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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

ViwaribErgyr 28. 
Dienstag, 
Mal 1974 
Henry Kissinger 
Nummer 123 — 30. Jahrgang 
verließ Syrien 
gestern erfolglos 
Ohne die erhoffte Zustimmung 
Syriens zu einem •Israelisch-syri- 
schen Truppentrennungsabkom- 
men Ist US-Außenminister Kissin- 
ger gestern abend von Damaskus 
nach Israel zurückgeflogen. (Be- 
  
richt Seite 2 unten.) 
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In Paris be gann gestern der politische Alltag: Morgen Bekanntgabe 
der Kabinettsliste, Regierungserklärung am 4. oder 5. Juni erwartet 
Nach Aufdeckung des Atommüllskandals in BRD: 
Heidelberg / Karlsruhe (dpa) Der Vorwurf einer, Bürgeraktion, 
das Kernforschung,szentrum Karlsruhe habe auf einer Mülldeponie 
gesundheitsschädlichen,. radioaktiven Müll abgelagert, ist'`: anWis- 
senschaftern in Heidelberg entkräftet worden. Das Institut habe 
zwar von der Bürgeraktion vorgelegte Bodenproben der Mülldepo- 
nie Leopoldshafen (Baden-Württemberg) untersucht und dabei 
radioaktive Stoffe festgestellt, die ermittelten' Werte seien jedoch " 
-U 
von Mitgliedern der Biirgeraktion „aufgrund von 
nke nntnis der 
physikalischen Gegebenheiten" unzulässig hochgerechnet worden. 
Auch das Kernforschungszentrum wies am Montag erneut jeden 
Verdacht zurück und te ilte mit, die Strahlung auf der Deponie • 
betrage nur fünf Prozent der zugelassenen Dosis. Gleichzeitig wurde 
die Veröffentlichung neuer Untersuchungsergebnisse angekündigt. ' 
(Wozu eigentlich, wenn die Vorwürfe entkräftet sind? Oder gibt es 
doch noch etwas zu untersuchen? Anm. d. Red.) 
Die Bürgeraktion bekräftigte dagegen ihren Vorwurf, auf der 
Deponie sei eine Strahlung festgestellt worden, die 120- bis 190mal 
über der Toleranzgrenze liege. Sie warf den Behörden vor, sie woll- 
ten die Angelegenheit vertuschen und setzten die Wissenschafter in 
Heidelberg unter Dru ck, damit sie ihre Meßwerte revidierten. 
„Capital": Totaler Rückzug 
Verhandlungen über Vergl eich zugu nsten No llaus 
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Auflagenstärkste und 'parteiunabhängige Tageszeitung für das Land Vorarlberg 
Eigentümer, Herausgeber u. Verleger: E. Ruß & Co., Bregenz, Tel. 2 42 56*, 223 54, Anzeigen 2 3315, 2 2151, Telex: VGA 710 
Erscheinungsort - Verlagspostamt 6900 Bregenz - Abonnement monatlich S 44,50, Einzelpreis S 2,—, Samstag S 3,— • P.b.b. 
Paris (dpa/AFP) Der am 19. Mai 
gewählte französische Staatschef Va- 
lery Giscard d'Estaing hat am Mon- 
tag offiziell sein Amt angetreten und 
wenig später den bisherigen Innen- 
minister Jacques Chirac zu seinem 
Ministerpräsidenten ernannt. Damit 
hat nach mehrwöchiger Pause im 
Zeichen des plötzlichen Todes von 
 und 
Staatspräsident Georges Pompidou 
des • anschließenden Präsident- 
schaftswahlkampfes , die normale 
politische Aktivität wieder begonnen. 
Die Ziasammensetzung der- neuen 
Regierung Chirac wird am Dienstag 
bekanntgegeben. Der. Regierungs- 
chef kündigte eine Straffung des Ka- 
binetts an. Die Regierungserklärung 
soll nach Angaben aus Parlaments- 
geben werden. Am Mittwoch abend 
kreisen am 4. oder 5. Juni abge- 
wird Präsident Giscard in einer 
Rundfunk- und Fernsehrede zur 
Regierung,sbildung Stellung nehmen, 
am Donnerstag wird der Staatschef 
vor der Nationalversammlung spre- 
chen. 
(Kommentar und Chirac-Porträt auf 
Seite 2) 
Etappenweiier Abbau der Vorarlberger Telefonmisere 
Noch heuer Telefo 
Mit einem vereinfachten Zeremoniell übernahm der neue französi- 
zwischen Bregenz u 
sche Präsident, Giscard d'Estaing (2. von links, schreibend), gestern 
die Macht in Frankreich und kündig te eine „neue Ära" an. 
(Funkbild VN/UPI) 
durch 
protestantischer Extremisten 
Militäreinsatz zu brechen, hat die 
innenpolitische Krise in Nordirland 
am Montag drastisch verschärft. Der 
arbeiterrat" beantwortete die Über- 
militante protestantische „Ulster- 
nahme der Erdöldepots und Tank- 
stellen durch Soldaten mit einem 
Aufruf zum totalen Streik auf dem 
Energiesektor. 
Wien (VN - Bac) Verkehrsminister 
Lano hat der Telefonmisere in Vor- 
arlberg den Kampf angesagt. In 
einem Gespräch mit den „VN" kün- 
digte er einerseits die rasche und 
wesentliche Verbesserung der vor- 
handenen Fernsprechmöglichkeiten 
an, andererseits wird die Anwer- 
bung von 'Fernmeldetechnikern 
zwecks Errichtung dringend benötig- 
ter neuer Telefonanschlüsse intensiv 
vorangetrieben. 
Eine wesentliche Erleichterung des 
Fernsprechverkehrs zwischen der 
Landeshauptstadt Bregenz und der 
Bundeshauptstadt Wien wird schon 
ab He rbst dieses Jahres die Errich- 
tung einer Kurzwahlverbindung 
zwischen' Bregenz und Wien brin- 
. 
Der Bundespar- 
Wien (VN - bac) 
teivorstand der ÖVP wird heute nach 
der Anti-Withalm- und Pro-Lugger-; 
bedeuten-. 
Entscheidung eine weitere 
de Frage beantworten müssen: In 
Wien wird. unter dem Vorsitz von 
Obmann Schieiner die grundsätzli- 
che Haltung der großen Opposition 
zur ORF-Reform abgestimmt werden 
müssen. Kernproblem ist - dabei die 
geplante Einrichtung 'einer Anstalt 
öffentlichen Rechts für den ORF. 
Diese Ablösung der bisherigen, 
durch das Rundfunkgesetz vorge- 
schriebenen Gesellschaftsform einer 
Gesellschaft mit beschränkter Haf- 
tung, war Anfa ng des Jahres plötz- 
lich von der FPÖ in die Diskussion 
geworfen, von keiner der beiden 
Großparteien indes ernsthaft aufge- 
griffen. worden, weil zu große Ände- 
	die. 
rungen. des ' Gesetzes' 
SPÖ 
sprach: von der Notwendigkeit einer 
völligen Neuformulierung des Ge- 
setzes — nötig gewesen wären. 
Gerade aber die RechtSform einer 
Anstalt öffentlichen Rechts schien, 
nachdem der FPÖ-Plan bereits von 
SPÖ und ÖVP als endgültig erledigt 
.als 
abgetan worden--war, plötzlich 
die Basismöglichkeit einer Drei-Par- 
teien-Einigung, zumal bei der•neuen 
ReChtsform. Gesellschaftsversamm- 
lung und Aufsichtsrat als Haupt 
ließ. 
  
