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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

trter 
f e, t 
Seite 1 
Bregenz. — Schulen ohne Lehrermangel, und das 
in Vorarlberg! 
Das klingt wie ein Märchen, und doch gibt es das. 
den 
Zumindest In 
Berufsschulen des Landes unterrichten genügend 
Lehrkräfte. Über- 
sind die Berufsschulen des Landes in vielerlei 
haupt 
Aus- 
Hinsicht als 
nahme von der Regel anzusehen, wie wir uns 
überzeugen konnten. 
Schulgebäude wurde Im 
Die Mehrzahl der Laufe der letzten Jahre 
großzügig angelegt und nach den modernsten 
ein- 
Gesichtspunkten 
gerichtet. Trotz steigender 
Schülerzahlen „läuft der Laden". • 
Praxisbezogenheit ist die oberste Devise in der Lehrlingsausbildung. Hier beispielsweise der Ausbildungs- 
zur Statistik: Im laufenden 
raum für die Textillaboranten. 
Kurz 
Schuljahr besuchen 1537 Mädchen 
und Burschen die kaufmännischen 
und 3822 Schüler die gewerblichen 
Berufs schul en Vorarlbergs. • Das 
„Know how" für ihre •Berufslauf- 
bahn liefern den jungen Leuten 76 
hauptberufliche und 62 nebenberuf- 
lich beschäftigte Lehrer. 
Beeindruckend ist das reichhaltige 
Angebot an technischen Geräten je- 
Richtung, das dem Lehrling zur 
der 
Report: Willy Hillek (Text) 
und Oskar Spang (Fotos) 
Verfügung steht, der einen Tag lang 
in der Woche die Schulbank — oder 
soll man sagen Werkbank? — drückt. 
Die Einrichtungen, egäl ob in 
Schreinerei, Schlosserei, einer Werk- 
stätte der Textilbranche oder für 
Automechaniker, sind in vielen Fäl- 
len reichhaltiger und auf einem mo- 
Stand der Technik alS die 
derneren 
Apparate, mit denen der Lehrling 
unter der Woche an sei nem Arbeits- 
platz in Berührung kommt. Nicht 
immer ungefährlich, wie nachfolgen- 
des Beispiel veranschaulicht: Wäh- 
rend etwa in der Schreinerei-Werk- 
statt der Berufsschule die Maschi- 
nen mit Schutzvorrichtungen verse- 
hen-sind, die es dem Werkenden.. 
kaum ermöglichen, mit der. Hand in: 
in die laufende Maschine zuseraten,- 
fehlen in der.Praxis, nämlich am Ar- • 
beitsplatz außerhalb der Schule, der- 
artige Schutzvorrichtungen weitge- 
hend. Nicht ungefährlich dann, 
wenn der Lehrbub mit der gewis- 
sen Portion Vertrauen zur „sicheren 
Maschine",am Schulplatz vielleicht, 
Maschine 
zur 
in seinem Betrieb 
schreitet. Hier kann die Sorglosig- 
keit einen oder mehrere • Finger 
kosten. 
über allem steht die Praxis 
Oberstes Gebot der Ausbildung 
an den Berufsschulen ist die Praxis- 
bezogenheit. Allgemeinbildende Fä- 
cher 
stehen im Rahmen des theore- 
tischen 
im erforderli- 
Unterrichtes das Berufsschulwesen, 
chen 
Ausmaß auf dem Stundenplan, 
ansonsten wird jedoch darauf Wert 
gelegt, dem jungen Menschen sein 
Ii a n d werk mitzugeben. An ders als 
etwa an den Jeder 
len, wo lediglich ein Demonstrations- 
bundesdeutschen Schu- ermöglicht wird. 
unterricht abgehalten wird — der 
Lehrer führt einen Arbeitsvorgang 
vor, die Schüler sehen zu —, legen 
die Lehrlinge in Vorarlberg selbst 
Hand an. 	• 	• 
Jeder Lehrling steht auch in der 
Schule in einem produktiven Arbeits- 
prozeß, was• psychologisch gesehen 
unbedingt als Vorteil zu werten ist, 
weil ein selbst angefertigtes Werk- 
stück dem • Lehrling das „Leistungs- 
erlebnis" und damit die Bestätigung 
verschafft. Dies ist etwa im Rah- 
men eines Demonstrationsunterrich- 
te nicht möglich« 
Als positiv ist es zu werten, wenn 
sich ein. Lehrer durch • die entspre- 
chende ,Gruppeneinteilung um eine 
kleine und leicht überschaubare 
Schülergruppe zu kümmern • hat. An 
den Brüfsschulen• ist' dies möglich, 
hier entsteht eine echte Lehrer-Schü- 
ler-Beziehung, die in anderen Spar- 
ten ' des Schulwesens ..heute leider 
weitgehend vermißt werden muß. 
