frühstücksei auf, als ich ein Auto
langen gebrochenen Linie mit gelegent-
lichen Schwüngen bestand.
„Offen gestanden, das ist meine", sagte
Siegfried und trat von einem Fuß auf den
anderen. „Muß den Tag wohl gerade in
großer Eile gewesen sein."
„Aber so ist ja alles, Mr. Farnon. Sehen
Sie nur, hier und hier und hier. So geht's
einfach ni cht, wissen Sie."
Siegfried verschränkte die Hände hinter
dem Rücken und ließ den Kopf hängen.
„Ihr Schreibpapier und Ihre Briefum-
sie
schläge haben
vermutlich hier." Sie zog
eine Schreibtisch-Schublade auf. Es erwies
sich, daß sie bis obenhin mit alten Samen -
säckchen vollgestopft war, viele von ihnen
aufgeplatzt. Im nächsten Fach waren nur
gebrauchte Geburtsstricke, die man ver-
gessen hatte zu waschen, und Miß Harbottle
fuhr erschrocken zurück. Aber sie war nicht
leicht von etwas abzubringen und zerrte
hoffnungsvoll noch an einer dritten Schub-
lade. Sie öffnete sich mit melodischem Klir-
ren, und man erblickte einen verstaubten
Haufen leer er Bierflaschen.
Langsam richtete sie sich auf und fragte
geduldig: „Und wo, darf ich fragen, ist ihre
Geldkassette?"
„Ach, wissen Sie, das stopfen wir hier
rein." Siegfried wies auf einen Halbliterkrug
auf dem Kaminsims. „So eine richtige Kas-
sette, wie Sie meinen, die haben wir gar
nicht, aber das hier eignet sich gut dafür."
Fassungslos blickte Miß Harbottle den
Krug an: „Sie stopfen einfach ...?" Ver-
knüllte Schecks und Banknoten blickten sie
über den Rand hinweg an. Andere waren auf
den Sims darunter gefallen. „Wollen Sie da-
mit sagen, daß Sie einfach fortgehen und das
„Scheint noch nie was geschadet zu haben",
entgegnete Siegfried.
„Und was ist mit ihrem baren Kleingeld?"
Siegfried kicherte gezwungen. „Ist alles
drin. Alles Bargeld, kleines und großes."
Miß Harbottles rosiges Gesicht hatte et-
was Farbe verloren. „Wirklich, Mr. Farnon,
das ist zu arg. Ich verstehe nich t, utie das so
lange gegangen ist. Tatsächlich, ich versteh's
einfach nicht. Nun, wie auch immer, ich trau'
mir zu, die Dinge rasch in Ordnung zu brin-
gen. In Ihrem Geschäft gibt's, soviel ich se-
hen kann, keine Komplikationen — eine ein-
fache Kartei würde für Ihre Buchführung
genügen. Die anderen Kleinigkeiten" — sie
warf einen ungläubigen Blick auf den Krug
— „nun, das werd' ich bald haben."
„Prächtig, Miß Harbottle, prächtig." Sieg-
fried rieb sich die Hände eifriger denn je.
„Wir erwarten Sie also Montag früh."
„Punkt neun Uhr, Mr. Farnon."
Nachdem sie gegangen war, herrschte
Schweigen. Tristan hatte den Besuch genos-
sen und lächelte gedankenvoll. Mir aber war
unsicher zumute.
„Weißt du, Siegfried", sagte ich, „sie mag
ein Dämon von Tüchtigkeit sein, aber ist sie
nicht ein bißchen zu energisch?"
„Zu energisch?" Tristan brach in lautes,
ein bißchen rauhes Lachen aus. „Nicht die
Spur. überlaßt sie nur mir. Ich werde mit ihr
fertig."
Das einzige große Eßzimmerfenster war
vom Frost gezeichnet, und von der Straße
her hörte man die Sch ritte der Fußgänger
auf dem Schnee knirschen. Ich blickte von
vorfahren
hörte. Es folgte ein Fußstampfen
auf der Schwelle, dann schlug knallend eine
Tür zu, und Siegfried stürmte ins Zimmer.
Schweigend trat er ans Kaminfeuer und
beugte sich darüber, die Ellbogen auf den .
gr auen Marmorsims gestützt. Er war fast
bis zu den Augen in Mantel und Schal ver-
hüllt, aber was man von .seinem Gesicht
überhaupt sehen konnte, war blaurot ange-
laufen.
Er wandte die tränenden Augen dem Tisch
zu. „Milchfieber beim alten Heseltine. Einer
der höchstgelegenen Höfe. 0
Gott, war das
kalt da oben! Es verschlug mir fast den
Ate m."
Während er die Handschuhe auszog und die
erstarrten Finger am Feuer rieb, warf er
einen Seitenblick auf seinen Bruder. Tristans
Stuhl war der nächste am Kamin, und er
genoß sein Frühstück, wie er alles genoß.
Vergnügt klatschte er die Butter auf seinen
Toast und pfiff leise vor sich hin, während
er Marmelade darüber strich. Sein Daily
M irror war aufrecht an die Kaffeekanne ' ge-
lehnt. Man sah geradezu die Wellen von
Wohlbehagen und Zufriedenheit, die von
ihm ausströmten.
Siegfried zog sich mißmutig vom Kamin
zurück und ließ sich in einen Stuhl fallen.
„Ich will nur eine Tasse Kaffee, James. He-
seltine war sehr freundlich und hat mich
zum Frühstück eing ela den. Ich bekam ein
prächtiges Stück selbstgeräucherten Speck
— ein bißchen reichlich fett vielleicht, aber
was für ein Wohlgeschmack! Ich spüre ihn
jetzt noch auf der Zunge."
(Fortsetzung folgt) folgt)