sm 'Wochenende durch Klubobmann 
den•- 
Weiß iffirirder. 
FPÖ zwischenzeit- 
.und' von 
lich unentwegt . 
ggorderten 
 gen: 
ORF-General: Bacher .gutgeheißinen 
Ähnlich wie es bereits eine 
Kurzwahl Wien—Salzburg (996) gibt, 
wird man Wien von Bregenz aus mit 
einer dreistelligen Vorwahlnummer 
erreichen. Zur Entlastung dieser 
neuen •Kurzwahlnummer wird die 
alte Vorwahl in beiden Richtungen 
(Breg enz 0 55 74, Wien 02 22) auf- 
recht bleiben, so daß wahlweise zwi- 
schen beiden Fernsprechverbindun- 
gen gewählt werden kann. 
Die Gesprächsabfolge mit der 
kurzen Kennzahl läuft über neue 
Leitungen, die derzeit zwischen 
Wien und Bregenz verlegt wer den. 
In der Folge ist dann geplant, bis 
1976 Kurzwahlnummern zwischen 
Bregenz und den Landeshaupt- 
Vorschlag der ÖVP unterbreiten. 
Diese entscheidet heute. 
Die Entscheidung geht abtr prak- 
tisch in den luftleeren Raum. Denn 
noch ist unbestimmt, wer (Bund, Ge- 
bietskörperschaften, Parteien, Wirt- 
schaftspartner . und . gesellschaftlich 
relevante Gruppen) in dem Kurato- 
rium vertreten ist, das über die 
Bestellung der wichtigsten ORF-Or- 
gane (Generalintendant, Programm- 
direktoren, Landesintendanten) ent- 
scheidet. 
(SK) "Der mit der Sowjet- 
Wien 
union abgeschlossene Vertrag über 
die Urananreicherung sichert dem 
zweiten österreichischen. Kernkraft- 
werk; das etwa, 1980 an der Enns- 
mündung den Betrieb aufnehmen 
soll, den Brennstoff für zwölf Jahre, 
teilten die Generaldirektoren Dok- 
Dr. ' Reisinger in 
tor Erbacher 'und 
Funktion als Präsidenten der 
ihrer 
Kernkraftwerksplanungs- .bzw. be- 
triebsgesellschaft Montag bei einem 
Pressegespräch im Handelsministe- 
rium mit. 
Der Vertrag, der in der Vorwoche 
in , Mo skau unterschrieben wur de, 
 städten 
sieht die Lieferung von-Uran für die 
  
