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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Bereits im Jahre 1966 begann der Bregenzer Maler Helmut Fetz 
mit einer Darstellung des „Rittes über den Bodensee". Acht Jahre 
ruhte die Arbeit, jetzt ist das Werk — ein Öl bild in der Größe 
1 X 1. Meter — fertiggestellt: Ganz in Grau und Weiß gehalten, 
vermittelt das Bild den echten Eindruck einer Winterlandschaft, 
nur die Kinder links und rechts, die zusammen mit dem transpa- 
rentartig anmutenden, weißen Reiter gewissermaßen einen Rahmen 
bilden, sind in warmen, braunen und roten Farben gehalten. Das 
Panorama über die Stadt Bregenz bietet sich wie zur Zeit der See- 
gfrörne 1963, also noch ohne Hochhäuser, und auch die „Sport- 
mode" mit fliegenden Wollschals und Strickmützen mutet heute 
fast schon historisch an. Helmut Fetz arbeitet in seinem Atelier in 
der Oberstadt: Er hat die Oberstadt als „Luftaufnahme" heraus- 
gehoben, und wie eine Spielzeugstadt mitte n in die Bregenzer Bucht 
auf das Bodenseeis gesetzt. Und über Stadt und See reitet die.   
Hauptperson. durch die Luft . . . 	 (Foto: Spang) 
K flona Lisa reist von 
Tokio nach Moskau 
Alma Seidler 75 
,von 
Als 18jährige wurde sie 
'Hermann Bahr ans - Burgtheater 
-engagiert, 
dem sie nun mehr als 
ein halbes Jahrhundert 'lang' die 
Ange- 
Treue hält und zahlreiche 
ausgeschla- 
bote anderer Bühnen- 
gen, hat:. Kammerschauspielerin 
Alma. Seidler, die heute, am 8. 
Juni, 75 Jahre alt wird, stand bis- 
her an über 10.000 Abenden auf 
der Bühne des Burgtheaters, Wo 
eroberte, 
sie sich ein Repertoire 
  
das von den großen klassischen 
Rollen über das heitere Fach bis 
zur Moderne reicht. 
Seid- 
Heute noch gehört Alma 
meistbeschäftigten 
ler zu den 
Schauspielerinnen des Hauses, sie 
hat ie. 'ihrem Repertoire Molnar, 
Mo- 
Bahr, , Neslroy- genauso wie 
liere, Grillparzer, Goethe Und 
Lorca oder Giraudoux. 
1945' wurde Alma Seidler mit 
dem Goldenen Ehrenzeichen für 
Verdienste um die Republik 
er- 
Österreich ausgezeichnet, 1968 
Wis- 
hielt sie das Ehrenkreuz für 
Eine Prominentenparty gab es in Las Vegas, als Tom Jones seinen 
senschaft und Kunst I. Klasse. 
34. Geburtstag feierte. Natürlich stand „Happy Birthday" auf der kerz- 
chenbesteckten Geburtstagstorte, „Tom the Great" schnitt sie selbst an, 
und die Stars posierten für den Fotografen: Joan Rivers, Joey Heatherton, 
Sunny Bone, Dionne Warwicke, Debbie Reynolds und Liberace. , 
Das Young Vic aus London gastierte mit Shakespeares „Viel Lärm um nichts" 
(Funkbild: VN/UPI) 
Seite 30 
      
Samstag, 8. Juni 1974 
  
Wiener Festwochen: 
      
Dabei war die Aufführung von 
„Viel Lärm um nichts" (Much ado 
about nothing) zwar gekonnt und 
immer wieder voll Ideen, aber im 
Grunde nicht mehr als ein unver- 
bindlicher Jux. Darauf, daß gerade 
diese Komödie viele dunkle Aspekte 
hat, ist die Regie (zweifellos bewußt) 
gar nicht eingegangen. In einer bun- 
ten Phantasiewelt (ein knallrotes 
Holz-Bühnenbild, Kostüme, die ent- 
weder Uniformen oder auch, bei den 
Bösewichtern, den Wilde n Wes ten 
beschworen) wirbelte das Geschehen 
präzise'und voll ausgespielt über die 
Bühne. Beatrice und Benedick, das 
.Auf der .rechten Seite ein bereits 
kurz, vor der Fertigstellung stehen- 
der, Straßenbahnwagen, links einige 
'halbfertige Dächer von Gelenktrieb- 
wagen, über den Köpfen der Zu- 
hörer lange Montagebrücken mit 
Kränen und Ketten: die große Halle 
der Bombardier-Rotax-Werke in 
Wien-Floridsdorf war Donnerstag 
abend Schauplatz eines Bruckner- 
Konzertes der Wiener Philharmoni- 
ker, die - damit echtes Neuland be- 
traten. Zum erstenmal spielte Wiens 
Meisterorchester am linken Donau- 
ufer, erstmals seit den Nachkriegs- 
zeiten in einer Werkshalle. In der 
Ha lle, die mit. rund 600 Besuchern 
etwa zu neunzig Prozent besetzt war, 
wird sonst der Unterbau der Stra- 
ßenbahnwagen montiert. 
