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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Mit Be ginn der wärmeren Jahreszeit wurde auch mit der Außen- 
renovierung der Pfarrkirche in Hohenweiler begonn en. Innen ist 
die Arb eit so gut wie abgeschlossen, wobei auch ein Teil der frei- 
	 
gelegten Fresken restauriert wurde. 
(Foto: VN/stp) 
Seite 6 
FAMILIENCHRONIK 
1 
Herzlichen Glückwunsch 
Bregenz. Der Gründer der See- 
taxis und Motorboot-Rundfahrten 
auf dem Bodensee, Heinrich Knill, 
fe iert morge n die Vollendung des 
73. Lebensjahres. Dem rüstigen und 
immer gut auf gelegt en Kapi tän 
würde man dieses Alter nicht an- 
sehe n, er denkt nicht daran, sich in 
den Ruhestand zu bege ben, zu sehr 
ist er mit den Booten und dem Was- 
ser verbunden. Mit seinem ersten 
Motorboot „Hermine" machte der 
Jubilar schon im Jahre 1930 regel- 
mäßige Fahrten von Bregenz zum 
Altenrhein, wo damals das Riesen- 
flugzeug Dox besichtigt werden 
konnte. Auch die „VN" wünschen 
Herrn Knill noch viele gesunde 
Jahre auf dem Bodensee. 
Viele Trauernde 
Egg. Auf dem Weg zu seiner Ar- 
beitsstätte verunglückte der 22 Jahre 
alte Peter Albrecht und verschied 
wenig später an den 
eae erlittenen Verletzun- 
gen. Sein Tod riß in 
die 	Familie 	eine 
schmerzliche Lücke . 
Tief bewegt standen 
die Eltern und drei 
Geschwister 	sowie 
viele Mitbürger am 
blumengeschmückten 
Grab und nahmen 
Abschied. Pfarrer Jo- 
sef Jäger schilderte das Leben des 
jungen Ma nnes und hob besonders 
seine Tüchtigkeit und seine Beliebt- 
heit am Arbeitsplatz her vor. Mitar- 
beiter und Jahrgänger verabschiede- 
ten sich mit ehrenden Worten und 
Blumen vom viel zu früh verschie- 
denen Freund. 
Letzter Abschied 
Lauterach. Außergewöhnlich viele 
Trauergäste begleiteten die nach 
schwerer Leidenszeit im Alter von 
56 Jahren verstorbene Hildegard 
Berchtold zur let zten Ruhestätte. Die 
Verstorbene entstammte der Eisen- 
bahnerfamilie Johann Köb. Zuerst 
im Haushalt tät ig, war sie dann in 
zwei heimischen Großbetrieben be- 
schäftigt. Im Mai 1953 bot sie Alois 
Berchtold die Hand zum Lebens- 
bund, beide zogen dann in das vä- 
terliche Haus in der Harder Straße 
ein. Ihre ganze Liebe galt dem Gat- 
ten und den drei Söhnen. Die from- 
me, bescheidene Frau hat in ihrem 
Leben viel Gutes getan und sich für 
die Mitmenschen allzeit zur Hilfe be- 
reitgefunden. Im besonderen war sie 
für die Belange der Caritas aufge- 
schlossen und half dort oft mit bei 
den Haussammlungen. Ihre Jahrgän- 
ger, die sich zahlreich an der Beerdi- 
gung beteiligten, legten ihr zum Ab- 
schied Blumen an ihr Grab. Pfarrer 
Alfons Winter, der die Einsegnung 
vornahm und den Kondukt führte, 
sprach über den Sinn des Leidens 
aus christlicher Sicht und rühmte in 
sein em Nachruf ihre Frömmigkeit 
und das Gottvertrauen. 
