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Montag, 10. Juni 1974
Namenstag
Heinrich, Olivia
Wetterbericht der Wetterwarte
Innsbruck
Großwetterlage: Nach
dem Durchzug der Kaltfront
bleibt das Wetter in Österreich
auch morgen regnerisch und
kühl.
Vorhersage: Stark be-
wölkt und weiterhin regnerisch.
Frühtemperatur 6 bis 10 Grad,
Tageshöchstwerte zwischen 9 und
13 Grad.
Höchste bzw. tiefste Tempera-
turen von gestern, 13 Uhr: Ei-
senstadt 21 Grad, Salzburg 9
Grad.
Sonnenaufgang 4.36 Uhr, Son-
Mond geht über sich bis Diens-
nenuntergang 20.24 Uhr; der
tag, 18. Juni (Tierkreiszeichen:
Wassermann).
Wetterbericht der Wetterwarte
Zürich
Allgemeine Lage: In
einer Nordwestströmung fließt
weiterhin feuchte und kalte Luft
von England gegen die Alpen.
Vorhersage: Bei wech-
selnder Bewölkung zum Teil
Schauer. Durchschnittliche Tem-
peraturen 7 bis 18 Grad.
Zitat des Tages
Die meisten vergessen ihre
Kindheit wie einen Schirm und
lassen sie irgendwo in der Ver-
gangenheit stehen. Und doch
können nicht vierzig, nicht fünf-
zig spätere Jahre des Lernens
und Erfahrens den seelischen
Feingehalt des ersten Jahrzehnts
Er
aufwiegen.
ich Kästner
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Neue Volksschule Belruptstraße soll
die Bregenzer Schulraumnot lindern
(RUG) Bis Oktober soll das neue Volksschulgebäude in der Bre-
Belru.-tstraße
genzer
fertig sein, erklärte der Bregenzer Bürger-
meister Dipl.-Ing. Mayer am Samstag anläßlich der Grundstein-
legung. Er appellierte an die Baufirmen, zügig und ohne Verzöge-
rung das Baugeschehen abzuwickeln. Der an die neue Schule an-
grenzende Altbau wird mit einem Aufwand von 2,5 Millionen
Schilling hergerichtet, die Klassenräume werden erneuert, um einen
zeitgemäßen Unterrichtsablauf gewährleisten zu können. — Der
Neubau, für den sich die Referentin für das Schulwesen, die Bre-
genzer Stadträtin Dr. Emma Wirnschimmel, vehement eingesetzt
hat, wird die anderen Volksschulen der Landeshauptstadt entlasten
können. Der Bürgermeister sieht in der Errichtung der Volksschule
Belruptstraße eine „Gesamtlösung des innerstädtischen Schulraum-
problems": Die neue Vo lkssc hule weist zehn Klassen auf und wird
vorwiegend von den Schülern des Bregenzer Randgebietes Tannen-
bach besucht werden. — Die neue Volksschule Belruptstraße wird
etwa 12 Millionen Schilling kosten. — Auf unserem Bild eine Szene
von der Grundsteinlegung am Samstag mit Stadträtin Dr. Wirn-
Schimmel und Bürgermeister Dipl.-Ing. Mayer. Anschließend gab
es für die zahlreich erschienenen Schiller und Eltern eine Ja use.
(Foto: VN)
Gestern am Sonntag
Mancher, der gestern durch die
Jalousien argwöhnisch und miß-
trauisch gegenüber dem Wetter-
gott in den neuen Tag hinaus-
blinzelte, sah seinen Verdacht be-
stätigt und kroch wieder ins Bett
zurück. Dicke, graue Regenwol-
ken klebten an den Bergen und
über einer Landschaft, die durch
das Fenster vom Faulenzersessel
aus sympathischer wirkte, als
wenn man mit Schirm und Mantel
dem Regen und der erfrischen-
hätte
den Temperatur trotzen
müssen.
Kein Freudentag also für die
luft- und sonnenhungrigen Büro-
menschen, für die an di esem Tag
kein Telefon läutete und kein Ak-
tenberg in schwindelerregender
Höhe zum Abtragen bereitstand.
