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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

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onn:   
zur Friste 
Beinahe Unglaubliches wird aus Kambodscha , berichtet: Weil einige 
Schüler im Gefängnis Haftstrafen verbüßen mußten, wurde von Studenten 
der Erziehungsminister Kambodschas, Keo Sang Kim, sowie sein Amts- 
vorgänger einfach aus dem Büro des Ministers geholt und als Geisel 
behalten. Beim Sturm der Polizei auf die Schule wurden beide Politiker 
von den Schülern kaltblütig erschossen. Unser Bild zeigt die ,Räumung 
	• 
der' Schule unter schwereM Polizeischutz. 
- eunkbild: VN/UPI) 
ix® mit 300 Begleitern 
1500 Exekutiv-Beamte in Salzburg im Einsatz 
• 
Wo ble ibt 
• 
die 
Neutralität? 
Die österreichischen Unterhänd- 
ler in Moskau, die sich um einen 
bemühten,- 
Vertrag 
aus der So- 
wjetunion das begehrte Brennma- 
terial für den zweiten Atomreaktor 
sich 
bei Enns zu erhalten, haben 
« dabei sicher nichts Sonderliches 
gedacht. Originellerweise hat man 
di esen „Erfolg" in Österreich auch 
widerspruChslos hingenommen 
und sich wahrscheinlich noch rie- 
sig gefreut, daß die UdSSR die 
Verpflichtung übernahm, den 
Atommüll zurückzubeziehen, um 
ver- 
ihn, 
wie es hieß, im Meer zu 
senken. Es fiel auch niemandem 
von 
auf, daß die 
Versenkung 
Atommüll im Meer sich lange 
schon als Katastrophe herausge- 
stellt hat, weil es keine Behälter 
Ma- 
gibt, die dieses radioaktive 
terial si cher verschließen können. 
uns in 
Arglosigkeit bei- 
Österreich geht aber noch viel 
weiter. Die 
kann« 
UdSSR 
nämlich 
mit dem rückgelieferten plutoni- 
machen, 
umhältigen Atommüll 
was sie will. Und sie wird ihn 
verschwenden, sondern, wie 
nicht 
es andere Atommächte auch ma- 
verwen- 
Atombomben 
sich scheinbar nicht 
den. Es hat- 
bis Österreich herumgesprochen, 
daß Plutonium-239 zur Atombom- 
benfüllung verwendet wird, aber 
auch als Brennstoff für Schnelle 
Brüter künftig dienen kann. 
schon 
Die Literatur berichtet 
seit lang em -. nur für Österreich 
scheinbar kaum zugänglich -, daß 
mit Hilfe des anfallenden Pluto- 
niums aus „friedlichen Kernkraft- 
Atom- 
werken" jährlich unzählige 
bomben in Ländern, die derzeit 
noch nicht Atommacht sind, her- 
gestellt werden kön nen. Das 
„Strategie Institute" in Lon don 
nennt 
erweise 
darunter sin nig 
auch 
Indien (236 Bomben) als ein sol- 
ches Land. Und Indien hat's uns 
gleich vorgeführt. • 
Der Amerikaner David S. Coo- 
per, ein bekannter Autor,' meint, 
so mancher „friedliche" Atomre- 
aktor sei ein getarnter Ableger in 
der internationalen Rüstungsindu- 
ergibt 
Frage, 
sich die 
ob neutrale 
Länder durch die Errichtung von 
gegen ihre 
Atomreaktoren nicht 
verbriefte Neutralität verstoßen." 
Wenn man nun in unserem 
Lande ein bißchen nachdenkt - 
es 
den Schweizern muß man 
überlassen, wie sie die Neutralität 
so kommt man zu 
auffassen -, 
ganz neuen Überlegungen. Ob- 
Neutralitätsgesetz 
wohl unser • 
nicht mehr will, als daß 'Öster- 
militärisch mit nieman- 
reich sich 
dem verbündet 'und keiner Mili- 
Vorteile einräumt, haben 
tärmacht 
wir bald zwei Jahrzehnte Außen- 
man 
politik 
hinter uns, .in ‚denen. 
mehr oder weniger ängstlich auch 
jede wirtschaftliche 
Bindung mit 
Blöcken, selbst, der Europäischen 
somit 
Gemeinschaft, ablehnte und 
MilitäriSche• Abstinenz auch auf 
ökonomischem Gebiet 
anwandte. 