Aus dem Standesamt 
Lauterach: Geburten: Elisabeth des 
Walter Reiner; Marco des Walter 
Schrott; Silvie des Walter Adami, 
ler, Dornbirn; Sladjan des Slobodan 
Hörbranz; Andrea des Michael Tha- 
Stevanovic, Wolfurt; Esther des Jo- 
sef Prugger, Lochau; Ilonka des 
Gotthard Gögele, Hörbranz; Thomas 
des Günter Meinl, Kennelbach; Mi- 
riam des Janes Petrovic, Hard; Frie- 
derike des Helmut Messerle, Wol- 
furt; Sebastian des Bernhard Mark, 
Wolfurt; Andrea des Kurt Hechen- 
blaikner, Hard; Rene des Karl Stop- 
pel, Buch; Michaela des Werner 
Bauer, Kennelbach; Sonja des Mi- 
cun Pelevic, Hard; Petra des Wil- 
helm Vogel, Hard; Julian des Singar 
Knowle, Hard. — Trauungen: Lud- 
wig ölz mit Hilda Schwär zler, 
Schwarzach; Diplomingenieur Josef 
Schwindhackl, Bregenz, mit Adel- 
heid Götze; Karl Weiß, Bregenz, mit 
Brunhi lde Dietrich; Johann Ober- 
hauser, Götzis, mit Roswitha ölz; 
Theodor Jennewein, Dornbirn, mit 
Christel Eisenegger; Roland Walch 
mit Waltraud Bischof. — Sterbefälle: 
Rosa Mittelberger geb. Krenkel 
(19 02); Anton Heim (1 909); Josef Le- 
berl (1900). 
Auf Rundfahrt 
Altach. Der Nachmittagsausflug 
des Kneippvereins wurde ein voller 
Erfolg. Der große Bus führte die 
Teilnehmer bei herrlichstem Wetter 
zu den nahen Schweizer Bergen. Bei 
guter Sicht in die Ferne übersah 
man das schöne Rheintal und die Bo- 
denseegegend. Einen längeren Auf- 
enthalt machte man in St. Margre- 
then. Gesang mit schwungvoller Kla- 
vierbegleitung und gemütlicher Un- 
terhaltung gab dem schön verlaufe- 
nen Nachmittag in Mäder einen wür- 
digen Abschluß. 
Nach Unfall verschieden 
Koblach. In der Blüte seines Le- 
bens, kurz vor Beendigung seiner 
Lehrzeit als Mechanikerlehrling, 
wurde Peter Wäger nach einem Ver- 
kehrsunfall aus dem Leben gerissen. 
Im Jahre 1956 als drittes von fünf 
Kindern geboren, kam Peter nach 
seiner Schälzeit in die Lehre. In be- 
scheidenen Verhältnissen aufgewach- 
sen, war der Verstorbene auch auf 
seinem Arbeitsplatz immer ein ruhi- 
ger und pflichtbewußter Mitarbeiter. 
Mit seinen Jahrgangskollegen war er 
immer in aufrichtiger Freundschaft 
verbunden und jederzeit ein guter 
Kamerad. Eine große Trauergemein- 
de mit Firmenchef Armin Fink und 
allen Arbeitskameraden erw ies dem 
allzufrüh vom Herrgott abberufenen, 
und auf dem Dorffriedhof von 
Koblach beigesetzten Mitbürger die 
letzte Ehre. Beim Sterbegottesdienst, 
den Pfarrer Heinrich Morscher zele- 
brierte, wurde des verstorbenen Soh- 
nes und Bruders in würdiger Form 
gedacht. Nach der Einsegnung nahm 
mit bewegten Worten Wolfgang Fitz 
für die Betriebsangehörigen von 
VW-Fink von dem immer frohen und 
gewissenhaften Arbeitskameraden 
Abschied und legte ein Blumenge- 
binde am Grabe nieder. Für den 
Jahrgang 1956 verabschiedete sich 
Karlheinz Langer. Wenn ein junger 
hof f nungsvol ler Mensch durch einen 
tragischen Verkehrsunfall aus dem 
Leben scheiden mußte, möge die auf- 
richtige Anteilnahme der Bevölke- 
rung und der Arbeitskollegen den 
großen Schmerz der Eltern und Ge- 
Hoher Geburtstag 
schwistern etwas lindern. bühl, das 73., und Frau Elise Berk- 
Feldkirch. Karl Förster, Liechten- 
steiner Straße 17, vollendet am 
Pfingstmontag sein 90. Lebensjahr. 