Innsbruck, Salzburg, Linz,. 
Graz und Klagenfurt herzustellen. 
Weitere Pläne des Verkehrsmini- 
steriums, dem die Post unterstellt 
ist, für Vorarlberg: Für 1975 sind die 
Errichtung eines neuen Wählamtes 
und die Erweiterung des bestehen- 
den Netzgruppenamtes in Feldkirch 
festgesetzt. Diese Neuinstallierungen 
werden in Feldkirch und dessen 
Umgebung wesentliche Erleichterun- 
gen bringen, so daß nicht sofort nach 
Wahl der „0" für ein Ferngespräch 
das Besetztzeichen ertönt. In den 
Ja hren danach ist die E inric htung 
von Kurzrufnummern zwischen Bre- 
genz und Dornbirn, Bregenz und 
Feldkirch sowie Feldkirch und Dorn- 
birn vorgesehen. 
Eine wesentliche Verkehrsverbes- 
ser ung erwartete man sich schließ- 
lich von . der Einrichtung einer 
Richtfunkstrecke zwischen Innsbruck 
und Feldkirch, die durch eine Viel- 
zahl von Leitungen den Sprechver- 
kehr zwischen Vorarlberg und Tirol 
optimal gestalten soll. 
1976 wird die Errichtung des 
neuen Verbundamtes in Dornbirn 
begonnen, das nach eineinhalbjähri- 
ger Bauzeit auch den Einwohnern 
der umliegenden Gemeinden bei 
Abwicklung der Ferngespräche von 
Vorteil sein wird. 
Ergänzt wird die Palette von Tele- 
fonverkehrserleichterungen schließ- 
lich durch die Verlegung eines lei- 
stungsfähigen Kabels zwischen 
Dornbirn und der Landeshauptstadt. 
In Ulster 
droht totales Chaos 
Belfast (Reuter, AFP) Der Ent- 
schl uß der britischen Regierung, den 
seit zwei Wochen währenden Streik 
Erstladung sowie für zehn Nach- 
ladungen des zweiten Kernkraftwer- 
kes vor. Die Kosten der Anreiche- 
rung des Urans betragen eine Mil- 
liarde Schilling oder rund 1,2 Gro- 
schen pro Kilowattstunde des mit 
dem Brennstoff erzeugten Stroms, 
was, wie betont wurde, etwas billi- 
ger ist' als das Angebot der USA. 
Die Ladungen reichen für zwölf 
Jahre, in denen 100 Milliarden Kilo- 
wattstunden erzeugt werden kön- 
nen, was etwa dem Vierfachen des 
jährlichen Strombedarfes in Öster- 
reich entspricht. Ähnliche Anreiche- 
rungsverträge mit. der Sowjetunion 
Köln (dpa) Das westdeutsche 
haben bisher :westdeutsche,. 
belgische 
Wirtschaftsmagazin „Capital" hat 
sich einen "Tag nach der freiwilligen 
und spanische ElektAzitätsversor-• 
gungsunternehmungen. abgeschlos- 
sen. 
Der bei der .Produktion in einem 
Kernkraftwerk • anfallende Atom- 
müll soll nach einer kurzen Zeit der 
Abkühlung in strahlensicheren Be- 
hältern in „Bleisärgen" an die 
	zurückge- 
Brennstofflieferländer 
schickt und von diesen im Meer ver- 
senkt werden. Handelsminister Sta- 
ribacher sprach sich abschließend für 
eine „Versachlichung" der Diskus- 
sion über Kernkraftwerke aus. (An- 
merkung der Red.: Über die Pro- 
blematik der Atomertüllrücklieferung 
Rücknahme seiner schwerwiegenden 
wird noch 
zu sprechen sein.) 
Agentenvorwürfe gegen den west- 
deutschen Verfassungsschutzpräsi- 
  
denten Günther Nollau am Montag' 
vor Gericht auch formell verpflich- 
tet, die weitere Verbreitung der Be- 
schuldigungen zu unterlassen. 
Wie Nollaus Anwalt nach dem 
Gerichtstermin in Köln mitteilte, 
haben die Rechtsvertreter von „Ca- 
pital" Verhandlungen über die von 
Nollau angekündigten Schmerzens- 
geld- und Widerrufsforderungen 
angeboten. Diese Verhandlungen 
len sobald wie möglich begonnen 
werden, „um die. ganze , Angelegen- 
heit, zugunsten von Dr. Nollau, aus 
 Welt zu schaffen." 
der. 
„Capital" hatte am Mittwoch in 
einem vorab veröffentlichten Arti- 
kel .Nollau aufgrund einer angebli- 
chen CIA-Privatstudie verdächtigt, 
Ostspionage betrieben zu haben. Die 
Anschuldigungen waren bereits nach 
harten Dementis der. Regierungen in 
Bonn und , Washington entkräftet 
streitpunkte wegfallen. Die SPÖ worden. Der ,für die nächste Aus- 
gabe des Magazins, ge plante Artikel 
war daraufhin zurückgezogen wor- 
	 
den. 
411 
berät heute 
die 0 F-Frage F-Frage
	        
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