Auch kein Erholungstag für die
Hausfrauen, die vielleicht hofften,
daß ein Picknick oder der im Gar-
ten grillende major domus das
starre Sch ema von fixierten Es-
trauten und Anvertrauten ein biß-
senszeiten der verwöhnten Ange-
chen durcheinander bringen
könnten. Zur Abwechslung! Aber
ein Sonntagswetter, das den
Fernsehstars der Konsumenten
das Alibi für ein ausgedehntes
und ungetrübtes Training im Hin-
blick auf die nahe Fußballwelt-
meisterschaft gab, die ab kom-
menden Freitag sicherlich einiges
an Nervenkraft und Sitzfleisch ab-
verlangen wird. Ein Sonntag aber
auch, an dem vielleicht der eine
oder andere die Zeit hatte, einen
Brief zu schreiben und sich dabei
ein paar
die Mühe nahm, statt
Phrasen zu dreschen, nach net-
ten, persönlichen und jenen Wor-
ten zu suchen, die der Empfän-
ger mit einem gewissen Lächeln
heute lesen wird.
in der
Seele
Ja, das Lesen und Schreiben ist
ja eigentlich die Kunst, die wir
bereits als Sechsjährige erlernen
dürfen oder müssen. Wenigstens
das Handwerkszeug wird uns mit
dem eingetrichterten Alphabet
und den Rechtschreibregeln mit-
wissen, daß ein Gemälde wert-
gegeben. Obwohl wir natürlich
v oller sein kann als eine Foto-
grafie, und ein Platz in einem
Konzertsaal zu einem interessan-
teren Erl ebnis werden kann als
eine Sitzung vor dem Plattenspie-
ler, greifen wir viel lieber zum
Telefon als zur Feder, wenn wir
etwas zu sagen haben. Die Ge-
danken an die Telefonrechnun-
gen und weil wir nicht wissen,
ob der andere auch mehr als eine
Minute Zeit hat, zwingen uns, in
Floskeln und Schlagworten die
Diskussion zu eröffnen und ab-
zuschließen: „Hallo — wie ge ht's
— danke, mir auch — was ich noch
sagen wollte — grüß mir die Susi
— laß dich wieder einmal sehen —
ja, wenn's bei mir mal ruhiger
wird ...". Liebende schreiben ihre
Briefe, wenn sie Zeit haben und
weil sie wissen, daß der ande re
diese Zeilen nicht nur in der Mor-
genkühle überfliegen wird, so
zwischen Tür und Angel, wenn
ist. Ein
der Postbote gegangen
solcher Brief wird öfter gelesen
sellers. Denn der Herr oder die
als die Schlüsselstellen eines Best-
einem
Frau Bürgerlich wurde zu
Künstler, der in sich hineinhorch-
te, seine Gedanken und Wünsche,
seine Träume und Hoffnungen,
seine Sehnsucht oder seinen
Schmerz zu Worten formte.
Jeder Künstler gibt in seinem
Werk sein Innerstes preis. Darum
sind die meisten Künstler so sen-
sibel und so verwundbar, weil
sie die Bastionen vor ihrer Seele
geöffnet halten. Unser e Gesell-
schaft ist gegenüber dem frei ge-
sprochenen und geschriebenen
aggressiv geworden, daß
Wort so
diese Ausdrucksform, die jeder
Analphabet mißverstehen kann,
sogar in ihrer Freiheit gesetzlich
geschützt werden mußte. Das
Zeitalter der artgerechten und
entarteten Kunstkategorien ist
vorbei. Der Klang der Musik hat
sich bis zu elektronischen Schall-
experimenten erweitert. Beim ge-
sprochenen, geschriebenen oder
gedruckten Wort schreien wir
sehr bald von Brüskierung und
Keine Wanderung ohne Zeckenschutz!
Manipulation . . . Valentin
Jeden Sommer wird die gefürchtete Zeckenplage ak-
tuell. Zecken sind nicht nur einfach lästige Insekten,
sie können ernste, dauernde Gesundheitsschäden ver-
ursachen. Vor der Zeckengefahr kann daher nicht oft
genug gewarnt werden.
Gibt es wirklich verläßlichen Schutz?
Nun, es gibt schon seit geraumer Zeit eine Reihe von
Insektiziden, die allerdings nicht auf die Haut aufge-
tragen werden können. Mit dem von Wissenschaftern
entwickelten haunahen Abwehrmittel Autan — einem
Repellent — wurde ein verläßlicher Schutz gefunden.