Als übertriebene Fleißaufgabe! 
Hingegen 
scheint man es nun den 
Kernkraftvverksbetreibern überlas- 
woher 
sen zu wollen, .sie AKW- 
Brennstoff' beziehen und wohin 
sie dann den Atommüll liefern, 
Das• französisch& Volk, sagte also auch an die Sowjetunion,' die 
ihn für die Herstellung von Atom- 
bomben ohne weiteres verwen- 
den kann. 
Hauptpunktenann - 	• 	- 	. 
(Fortsetzung auf 
Großbrand an 
Seite 2) - 
Schnepfau 
Ein Großbrand in der, Bregen- 
zerwald-Gerneinde Schnepfau 
äscherte gestern nachmittag ein 
Anwesen eln. Bei dem Schadens- 
f euer kamen 80 Schweine in den 
Flammen um. über die Ursache 
des Brandes ist noch nichts be- 
kannt, ebenso' kann die Scha- 
noch 
denshöhe derzeit 
nicht be- 
PprarlbErger, 
ziffert werden. (Bericht Seite 3) 
Auflagenstärkste und 'partelunabhängige Tageszeitung für das Land Vorarlberg 
561, 
Eigentümer, Herausgeber u. Verleger: E. Ruß & Co., Bregenz, Tel. 2 42 
2 23 54; Anzeigen 2 3315, 2 21 51, Telex:VGA 710 
6. 
Erscheinungsort - Verlagspostamt 6900 Bregenz - Abonnement monatlich S 44,50, Einzelpreis S 2,-, Samstag S 3,- • P.b.b. 
Donnerstag, 
Juni 1974 
Nummer 130 — 30. Ja hrgang 
Wie vor kurzem berichtet, hat Österreich mit der Sowjetunion 
(VN) 
eine Vereinbarung getroffen, wonach die UdSSR Österreich den Uran- 
für das bei Enns geplante 100-MWe-Kernkraftwerk liefert. 
brennstoff 
Österreich wird dabei verpflichtet, zwischen 1980 und 1992 den pluto- 
niumhältigen Atommüll an die Sowjetunion zurückzuliefern. Plutonium- 
239 ist jed6 ch nicht nur der gefährlichste S toff, der auf dies er Erde 
vorkommt, er dient auch als Füllstoff für Atombomben und f erner als 
Brennstoff für die uns bald drohenden Schnellen Brüter, welc he nach 
Österreich würde, wenn dieser Vertrag mit der Sowjetunion in Kraft 
Erschöpfung der Uranvorkommen zu erwarten sind. Österreich in 
tr itt, praktisch nicht nur AKW-Brennstoffbezieher aus der Sowjetunion 
sein, sondern durch die Rüc klief erung des Atommülls auch Zulieferer 
für die sowjetische Atombewaffnung. Dieselbe Lage ergibt sich auch 
für das neutrale Österreich, wenn es aus einem westlichen Land, das 
Atommacht ist, Brennstoff. für Reaktoren bezieht • und zugleich den 
hochgefährlichen Atommüll in, dieses Land zurückliefert. Bisher hörte 
man jedoch noch nichts Klares von: einer solchen Rücklieferung aus 
ein, 
westliches Land, das Atomwaffen erzeugt. 
Bonn — Der westdeutsche Bun- 
destag setzte gestern zu seinem par- 
lamentarischen Schlußgalopp vor 
der am 2. Juli beginnenden Sommer- 
pause an. Mit 260 gegen 218 Stim- 
men bei vier Enthaltungen stimmte 
er für die Fristenlösung, derzufolge 
eine Abtreibung innerhalb der er- 
sten drei Schwangerschaftsmonate 
künftig straffrei bleiben soll. Inzwi- 
schen kündigte die CDU/CSU-Bun- 
destagsfraktion an, sie habe ihren 
rechtspolitischen Sprecher Vogel be- 
„VN"-Korrespondent 
Bernd-Dieter Fridrich 
auftragt, eine Klageschrift zu ent- 
werfen, mit der sie beim Bundes- 
verfassungsgericht gegen die Fri- 
stenregelung angehen wolle. 
