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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

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Kreisky aus der Sowjetunion zurück   
irtschaftsverkehr soll 
nun angekurbelt we rden 
	 
KOPF AN KOPF. 
(VN-Karikatur Dieter iehentmayr) 
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Seite 2 
      
EN: 
    
Dienstag, 4. Juni 1974 
Sudetendeutsche gegen 
BRD-Vertrag mit Prag 
(AP) Die Sudetendeut- 
Nürnberg 
schen lehnen nach den Worten ihres 
Sprechers Walter Becher den Nor- 
malisierungsvertrag zwischen Bonn 
und Prag ab und appellieren an alle 
Parteien im deutschen Bundestag, 
die bevorstehende Ratifizierung noch 
einmal zu überprüfen. Auf der 
Hauptkundgebung des sudetendeut- 
schen Tages am Pfingstsonntag in 
Nürnberg warnte Becher vor rund 
15 0.000 Sudetendeutschen davor, „den 
Prager Vertrag in den Ausschüssen 
und im Parlament in den nächsten 
Tagen einfach über die Bühne zu 
jagen". 
Der syrische Präsident 
Beirut (UPI) 
Hafez Assad soll dem amerikanischen 
Außenminister Henry Kissinger in- 
direkt zugesichert haben, daß er den 
palästinensischen Guerillas wissent- 
lich keine Infiltration nach Israel 
über die Waffenstillstandslinie er- 
lauben werde. Das meldete am Mon- 
tag der arabische Informationsdienst 
„Arab World" in Beirut in einem 
Bericht über ein Geheimschreiben 
Kissingers an Syrien und Israel.       
Witwen,- 
Wien (SK) 
An, die 86.000 
pensionistinnen erhalten am 1. Juli 
1974 neben der dreiprozentigen Pen- 
sionserhöhung, die ja alle Pensions- 
bez ieher bekommen, eine au ßeror- 
dentliche Aufbesserung ihrer Peri- 
	 
, 
	sion. 
Es fallen dann nämlich die be- 
sonderen "Ruhensbestimniungen für 
Witwen weg. Im Durchschnitt wird 
die Pensionserhöhung für die Wit- 
Am Samstag spät- 
Wien (APA) 
nachmittag ist Bundeskanzler Doktor 
Kreisky mit seiner Begleitung, dar- 
unter FPÖ-Bundesparteiobrnann Pe- 
ter, aus Kiew kommend in Wien- 
Schwechat eingetroffen. Wie Kreisky 
vor Journalisten erklärte, sei es bei 
den Gesprächen im Rahmen seines 
Besuches in der Sowjetunion in star- 
kem Maße um Wirtschaftsfragen ge- 
gangen. 
Dr. Kreisky 
Nach der Ankunft zog 
APA wie folgt 
im Gespräch mit der 
Bilanz: Es hat längere Zeit eine Sta- 
gnation im österreichisch-sowjeti- 
Wien (VN - Bac) So friedlich, wie 
schen Wirtschaftsverkehr gegeben, 
diesmal das Pfingstfest nach außen 
ablief, verlief es nicht im Funktio- 
närskader der Regierungspartei. Im 
SP-Volk gärt es kräftig. Grund: Die 
vom SPÖ-Präsidentschaftskandidaten 
Dr. Rudolf Kirchschläger verschwie- 
gene und in der vergangenen Woche 
bekanntgewordene Mitgliedschaft bei 
der Volkspartei von 1945 bis 1947 so- 
Assad hat sich dem Bericht zufolge 
zwar geweigert, über die Guerilla- 
frage im Rahmen der Abmachungen 
über die Truppenentflechtung auch 
nur zu sprechen. Er habe Kissinger 
aber versichert, daß Syrien sich 
strikt an eine Feuereinstellung hal- 
ten werde. Dies sei als eine Zusiche- 
rung interpretiert worden, daß es 
künftig keine Palästina-Guerillatä- 
tigkeit mehr von der syrischen Seite 
der Waffenstillstandslinie mit vorhe- 
riger Kenntnis Syriens geben solle. 
wen mehr als 240 Schilling monat- 
lich betragen. 
Insgesamt erhalten diese Witwen 
im zweiten Halbjahr 19'74 aufgrund 
der Verbesserung zusätzlich 145 
Millionen Schilling und im Jahre 
1975 dann weit mehr als 300 Millio- 
nen Schilling, erklärte Abg, Dr 
Pensionisten-ver- 
Schranz Samstag' in 
  