Autan wird direkt auf die Haut gesprüht oder einge-
rieben. Durch die Körperwärme werden Duftstoffe
frei, die Insekten so unangenehm sind, daß sie Autan-
geschützte Haut unter allen Umständen meiden. Da-
durch bildet Autan echten Schutz. Nicht nur vor Gel-
sen und Mücken, sondern auch vor den mit Recht ge-
fürchteten Zecken. Autan ist auch für Kleinkinder
geeignet.
liehen Betreuung der Gastarbeiter
mehr Augenmerk zu schenken.
Aus dem Bericht der Österrei-
chisch-Jugoslawischen Gesellschaft
ging hervor, daß das Filmprogramm
ausgebaut wurde und ebenso auch '
das Tanzveranstaltungsprogramm.
Im Landes-Unfallkrankenhaus und
im Krankenhaus der Stadt Feldkirch
seien serbokroatische und sloweni-
sehe Bücher für die Bibliothek zur
Verfügung gestellt worden. Die Ge-
sellschaftsveranstaltungen würden
nicht mehr so gut besucht, eine Folge
der Familienzusammenführung.
Die Österreichisch-Türkische Ge-
sellschaft wird demnächst zwei Vor-
tragsabende durchführen und Texte
für türkische Radiosendungen zur
Verfügung stellen. Eine österreichi-
sche Zeitung für türkische Gastar -
beiter erscheint monatlich. Der Mit-
telblock dieser Zeitung enthält aus-
schließlich Beiträge aus Vorarlberg.
Für das Landes-Unfallkrankenhaus
und das Krankenhaus der Stadt
Feldkirch wurden 250 Bücher zur
Verfügung gestellt, ebenso auch für
Gaisbühel. Bücher für die Kranken-
häuser in Bregenz und Bludenz sind
zugesagt worden. Demnächst wer den
auch Ausflugsfahrten in Vorarlberg
Montag, 10. Juni 1974
organisiert werden.
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1500 Gastarbeiter weniger als im Vorjahr:
Bregenz. „Mit einem derzeitigen Stand von rund 23.500 Gastarbeitern
liegt Vorarlberg um rund 1500 Personen unter den Zahlen vom letzten
J ahr." Dies stellte Dipl.-Ing. Müll er vom Landesarbeitsamt auf der
von Landesrat Dipl.-Vw. Siegfried Gasser kürzlich einberufenen Koordi-
nierungsbesprechung über Gastarbeiterfragen fest, über die die Vorarlber-
ger Landeskorrespondenz in einer Aussendung berichtet. Alle mit Ange-
legenheiten der Gastarbeiter beschäftigten Vorarlberger Institutionen dis-
kutierten in dieser Aussprache über verschiedene Themen, nachdem Lan-
desrat Dipl.-Vw. Gasser u. a. auf die Studienreise des Landtages in die
Türkei, über Verhandlungen mit dem ORF bezüglich fremdsprachiger
Sendungen, über schulische Fragen, Gastarbeiterunterkünfte usw. berich-
tet hat te.
Dipl.-Ing. Müller erläuterte einen
Erlaß des Sozialministeriums vom
1. März für die Beschäftigung jugo-
slawischer und türkischer Gastarbei-
ter, die nur noch dann möglich sein
wird, wenn ein Kontingent noch nicht
ausgeschöpft ist. Nur im Sozialbe-
reich, bei Gaststätten und in der
Landwirtschaft können noch über die
Kontingente hinausgehende Arbeits-
genehmigungen erteilt werden.
Im kommenden Ausländerbeschäf
tigungsgesetz werden voraussichtlich
auch Lehrlinge dem Gesetz unter-
ste llt werden, meinte der Vertreter
des Landesarbeitsamtes weiter. Erst-
mals soll rechtlich auch verankert
werden, daß — was bisher allerdings
in der Praxis gehandhabt wurde —
öffentliche und gesamtwirtschaftliche
Interessen bei der Ablehnung von
Arbeitsgenehmigungen herangezogen
wer den können.