Insbesondere bedürfte die Reform 
des Abtreibungsparagraphen 218 der 
Zustimmung des Bundesrates — die- 
Länderkammer hatte • neulich im 
z weiten Durchgang ern eut mit der 
Mehrheit der CDU/CSU-regierten 
Länder dieses Modell zugunsten 
einer von ihr befürworteten erwei- 
terten Indikationenregelung abge- 
lehnt —, außerdem widerspreche die 
Fristenlösung dem Grundgesetz, das 
das Recht auf Leben sichere. Für die 
Unionsfraktion sei auch ungeborenes 
Leben unantastbar. 
Sollten die beid en Senate des 
höchsten deutschen Gerichts dem 
Antrag . der Opposition stattgeben, 
wäre'das gesamte Gesetz zu Fall ge- strie und sagt fe rner: „Es 
bracht. Die Koalitionsabgeordneten 
Dürr (SPD) und von Schöler • (FDP) 
hingegen plädierten in der Ausspra-: 
ehe zur gestrigen dritten Lesung des 
Gesetzes für eine Verbesserung der 
Beratungshilfen und der sogenann- 
ten flankierenden sozialpolitischen 
Maßnahmen. 
Zuvor war es erneut zu heftigen 
Kontroversen 'zwischen den Frak- 
tionsvorsitzenden Carstens und Weh- 
Paris (dpa, UPI) Der neue franzö- 
sische Ministerpräsident Jacques Chi- 
rac hat sich am Mittwoch bei seiner 
Antrittsrede vor dem Parlament in 
Paris für eine verstärkte Zusammen- 
arbeit mit den USA und einen wei- 
teren Verbleib in der NATO ausge- 
sprochen. Gleichzeitig kritisierte Chi- 
rac in seiner Regierungserklärung die 
britischen Bestrebungen nach einer 
der • Londoner' EG- 
Neuausbandhink' 
Mitgliedschaftsbedingungen.. ,Löndon 
habe 
hier mit einer energischen'fran- 
zeisischen Opposition' zu rechnen. 
Als weitereaußenpolitische 
.te 
der Minister- 
Präsident eine • Verstärkung' der ;go- 
init-9"Steuro- 
oDerationsbemühunßen 
13a 
s 
und China 
 ner 
°WI 
e• die 
'Lancierung' 
gekommen. Oppositionschef Car- Die 
stens hatte die Äußerung Wehners 
neulich auf einer Großkundgebung 
im Niedersachsen-Wahlkampf, in 
Hannov er, die Union habe im Zu- 
sammenhang mit dem Brandt-Rück- 
tritt den Versuch eines • Staatsstrei- 
ches „auf kaltem Wege" gemacht, als 
böswillige Verleumdung entschieden 
zurückgewiesen. Wehner (SPD) ent- chen, für 
gegnete lapidar: Kalter Staatsstreich 
verhalte sich zu Staatsstreich wie 
kalter Krieg zu Krieg. Er denke 
nicht daran, auch nur ein Jota von 
Von seiner Rede zurückzunehmen. 
Daraufhin beschloß die Opposi- 
tion, bis zum Ablauf der Zeit, in der 
Wehner im parlamentarischen Ver- 
trauensmännergrernium, das sich mit 
speziellen Geheimdienstfragen zu 
befassen hat, den Vorsitz innehabe, 
also bis • Ende dieses Monats, die Zu- 
sammenarbeit dort aufzukündigen. 
Gestern nachmittag begann dann 
eine bis in die Abendstunden dauern- 
de Debatte über das 3. Steuerreform- 
gesetz, das wesentliche Erleichterun- 
gen für kleinere und mittlere Ein- 
kommensschichten zum 1. Januar 
nächsten Jahres vorsieht, ferner eine 
Neuregelung des Kindergeldes (50 
DM für das erste Kind, 70 DM •für 
das zweite und ,120 DM für jedes 
weitere Kind). 
Au ßerdem nahm der Bundestag 
einen Vorschlag des Vermittlungsaus- 
schusses an, demzufolge jetzt das 
Volljährigkeitsalter für Jugendliche 
auf 18 Jahre endgültig herabgesetzt 
worden ist. Es ist zu erwarten, daß 
der Bundesrat zur Steuerreform nein 
sagt und auch hier die Prozedur wie 
bei • der Abteibungsfrage erfolgen 
muß. 
