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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Erstmals wurden dieser Tage für 
einen „Marek"-Krimi Außenaufnah- 
men in einem anderen Land gedreht: 
für „Mord im Ministerium" kurbelten 
Fritz Eckhardt u. Co. die letzten Sze- 
nen in Berlin. 
An der Spree fühlte man sich laut 
Eckhardt äußerst wohl. „Ich wurde 
mit dem Chef der dortigen Mord- 
kommission zusammengebracht, und 
als ich mich umsah, bemerkte ich zu 
Klärt den „Mord im Ministerium": 
Oberinspektor Marek alias Fritz 
Eckhardt, hier mit Susi ricoletti. 
Erstmals drehte man für einen Ma- 
rek-Krimi Außenaufnahmen im Aus- 
land. 
Im Rahmen des inoffiziellen Ballettfestivals der Wiener Festwochen gastierte an vier Abenden das 
Harkness Ballet of New York in der Volksoper. Die Truppe wurde 1964 von Rebekah Harkness, einer 
Mitarbeiterin von Jerome Robbins und Robert Joffrey, gegründet und erwarb sich bald einen ausgezeich- 
neten Ruf. Heute rekrutiert sich das Ensemble bereits großteils aus Schülern, die aus der Harkness-Bal- 
letschule hervorgegangen sind. Die Truppe zeigte neben bekannten Handlungsballetten („Feuervogel", 
„Der Korsar") auch mehrere dynamische Kurzpiecen, worin vor allem die vorzüglichen Herren des En- 
	R. 
sembles Gelegenheit bekamen, ihr Können zu entfalten. 
Ferienparadies Haiti 
W. (Bild Festwochen) 
FS 1, 20.15 Aktenzeichen XY... 
ungelöst. — 21.20 „Haiti — Perle 
der Karibischen See". (Die Doku- 
mentation von Omer d'Home ver- 
sucht, das Leben der Einwohner 
Haiti s zu schildern, ohne üblichen 
Flitter und romantische Aufnah- 
men.) — 22.15 Zeit im Bild — 
22.20 „So liebt man in Paris". 
(Zwei amerikanische SchWestern 
im Showbusiness). — 23.50 Ak- 
tenzeichen XY ... ungelöst: Erste 
Ergebnisse. 
Ein aut hent ischer Fall 
ARD, 20.15: X. Fußball-WM: 
Vor den Spielen. — 20.30 "Der 
Verrat". (Die Geschichte über 
einen Spion und dessen Entlar- 
vung geht auf wirkliches Gesche- 
hen zurück. Das Verhalten der 
Darsteller ist aber erfunden.) — 
21.45 Bericht aus Bonn. — 22.10 
Tagesschau — 22.25 „Herlemanns 
Traum oder Das an dere Leben" 
rolle zwischen Traum und Wirk- 
(Vädim Glowna in einer Doppel- 
lichkeit, wobei es sich um das 
Thema Rennsport handelt.) 
Rex Harrisons Traum 
FS 2, 20.15 Uhr: „Don Quixote". 
(Für Rex Harrison, der heuer sein 
50jähriges Jubiläum als Schau- 
spieler feiert, ging mit diesem 
Stück ein langersehnter Traum in 
Erfüllung. Es brauchte aber sehr 
lange, bis er ein für seine Rolle 
passendes Drehbuch fand.) — 
21.50 Telereprisen. 
Der besondere Film 
ZDF, 20.15: Aktenzeichen XY 
ungelöst. — 21.15 Heute — 21.30 
„Das dreifache Echo". (In der 
Reihe „Der besondere Film" wird 
ein psychologisches Kammerspiel 
zwischen zwei Menschen, die ver- 
suchen, mit einem sonderbaren 
Rollentausch fertig zu werden, 
gezeigt. — 23.00 Aktenzeichen 
XY ... ungelöst: Erste Ergebnisse. 
