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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Eine dieser Weinflaschen (im Bild unten) ist ein „Kuckucksei", worüber 
sich der Besitzer des stimmungsvollen Hofes in Rust, Burgenland, recht 
  
empört zeigte. Siehe nebenstehenden Beritht. 	(Fotos: E. Boedecker) 
  
  
0 
Stacheldraht um das Hote 
-1 der 
chilenischen Mannschaft, ein 
striktes Alkoholverbot und ein 
Versammlungsverbot *während 
der kommenden WM-Spiele las- 
sen Berlin eher als Kriegsschau- 
platz denn als Heimstätte des 
völkerverbindenden Sports er- 
scheinen. Die Westberliner Si- 
cherheitsbehörden weisen jedoch 
auf die Gefahr möglicher An- 
schläge linker und rechter Extre- 
misten aller Spielarten hin, wo- 
bei vor allem das chilenische 
Team und die Auswahl • der DDR 
unter. Sonderbewachung gestellt 
werden müssen. 
Die Behörden" ließen sich auf 
nichts ein. Das Schloßhotel Glie- 
nicke, wo die Chilenen Quartier 
beziehen, wurde mit Stachel- 
drahtrollen abgesichert. Alle mit 
der Vorbereitung und Durchfüh- 
rung der Spiele befaßten Perso- 
nen vom Veranstaltungsleiter 
über die Techniker bis zur Toi- 
lettefrau erhalten . Sonderaus- 
weise, die scharf kontrolliertwer- 
den. 
An den drei Spieltagen -- am 
14. Juni Chile — BRD, am 18. 
Juni DDR — Chile, am 22. Juni 
Chile — Australien — herrscht in 
Berlin Versammlungsverbot • in 
Kilometern um das Olympiasta- 
einem Umkreis von eineinhalb 
dion. Der Verkauf alkoholischer 
Getränke einschließlich von Bier 
ist untersagt, alkoholfreie Ge- 
tränke werden nur in Bechern 
abgegeben. Den Behörden sitzt 
von München und Fürstenfeld- 
die Erinnerung an das Massaker 
bruck im Nacken, bei dem 1972 
der olympische Fried e brutal ge- 
brochen wu rde. Zwei J ahre, spä- 
ter ist die BundeSrepublik Wie.; 
der Schauplatz eines sportlichen 
Großereignisses. 
Montag, 2t Mal 197; 
Chiles WM-Hauptquartier — hinter Stacheldraht. (Funkbild VN/UPI) 
Seite 12 
Trip zum Südpol 
Der Einsturz eines fünfstöckigen Büroneubaus in der Innenstadt von 
Kuwait hat nach A ngaben der Behörden vermutlich das Leben von 
20 Bauarbeitern gefordert. Das Gebäude stürzte am Sonntag kurz per 
Sonnenaufgang in sich zusammen, als die Bauarbeiter, unter ihnen zahl- 
reiche Gastarbeiter aus dein Iran, gerade im Begriff waren, sich ihr Früh- 
stück zu bereiten. Erste Befürchtungen, daß bis zu 150 Arbeiter bei dem 
Unglück zu Schaden gekommen sein könnten, bewahrheiteten sich nicht, 
Auch eine Meldung des kuwaitischen Rundfunks, es seien bereits 18 Lel- 
chen geborge n w orden, wurde inzwischen von der Polizei dementiert. 
Wie der kuwaitische Staatsminister Abdel-Asis Hussein zu mittag er. 
klärte, seien bisher vier Arbeiter tot und zwei lebend geborgen worden. 
Die Gesamtzahl der Opfer könnte etwa 20 betragen. Die Suche nach 
etwaigen weiteren überlebenden werde mit Hochdruck fortgesetzt, Die 
Ursache des Einsturzes ist bisher ungeklärt. 
In Hongkong Hongkong endete eine Geiselaffäre mit der 
Festnahme eines 
Südvietnamesen, der 11 Geiseln 18 Stunden lang in einer Bank 
gefangen hielt, ohne Blutvergießen. Der 30jährige mußte von der 
Ein Superflughafen soll in der 
Polizei in Sicherheit vor der wütenden Menge gebracht werden. 