Der Jubilar erfreut sich guter Ge- 
sundheit und nimmt am öffentlichen 
Leben immer noch regen Anteil. Karl 
Förster war viele Jahre als Leiter, 
der AdministratiOn der- ehemaligen 
Bundeslehrerbildungsanstalt in Feld- 
kirch tätig. Sein Sohn Otto betreibt 
in Feldkirch, Neustadt, ein Friseur- 
geschäft. Ein zweiter Sohn des Ju- 
bilars ist im Zweiten Weltkrieg ge- 
fallen. Wir wünschen dem angese- 
henen Mitbürger noch einen unbe- 
schwerten Lebensabend. 
631:MTLILIE 
!WIR REN   
Bregenz. Am Pfingstmontag fei- 
ern Frl. Fini Feßler, Klostergasse 12, 
und Frau Hermine Koler, Quellen- 
straße 18, das '75. Wiegenfest. 
Lochau. Morgen vollendet Frau 
Anna Pfanner, Schwendeweg 7, das 
77. Lebensjahr. Am Pfingstmontag 
werden Josef Forster, Hörbranzer 
Straße 10, 82, und Anton Panhans, 
Seehofweg 4, 80 Jahre alt. 
Sulzberg: In der Parzelle Schön- 
bühl vollendet heute Frau Maria 
Stadelmann das 72. Lebensjahr. 
Riefensberg. Am Pfingstmontag 
vollenden Fridolin Nenning, Weizen- 
mann, Schwarzen, das 72. Lebens- 
jahr. 
Schoppernau. Altpostmeister Leo- 
pold Moosbrugger.feiert am Pfingst- 
montag seinen 70. Geburtstag. 
Hard. Heute vollendet Wwe. Aga- 
tha Schwazer, Inselstraße, das 83., 
Jul ius Ar tho, Seestraße, das 78., und 
Bartholarnäus Herbst, Ob erer -Ach- 
damm, das 74: Lebensjahr. • Am 
-Pfingstmontag wird Frau Maria 
Hölle, Neubaustraße, 70 Jahre alt. 
Höchst; Frau Dora Hämmerle, 
Dr.-Fr.-Schneider-Straße 107, voll- 
endet heute das 70., und Frau The- 
resia Stadelmann, Konsumstraße 461, 
das 72. Lebensjahr. Morgen vollendet 
Frau Luise Vetter, Bitzestraße 38, 
das 81. Lebensjahr, und am Pfingst- 
montag wird Frau Rosa Oberham- 
mer, Dr.-Fr.-Schneider-Straße 93, 75 
Jahre alt. 
Lustenau. Am Pf ingst sonntag fei- 
ert Frau Maria Winkler, Augarten- 
straße 73, die Vollendung des 80. Le- 
bensjahres, am Pfingstmontag wird 
Frau Katherina Fitz, Kapeilenstr. 23, 
75 Jahre alt. 
Dornbirn: Heute wird Frau Ma- 
ria Marchetti, Feldgasse 29, 82 Jahre 
alt. Am Pfingstmontag vollenden 
Frau Marie Sedlmayr, Schulgasse 20, 
das 88., Frau Theresia Schertler, 
Höchster Straße 30, das 82.,und Frau 
Franziska Hoeberl, Altershi 
m, eben- 
falls das 82. sowie Frau Alma Zan- 
gerle, Altersheim, das 81. Lebens- 
Götzis. Heute vollendet Anton 
jahr. 
Wäger, Dr.-Alf.-Heinzle-Straße, das 
71., und Franz Bösch, Franz-Mich... 
Felder-Straße, ebenfalls das 71. Le- 
bensj ahr. 