Übersetzungen: Lenin 
„Ich bin wieder da" sang Udo 
führt vor der Bibel 
Jürg ens vor nicht allzu langer 
Zeit. Zumindest für Vorarlberg, 
für Bregenz trifft dieses Lied zu, 
denn Udo Jürgens wird hier als 
Stargast des Bunten Abends 
;,Vereint Mit Musik" des Süd- 
westfunks mit dem ORF-Studio 
Vorarlberg am 20. Juni im Thea- 
ter am Kornmarkt auftreten. Eine 
neue Single und eine LP, die in 
letzter Zeit erschienen, zeigen 
einen als Komponisten wie als 
Interpreten deutlich gereiften 
Udo, der in dem kleinen Häuflein 
anspruchsvoller 
	Chansonniers 
deutscher Zunge mit seinen Lie- 
dern nach wie vor durchaus 
ernstgenommen werden will. Ne- 
ben Udo Jürgens wirken bei die- 
sem Programm auch das Duo 
Cindy & Bert aus Deutschland, 
Bibi Johns und Elfi Graf aus 
Dor nbirn mit, es spielt das Tanz- 
orchester des Südwestfunks unter 
Rolf-Hans Müller. Die Veranstal- 
	 
Seite 24 
Freitag, 7. Juni 1974 
Auch heuer in Schlins: 
St. Gerolder Gespräch: 
,Goggalori` aufJagdberg 
Befreiung des Menschen 
Im Rahmen des 2. St. Gerolder 
Gespräches heute, Freitag, 
20 
Uhr, 
  
und morgen, Samstag, 
17.30 
Uhr 
und 20 Uhr, sprechen Prof, Dr, 
Dr: 
Huber, Rom, zum Thema „Die 
Befreiung des Menschen". — Wel.. 
chen Menschentyp benötigt unsere 
Gesellschaft zum Zweck reibungs- 
losen Funktionierens?" fragt 
Erich Fromm in sein er bekannten 
Analyse der Situation des heuti- 
gen Menschen. „Es sind Menschen, 
die reibungslos in großen Grup. 
die 
außerdem mehr und mehr konsu- 
mieren , wobei ihre Bedürfnisse 
genormt und leich t zu lenken und 
berechnen sein müssen." Vor die- 
sem Hintergrund stellt sich die 
alte Frage nach den Möglichkei- 
ten einer Befreiung des Menschen 
erneut und neu. Das 2. St. Gerol- 
der Gespräch wird in Zusammen- 
arbeit mit dem Kath. Bildungs- 
Schlins. In diesem Sommer bietet 
werk Vorarlberg veranstaltet. 
sich in der Gemeinde Schlins eine 
Vielfalt an Veranstaltungen; vor 
kurzem wurde im Schulhaussaal ein Bosniak, Zagreb, und Prof. 
Konzert unter dem Titel „Jugend 
musiziert" durchgeführt. Vom 12. bis 
zum 14. Juli feiert die Gemeinde- 
musik den 90jährigen Bestand. Da- 
mit verbindet das Modeatelier Ott 
das 15jährige Bestehen, und diese 
Kombination sieht vor, daß nur Mu- 
sikkapellen mitwirken, deren Trach- 
ten in der Sch neiderei Ott angefer- 
tigt worden sind. Die Festlichkeit be- pen zusammenarbeiten und 
ginnt mit einer Modeschau, am 
Samstag folgt ein Unterhaltungs- 
abend und am Sonntag ein groß er 
Festzug mit Konzert und Tanz. 
Das dritte große Geschehen kul- 
tureller Art in diesem Sommer wird 
wiederum das Freilichtspiel „Gog- 
Lenin führt die Liste der meist- 
übersetzten Werke der Welt an. Nach 
der am Donnerstag von der Erzie- 
hungs-, Wissenschafts- und Kultur- 
organisation der Vereinten Nationen 
(UNESCO) in Paris veröffentlichten 
Statistik wurden Lenins Werke jähr- 
lich 381 mal übersetzt, gefolgt von 
215 Übersetzungen der Bibe l. Auf 
dem dritten Platz befindet sich die tung ist bereits ausverkauft. 
bekannte britische Kinderbuchautorin 
Enid Blyton („Insel der Abenteuer") 
mit 165 Übertragungen pro Jahr. 
Platz vier, fünf und sechs auf die- 
ser Bestsellerliste der UNESCO neh- 
men die Bücher von Karl Marx, 
Agatha Christie und Jules Verne ein. 
Insgesamt werden jährlich 42.970 
Werke in andere Sprachen übersetzt. 
