Des Guten zuviel
Aus allen Ecken und Enden be-
ziehen Dr. Hook u. seine Gru ppe
ihre Ideen. Da fehlen weder Ana-
logien zu dem alten Top-Blödler
Bonzo Dog Band noch zu Zappas
„Overnite Sensation". Das dritte
Stück der ersten Seite schließlich,
„Life eint easy", ist ein Auf-
wärmer ihres 3,5-Millionen-Auf-
lagehits „Sylvias Mother". über-
haupt ist der Humor der Medi-
cine Show mehr aus der Alche-
miekiste und den damit ve rbun-
denen Fehlschlägen, denn nicht je-
der kann eine Herzverpflanzung
erfolgreich durchführen. Weniger
Humor könn te Dr. Hook nicht
schaden. Gewollter Humor als
Erfolgsrezept
amerikanisches
kann auch gegenteilige Folgen
haben.
Dr. Hook and the Medicine
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Montag, 27. Mal 1974
Seite 21
Karl Böhm, Ehrenmitglied
des Musikvereins
Professor Dr. Karl Böhm, Öster-
reichs einziger Generaldirektor, wur-
de nun auch Ehrenmitglied der Ge-
sellschaft der Musikfreunde in Wien.
Die Urkunde wurde Böhm Sonntag
vormittag unter starkem Beifall des
Publikums vor Beginn des Festwo-
chen-Eröffnungskonzertes der Wie-
ner Philharmoniker im Musikverein
Den Auftakt bildete das Fritz-
überreicht. Verwandten und Freunden verab -
Pauer-Trio mit Fritz Pauer am Kla-
vier, Orgel und Elektropiano, Tom
Baker am Baß und Erich Bachträgel
am Schlagzeug. Das Art-Farmer-
Quartett, im zweiten Teil des Abends,
brachte eine Aufstockung des Fritz-
Pauer-Trios um einen Mann, näm-
lich Art Farmer. Geboten wurden
Kompositionen von Fritz Pauer, die
reichhaltigste Einflüsse zu Tage
brachten. Dollar-Brand-Passagen am
Klavier, verbrämt mit schönen Ti-
teln, wie dem fünfsätzigen Werk „Ar-
rival — At the Chapel — Cl ouds —
Mountains — Departure", zeigten Be-
zug auf die wunderschöne Umgebung
der Propsteikirche, die den Musikge-
nuß intenvisierte. Besonders profi-
lieren konnte sich Erich Bachträgel
am Schlagzeug, der Drive und Vir-
tuosität bewies.
Art Farmer im zweiten Teil des
ersten Konzertes s etzte mit dem The-
lonius-Monk-Titel „Round about
midnight" den Höhepunkt des
Abends. Er ist ein Vertreter des Mo-
dern Jazz und spielt einen beinahe
lyrischen Stil, der von der Rhyt h-
vielen
musgruppe gut untermalt wurde. Mit
Jazzgrößen hat Art Farmer
im Laufe seiner Karriere zusam-
mengespielt, so mit Lionel Hampton,
Horace Silver, Gerry Mulligan, Oli-
ver Nelson etc.
Den zweiten Abend bestritten im
Workshop ein Posaunensatz und ein
Saxophonsatz, jeweils unterstützt
durch das Fritz-Pauer-Trio. Gespielt
wurden Kompositionen der jeweili-
gen Leader, nämlich Hans Solomop
für fünf Saxophone und Garney
Hicks für vier Posaunen. Das letzte
Drittel mit dem Erich-Kleinschuster-
Sextett brachte schließlich unter an-
derem einen alten Titel Kleinschu-
sters, „Symphony for a lady", zu dem
Kleinschuster Erläuterungen abgab.
Sie zeigten, wie wenig Titel und In-
halt übereinstimmen, eine Tatsache,
die noch nicht alle Musikfans real i-
siert haben.