Das silberne Ehejubiläum fei ern 
am Montag Anton Dorn und seine 
Gattin Alma geb. Berchtold, Hans- 
Berchtold-Straße. 
Klaus. Am Pfingstsonntag voll- 
288, 
endet Michael Huber, Haus-Nr. 
  
das 74. Lebensjahr. 
Gisingen. Das 75. Lebensjahr 
vollendet am Pfingstsonntag Georg 
Marterer, Flurgasse. 
Bludenz. Heute vollenden Frau 
Angelika Jungblut, Suchardstraße 5, 
das '79. und Frau Benedikta Fran- 
zoi, Mokrystraße 33, das 71. Lebens- 
jahr. Am Sonnta g werden Frau Klo- 
thilde Amann, St.-Antonius-Straße, 
73. und Josef Huber, Mühlgasse, so- 
wie Josef Torghele, Riedstraße, 70 
Jahre alt. Am Pfingstmontag voll- 
enden Edmund Lorünser, Altersheim, 
das 76. und Frau Ida Lenzi, Wich_ 
nerstraße 31, das '72. Lebensjahr. — 
Das Fest der Silberhochzeit feiern am 
Pfingstsonntag die Eheleute Rudolf 
und Martha Hermann, St.-Anna- 
Straße 20. 
Vandans. Am Sonntag feiern Ja- 
kob und Frieda Moosbrugger geb. 
Burtscher, HNr. 98, das Fest der 
goldenen Hochzeit. 
Veranstaltungen -Treffpunkte 
Bregenz. Kam. des ehem. Stand- 
sc.hützen-Baons Bregenz treffen sich 
am Pfingstmontag, 3. Juni, 10 Uhr, 
zum Gedächtnisgottesdienst in der 
Seekapelle. 
Bregenz. Absolventenverein der 
HTL: Samstag, 8. Juni, Exkursion 
zur Müll-Kompostierung in Lusten- 
au und zur Zentralkläranlage Bre- 
genz. Treffpunkt 9.15 Uhr Kompo- 
stierwerk Lustenau. 
Hohenweiler. Montag, 3. Juni, 20 
Uhr, Farblichtbildervortrag von Horst 
Manser, Bezau, „Drei Jahre Ent- 
wicklungshilfe in Tansania", im 
Schulhaus. 
Lauterach. Jahrgang 1914. Heu te, 
Samstag, 1. Juni, 20 Uhr, Ausflugs- 
besprechung im Gasthaus Grüner 
Baum. 
Schwarzach. Pfingstmontag, 14.00 
Uhr, Weihe des Freischwimmbades 
beim Blindenwohn- und -erholungs- 
heim, Ingrüne. 
Götzis. Pfingstsonntag, 2. Juni, 
Treffen der Bäcker-Komp. 67 der 2. 
Geb.-Div. 10.15 Uhr Feier bei der 
Gedenkstätte Schattenburg, abends 
Kameradschaftsfeier im Gasthof 
Montfort. 
Rankweil. Walserverein. Das jähr- 
lich an Pfingsten veranstaltete Wal- 
sertreffen in Feldkirch muß heuer 
wegen Saalschwierigkeiten entfallen. 
Feldkirch. Briefmarkensammler- 
verein: Nächster Tauschtag im Gast- 
hof Sch äfle, Marktgasse, am Sonn- 
tag, 9. Juni, 9 bis 11.30 Uhr. 
Schlins. Samstag, 1. Juni, 20.15 
Uhr, Gästeabend mit der Trachten- 
und Schuhplattlergruppe Satteins 
und dem Duo Konzett im Hotel 
Krone. 
Sehruns. Sonntag, 2. Juni, 20.30 
Uhr, Lichtbildervortrag von E. Ga- 
nahl „Wandern im Montafon", in der 
Aula der Hauptschule. 
Bereitschaftsdienst 
der Lawinenhundeführer 
Reinhold Erne, Vandans, Telefon 
0 55 82 / 201. Hermann Burtscher, 
Klösterle, Telefon 0 55 82 / 201, Pri- 
vat: 0 55 82 / 229. 