Überraschend weit hinten erschei- 
nen die Werke des chinesischen Par- 
teivorsitzenden Mao Tse-tung: von 
ihnen wurden lediglich 25 Überset- 
zungen angefertigt. 
Karl-Böhm-Preis 
für junge Dirigenten 
Auf Anregung der Wiener Mo- 
zartgemeinde wird das Unterrichts- 
ministerium ab 1975 einen Karl- 
Böhm-Preis für junge Dirigenten 
stiften, gab Unterrichtsminister Dok- 
tor Fred Sinowatz bekannt. Der 
Preis ist mit S 25.000 dotiert. Ver- 
bunden mit dem Geldpreis sind ein 
Konzert der Wiener Symphoniker 
unter Leitung des Preisträgers, die 
Übertragung dieses Konzerts durch 
den ORF sowie eine Einladung zu 
einem Konzert der Internationalen 
Stiftung Mozarteum Sa lzburg. 
Bei Bauer nichts Neues 
Wolfgang Bauer, der 32jährige 
Grazer Dramatiker, ließ am Mittwoch 
abend im Münchner Werkraumthea- 
ter sein jüngstes Werk „Gespenster" 
in der Inszenierung seines Freundes 
Bernd Fischerauer uraufführen. Eine 
marode Clique, Leere und Lange- 
weile im Massenkonsum von Birnen- 
schnaps ertränkend, macht sich 165 
lange Minuten auf der Bühne zu 
schaffen. Die „Ausgeflippten" ma- 
galori" 
chen in der Rolle „normaler Bürger"   
von Dr. Gerold Amann auf 
Jagdberg sein; es soll zwischen 
3. und 15. Augus t stattfinden, und 
dies in der Erwartung, daß der Wet- 
tergott dem heurigen Vorhaben bes- 
ser gewogen ist als letztes Jahr. Das 
Fernsehen hat sich auch angesagt, 
um Aufnahmen von dieser Veran- 
staltung zu machen. 
Im Verlaufe des Sommers wer- 
den überdies etliche Frühschoppen 
und Platzkonzerte sowie Gäste- 
abende geboten werden, um auch den 
Urlaubern in unserer Gemeinde Ab- 
wechslung und Unterhaltung zu ver- 
mitteln. Das letzte Platzkonzert ist 
auf Mittwoch, 18. September, ange- 
setzt; zugleich wird an diesem Abend 
die Preisverteilung anläßlich des 
Blumenschmuckwettbewerbes statt- 
finden. 
während eines Spaghetti-Essens ein 
Mädchen betrunken, selbiges dreht in 
Erinnerung an ihren ebenfalls dem 
Alkohol verfallenen Vater durch und 
wird in ein Nervenkrankenhaus ge- 
bracht. 
Das Stück, von Bauer als „Parabel 
über den Rollenverlust" verstanden, 
bleib t seltsam flach. Man meint die 
Personen schon aus „Magic After- 
noon" oder „Chance" zu kennen — 
und es gibt wenig Neues. Die allge- 
meine Leere k onnte auch durch 
einige Regie-Späßchen von Fischer- 
auer nicht vergessen gemacht wer- 
den. Die meist österreichischen Mi- 
men retteten sich wacker, aber doch 
Max Riccabona las: 
einschichtig über die Zeit. 
Originelles von 
einem Original 
„Auch viele seiner Freunde se- 
hen in Max Riccabona nur das Ori- 
ginal und nicht den Schriftsteller" — 
diese Befürchtung hegte Oscar Sand- 
ner, als er am Mittwoch abend im 
vollen Theaterfoyer in Bregenz rund 
100 Besucher zur „Dichterlesung Max 
Riccabona" begrüßte, und das Publi- 
kum bestätigte seine Befürchtungen: 
Man lachte, schmunzelte, konzen-1 
trierte sich auf Riccabonas nicht bis' 
kaum vorhandenen Stil, ergötzte, 
sich am Anblick des weißbärtigen, 
hemdsärmeligen, fast 60jährigen 
Autors; manche verließen die Stä tte 
seiner Lesung, ande re schüttelten 
ratlos den Kopf, und ein junger 
abschlie- 
CV-Angehöriger meinte 
ßend: „Ein Original sind Sie, aber 
kein Schriftsteller." Damit hatte sich 
die Diskussion auch schon fast er- 
schöpft. 
