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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Der Landesverband des Roten Kreuzes von Vorarlberg hat dieser Tage 
der Rettungsabteilung Egg einen neuen Rettungswagen übergeben. Mit 
dieser Neuanschaffung ist es der RA Egg möglich, ihren Sanitätswagen- 
park zu vervollständigen. 
Gestern am Sonntag 
Eigentlich schade, daß ich nicht 
zu jener Sonntagselite zähle, die 
am Tag des Herrn mindestens ei- 
nen Dreitausender besteigt, den 
Bodensee 
bei Frühlings- und 
Schmelzwassertemperatur durch- 
schwimmt, 12 Holes am Golfplatz 
macht oder im auditorium maxi- 
mum antiproleticum einen stür- 
misch gefeierten Vortrag hält. Ge- 
stern weckte 
mich auch kein Film- 
star zum Frühstück und es traf 
kein Telegramm ein, daß ein mir 
unbekannter Erbonkel zu meinen 
Gunsten das Leben gelassen habe. 
In einem Anfa ll von Selbstkritik 
denke ich an Karl Kraus, für den 
ein Feuilleton schreiben hieß, auf 
einer Glatze 
Locken 
zu drehen. 
Na alsdann, suchen wir nicht nach 
einer Perücke, 
sondern nach den 
Härchen. Man kann an den Haa- 
ren 
etwas 
herbeiziehen, daran 
Haare lassen und ein ganzes 
Schicksal oder ein 
Leben kann an 
einem Haar hängen. Als Samson 
seine Haare opfer te, nahm ihm 
der Herr die Kraft. Darum geben 
sich heutzutage gerade die jungen 
Lehrlinge oder 
Gymnasiasten so 
gottesfürchtig was die Haartracht 
betrifft. Und schließlich gehört es 
zu den Erkenntnissen der reiferen 
Semester, daß sich 
eine Frau für 
einen Mann zwar den Kopf, aber 
nicht die Haare abschneiden läßt. 
Also, mein Sonntag bega nn li- 
terarisch. Aber da ich noch dies- 
seits von Eden und noch nicht 
jenseits von Gut und Böse bin, 
schmökerte ich nicht nur in der 
hohen Ethik der großen Geister, 
sondern als stattlicher Abonnent     
stattlicher Zeitungen mit den da- 
zugehörigen stattlichen Magazin- 
seiten in der süßen Luft der Film- 
festspiele von 
Cannes. Ebenfalls 
als meine fe sche Nachbarin zwar 
registrierte es mein Radarschirm, 
vorschriftsmäßig, aber leichter be- 
kleidet als sonst durch den Garten 
ging. Wie sagte Nietzsche? . . . 
Gut les en, das heißt langsam, tief, 
rück- und vorsichtig, mit Hinter- 
gedanken, mit offen gelassenen 
Türen, mit zarten Fin gern und 
Augen lesen . . . Dieses Philoso- 
phenwor t haben die Illustrierten- 
produzenten so gründlich mißver- 
standen, daß eigentlich nur noch 
der Reliefdruck fehlt, wenn man 
die Thematik noch drastischer, 
deutlicher oder plastischer auf den 
Markt bringen wollte. 
Früher, ja früher . . . da war es 
auch nicht besser, aber halt ein 
bisserl anders. Da spazierten am 
letz ten S onntag im Mai die Ro- 
meos und Julias durch den Son- 
nenschein, krochen s tundenlang 
zwischen 
alten Gemäuern herum, 
erzählten sich blödsinnige 
Ge- 
schichten oder 
saßen händestrei- 
che lnd am Bach oder am See. Sie 
r edeten von der Vergangenheit; 
liebten die Gegenwart und trä um- 
ten von der Zukunft. Heutzutage 
ist der Alla mehr wert als der 
Romeo und die Kommunikation 
zwischen jugendlichen Femininen 
und Maskulinen spielt sich an rot- 
geschalteten Verkehrsampeln und 
dann ab, wenn der Discjockey 
zwischen zwei heiß en Nummern 
länger als erlaubt auf der Leitung 
sitzt. Im Wald und auf den Wie- 
sen traf ich gestern nur noch alte 
Leutchen. Wie in einem Reservat 
zwischen dem Lärm, der Hektik 
und der Gefahr der Straße. Im 
Wald gibt es auch Räuber, aber 
offensichtlich nicht so viele oder 
so schlimme. Dort weicht man sich 
noch aus oder redet miteinander, 
wenn man sich auf steinigen, 
schmalen Pfaden begegnet ... 