sammlungen in Wien.. 
die im ersten Vierteljahr 1974 wie- 
-Aufwärtstrend 
der einem 
gewichen 
ist. Dieser dürfte sich nun durch 
längerfristige sowjetisch-österreichi- 
sche Projekte fortsetzen und verstär- 
ken. Die Sowjetunion ist heute auf- 
grund der gestiegenen Preise ihrer 
Rohstoffe ein Partner mit viel größe- 
rer Kaufkraft geworden. 
ist nach An- 
In politischer Hinsicht 
sicht Dr. Kreiskys ein regelmäßiger 
und laufender Meinungsaustausch 
über bilaterale und internationale 
Fragen von beiderseitigem Interesse 
 wie 
äußerst nützlich. 
die „Ex offo"-Erklärung von Fi- 
nanzminister Androsch vom Freitag, 
daß die Arbeitnehmergruppen, die 
laut „Radl" Lohnrunden zu erwarten 
habe n, diesmal Zurückhaltung üben 
müßte n. Androsch teilte mit, daß die 
von ÖGB-Präsident Benya angepeilte 
durchschnittliche Jahres-Reallohner- 
höhung um drei Prozent nicht er- 
reicht werden dürfe, um die Infla- 
tionsrate nicht noch höher zu setzen, 
dafür hätten diese Arbeitnehmer Er- 
satz in der ab 1. Jänner wirksamen 
Progressionsmilderung zu erwarten. 
Bundeskanzler Dr. Kreisky, der 
am Wochenende von seinem ausge- 
dehnten Moskaubesuch nach Wien 
zurückgekehrt ist, sah sich durch 
seine Informanten in W iener SPÖ- 
Kreisen mit einer an „Revolte" ge- 
mahnenden Stimmung konfron- 
tiert. Noch am Freitag konnte man 
rund um die Wiener Landtags- und 
Gemeinderatssitzung, in der sich Bür- 
germeister Gratz gekonnt der kon- 
kreten Aussage auf eine dringliche 
Anfrage der 
bezüglich der redu- 
ÖVP 
zierten UNO-City-Kosten entschlug, 
massive Vergrämung über Kirch- 
schlägers Schweigen über seine ehe- 
malige ÖVP-Vergangenheit registrie- 
ren, nahezu unverhohlen aber lautete 
die Kr itik im etablierten Wiener 
SPÖ-Kader gegenüber Chefredakteur 
Hacker von der Sozialistischen Korre- 
spondenz, der nach Bekanntwerden 
von Kirchschlägers Zugehörigkeit zur 
„Vaterländischen F ront" und zum 
„Arbeiter- und Angestelltenbund" 
der VP in Niederösterreich gemeint 
hatte: „Eines ist sicher: der SPÖ hat 
Kirchschläger nie angehört ..." 
Noch tiefer in den Wiener SPÖ- 
Kader hinein geht die Verärgerung 
über die Mitteilung von Androsch, 
einem der Stellvertreter des Kanz- 
lers, daß der Reallohn-Zuwachs 
heuer unter der dreiprozentigen Jah- 
resmarke bleiben müsse.. „Wenn", so 
argumentierte man, „hätte 0GB-Prä- 
sident Benya die Gewerkschaftsmit- 
glieder zu solcher volkswirtschaft- 
Kurz gelacht 
„Du bist mir vielleicht ein 
Jäger", höhnt die Gattin: „Auf 
der ersten Jagd erschießt du 
deinen Jagdhund, auf der 
zweiten eine Kuh, und jetzt 
sogar den Treiber." 
„Immerhin", bemerkte der 
Mann kleinlaut, „hieß der 
sidentenwahlen aus purer Verärge- 
Mann Hirsch." 
rung über die mangelnde Transpa- 
renz Regierung - Funktionärskader 
ungültig wählen könnten. Dies träfe 
die SPÖ in Niederösterreich und 
selbst Kreisky bei den Präsident- 
schaftswahlen hart. Denn nach jüng- 
sten Index-Auswertungen (nicht Mei- 
nungsumfragen) ist nunmehr sta ti- 
stisch die Trendumkehr von der SPÖ 
zur 
festgehalten. 
ÖVP 
Carl Schiffleitner 
gestorben 
In der Nacht von 
Wien (APA) 
Freitag auf Samstag starb nach län- 
gerer, schwerer Krankheit in St. An- 
drä-Wördern, Bezirk Tulln, der ehe- 
malige Generaldirektor der Austria 
Presse Agentur, Carl Georg Schiff- 
leitner. Schiffleitner, der im 78. Le- 
bensjahr stand, leitete von 1951 bis 
1964 die APA. Gleich nach dem Ab- 
schluß des österreichischen Staats- 
vertrages setzte sich Schiffleitner 
dafür ein, daß die APA eine engere 