Copyright: Rez.V.rigg, 
München, vertreten durch: 
Herzog-Verlag. Tübingen 
Wen sie nur,: 
sorec en 
könten-1e7dotes 
35 
konnte- jetzt 
Ich 
auf sechs Monate harter, 
praktischer Erfahrung zurückblicken. Ich hat- 
te an sieben Tagen der Woche Kühe, Pferde, 
Hunde und Katzen behandelt — morgens, 
nachmittags, abends und in jenen Stunden, 
wo alle Welt schlief. Ich hatte bei Kühen und 
Sauen Geburtshilfe geleistet, bis mir die Ar- 
me weh taten und meine Haut sich abschäl- 
te. Ich war umgeschmissen, getreten und mit 
jeder Art von Dreck bespritzt worden. Ich 
hatte eine ganz hübsche Auswahl von Tier- 
krankheiten gesehen. Und trotzdem begann 
in meinem Unterbewußtsein eine leise Stim- 
me zu behaupten, ich wüßte nichts, überhaupt 
nichts. 
Das war sonderbar, weil diese sechs Mo- 
nate doch auf fünf Jahre Theorie aufbauten, 
auf einer langsamen, mühsamen Assimilation 
von Tausenden von Fakten, auf Bruchstücken 
 wie 
von Wissen, die man sorgfältig aufspeicherte 
ein Eichhörnchen seine Nüsse. Man hat- 
te mit dem Studium von Pflanzen und den 
niedrigsten Lebensformen angefangen, sich 
dann bis zu Präpariersaal und Laboratorium 
heraufgearbeitet und zum weiten, seelenlo- 
sen Territorium der Medizin. Und dann die 
Pathologie, die den Vorhang der Unwissen- 
heit zerriß und mich zum erstenmal tiefe Ge- 
heimnisse schauen ließ. Und Parasitologie, 
die wimmelnde, fremde Welt der Würmer 
und Fliegen und Milben. Endlich innere Me- 
dizin und Chirurgie, die Angelpunkte meines 
weiteren Studiums und ihre Anwendung auf 
die üblichen Krankheiten der Tiere. 
Und da gab es noch eine Menge anderes 
— Physik, Chemie, Hygiene. Nichts sch ien 
ausgelassen. Woher denn dieses Gefühl, ich 
wüßte nichts? Wieso hatte ich angefangen, 
mich wie ein Astronom zu fühlen, der durch 
das Teleskop in eine unbekannte Milchstraße 
schaut? Das Gefühl, ich tastete nur an den 
Rändern unbekannter Räume herum, war be- 
drückend. Aber komisch, jeder andere schien 
alles über kranke Tiere zu wissen. Der Bur- 
sche, der den Schwanz der Kuh hochhielt, 
der Nachbar vom nächsten Bauernhof, die 
Männer in den Kneipen, im nächsten Gar- 
ten — alle wußten alles und spendeten frei 
und selbstsicher ihren Rat. 
Ich bemühte mich, mein Leben rückden- 
kend zu überprüfen. Hatte es je eine Zeit ge- 
geben, in der ich auch so unbedingt meines 
eigenen Wissens sicher gewesen war? Und 
dann fiel mir etwas ein. 
Ich war wieder in Schottland, siebzehn 
Jahre alt und seit drei Tagen Student. Aber 
erst an diesem Nachmittag hatte ich den 
Schauer der Erfüllung erlebt. Zoologie und 
Botanik waren ja ganz nett, doch an dem 
.. - 
Nachmittag war ich auf das Wesentliche ge- 
stoßen. Ich hatte meine erste Vorlesung über 
Haustierzucht gehört. Kernfragen der Pfer- 
dezucht waren das Thema gewesen. Profes- 
sor Grant hatte ein lebensgroßes Pferdebild 
aufgehängt und es von der Stirn bis zum 
Schwanz durchgesprochen, wobei er uns vom 
Rist bis zur Fessel all die Pferde-Fachaus- 
drücke nannte. Und der Professor war weise 
gewesen. Um seine Vorlesung für uns inter- 
essanter zu mach en, hatte er immer wieder 
kleine, praktische Hinweise eingeflochten wie 
etwa: „Hier finden wir oft den Spat", oder: 
„Dies ist die Stelle für Fesselgalle." Er er- 
wähnte Sprunggelenkgalle, Überbein und 
Steingalle, lauter Dinge, von denen die Stu- 
denten erst nach weiteren vier Jahren er- 
fahren würden, aber es machte alles für uns 
lebendig. 