Valentin 
Copyreed: Rexeegg. 
Man ch 
n. vertreten durch: 
Herzog-Verlag, Tübingen 
Von James 
30 
Seite 6 
Herriot 
Montag, 27. Mai 1974 
  
FAMILIENCHRONIK 
    
    
Goldene Hochzeit 
Dornbirn. Heute feiern die Ehe- 
leute August und Rosa Köb geb. 
Hämmerle, Mühlebach, das Fest der 
goldenereHochzeit. Die Jubilare wur- 
den 1889 in Dornbirn geboren. Ihr 
Leben war gekennzeichnet von har- 
ter Arbeit, großem Fleiß und Spar- 
samkeit. Aus der glücklichen Ge- 
das jüngste starb im Alter von vier 
meinschaft entsprossen vier Kinder, 
Jahren. Das Fest können Herr und 
Frau Köb bei guter Gesundheit und 
äußerst rüstig begehen. Wir schlie- 
ßen uns den Glückwünschen an und 
freuen uns, wenn das Jubelpaar im 
Kreise der Kinder und acht Enkel- 
kinder noch viele gemeinsame Jahre 
verbringen kann. 
Auf froher Fahrt 
Dornbirn. Kürzlich mac hte der 
Jahrgang 1914 seinen Jubiläumsaus- 
flug. Bei strahlendem Frühsommer- 
we tter rollten drei vollbesetzte Auto- 
busse über Hohenweiler, Queralpen- 
straße, Immenstadt, Sonthofen zum 
ersten Halt nach Hindelang. Nach der 
ersten Rast ging es über das Ober- 
joch nach Tannheim. Ein kleiner Ab- 
stecher zum Vilsalpsee, ein herrlicher 
Alpsee in 1100 in Seehöhe, wurde 
noch vor der Mittagspause gemacht. 
Es ging weit er über den Haldensee 
nach Weißenbach und durch das 
heimatliche 
Umgebung. Nach einer 
Pause in Schoppernau ging es flott 
und heiter zurück nach Dornbirn ins 
Hotel Hirschen zum Nachtessen und 
gemütlichen Beisammensein. 
Veranstaltungen -Treffpunkte 
Lustenau. Kath. Bildungswerk: 
Montag, 27. Mai, 20.15 Uhr, Vortrag 
von Prof. P. Dr. Josef Neuner, In- 
dien, „Was bedeutet Mission heute?", 
im Kultursaal. 
Dornbirn. Im WIFI werden bei 
dem heute, Montag, um 19.30 Uhr 
stattfindenden Filmabend die Filme 
„Das ist Kanada: Quebec und Onta- 
rio", „East African Safari 73", „Ren- 
dezvous in Griechenland" und „Jun- 
ge Naturforscher" gezeigt. 
Rankweil. ÖVP-Ortsgruppe: Mon- 
tag, 27. Mai, 20.15 Uhr, Informations- 
und Di skussio nsve rsamml ung mit 
Referat von AK-Präsident LAbg. 
Bertram Jäger „Zeit zum Umden- 
ken" im Gasthof Kreuz. 
!WIR QRATULIEREN 
Lochau. Heute vollendet Johann 
Ziehaus, Bäumle 4, das 77. und Frau 
Hedwig Leder, Hörbranzer Straße 26, 
das 78. Lebensjahr. 
Sulzberg. Das '76. Lebensjahr voll- 
endet heute Frau Magdalena Keller, 
Bröger. 
Hard. Frau Elsa Jabinger geb. 
Zwickle, Badgasse, feiert heute die 
Vollendung des 70. Lebensjahres. 
Höchst. Im Haus Rebgarten 178 
vollendet heute Frau Anna Helbock 
das 73. Lebensjahr. 
Lustenau. Frau Rosine Berchtold, 
Steinackerstraße 3, vollendet heute 
das 82. Lebensjahr. 
Dornbirn. 
Daniel Luger, Bäumle- 
gasse 17a, vollendet heute das 85. 
und Frau Angelika Stefe, Schulgasse 
Nr. 37, das 80. Lebensjahr. 
Götzis. Prokurist Ludwig Högen 
schen, Römerweg, fei ern heute das 
und seine Gattin Doris geb. Dör- 
Fest der Silberhochzeit. 
Lechtal nach Warth in die gewohnte   Röthis. Das 72. Geburtstagsfest 
feiert heute Frau Adelheid Knünz, 
Haus-Nr. 121. 