  Zusammenarbeit mit den anderen     
kleineren europäischen Nachrichten- 
agenturen aufnahm. Sie gehört da- 
durch heute der sogenannten „Grup- 
tenagenturen der vier skandinavi- 
pe 39" an, in welcher die Nachrich- 
schen Staaten, weiters Belgiens, Hol- 
lands und der Schweiz vertreten 
sind. Schiffleitner, der auch viele 
Jahre Vorstandsmitglied des Presse.. 
clubs Concordia war, war Träger 
des Großen Ehrenzeichens für Ver- 
dienste um die Republik Österreich, 
sowie des großen Verdienstzeichens 
der Bundesrepublik Deutschland. 
Vor seiner Berufung in die APA, 
wirkte Carl Schiffleitner journali- 
stisch von 1919 bis 1938 in der 
„Reichspost" .Während der national- 
sozialistischen Besetzung Österreichs 
aus der Redaktionsstube entfernt, 
arbeitete er zuerst als Außenbeamter 
einer Versicherungsgesellschaft und 
später als Vertragsangestellter im 
W iener Rathaus. Nach Kriegsende 
trat Schiffleitner in die Redaktion 
des „Kleinen Volksblattes" ein und 
übernahm die Funktion als Ge- 
schäftsführender Obmann bei der 
Journalistengewerkschaft. Er hinter- 
läßt seine 
Frau 
Maria und zwei 
Töchter. 
Italien: Nur 4 
statt 24 Stunden Streik 
Rom (dpa) Nur vier statt 24 Stun- 
den wollen Italiens Eisenbahner nach 
den letzten Besc hlü ssen in die ser Wo- 
che streiken. Der Zugsverkehr wird 
nicht, wie ursprünglich angekündigt, 
von Dienstag abend bis Mittwoch 
abend lahmgelegt, sondern am Frei- 
tag. An diesem Tag wird eine ge- 
meins ame Arb eit sn iederlegu ng des 
Personals von Eisenbahn, städtischen 
Verkehrsbetrieben, Flugwesen und 
Schiffahrt den gesamten Ber eich des 
Geheimvertrag Syriengram 
öffentlichen Verkehrs treffen. 
Kissinger über Guerillas 
Ab 1. Juli 
Mehr Geld für die itwen 
Ruhensbestimmungen weg 
der 
,tlifigedbliä19griuPPrrYrl>i<teeS 
.,-I'arteiverstärid. inch ,aber der in Ure- 
sefn pell, „unkempeterite" Androsch. 
;Die' 
, 
Wiener Sozialisten'Welten in 
den häelisteil'tagen nur das wahr- 
machen, was Kreisky bei Veröffentli- 
chung des ehemaligen Mitgliedsschei- 
nes Kirchschlägers bei der ÖVP fest- 
gestellt hatte: man werde mit den 
aufgebrachten Funktionären darüber 
reden müssen. 
Was man in der Löwelstraße, dem 
Zentralsekretariat, vor allem be- 
fürchtet, ist, daß verärgerte Soziali- 
sten bei den niederösterreichischen 
Landtagswahlen und den Bundesprä- 
Der Bundespräsident ist Ober- 
befehlshaber des österreichischen 
Bundesheeres. Dies nicht nur im 
Falle eines Krisen- oder Kriegs- 
zustandes, sondern auch im Frie- 
den. Ein ständiger militärischer 
Adjutant unterstreicht diese Funk- 
tion. 
Die Aufgabe n des Bundesprä- 
sidenten, wie seine Verantwor- 
tung in Krisenzeiten, sind in un- 
serer Verfassung bed eutend stär- 
ker verankert als in vielen ande- 
ren europäischen Ländern. Der 
Bundespräsident in seiner Eigen- 
schaft als Ober bef ehls haber gibt 
- vereinfacht ges agt - den Be- 
fehl, ob geschossen wird oder 
Ob ist das Entschei- 
nicht. 
Das 
dend e, und nicht das Wie. - Das 
Wie ist dann Sache des Bundes- 
ministers für Landes v ert eidigung 
bzw. des ihm unterstellten Ar- 
meekommandanten. Der Ent- 
schluß zu so einem Befehl wird 
in der Regel von der Regierung 
bzw. dem Landesverteidigungsrat 
vorgeschlagen und die Verantwor- 
tung ist hiemit auf eine breitere 
Basis gestellt. Doch der auslösen- 
präsidenten, und hiemit trägt er 
de Be fehl kommt 
vom 
Bundes- 
Verantwortung. 
die Hauptlast der 
ist bei uns damit keine 
Noch 
nukleare Verantwortung verbun- 
der Ab- 
den, wie auch die 
Mittel 
schreckung staatsvertraglich be- 