Eugen Jochum, der Bruckners 
siebente. Symphonie dirigierte, be- 
(APA) Im Wiener Akademie- 
theater sollen in der kommenden 
Saison neun Stücke herauskommen 
(so es die Umbaupläne und das Bud- 
get erlauben), sieben davon sind 
fixiert: Peter Handkes „Die Unver- 
nünftigen sterben aus" — die öster- 
reichische. Erstaufführung geht be- 
kanntlich im Rahmen eines Gast- 
spiels beim steirischen Herbst in 
Graz in Szene —, die Uraufführung 
von Edward Albees „Seascape", 
Schillers „Kabale und Liebe", Gor- 
kis „Sommergäste" sowie als wei- 
tere Uraufführung Lotte Ingrischs 
"Kybernetische Hochzeit". Jean Louis 
Barrault wird Marivaux` „Falsche 
 streitende 
Vertraulichkeiten" in Szene setzen. saniert.   
Liebespaar, war mit zwei 
ausgesprochenen Komikern besetzt, 
und auch alle anderen wahrten kon- 
sequent den Ton ironischer Heiter- 
keit. Das Geschehen, auf einer Arena- 
Bühne angesiedelt, griff zeitweise in 
den Zuschauerraum über, eine ur- 
komische „Kapelle" trug zur Hei- 
terkeit bei, und als schließlich die 
Tölpeldarsteller mit 'Schirm und Me- 
lone auftraten, erreichte der Jux um 
seiner selbst willen den Höhepunkt. 
Für die Produktion zeichneten 
der Regisseur Frank Dunlop und De- 
nise Coffey verantwortlich, die auch 
die Beatrice gab. Man kann sie nach 
tonte vor dem Konzert, es sei wich- 
tig, daß die Musik zu den Arbeitern 
komme. Festwochen-Intendant Ulr ich 
Baumgartner verwies auf die Tat- 
sache, daß am linken Donauufer 
Wiens rund 400.000 Menschen woh- 
nen, ein großes Reservoir von po- 
tentiellen Konzertbesuchern. Auch 
Unterrichtsminister Dr. Fred Sino- 
watz ließ sich das Experiment nicht 
entgehen, soll doch in der nächsten 
Sai son in Floridsdorf ein großer 
Konzertzyklus veranstaltet werden. 
Für das erste Werkskonzert hätte 
man sich freilich ein populäreres 
Programm als die, Siebente Bruck- 
ners gewünscht. Wahrscheinlich wäre 
die Halle, die übrigens eine über- 
raschend gute Akustik hat, bei einem 
Mozart-Strauß-Abend total ausver- 
kauft gewesen. 
Für die beiden noch nicht fixierten 
Neuinszenierungen sind Stücke von 
Shaffer, Stoppard, möglicherweise 
auch Lange und Bond 'im Gespräch. 
In der heurigen Sommerpause 
wird mit dem Umbau des Zuschauer- 
raums des Akademietheaters begon- 
nen. Die Logen werden entfernt; eine 
neue Bestuhlung wird die Sitzplatz- 
anzahl etwas verringern, die Steh- 
piatzkapazität soll dafür vergrößert 
werden. Die dringend benötigte elek- 
tronische Lichtanlage und eine neue 
Klimaanlage werden installiert.. In 
der Sommerpause des nächsten Jah- 
res wird dann der Bühnenbereich 
konventionellen 
Maßstäben nicht ein- 
mal als hübs ch bez eichn en, aber ihre 
komische Wirkung ist enorm. Diese 
setzt sich aus einer sprudelnden Dik- 
tion, ungemein gezielten Zwischen- 
tönen und einer sehr berührenden 
Herzlichkeit zusammen. Nicht min- 
der furios war ihr Benedick (Jimmy 
Thompson), wie die Leistung des ge- 
samten Ensembles überhaupt als sehr 
ausgeglichen bezeichnet sein muß. 