Der Vorsitzende der deutschen 
Bischofskonferenz, Kardinal Julius 
Döpfner, hat die Bundestagsentschei- 
dung vom Mittwoch, 5. Juni, für die 
Salzburg (APA) Für den' Besuch 
„Fristenregelung" scharf verurteilt. 
des US-Präsidenten Richard M. 
Nixon, der, wie berichtet, vor seiner 
etwa 
Nahostreise am 10. Juni 
um 
22.30 Uhr in Begleitung seiner Gat- 
tin Patricia 'und US-Außenminister 
einer- 
Henry Kissinger mit • 
Sonder- 
rungserklärung war mit der Ver- 
verbunden, über die das 
trauensfrage 
Donnerstag abstim- 
Parlament am 
	• 
men wird. 
• 
Als Hauptziele der bevorstehen- 
Wirtschafts- und Finanzmaß- 
den 
nahmen bezeichnete Chirac: . ' 
. 
1. Den Ausgleich der französischen 
	• 
Außenhandelsbilanz. 
Verlangsamung 
' 2. Die -allrahliche 
- 
	' 
des Preisanstiegs; • 
Chi-. 
rac, habe bei der Präsidentenwahl' 
den Kollektivismus zurückgewiesen 
und sich für. Änderung und Fort- 
schritt ausgesprochen. „Wir dürfen 
es nicht - enttäuschen." Frankreich 
solle .'ein .„Musterbeispiel einer Ehe- 
maschine 
ralen Demokratie" werden..   
"und rund 300 • Begleitern 
auf dem Flughafen Salzburg-Max- 
glan la nden wird, trif ft die Salzbur- 
ger Gendarmerie und. Polizei derzeit 
alle notwendigen Vorbereitungen. 
Von den zum Einsatz gelangenden 
ca. 1500 Exekutivorganen werden 
rund 700- der. Gendarmerie angehö- 
ren. Dieses große 'Aufgebot ist .für 
alle Eventualitäten gerüstet. 
Wie vor zwei Jahren wird Präsi- 
,Nixon 
dent 
auch diesmal. wie der im 
Schloß .Kleßheim wohnen, wo auch 
Außenminister Kissinger absteigen 
wird. • 'Im Schloß • Kleßheim wird 
Nixon bis zu seinem Weiterflug am 
12.'Juni zwischen 9 und 10 Uhr blei- 
ben. Im Schloß ist eine Besprechung 
mit Bundeskanzler Dr. Kreisky vor- 
gesehen. Ansonsten wird sich der 
US-Präsident auf seinen 'Weiterflug 
nach Kairo vorbereiten. 
Nixon-Streiter sitzt 
Lewisburg / Pennsylvanien (AFP) 
Der' ehemalige hohe Beamte des 
Weißen Hauses und Mitglied des 
Ausschusses für' die • WiederWahl 
Richard 'Nixons, Jeb Stuart Magru- 
der, hat sich wie vorgesehen am 
Dienstag. im Gefängnis von Lewis- 
burg eingefunden, um dort im Zu- 
mit der* „Watergate- 
sammenhang' 
Affäre"' eine St rafe von mindestens 
rankreic 
10 "'Monaten • anzutreten., 	: 
einer diplomatischen Kampagne zur 
	unterentwickelter 
Unterstützung 
Länder. Gleichzeitig kündigte Chirac' 
einen weiteren Au sbau der franzö- " 
sischen Atomstreitmacht an. 
Auf innen- und wirtschaftspoliti-' 
schern Gebiet sprach sich Chirac für 
ein Anti-Inflationsprogramm aus, 
dessen Grundzüge bereits in einer 
Woche bekanntgegeben werden•sol- 
len. Vorrangig• soll vor allem. eine, 
Verlangsamung der Preisauftriebs- 
Prozent, 
rate von zur Zeit-bereits 18 
jährlich erreicht werden. Zweiter 
Hauptpunkt ist der , Abbau des Au- 
ßenhandelsdefizits, das in • diesem 
Schätzungen bei 4,3 Mrd. 
Jahr 
nach, 
	• 
Dollär liegen dürfte. 
	' 
Regierungserklärung von Ministerpräsident Chirac — Heute Vertrauensfrage Vertrauensfrage 
Die 60 Seiten 
umfassende -Regie-
	        
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