In der Folge gaben die Vertreter
der einzelnen Institutionen kurze
Überblicke über ihre wichtigsten Ein-
wände und Wünsche zum Gesetz-
entwurf bekannt . So geht es der In-
dustriellenvereinigung vor allem
da rum, um schwerwiegende wirt-
schaftliche Rückschläge vermeiden
zu kön nen, von einer Höchstzahl ab-
zugehen und sich eine gewisse Be-
weglichkeit zu bewahren.
Von seiten der Arbeiterkammer
wurde die Einführung einer länger-
fristigen Beschäftigungspolitik der
Unternehmen urgiert. Die Gewerk-
schaften gaben zu erkennen, daß es
ihnen weniger um eine fixe Höchst-
zahl, sondern darum geht, daß alle
Unternehmen auch Gastarbeitern
gegenüber die kollektivvertraglichen
und arbeitsrechtlichen Bestimmun-
gen einhalten.
Die Lage in den vier
Verwaltungsbezirken
Die Vertreter der Beiirkshaupt-
mannschaften verwiesen auf die im
allgemeinen ordnungsgemäße Unter-
bringung der Gastarbeiter. Unzuläng-
lichkeiten werden durch ständige
Kontrollen, baurechtliche Maßnah-
men und Verwaltungsstrafverfahren
abzustellen versucht. Hier fällt auf,
daß einzelne Gemeinden durch kon-
sequente Anwendung der baurecht-
lichen Vorschriften bei Gastarbeiter-
unterkünften durchwegs tragbare
Verhältnisse erreicht haben, wogegen
es leider noch einzelne Gemeinden
gibt, bei denen die entsprechende
Durchschlagskraft vermißt wird. Ein
Problem s tellt vielfach auch der Um-
ohne
stand dar, daß Gastarbeiter plötzlich,
für die erforderlichen Wohn-
möglichkeiten vorgesorgt zu haben,
ihre ganze Familie nach Vorarlberg
bringen.
Als erfreulich erwähnte Landes-
rat Gasser, daß immer mehr Fi rmen
dazu übergehen, Gastarbeiterheime
zu errichten, um damit die Lage bei
der _Unterbringung zu entschärfen.
Allein im Jahre 1974 können mit
einem Aufwand von 10,4 1.1111ionen
Schilling 150 Werkswohnungen ge-
fördert werden. Bemühungen um die
Schaffung eines Freizeitheimes im
Raume Bludenz blieben bisher leid er
noch erfolglos.
Das Schulproblem ist eines der
Kernprobleme der Gastarbeiterfrage.
Etwa in vier Jahren gibt es bei An-
halten der derzeitigen Lage in Vor-
Der Vertreter der Landesexeku-
tive des ÖGB zeigte die Gründung
eines Kultur- und Sportvereins für
Gastarbeiter auf, der seine Tätigkeit
bereits aufgenommen hat und seinen
Sitz im Jugendheim in Feldkirch hat.
arlberg 600 Gastarbeiterkinder, die
Er forderte, auch der innerbetrieb-
eingeschult werden müssen. Von 1963
bis 1972 wurden in Vorarlberg 2200
jugoslawische Kinder geboren. Auch
von diesen wird der Großteil Vor-
arlbergs Schulen benützen. Im Ge-
gensatz zu den Lehrkräften für tür-
kische Gastarbeiterkinder, wo man
ALS! SUISSE,
die bekannte SchweizerUhr
auf türkische Lehrer angewiesen ist,
kann Vorarlberg demnächst auf kroa-
tische und slowenische Lehrpersonen
österreichischer Staatsangehörigkeit
zurückgreifen, die sich dem Unter-
richt jugoslawischer Kinder in der
Muttersprache widmen werden. Wie
Landesrat Gasser weiter mitteilte, ist
es ihm gelungen, beim Unterrichts-
ministerium die Zustimmung zur
Ausdehnung des muttersprachlichen
Unterrichts für Gastarbeiterkinder
auf fünf Wochenstunden im Rahmen
eines Schulversuches an verschiede-
nen Orten der vier Bezirke zu erhal-
ten. Die Schulverwaltung hat die Ab-
sicht, die Schulen mit Unterricht für
Gastarbeiterkinder in deren Mutter-
sprache möglichst in die Gebiete mit
dem größten B edarf zu konzentrieren.
Veranstaltungen für die Gastarbeiter Gastarbeiter