Mit dieser Produktion haben die Bri-     
ten viel Fröhlichkeit gebracht, die ja 
bisher bei den Festwochen noch we- 
nige Chancen gehabt h atte. 
Dr. Renate Wagner 
Autorenvereinigung 
in Wien gegründet 
In Wien hat sich diese Woche eine 
„Vereinigung hauptberuflicher Auto- 
ren" konstituiert. Ihr Ziel ist es, die 
materielle Lage der österreichischen 
Schriftsteller zu verbessern. Die Ver- 
einigung will, wie sie in einer Presse- 
aussendung erklärt, den österreichi- 
schen Autoren zu jenen Rechten ver- 
helfen, die anderen Berufsgruppen 
längst zur Selbstverständlichkeit ge- 
wo rden sind. Die Forderungen der 
Literatur sollen vom problematischen 
System der staatlichen Subventionie- 
rung zur ges etz lichen Verankerung 
der Honorare und sozialen Leistun- 
gen hingeführt werden . Internatio- 
nale Kontakte soll en dazu dienen, 
die Arbeits- und Lebensbedingungen 
der Schritsteller dem europäischen 
Niveau anzugleichen. 
Sitz der Vereinigung ist in den 
Räumen der Österreichischen Gesell- 
schaft für Literatur in Wien. Zum 
Präsidenten wählte die Generalver- 
sammlung Milo Dor, Vizepräsident 
ist Wolfgang Kudrnofsky, General- 
sekretär György Sebestyen. 
Festival von Spoleto 
finanziell bedroht 
Das 17. „Festival zweier Welten" 
von Spoleto wird trotz großer finan- 
zieller Schwierigkeiten vom 14. Juni 
bis 7. Juli in Szene gehen. 
In diesem Jahr stehen 19 Produk- 
tionen mit insgesamt 110 Aufführun- 
gen in 24 Tagen auf dem Programm, 
dessen Höhepunkte zweifellos die 
Operninszenierungen von Roman Po- 
lanski („Lulu" von Alban Berg), Lu- 
chino Visconti („Manon Lescaut" von 
Puccini) und Giancarlo Menotti („Ta- 
mutamu") sein werden. Weiter wer- 
den Molieres „Der eingebildete 
Kranke", „Le viat han" vom Studio 
Fersen und „Geschichte des Thea- 
ters" von der argentinischen TSE- 
Gruppe gezeigt. 
Die finanziellen Probleme des Fe- 
stivals wurden nach Aussagen der 
Organisatoren, Menotti und Valli , vor 
allem durch die Erhöhung der An- 
leihezinsen in Italien verursacht. Fer- 
ner wurden die Subventionen des ita- 
	Tourismusministeriums 
lienischen 
von 190 Millionen Lire auf 150 Mil- 
lionen reduziert. 
(VN) Im Zeichen eines Führungs- 
wechsels stand die vom 23. bis 26. 
Mai in Krems in Niederösterreich, 
durchgeführte Generalversammlung 
des Österreichischen Blasmusikver- 
bandes. Präsident MDir. Prof. Josef 
Leeb aus Stadt Haag, der den Ver- 
band seit seiner Gründung vor 15 
Jahren geleitet hatte und zuvor maß- 
geblich am Zustandekommen dieser 
Vereinigung beteiligt gew esen war, 
trat sein Amt an den bisherigen 
Vizepräsidenten und Geschäftsführer 
des Tiroler Landesverbandes, Franz 
Karsten aus Innsbruck, ab. Neu ins 
Präsidium als Jugendreferent be- 
stellt wurde der bisher in Freiburg/ 
Breisgau tätig gewesene Blasmusik- 
fachmann Prof. Dr. Wolfgang Sup- 
pen. Prof. Leeb wurde von der Ver- 
sammlung zum Ehrenpräsidenten des 
Österreichischen Blasmusikverbandes 
gewählt und wird zu einem späteren 
Zeitpunkt mit dem Goldenen Ehren- 
kreuz des Verbandes ausgezeichnet 
werden. 