Düns. Heute vollendet Frau Petro- 
nilla Fetz, Haus-Nr. 27, das 77. Le- 
bensjahr. In Dünserberg wird Frau 
Maria Rauch 86 Jahre alt. 
Bludenz. Ernst Weggemann, Wer- 
denbergerstraße 47, vollendet heute 
das 76. und Theodore Kissenberth, 
Montafoner Straße 22, das 77. Le- 
bensj ahr. 
Mim. Heute vermählen sich Hel- 
mut Burtscher, Judavollastraße, und 
Hele ne Höld, Lindau. 
St. Gallenkirch. Zwei Mitbürger 
feiern heute ihren hohen Geburtstag: 
Ignaz Düngler und Bernhard Kasper 
werden 74 Jahre alt. 
Verlautbarungen 
Bürgermeister Gerhard Köhlmeier 
hält am Montag, den 27. Mai 1974, 
von 17 bis 19 Uhr eine öffentliche 
Sprechstunde im Rathaus (hinterer 
Eingang) der Marktgemeinde Hard 
ab. 
=Impressum 
Eigentümer, Herausgeber, Ver- 
leger und Druck: Vorarlberger_ 
Graphische Anstalt, Eugen Ruß . 
& Co., 6901 Bregenz, Kirch- 
straße 35. 
Chefredakteur und für den In- 
halt verantwortlich: Prof. Dr. 
Franz Ortner. 
Stellvertreter: Josef Mattner 
Chef vom Dien st und Hei- 
matteil: Doris Rinke — Fa- 
milienchronik,_Motor und Tech- 
nik: Hans Lerchenmüller — 
Innen- und Landespolitik: 
Willy Hillek — Außenpolitik 
und Region: Siegfried Gabrielli 
-- Wirtschaft und Ombuds- 
mann: Hans Henning Sch ar- 
sach — Kultur: Liselotte Hanl 
Sport: Josef Mattner, Peter 
Strauß — Wiener Redaktion: 
Sepp Bacher, Danningerweg 9, 
1210 Wien, Tel. 02 22 38 47 222 
Bezirk Bludenz: Adolf Pic- 
colruaz, Herm.-Sander-Str. 16, 
Am Beispiel Bürserberg 
6700 Bludenz, Tel. 0 55 52 / 24 71. 
Am Beispiel Bürserberg sieht man, 
daß der Versuch der Vorarlberger 
Landesregierung, für das Gemeinde-. 
gebiet Bürserberg eine Planung mit 
„Modellcharakter" erstellen zu las- 
Von Adolf Piccolruaz 
sen, durchaus gelungen ist. Dem 
Land ging es dabei vor allem darum, 
ein Modell zu schaffen, das anderen 
Vorarlberger Gemeinden in Zukunft 
die Inangriffnahme raumplanerischer 
Maßnahmen erleichtern soll. 
Die vom Büro für Orts- und Re- 
gionalplanung Dipl.-Ing. Architekt C. 
Fingerhuth, Zürich, in engster Zu-. 
sammenarbeit mit dem Raumpla- 
nungsausschuß und der Bevölkerung 
— durch laufende Information — der 
Gemeinde Bürserberg erarbeitete 
Planung stellt nicht nur eine Modell-, 
sondern gleichzeitig auch eine Mu- 
sterplanung dar. 
Schon allein die Vorgangsweise ist 
beispielhaft, weil das Planungsbüro 
— wie in der Schweiz üblich — den 
unmittelbaren Kontakt mit der Dorf- 
bevölkerung bei ihren bisherigen Ar- 
beiten — und ist dies auch nur in _ 
Form von laufender Information ge- 
schehen — mit in den Vordergrund 
stellte: Man wollte dieser nämlich 
nicht irgend ein Konzept aufzwin- 
gen, sondern deren Wünsche so weit 
als möglich in dieser Planung be- 
rücksichtigen, was bisher auch gelun- 
gen ist. 
Das Kernproblem all dieser Pla- 
nungen ist und bleibt die Benachtei- 
l igung des einen oder anderen, die 
es immer wieder gibt und auch wei- 
terhin geben wird. Nachdem aber 
viel diskutiert wird, können die so- 
genannten „Härtefälle" teilweise 
schon von vornherein ausgeschaltet, 
zumindest aber in einem minimalen 
Maß gehalten werden (wenn es nicht 
zu einer Kompromißlösung kommt). 