Antarktis errichtet werden. über 
dieses kühne Projekt berichtete vor 
kurzem ein New Yorker Wirtschafts- 
magazin. Danach plant die argentini- 
sche Luftwaffe den Bau, der 20 Mil- 
lionen Dollar verschlingen wird. Das 
Projekt hat bereits zahlreiche Inter- 
essenten gefunden. So will die Quan- 
tas den Antarktisflughafen auf einer 
neuen Südpolroute, die die Flugzeit 
zwischen Südamerika und Australien 
um fünf Stunden verkürzen würde, 
für Tankzwischenstopps regelmäßig 
anfliegen. 
Italien: Benzin noch t eurer 
Italien wird wahrscheinlich im 
Juli erneut den Benzinpreis her- 
aufsetzen. Dies verlautete am 
Samstag aus Regierungskreisen. 
Die Erhöhung soll etwa 20 Lire 
betragen. Bisher kostet Super- 
benzin 260 Lire. Rom verspricht 
sich mit der Preiserhöhung vor 
allen Dingen eine Drosselung des 
Benzinkonsums und damit eine 
positive Auswirkung auf die ka- 
tastrophal defizitäre Zahlungs- 
bilanz. 
Italiens Uhren gehen vor: 
Seit gestern Sommerzeit 
In Italien sind gestern (Sonntag) 
die Uhren auf Sommerzeit umgestellt 
worden. Die Sommerzeit ist der 
Stunde voraus.   
MEZ 
um eine 
ohne hin genug des grausamen Spie ls 
sei. 
Shirley Turner will weiter eine 
strenge Diät einhalten, bis sie ihr 
„Bikiniziel", 58 Kilo, erreicht hat. Mit 
einer Nebenwirkung muß sie noch 
fertig werden: „Ich würde gerne lä- 
cheln, aber das schmerzt zu sehr." 
ißbr uc 
Empört ist man im Storchenpa- 
radies Rust am Neusiedler See. 
Schuld daran ist ein sogen annt er 
„Ruster Blaufränkischer", der in den 
westlichen Bundesländern auf den 
Markt geworfen wird. Was der Kon- 
sument da in der 1-Liter-Flasche mit 
nach Hause nimmt, ist keinesfalls 
auf jenen Weinbergen gewachsen, 
deren Besitzer Paul Huber seinen 
international bekannten Hof unwis- 
sentlich als Etikett zur Verfügung 
stellte. 
„Man hätte mich wenigstens fra- 
gen können", meint Huber empört. 
„Das alles ist Betrug. Wer diesen 
Wein kauft, glaubt, ich hätte ihn 
erzeugt!" Der gutgläubige Konsu- 
ment ersteht eine Flasche in der An- 
nahme, es handle sich um echten, 
qualitätsgeprüften „Burgenländer". 
Dafür, meint er, bürge schon das 
Etikett. Mit einem der ältesten Höfe 
Rusts versehen, auf den der Besitzer 
Paul Huber mit Recht stolz ist. Um- 
so empörter -ist er, daß er so' hinters 
Licht geführt wurde. Er wußte nic hts 
von der Aktion, kann mit Sicherheit 
Eine „gute Nase" bewies Polizei- 
sagen, daß der angepriesene Wein 
hund Martin am Freitag auf dem 
	in 
Leonardo-da-Vinci-Flughafen 
Rom: Der auf „Hasch" spezialisierte 
Labrador machte, wie die Polizei be- 
richtete, 54 Kilogramm in 30 Päck- 
chen verpac ktes Haschisch in von 
Beirut nach Kopenhagen bestimmten 
Koffern ausfindig. 
Wie die Polizei bekanntgab, wur- 
den die Koffer wied er in die SAS- 
Maschine verladen und die Interpol 
nicht von ihm stammt. „Denn', 
meint er, „so viel hätte ich ja gar 
n icht. Bei mir wird auf Qu alität, 
nicht auf Quantität Wert gelegt. 