An der Tagung in Krems nah- 
men Delegierte aller Landesver- 
bände des Österreichischen Blas- 
musikverbandes teil, darunter aus 
Vorarlberg Landeskapellmeister Pro- 
Leonardo da Vincis „Mona Lisa", 
fessor Franz Reiter und Vizeobmann 
das kostbarste Stück des Pariser 
Louvre, wird nach ihrem Sensations- 
erfolg in Tokio von der kommenden 
Woche an auch den Moskauern zur 
Verfügung stehen. Die Direktion der 
französischen Museen teilte am Frei- 
tag mit, Leonardos Meisterwerk wer- 
de auf sowjetischen Wun sch vom 
14. Juni an im Moskauer Puschkin- 
Museum gezeigt. Die „Mona Lisa", 
die seit dem 19. April in Tokio aus- 
gestellt war, wurde von über einer 
Million Japanern gesehen. 
Goldener David für 	- 
Loren, Vitti, Fellini 
Mit dem begehrten italienischen 
Filmpreis des Goldenen David, einer 
Miniatur-Nachbildung der David- 
skulptur von Donatello, wurden am 
Donnerstag u. a. Sophia Loren, Mo- 
nica Vitti und Feder ico Fellin i aus- 
gezeichnet. 
Die prämierten Ausländer sind 
Dr. Walter Fehle. Zu Beginn der Sit- 
zung verwies Präsident Prof. Leeb 
in seinem Tätigkeitsbericht über das 
Jahr 1973 darauf, daß die 1908 in 
Österreich bestehenden Blasmusik- 
kapellen mit über 57. 000 aktiven 
Blasmusikern nahezu 60.000 Veran- 
staltungen durchgeführt oder mitge- 
staltet hatten. Insgesamt wurden in 
Österreich 76 Millionen Schilling für 
die Anschaffung von Instrumenten, 
Noten und Bekleidung sowie für den 
Bau von Musikheimen durch Sub- 
ventionen von Bund, Land und Ge- 
meinden und durch Spenden der Be- 
völkerung aufgebracht. 
Das Organ des Österreichischen 
Blasmusikverbandes, die „Öster- 
reichische Blasmusik", die bekannt- 
lich in Vorarlberg durch Fritz Jur- 
mann redigiert und herausgegeben 
wird, hat einem Bericht auf der. Ta- 
gung zufolge eine Auflagenhöhe von 
knapp 12.000 Stück zehnmal jährlich 
erreicht. Im Vorjahr hatte die Fach- 
zeitschrift einen Gesamtumfang von 
240 Seiten. 
Die nächste Generalversammlung 
des Österreichischen Blasmusikver- 
bandes wird vom 1. bis 4. Mai 1975 
 `der 
in Südtirol stattfinden. 
ainerikaniSehe RegiSSeur Norriian 
Jewison für' „Jesus Christ Super- 
star", sein schwedischer Kollege Ing- 
mar Bergman für „Schreie und 
stern", die Schauspieler Barbra Strei- 
sand für „The Way We have been", 
Tatum O'Neil für „Papermoon"nAl 
Pacino, für „Serpico" und Robert 
Redford für „Der Clou". 
Fellini bekam den Preis für 
„Amercord", Sop hia Loren für „Die 
Reise", Monica Vitta für „Sternen- 
staub". Ausgezeichnet wurde ferner 
Nino Manfredi als Hauptdarsteller 
des Gastarbeiterfilms „Brot und 
Schokolade". 
Rostropowitsch übernimmt 
1975 die „Fledermaus" 
Mstislaw Rostropowitsch, der so- 
wjetische Cellist und Dirigent, hat 
die Einladung der Wiener Festwo- 
chenintendanz, 1975, ' im Johann- 
Strauß-Jahr, die „Fledermaus" im 
Theater an der Wien während der 
Festwochen neu einzustudieren, an- 
genommen. Er wird im Juni 1975 mit 
den Wiener Symphonikern die be- 
rühmteste Johann-Strauß-Operette 
.mit 
dem in Moskau von ihm erar- 
Nach dem Piccolo Teatro di Milano und Strehlers „Lear"-Inszenie- 
beiteten Konzept zehnmal dirigieren. 
rung ist nun das Young Vic aus London gleichfalls mit Shakespeare in 
das Theater an der Wien eingezogen. Aber aus Italienisch wurde Eng- 
lisch, aus viereinhalb Spielstunden drei, aus tiefer Tragik hemmungslose 
Fröhlichkeit— kein Wunder, daß das Publikum wie erlöst reagierte und 
das Young Vic mit Begeisterung aufnahm. 
Experiment der Wiener Philharmoniker: 
Bruckner in Fabrikshalle 
Premieren und Umbau 
im Akademietheater 
57. 000 Blasmusiker 
spielten 60.000ma l 
Neue Führung in Österreichs Blasmusikwesen Blasmusikwesen
	        
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