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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Den Philips-Koffer-Fernseher im Preisausschreiben der Vorarl- 
ber ger Kaufleute gewann Otto Vonier, Götzis (rechts). Das Bild 
zeigt die Preisübergabe durch Ernst Mayer im Leuchtencenter 
Seite 17 
Mayer, Götzis. 
usr 
•• 
er-St 
11 fll tim schür 
Wien (PDI) Eine wirk- 
	Stabilitätspolitik 
same 
müsse auch bestrebt sein, 
zu einer zumindest teil- 
weisen Entspannung des 
nach wie vor extrem an- 
gespannten Arbeitsmark- 
tes beizutragen, heißt es 
in einer ersten Stellung- 
nahme der Industriellen- 
vereinigung zum geplan- 
ten Ausländerbeschäfti- 
gungsgesetz. 
Sollte das Gesetz in der 
von der Regierung zur 
Begutachtung ausgesand- 
ten Form Geltung erlan- 
Ansicht der Industrie 
gen, so wäre dies nach meiden. 
gleichbedeutend mit einer 
weiteren Verknappung 
des Arbeitskräfteangebo- 
tes. Ein solcher Schritt 
müsse gerade in der ge- 
genwärtigen Phase der 
Dämpfungsbemühungen 
als stabilitätspolitisch ver- 
fehlt bezeichnet werden. 
Auch die Wirtschaftsfor- 
scher seien in ihrem jüng- 
sten Beri cht zu der Auf- 
fassung gelangt, die Wirt- 
schaftspolitik sollte plötz- 
liche Eingriffe in die Aus- 
länderbeschäftigung ver- 
Bei Verwirklichung des 
geplanten Gesetzes käme 
es jedoch nicht zu der - 
auch von den Wirtschafts- 
forschern empfohlenen - 
Reduktion des Zuwachses 
der Gastarbeiterzahlen, 
sondern, gemessen am 
Stand des Jahres 1973, so- 
gar zu einer Reduktion 
des bestehenden Beschäf- 
tigungsniveaus. Nach dem 
vorliegenden 
	Entwurf 
würde nämlich die Aus- 
länderbeschäftigung au- 
ßerhalb der zwischen den 
Tarifpartnern vereinbarten 
nicht mehr möglich sein. 
Kontingente grundsätzlich 
Von den Mitte April 
1974 in Österreich beschäf- 
tigten rund 220.000 aus- 
ländischen Arbeitskräften 
sind derzeit mehr als 20 
Prozent außerhalb der 
Kontingente tätig. Nach 
Ansicht der Industrie soll- 
te die künftige Handha- 
bung eines Ausländerbe- 
schäftigungsgesetzes nicht 
zu einem Abbau der Aus- 
länderbeschäftigung, son- 
dern lediglich zu einer 
Verlangsamung 	des 
Wachstums der Gastarbei- 
terzahlen führen 
Meinungsforscher behaupten: 
0 
Noten- und Devisenkurse 
vom 5. Juni 1974 
WIEN 
Ankauf Verkauf 
Notenkurse 
Schilling 
100 Schweizer Fr. 600,- 613, 80 
17,80 
1 Dollar 18,40 
1 Pfund 42,80 44,24 
100 Franz. Francs 3 68,90 37 9,50 
100 Belg. Francs 45,30 46,50 
675,5 0 691,80 
100 Holl. Gulden 
70 9,50 725, 80 
100 D- Mark 
2,71 
100 Lire 
2,54 
310,5 0 
100 Dän. Kronen 
302,5 0 
419,9 0 
100 Schwed. Kr. 408,50 
31,- 32,- 
100 Span. Pesetas 
Devisenkurse 
608, 70 
100 Schweizer Fr. 
606,3 0 
17,92 18,02 
1 Dollar 
43,38 
1 Pfund 
43,12 
370,2 4 
100 Franz. Francs 36 8,36 
47,88 
100 Delg. Francs 
47,68 
687,0 4 
100 Holl. Gul den 
684,1 6 
71 7,78 720,62 
100 D-Mark 
2,792 2,810 
305, 60 307,- 
100 Dän. Krone n 
413,99 416,01 
100 Schwed. Kr. 
31,61 
100 Span. Pesetas 
31,45 
1 Golddukaten einfach, Ankauf 
320 S, Verkauf 394 S, Kurs vom 
5. Juni 1974. 
Zürcher Schillingnotiz 
vom 5. Juni 1974 
Ankauf 16,20 sFr., Verkauf 
16,60 sFr. für 100 Schilling. 