Was die „Modellplanung" Bürser- 
berg aber noch zeigt, ist die Notwen- 
digkeit der Erstellung eines Entwick- 
lungskonzeptes vor dem Flächen- 
widmungsplan für Gemein den, de- 
ren weitere Entwicklung sich haupt- 
sächlich auf den Fremdenverkehr 
abstützt, wie dies auch für Bürser- 
berg selbst zutrifft. Jene Vorarlber- 
ger Gemeinden, die ihre Chan ce im 
Fremdenverkehr sehen und diese 
auch nützen wollen, werden um die 
Erstellung eines Entwicklungskon— 
zeptes einfach nicht herumkommen, 
wollen sie Fehlentwicklungen • ver- 
hindern. 
Ich denke hier besonders an die' 
Großwalsertaler, Klostertaler und, 
Montafoner Gemeinden, die am Bei- 
spiel Bürserberg echt profitieren 
könnten. Im Montafon geht es zwar 
nicht um den Fremdenverkehrsauf- 
bzw. -ausbau, sondern vielmehr um 
die Zielsetzung der weiteren Ent- 
wicklung. 
Im Montafon besteht nämlich die 
Gefa hr einer Übererschließung, was 
dem Fremdenverkehr sicherlich nicht 
dienlich ist. Ohne ein solches Ent- 
wicklungskonzept so llten dort vor- 
erst ganz einfach keine weiteren Er- 
schließungen mehr zugelassen wer- 
den, um eine mögliche Fehlentwick- 
lung zu verhindern. Die b eiden an- 
deren Täler können ihre Entwicklung 
noch selbst bestimmen. 
Die derzeit vorliegende „Modell- 
planung" für das Gemeindegebiet 
Bürserberg wird nun noch mit ver- 
schiedenen Vorschlägen aus der Be- 
völkerung überarbeitet, ehe sie der.   
Gemeindevertretung zur Beschluß- 
fas sung vorgelegt werden kann. 
Mißbilligend In diesem W irrwarr kramend, 
zog sie ein altes Kassenbuch mit Eselsohren 
hervor und hielt es zwischen Daumen und 
Zeigefinger. „Was ist das?" 
Siegfried trat einen Schritt näher. „Oh, 
das ist unser Hauptbuch. In das tragen wir 
unsere Besuche aus dem Tageskalender ein, 
der hier irgendwo liegen muß." Er wühlte 
auf dem Schreibtisch. „Ach ja, hier ist er. 
Da schreiben wir die täglichen Anrufe ein." 
Ein paar Minuten lang studierte sie die 
beiden Bücher mit einem Ausdruck von Be- 
stürzung, der allmählich in Galgenhumor 
überging. „Wenn ich Ihre Bücher führen 
soll, müssen die Herren aber doch schreiben 
lernen. Hier sind drei ve rsch iedene Hand- 
schriften, aber diese hier ist bei weitem die 
schlimmste. Geradezu fürchterlich. Von wem 
ist sie?" 
Sie wies auf eine 
 einer 
Eintragung, die nur aus Geld Tag für. Tag hier liegen lassen?". meinem Frühstücksei auf, als ich ein Auto   
langen gebrochenen Linie mit gelegent- 
lichen Schwüngen bestand. 
„Offen gestanden, das ist meine", sagte 
Siegfried und trat von einem Fuß auf den 
anderen. „Muß den Tag wohl gerade in 
großer Eile gewesen sein." 
„Aber so ist ja alles, Mr. Farnon. Sehen 
Sie nur, hier und hier und hier. So geht's 
einfach ni cht, wissen Sie." 
Siegfried verschränkte die Hände hinter 
dem Rücken und ließ den Kopf hängen. 
„Ihr Schreibpapier und Ihre Briefum- 
sie 
schläge haben 
vermutlich hier." Sie zog 
eine Schreibtisch-Schublade auf. Es erwies 
sich, daß sie bis obenhin mit alten Samen - 
säckchen vollgestopft war, viele von ihnen 
aufgeplatzt. Im nächsten Fach waren nur 
gebrauchte Geburtsstricke, die man ver- 
gessen hatte zu waschen, und Miß Harbottle 
fuhr erschrocken zurück. Aber sie war nicht 
leicht von etwas abzubringen und zerrte 
hoffnungsvoll noch an einer dritten Schub- 
lade. Sie öffnete sich mit melodischem Klir- 
ren, und man erblickte einen verstaubten 
Haufen leer er Bierflaschen. 
Langsam richtete sie sich auf und fragte 
geduldig: „Und wo, darf ich fragen, ist ihre 
Geldkassette?" 