Samstag abend war das große Ab-
schlußkonzert mit der ORF-Big-
Band, das die verschiedenen Grup-
pierungen zu einer großen Band zu-
sammenfaßte. Eine total überfüllte
Kirche schuf eine dichte Atmosphäre,
in der die Musiker mit Applaus über-
Abends stand unter der Leitung Erich
häuft wurde n. Der erste Teil des
Kleinschusters und zeigte die Perfek-
tion und Präzision der ORF-Big-
Band, die ja auch Shirley Bassey auf
ihrer Tournee begleitete und großes
Lob erhielt.
Der in unseren Breiten noch un-
bekannte Peter Herbholzheimer be-
geisterte mit seinen eigenwilligen
Kompositionen im zweiten Teil, in
dem auch Fritz Pauer eine lange Im-
provisationsphase für sich bean-
spruchte. Bezeichnend wie Pauer hier
auf Effekte zurückgriff, wie Zupfen
der Klaviersaiten, Flötenblasen, ato-
nale Phasen. Diese Effekthascherei
zog sich auch leider wie ein roter
Faden durch die drei Abende. Der
Versuch, Rock- und Big-Band-Sound
zu mischen, schlug sich in einer Wah-
Wah-Orgie nieder, bei der Musikali-
Der weltbekannte sowjetische Cel-
list Mstislaw Rostropowitsch, der von
den sowjetischen Behörden die Er-
laubnis bekom men hat, für zwei
Jahre im Westen zu leben, ist am
Sonntag vormittag von Moskau aus
mit einer Aeroflot-Maschine nach
London geflogen. Auf dem Flugha-
fen wurde er von seiner Frau, der
Sängerin Galina Wischnewskaja,
seinen beiden Töchtern und etwa 35
tät in den Hintergrund trat. Progres-
sivsein muß ja nicht immer gut sein.
Dennoch wurden hier großartige
Leistungen gebo ten, besonders in
Hinsicht auf Perfektion und Präzi-
sion, was die Existenz einer ORF-
eigenen Big-Band mehr als rechtfer-
tigt. Hervorstechend war sicherlich
der Jazzroutinier Art Farmer, neben
ihm aber auch Erich Bachträgel am
S chlag zeug.
Die Konzerte wurden vom ORF
aufgezeichnet und werden zu einem
späteren Zeitpunkt im Rundfunk
Michael
ausgestrahlt.
Ortner
Kainz-Medaillen überreicht
Die Josef-Kainz-Medaille 1973 der
Stadt Wien wurde gestern Kammer-
schauspielerin Judith Holzmeister,
Burgschauspieler Michael Heltau,
Regisseur Erwin Axer und Bühnen-
bildner Georg Schmid überreicht. Die
Förderungspreise im Rahm en der
Kainz-Medaillen erhielten Therese
Affolter, Hagnot Elischka und Hans
Gratzer.
schiedet. Seine Familie wird ihm
spä ter folgen. Außer seinem Gepäck
hatte Rostropowitsch zwei Cellos und
einen großen schwarzen Hund bei
sich.
Rostropowitsch erklärte bei seiner
Ankunft in London, daß er in zahl-
reichen Ländern spielen und dirigie-
ren wolle. „Zunächst aber möchte ich
mich ausruhen, ich bin sehr müde",
österreichisches Jazzfestival in St. Gerold
setzte er hinzu.
Kontrastreiche Virtuosität
Unter dem Titel „Bands in a Band" präsentierten sich Donners-
tag, Freitag und Samstag abends die ORF-Big-Band und verschie-
dene Gruppierungen, die sich aus dieser entwickelt haben. Die au-
ßergewöhnliche Kulisse, die die Propsteikirche von St. Gerold dabei
bot, lockte in den drei Tagen viele Jazzfans aus dem ganzen Bo-
denseegebiet an.
Ein schwarzer Hund und zwei Cellos
Rostropowitsch in London
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