Max Riccabona macht sich in 
an- 
seinem bis dato auf 2000 Seiten 
Tragiko- 
gewachsenen Roman „Die 
mödie des Dr. v. Halbgreyffer .••" 
in bombastischem Stil mit einem stän- 
pseudo- 
digen Auf und Ab zwischen 
Wort- 
intellektuell-hochtrabenden 
schöpfungen (mit viel Latein!) und 
trivial formulierten Plattitüden über 
Zeiterschei- 
eine wahrlich infektiöse 
Emo- 
nung, die Halbbildung, lustig. 
tion und Phantasie überwiegen, au 
seine Schilderungen scheinen unter 
hervorzukom- 
dem Gasthaustisch 
men — nämlich dann, 
wenn ein Ge- 
lage schon seine Wirkung getan bat. 
Ob jemand diesen „Roman" ver- 
legt 
Mit großem Erfolg — die Kritiken waren durchwegs positiv und setzten 
...7. 	 
Doris'U nke 
sich eingehend mit der Künstlerin auseinander — lief von Ende April 
bis Mitte Mai in der Galerie Stephan in Bern eine Ausstellung mit 
39 Graphiken der aus Bludenz gebürtigen und in Feldkirch lebenden 
Künstlerin Anne-Christine Walch. Sie studierte den Lehrberuf in Feld- 
kirch, erhielt dann ein Auslandsstipendium für New York, besuchte die 
Akademie der bildenden Künste in Wien, absolvierte in diesem Jahr 
ihre Lehramtsprüfung für Kunsterziehung und erhielt auch ein Rom- 
Stipendium. Studienreisen führten sie nach Israel, Frankreich, Jugosla- 
wien, in die Türkei, CSSR, nach Italien und England, neben zwei Aus- 
stellungsteilnahmen veranstaltete sie an der Hochschule Linz auch eine 
Einzelausstellung. Auf unserem Bild eine Kohlenkreidegraphik der jun- 
gen Künstlerin Anne-Christine Welch mit dem Titel „Die Eröffnung". 
Der,Sacher-Kommissar` 
drehte an der Spree 
mei ner Verblüffung, daß das Polizei- 
kommissariat, in dem Marek agiert, 
in der Berliner Wirklichkeit fast ge- 
nauso aussieht." 
Wesentliche andere Erkenntnisse 
aus der ehemaligen Reichshauptstadt: 
0 Ivan Desny, mein Hauptdarsteller, 
der in Wien gar kei nen Drehtag 
hatte, ist ein Vollprofi und ein 
äußerst angenehmer Mensch. Wer 
meine Treue zu den Darstellern, die 
ich mag, kennt, der weiß, daß Desny 
s icher bald wied er bei mir etwas 
spielen wird." 
0. „In einem Interview mit der-Zei- 
tung ,Der Abend' wurde ich als ‚Se- 
eher-Kommissar' tituliert. Das gefiel 
mir sehr." 
0 „In Berlin verdienen die Kompar- 
sen sehr gut. Sie erhalten pro Tag 
75 Mark, also ungefähr 540 Schilling, 
während man ihnen bei uns nur 250 
Schilling bezahlt. Ich hab mir schon 
gedacht: ich hau alles hin und werde 
Komparse in Berlin ..." 
Bevor sich Fritz Eckhardt im 
Herbst an we itere „Sacher"-Folgen 
he ranmac ht, bevor er den „Vogel- 
händler" für die Volksoper bearbei- 
tet, absolviert er erst einmal einen 
Urlaub in einer burgenländischen 
Kuranstalt. „Ich bin jetzt ein bißl 
kapu tt. Und das hat keinen Sinn. 
Man kann nicht dauernd von einer 
Kamera zur anderen und von einer 
Schreibmaschine zur anderen ren- 
nen." 
Im Urlaub läßt er es trotzdem 
nicht ganz sein: bei Spaziergängen 
wird er am Handlungsfaden zu sei- 
	nächstj 
nem 
ährigen Marek-Krimi 
tüfteln. Titel: „Urlaubsmord". 
Ludwig Heinrich Heinrich
	        
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