Die Worte gingen mir noch im Kopf herum, 
während ich langsam die abschüssige Straße 
hinunterschritt. Ja, dafür war ich hergekom- 
men. Mir war zumute, als hätte ich eine Art 
Einweihung durchgemacht und sei Mitglied 
eines exklusiven Klubs geworden. Jetzt wuß- 
te ich wirklich etwas von Pferden. Noch da- 
zu trug ich einen brandneuen Reitermantel 
mit allen möglichen Extrariemen und Schnal- 
len, die mir gegen die Beine schlugen, als ich 
vom Ende des Hügels in die geschäftige New- 
ton Road ei nbog. 
Ich kon nte kaum an mein Glück glauben, 
als ich das Pferd erblickte. Es stand vor der 
Bibliothek unterhalb von Queen's Cross, wie 
etwas, was aus einem anderen Zeitalter üb- 
riggeblieben war. Mutlos stand es an die 
Deichsel eines Kohlenwagens geschirrt, der 
wie eine Insel zwischen dem Strom von Au- 
tos und Omnibussen hielt. Fußgänger haste- 
ten achtlos daran vorüber, ich aber hatte das 
Ein Pferd! Nicht nur 
Gefühl, mir lächle das Glück. 
	' 
Fondern ein 
echtes, lebendiges Pferd! Zu, 	Worte 
aus 
der Vorlesung ginge n mir du a_.! den Kopf: 
„Fesseln — Sprungbein — 
	ene 
und 
— 
alle diese Bezeichnungen — Schienbein — 
Rübe — Schweif ..." 
Ich stand auf dem Bürgersteig und betrach- 
tete das Pferd kritisch. Dabei hatte ich das 
Gefühl, es müsse für jeden Passanten offen- 
sichtlich sein, daß hier ein Fachmann sta nd. 
Nicht bloß ein neugieriger Zuschauer, sondern 
ein Mensch, der alles wußte und verstand. Ich 
fühlte mich von einer sichtbaren Aura von 
Pferdekennerschaft umgeben. 
Ich ging ein paar Schritte auf und ab, die 
Hände tief in den Taschen meines Reiter- 
mantels vergraben, mit forschendem Blick 
nach irgendwelchen möglichen Mängeln su- 
chend. 
So gründlich war meine 
daß 
Unterstichung, 
ich mich auf die andere Seite des Pferdes 
drängte und gefährdet mitten im rasenden 
Verkehr stand. Ich sah mich unter den vor- 
beihastendeti Menschen um. Niemand schien 
mich zu beachten, nicht einmal das Pferd. Es 
war ein große r Gaul, und er blickte gleichgül- 
tig die Straße hinunter, wobei er die Hinter- 
beine abwechselnd gelangweilt lockerte. Es 
fiel mir schwer, mich von ihm zu trennen, 
abge- 
doch ich hatte meine Beobachtungen 
schlossen, und es wurde Zeit für mich, wei- 
terzugehen. Aber ich hatte das Gefühl, ir- 
gendeine Geste müßte ich vor her noch 
machen, irgend etwas, das dem Pferd zeig- 
ge- 
te, ich verstünde seine Probleme und wir 
hörten zur gleichen Bruderschaft. Flink trat 
ich einen Schritt vor und klopfte ihm den 
Hals. 
Fortsetzung folgt. folgt.
	        
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