Frankfurter Schillingnotiz 
vom 5. Juni 1974 
13,895 DM Geld, 13,935 DM 
Italien hebt Kautionen für Agrarimporte auf 
rune 
Lira" wir u 
1 
ro zent a ewert et 
os etik auf den 
Schultern der 
Donnerstag, 6. Juni 1974 
kleinen Leute 
I der- 
Industrie kritisiert Ausländer-Beschäftigungsgesetz 
Wien (APA) Die der SP nahestehende Sozialwissenschaftliche Stu- 
diengesellschaft gab gestern die Ergebnisse einer Meinungsbefragung 
bekannt, die sich unter anderem mit dem Thema Inflation befaßte. 
Wenn man den vorgelegten Zahlen glauben darf, dann machen die 
Österreicher für die immer rascher werdende Geldentwertung nicht die 
Regierung, sondern in erster Linie die Entwicklung auf den Weltmärk- 
ten verantwortlich. 
Zum Thema der Preisentwicklung 
habe man Vergleichsmöglichkeiten 
über die öffentl iche Me inungs bil- 
dung, da hiezu Befragungsergebnisse 
aus den Jahren 1970, 1972 und von 
heuer vorliegen.- Bei der Antwort- 
variante, die österreichische Kon- 
junkturlage trage in erster Linie 
Schuld an den Teuerungen, habe sich 
im Laufe der Jahre eine deutliche 
Abnahme der Ja-Antworten gezeigt. 
Im gleichen Zeitraum seien immer 
mehr Österreicher zu der Überzeu- 
gung gelangt, die Ursache liege an 
erster S telle bei den steigenden Welt- 
marktpreisen (1 970: 36 Prozent, 1972: 
37 Prozent, 1974: 51 Prozent). Die 
sprunghafte Steigerung der Ja-Ant- 
worten im heurigen Frühjahr sei al- 
lerdings nur zum Teil auf den Schock 
Im Gegensatz zur Text il- und Be- 
kleidungsindustrie Vorarlbergs klagt 
die Textilindustrie in Bayern über 
Umsatzrückgänge. Während im er- 
sten Quartal 1973 gegenüber dem 
Jahr vorher noch von einer Steige- 
rungsrate um etwa 30 Prozent be- 
richtet werden konnte, sanken die 
Aufträge bis auf eine Minusrate von 
16 Prozent im vierten Quartal. Im 
ersten Quartal 1974 lag der Auf- 
tragsstand um 10 Prozent, die Pro- 
duktion um 9 Prozent unter dem Brief für 100 Schilling. 
durch die Energiekrise zurückzufüh- 
Vorjahresstand. In der Bekleidungs- 
ren, da die Lage sich im Erhebungs- 
zeitraum bereits weitgehend normali- 
siert hätte. 
Aufschlußreiche Schwankungen 
weisen die Antworten über die 
mögliche Hauptschuld der Re gie- 
rungspolitik auf: 1970 bejahten 13 
Prozent diese Variante, 1972 waren 
es 21 Prozent (zu diesem Zeitpunkt 
habe die SP-Regierung ein Tief ver- 
zeichnet, erläuterte Konecny), 1974 
wieder nur 14 Prozent der Befrag- 
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ten. 
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	_ 
Eine stärker auf die innenpoliti- 
sche Situation abgestimmte Befra- 
gung, ebenfalls im Mai, habe ein 
weitgehend ähnliches Ergebnis ge- 
bracht. Hier machten 26 Prozent die 
industrie verminderte sich die Be- 
schäftigtenzahl um 12.600 bzw. 11,5 
Prozent gegenüber dem Vorjahres- 
stand. 52 Betriebe mußten als Folge 
dieser Entwicklung ihre Produktion 
einstellen, ande re mußte n Kurzarbeit 
einführen. Die Gesamtproduktion 
der Bekleidungsindustrie sank um 
rund 15 Prozent. Als Hauptursache 
werden die durch die Wirtschafts- 
politik der Regierung ermöglichten 
Importe aus Ostblockstaaten und 
Niedrigpreisländern bezeichnet. Ihr 
Regierung in erster oder in zweiter 
Anteil wuchs von 9 auf 27 Prozent. Jahres wird sich dann der Wert der 
Linie für die Preissteigerungen ver- 
antwortlich (gegenüber 28 Prozent 
bei der Parallelerhebung). Die mit 
34 Prozent größte Gruppe beschul- 
digt auch hier die internationale Ent- 
betriebe+ 
wicklung. 