Zum Organisatorischen: 
Früher 
Gemeindeangelegenheit, fallen die 
Berufsschulen heute in die Kompe- 
tenz der Länder. Der. gesamte Sach- 
aufwand und • die. damit. -verbunde- 
nen Inveititionen werden vom Land 
getragen.. Und wenn sich Land und 
Bund über dem • Wege des Finanz- 
ausgleiches die Kosten für den Per- 
sonalaufwand teilen, so-kann;  hier. 
das:Land imnerhalb gewisser: Band-.. 
breiten flexibel sein und den Gege- 
benheiten im Lande* Rechnung tra- 
gen, zumal die Lehrer dienst- und 
besoldungsrechtlich in die Länder- 
	• 
hoheit fallen. 
Vielleicht liegt gerade in der Lan- 
deskompetenz für das Berufsschul- 
wesen ein Teil des Geheimnisses 
begraben, warum in dieser Sparte 
des Schulwesens der Begriff Lehrer- 
mangel immer noch ein Fremdwort 
darstellt. 	• 
Probejahr für Lehrer 
Wie der Landesschulinspektor für 
-Hofrat Dr. 
Kerer, in einem Gespräch mit den 
„VN" darlegte, hat• das breite Ange- 
bot an Lehramtsaspiranten den Vor- 
teil, daß hier eine Qualitätsauslese 
 nach 
Lehrer wird lehrling beispielsweise wird an eine   
Erfüllung der Voraussetzungen, 
die je nach Fachgruppe verschieden 
sind, mit einem Einjahresvertrag voll 
eingesetzt. Erst wenn sich der Leh- 
rer. bewährt hat, wird sein Vertrag 
auf unbestimmte Zeit verlängert. 
Aufgrund der notwendigen Voraus- 
setzungen, die Berufsschullehrer 
mitbringen müssen und die hier 
nicht weiter aufgezählt wer den sol- 
len, sieht die finanzielle Seite nicht 
schlecht aus. 
Berufsschule Feldkirch 
wird noch gebaut 
Neue und allen. Erfordernissen 
entsprechende •Berufsschulen stehen 
in Bregenz, Dornbirn und Bludenz. 
Die Berufschule für das Gastgewerbe 
in Lochau wird. als Internatsbetrieb 
geführt. •,„ , 	, 
Dieleti te neu *aufzubauende Be- 
rufsschule wird die in Feldkirch sein, 
den-Bau ist bereits beschlossen, ein 
Raum und Funktionskonzept •ist er- 
stellt. Wenn die Berufsschule Feld- 
kirch steht, wird das Grundkonzept 
des -Vorarlberger Berufsschulwesens 
erfüllt sein: Dieses sieht an Schwer- 
punkten gelegene Berufsschulen vor, 
damit wird der Unterhalt kostspie- 
liger Internatsbetriebe vermieden. 
In Vorarlberg stehen weiters 34 
Hauswirtschaftliche Berufsschulen 
mit ca. 1800' Schülerinnen. 
• 
Lehrberufe • 
303 
Da das Berufsausbildungsgesetz 
nicht weniger. als 303 Lehrberufe 
vorsieht . und verständlicherweise 
nicht alle diese 303 Lehrberufe an 
den Berufsschulen unterrichtet wer- 
den können, stehen den Lehrlingen 
noch andere Möglichkeiten offen. Ein 
Galvaniseur- oder Büchsenmacher- 
innerösterreichische, 
als Internat ge- 
führte Berufsschule geschickt, wo er 
in einigen Wochen das für seine Be- 
rufsausbildung erforderliche Lehr- 
programm absolviert. Gleiches gilt 
auch für Lehrlinge aus verkehrstech- 
nisch sehr exponierten Talschaften, 
die etwa im Winter Schwierigkeiten 
hätten, die Berufsschule regelmäßig 
zu erreichen. 
Handwerk hat immer noch gol- 
denen Boden, um so notwendiger ist 
eine gediegene Lehrlingsausbildung. 
Nicht uninteressant ist die Auf- 
lingszahlen haben wir derzeit bei 
den Schlossern, Gas-, Heizungs- und 
Wasserinstallateuren, ebenso bei 
Elektrikern, Tischlern, Zimmerern, 
Tapezierern und • - Bürokaufleuten. 
Fallende Tendenz w eisen die Berufs- 
gruppen der Bäcker, Friseure und 
Textillehrlinge auf. 
Die übrigen Berufssparten wei- 
sen g leichble ibende Lehrlingsraten 
auf. So beispielweise ist der An- 
sturm der jungen Leute in das Kraft- 
fahrzeugmechanik-Gewerbe vorüber. 
Die • Zahl der angehenden Kfz-Me- 
zeigung des Trends: Steigende Lehr- chaniker stagniert. • 
Maurer lernen in einer eigenen Halle — etwa in der Berufsschule Dorn- 
birn — das Einmaleins des Bauhandwerks. 
• 
Allgezneinbildende Fächer sind selbstverständlich im •Ausbildungsprogramm der Berufsschulen enthalten, und die „Theorie" hat im Unterricht ihren festen Platz. Darüber hinaus sol- 
len die Berufsschüler jedoch die Möglichkeit erhalten, ihr Können in der Praxis zu verwerten. Das tun beispielsweise die angehenden Damenschneiderinnen ebenso wie der Mechaniker. Mechaniker.
	        
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