aber 
grenzt sind. Dies vereinfacht 
die Entscheidung in keiner Weise. 
Der Bundespräsident als letzte, 
entscheidende Instanz hat alle 
Argumente des Für und Wider 
abzuwägen und muß die Auto- 
rität verkörpern, die bei der gan- 
zen Bevölkerung die Zustimmung 
zu seinen Entscheidungen in Kri- 
sensituationen voraussetzt. 
Hier vor allem bei der wehr- 
pflichtigen Jugend, die in Krisen- 
lagen primär aufgerufen ist,. das 
Land zu schützen. Die. J ugend 
will und braucht einen Bundes- 
.Oberbefehlshaber, 
präsidenten als 
der ihr die Gewißheit gibt, einzig 
und allein das Wohl' und die 
Freiheit des gesamten Volkes und 
	• 
Staatswesens zu wahr en. 
sehen Verhältnissen stand schon 
Unter anderen innenpoliti- 
einmal ein österreichischer Bun- 
despräsident vor Entscheidungen, 
die er dann widerstrebend und 
unter starkem Druck tr effen muß- 
te, u. a. weil in dieser Zeit und 
in dieSem Moment nicht die gan- 
ze BeVölkerung hinter der Regie- 
rung und auch hinter ihm stand. 
Von Georg Gaupp- Ber ghaus en 
Die österreichischen Bundes- 
präsidenten seit 1945 kamen aus 
dem sozialistischen Lager . Alle 
hatten es aber ausnahmslos ver- 
standen, ihr hohes Amt, gerade 
fn Hinsicht• auf" die Funktion des 
Oberbefehlshabers, staatsmän- 
nisch und verantwortungsbewußt 
zu erfüllen. . 
Der letzte Bundespräsident, 
Franz Jonas,.ist allen noch in die- 
ser Funktion in frischer und vor- 
bildlicher Erinnerung. Unter sei- 
nen Vorgängern sagte z. B. Dr. 
Adolf Schärf bei der Wiederer- 
beachtenswerten 
öffn ung der Theresianischen Mili- 
tärakademie die 
Worte, ebenso wie in seinen 
Hof- 
Amtsräumen 
in der 
Wiener 
burg sei auch in der Neustädter 
Burg das Andenken an die Kai- 
serin Maria Theresia wachgeblie- 
ben. Man müsse sich der großen 
Vergangenheit würdig erweisen 
und die Forderung der Gegen- 
wart erfüllen. Diese Militäraka- 
demie sei ein Haus voll tapferer 
österreichischer Jugend, erzogen 
im modernen Geist, der die alten 
indem er der neuen 
Fah nen 
ehrt, 
Treue folge. 
Fahne mit 
gleicher 
Sicher hätten auch die unter- 
legenen Kandidaten in den ver- 
gange nen Bundespräsidentenwah- 
len die Voraussetzungen für die- 
ses hohe Amt erfüllt. Dies ist ein 
Beweis der demokratischen Reife 
eines Volkes. Wir stehen nun 
wieder vor Wahlen für das Staats- 
oberhaupt. Es besteht kein Zwei- 
fel, daß auch diesmal beide Kan- 
didaten für das hohe Amt genü- 
schaften mitbringen, Es' sind Nu- 
gend Voraussetzungen und Eigen- 
ancen, die in den Persönlichkei- 
ten selbst liegen, wie in der Wahl 
bzw. der Wege, die 
der Mit tel 
Amt- 
sie beschreiten wollen, ihr 
verantwortungsbewußt und er- 
folgreich auszuüben. Das Ziel ist 
gleic h: die Erhaltung eines men- 
schenwürdigen Lebens in Freiheit. 
wenn 
Wenig 'Verständnis 
besteht, 
der Wahlkampf durch Funktionäre 
der' wahlwerbenden Gruppen in 
persönliche Angriffe auszuarten 
dro ht. 
Die 'Fairneß der Kandidaten 
die hinter ihnen ste- 
sollte 
auch 
henden Gruppen und Parteien 
verpflichten. 
Die 19jährigen Jungwähler 
wählen nicht nur den 'Bundesprä- 
sidenten, sondern auch ihren zu- 
künftigen Ober befehls haber . Sie 
sollen und werden dem ihre 
Stimme geben, dem sie mehr zu- 
trauen, dieses Amt auszuüben, 
ohne aber dem anderen Kandi- 
daten damit die Fähigkeit dazu 
abzusprechen. Dem Sieger gehört 
dann das Vertrauen des ganzen 
Volkes. Dies ist letztlich `der Sinn 
ged 
einer gesunden Demokratie. 
os 
  
undespram ent als 
berbefehlshaber
	        
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