Der Betrug ist sozusagen ein dop- 
pelter. Der Käufer wird verleitet, et- 
was zu kaufen, das nicht seinen Vor- 
stellungen entspricht. Und vor allem 
aber schadet diese Aktion dem Ruf 
der Ruster Weinbauern. 
„Stellen Sie sich einmal vor", em- 
pört sich Gatt in Margarete, „un ser 
Hof ist doch weit über die Landes- 
grenzen hinaus bekannt, Hier wur- 
den Filme gedreht. Fidelio zum Bei- 
spie l, oder ,Die Reise' mit Yul Bryn- 
ner. Der war von unserem Wein 
übrigens begeistert. Und täglich kom- 
men Autobusse aus allen Bundes- 
ländern. Aus Deutschland und der 
Schweiz. Glauben Sie, daß die noch 
kommen, wenn sie irgendeinen Su- 
permarktwein ,mit unserem Hof (als 
Etikett) getrunken habe n?" 
Man rechnete ganz offensichtlich 
damit, daß das Ehepaar Huber von 
dem Schwindel nichts merken würde. 
Kunst für einen als 'Touristen ge- 
tarnten Mann. Und wie, oft kommt 
ein burgenländischer Bauer schon in 
den Westen ... 
Aber das war nun einer jener be- 
rühmten ,Zufälle, daß Paul Hubers 
Neffe in Innsbruck beheimatet ist 
Einen „Ruster" im Geschäft erblick- 
te und so den Stein ins Rollen bräch' 
te ... Paul Huber kennt keinen Par- 
don. Er will jene, die seinen Hof für 
ein Nicht-Huber-Wein-Etikett ge- 
brauchten, vor Gericht bringen. Und 
ganz Rust steht hinter ihm: „Da muß 
endlich etwas unternnommen wer- 
den. Wir lassen uns unseren Ruf 
nicht schädigen!" 
Die Ruster Weinbauern kämpfen 
seit Jahren darum, daß ihr Wein 
nur „echt" als Ruster gekennzeichnet 
auf den Markt kommt. Aber selbst 
mit Weingütesiegeln, die dafür bür- 
gen sollen, wird Unfung getrieben. 
„Ich werde klagen", sagt Huber noch- 
mals. Es geht schließlich um die Ru- 
ster Ehre. Und über ihren Wein las- 
sen die Burgenländer nichts kom- 
Den Hof zu fotografieren ist keine men ... 	 
(Elfi Boedecker) 
0 
an 
,können. Die Radikalkur hatte Erfolg: 
Shirley Turner, die vor sechs Mona- 
ten noch 112 Kilogramm wog, ist heu- 
te um 46 Kilo leichter. 
Eigentlich hätte die „Maulsperre" 
noch lä nger an dauern sollen, aber 
Mrs. Turner litt seit einigen Tagen 
unter starken Kieferschmerzen, und 
es bestand die Gefahr einer Infek- 
„Ich fühle mich herrlich, ich wer- 
flüssige Nahrung zu sich nehmen tion. Die Ärzte meint en, daß es 
de nie wieder dick werden." Das wa- 
ren die ersten Worte der 36jährigen 
Hausfrau Shirley Turner aus Cariton 
bei Nottingham, nachdem Ärzte ihren 
Kiefer von einem Zementpanzer be- 
freit hatten, den sie sich im ver gan- 
genen November hatte anlegen las- 
sen. Die Mutter zweier Töchter im 
Teenageralter hatte seither nur noch 
benachrichtigt. Man erhoffte sich da- 
mit, in Kopenhagen dem „Empfän- 
ger" auf die Spur zu kommen. 
Schießerei in Bar 
Ein Palästinenser, der sich offen- 
bar wegen der Kündigung an seinem 
Arbeitgeber rächen wollte, hat in 
der Nacht zum Sonntag in einer Es- 
sener Bar drei Menschen mit Schüs- 
sen schwer verletzt. 
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