„Ach, wissen Sie, das stopfen wir hier 
rein." Siegfried wies auf einen Halbliterkrug 
auf dem Kaminsims. „So eine richtige Kas- 
sette, wie Sie meinen, die haben wir gar 
nicht, aber das hier eignet sich gut dafür." 
Fassungslos blickte Miß Harbottle den 
Krug an: „Sie stopfen einfach ...?" Ver- 
knüllte Schecks und Banknoten blickten sie 
über den Rand hinweg an. Andere waren auf 
den Sims darunter gefallen. „Wollen Sie da- 
mit sagen, daß Sie einfach fortgehen und das 
„Scheint noch nie was geschadet zu haben", 
entgegnete Siegfried. 
„Und was ist mit ihrem baren Kleingeld?" 
Siegfried kicherte gezwungen. „Ist alles 
drin. Alles Bargeld, kleines und großes." 
Miß Harbottles rosiges Gesicht hatte et- 
was Farbe verloren. „Wirklich, Mr. Farnon, 
das ist zu arg. Ich verstehe nich t, utie das so 
lange gegangen ist. Tatsächlich, ich versteh's 
einfach nicht. Nun, wie auch immer, ich trau' 
mir zu, die Dinge rasch in Ordnung zu brin- 
gen. In Ihrem Geschäft gibt's, soviel ich se- 
hen kann, keine Komplikationen — eine ein- 
fache Kartei würde für Ihre Buchführung 
genügen. Die anderen Kleinigkeiten" — sie 
warf einen ungläubigen Blick auf den Krug 
— „nun, das werd' ich bald haben." 
„Prächtig, Miß Harbottle, prächtig." Sieg- 
fried rieb sich die Hände eifriger denn je. 
„Wir erwarten Sie also Montag früh." 
„Punkt neun Uhr, Mr. Farnon." 
Nachdem sie gegangen war, herrschte 
Schweigen. Tristan hatte den Besuch genos- 
sen und lächelte gedankenvoll. Mir aber war 
unsicher zumute. 
„Weißt du, Siegfried", sagte ich, „sie mag 
ein Dämon von Tüchtigkeit sein, aber ist sie 
nicht ein bißchen zu energisch?" 
„Zu energisch?" Tristan brach in lautes, 
ein bißchen rauhes Lachen aus. „Nicht die 
Spur. überlaßt sie nur mir. Ich werde mit ihr 
fertig." 
Das einzige große Eßzimmerfenster war 
vom Frost gezeichnet, und von der Straße 
her hörte man die Sch ritte der Fußgänger 
auf dem Schnee knirschen. Ich blickte von 
vorfahren 
hörte. Es folgte ein Fußstampfen 
auf der Schwelle, dann schlug knallend eine 
Tür zu, und Siegfried stürmte ins Zimmer. 
Schweigend trat er ans Kaminfeuer und 
beugte sich darüber, die Ellbogen auf den . 
gr auen Marmorsims gestützt. Er war fast 
bis zu den Augen in Mantel und Schal ver- 
hüllt, aber was man von .seinem Gesicht 
überhaupt sehen konnte, war blaurot ange- 
laufen. 
Er wandte die tränenden Augen dem Tisch 
zu. „Milchfieber beim alten Heseltine. Einer 
der höchstgelegenen Höfe. 0 
Gott, war das 
kalt da oben! Es verschlug mir fast den 
Ate m." 
Während er die Handschuhe auszog und die 
erstarrten Finger am Feuer rieb, warf er 
einen Seitenblick auf seinen Bruder. Tristans 
Stuhl war der nächste am Kamin, und er 
genoß sein Frühstück, wie er alles genoß. 
Vergnügt klatschte er die Butter auf seinen 
Toast und pfiff leise vor sich hin, während 
er Marmelade darüber strich. Sein Daily 
M irror war aufrecht an die Kaffeekanne ' ge- 
lehnt. Man sah geradezu die Wellen von 
Wohlbehagen und Zufriedenheit, die von 
ihm ausströmten. 
Siegfried zog sich mißmutig vom Kamin 
zurück und ließ sich in einen Stuhl fallen. 
„Ich will nur eine Tasse Kaffee, James. He- 
seltine war sehr freundlich und hat mich 
zum Frühstück eing ela den. Ich bekam ein 
prächtiges Stück selbstgeräucherten Speck 
— ein bißchen reichlich fett vielleicht, aber 
was für ein Wohlgeschmack! Ich spüre ihn 
jetzt noch auf der Zunge." 
(Fortsetzung folgt) folgt)
	        
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