märkte 
British Leyland sperrt 
1700 Arbeite?aus 
Mit der Aussperrung von 1700 
streikenden Arbeitern in dem Zweig- 
werk der Automobilfirma British 
Leyland in der spanischen Stadt 
Pamplona ist der seit über einer 
Woche andauernde Streik für Lohn- 
erhöhungen am Mittwoch in eine 
neue Phase getreten. In einer von 
Luxemburg (UPI) Die in Italien 
bestehende Kautionspflicht für Im- 
porte wird in Kürze für Agrarpro- 
dukte abgeschafft werden. Der eu- 
ropäische Agrarministerrat stimmte 
in Luxemburg nach kur zen Ver- 
handlungen einem übereinkommen 
zu, mit dem der italienischen Regie- 
rung die Lockerung der vor Monats- 
frist eingeführten Importbeschrän- 
kun gen ermöglicht werden soll. 
Dazu gehört eine 12,5prozentige 
Abwertung der „grünen Lira" ge- 
genüber der EG-Rechnungseinheit, 
die Aussetzung des italienischen 
Grenzausgleichs von 2,5. Prozent für 
mindestens drei Monate sowie die 
vorläufige Beibehaltung einer auf 
25 Prozent halbierten Kaution für 
die Rindereinfuhr. 
Die Lira-Abwertung, die in zwei 
bis drei Wochen vorgenommen wer- 
den soll, bezieht sich lediglich auf 
Agrarprodukte. Seit Anfang vorigen 
 der 
Firmenleitung am Dienstag ver- 
öffentlichten Erklärung wurden 
keine Angaben über die Dauer der 
Maßnahme gemacht. Streiks sind in 
Spanien verboten, 
Preiserhöhung bei Fiat 
Der italienische Fiat-Konzern hat 
am Dienstag Preiserhöhungen im 
Ausmaß von 8,55 bis 16,13 Prozent 
bekanntgegeben. Der kleinste Fiat, 
das 500er-Modell, wird somit gegen- 
über früher 700.000 Lire ab sofort 
785.000 Lire kosten. Der Preis für das 
teuerste Modell, das 130e r-Coupe 
Automatik, erhöht sich von 6,400.000 
auf 7,400.000 Lire. Auch Autobianchi, 
ebenfalls dem Fiat-Konzern zuge- 
hörig, gab Preiserhöhungen bekannt. 
grünen Lira um nicht weniger als 
26 Prozent verschlechtert haben. Die 
Einfuhr von Agrarprodukten nach 
Italien wird dadurch verteuert, wo- 
durch das gleiche Ziel erreicht wird, 
das Rom mit der Kaution anstrebte. 
Suche nach neuem Index 
Wien (APA) Die Neugestaltung 
der Verbraucherpreisstatistik im Zu- 
ge der Indexrevision steht im Mittel- 
punkt von Beratungen, die anläßlich 
des „Tages der amtlichen Statistik" 
am 6. und 7, Juni in Salzburg statt- 
finden. Zu diesen vom Österreichi- 
schen Statistischen Zentralamt ge- 
meinsam mit der Verbindungsstelle 
der Bundesländer, dem Österreichi- 
schen Gemeindebund und dem Öster- 
reichischen Städtebund vorbereiteten 
Expertengesprächen werden sich alle 
führenden Statistiker Österreichs so- 
wie zahlreiche Gäste aus dem Aus- 
ayernsTextilindustrie 
land in der Mozartstadt einfinden.. 
kämpftn die Krise 100 Lire 
Wer es bis jetzt nicht glauben 
wollte, der muß es nun zur 
Kenntnis nehmen: Der Preisindex 
ist eine Farce. Er ist nach Beli e- 
ben manipulierbar,• er wurde und 
wird von der Regierung manipu- 
liert. 
Ein taktischer Schnitzer hat Licht 
in das Dunkel der wegen ihrer 
Kompliziertheit schwer durch- 
schaubaren Index-Machinationen 
gebracht. Da wurde die Erhöhung 
der Wiener Spitalsgebühren mit 
einemmal rückwirkend aufgescho- 
ben. Das schien der ansonsten 
nicht immer so findigen 
art verdächtig, 'daß sie sich dazu 
ÖVP 
aufraffte, hier einmal nachzurech- 
nen. 
Es lohnte sich: Wäre die Erhö- 
hung der Spitalsgebühren wie ge- 
plant in Kraft getreten, der Mai- 
Index wäre gegenüber dem Vor- 
nicht um 9,6, sondern gleich 
jahr 
um 10,2 Prozent gestiegen. Das Wie hoch 
aber wäre so unmittelbar vor den 
Landtagswahlen in Niederöster- 
reich peinlich gewesen, umso 
mehr, als sich der niederöster- 
reichische Landesfürst Maurer 
ausgerechnet die „von der Re- 
Wahlkampfmunition gewählt hat. 
Und so wurde der Index - nicht 
zum erstenmal - manipuliert. 
Die Aufdeckung der Index- 
Spielchen mit den Spitalsgebühren 
weckt Erinnerungen: Warum wohl 
hat sich 
Handelsminister Stari- 
bacher in sei nem „unermüdlichen 
Kampf um stabile Preise" immer 
wieder den VW-Käfer zum Ziel 
seiner Stabilisierungsbemühungen 
erwählt? Weil der VW-Käfer der 
einzige Wagen ist, der im Waren- 
korb des Preisindex aufscheint! dann erst der Einfluß all 
Selbst wenn alle anderen Fahr- 
zeuge und auch die übrigen VW- 
Modelle längst teurer geworden 
sind: So lange der VW-Käfer sei- 
nen Preis hält, sind die Auto- 
kosten in Österreich unverändert 
geblieben. 
Ähnlich ist es bei anderen Wa- 
ren, und dem aufmerksamen Be- 
obachter kann kaum verborgen 
geblieben sein, daß unser um 
Stabilität ringender Handelsmini- 
ster stets bei den gleichen Firmen 
und immer wieder über die Preise 
der gleichen Produkte verhandel- 
te. Daß Staribachers „Lieblings- 
Schlüsselpositionen im Waren- 
korb einnehmen, ist natürlich pu- 
rer Zufall. Oder etwa nicht? 
Wie leicht sich der Index kü nst- 
lich n iedrig halten läßt, zeigt ge- 
rade das jüngste Beispiel: Ein 
Aufschub einer Tariferhöhung 
durch die Gemeinde Wien schlägt 
sich im Index von ganz Österreich 
gleich mit 0,6 Prozent nieder. 
Wenn eine einzige Spitalsge- 
bühr den Index gleich derart be- 
einflussen kann, wie groß ist 
jener 
Index-Waren, die bisher durch ge- 
schickte Verhandlungen des Han- 
delsministers künstlich niedrig ge- 
halten wurden? Denn eines steht 
fest: Der Index gibt kein echtes 
Bild mehr über die tatsächlichen 
Preissteigerungen. Die meisten 
Hausfrauen wissen das ohnedies 
längst. 
aber ist die Preis- 
steigerung in Österreich wirklich? 
Bei der Beantwortung di eser Frage 
ist man auf Vermutungen ange- 
wiesen. Am Beisp iel der Spitals- 
gebühren zeigt sich jedoch, daß 
es durchaus einige Prozent sein 
unter den Tisch gefallen sind. 
könnten, die durch „Kosmetik" 
statistischen 
Gleichzeitig mit der 
Inflationsrate 
hat die Regie- 
aber 
rung alle Dinge manipuliert, die 
mit dem Index in Zusammenhang 
stehen: 
0 Die jährlichen Lohnforderun- 
gen sind von diesem manipulier- 
ten Index ausgegangen. Benyas 
Formel Inflation plus drei Prozent 
hat sich damit in Luft aufgelöst. 
0 Auch die Erhöhung der Ren- 
ten orientierte sich weitgehend 
am Index. Und auch die Rentner 
sind die Geprellten. Sie erhalten 
weniger als der tatsächlichen In- 
flation entsprochen hä tte. 
0 Geschädigt wurden zudem 
Tausende, die aus an den Index 
gekoppelten Verträgen Zahlungen 
oder Leistungen empfingen. 
Und das ist wohl eines der 
traurigsten Kapitel unserer Wirt- 
schaftspolitik: Daß einer Regie- 
rung die politische Optik wich- 
tiger ist, als ehrliche - und un- 
populäre - Preisdämpfung. Und 
daß politisch motivierte In dex- 
Manöver auf den Schultern der 
kleinen Leute ausgetragen 
wer- 
der- gierung provozierte Inflation" als produkte" in der Regel auch den. den.
	        
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