trter
f e, t
Seite 1
Bregenz. — Schulen ohne Lehrermangel, und das
in Vorarlberg!
Das klingt wie ein Märchen, und doch gibt es das.
den
Zumindest In
Berufsschulen des Landes unterrichten genügend
Lehrkräfte. Über-
sind die Berufsschulen des Landes in vielerlei
haupt
Aus-
Hinsicht als
nahme von der Regel anzusehen, wie wir uns
überzeugen konnten.
Schulgebäude wurde Im
Die Mehrzahl der Laufe der letzten Jahre
großzügig angelegt und nach den modernsten
ein-
Gesichtspunkten
gerichtet. Trotz steigender
Schülerzahlen „läuft der Laden". •
Praxisbezogenheit ist die oberste Devise in der Lehrlingsausbildung. Hier beispielsweise der Ausbildungs-
zur Statistik: Im laufenden
raum für die Textillaboranten.
Kurz
Schuljahr besuchen 1537 Mädchen
und Burschen die kaufmännischen
und 3822 Schüler die gewerblichen
Berufs schul en Vorarlbergs. • Das
„Know how" für ihre •Berufslauf-
bahn liefern den jungen Leuten 76
hauptberufliche und 62 nebenberuf-
lich beschäftigte Lehrer.
Beeindruckend ist das reichhaltige
Angebot an technischen Geräten je-
Richtung, das dem Lehrling zur
der
Report: Willy Hillek (Text)
und Oskar Spang (Fotos)
Verfügung steht, der einen Tag lang
in der Woche die Schulbank — oder
soll man sagen Werkbank? — drückt.
Die Einrichtungen, egäl ob in
Schreinerei, Schlosserei, einer Werk-
stätte der Textilbranche oder für
Automechaniker, sind in vielen Fäl-
len reichhaltiger und auf einem mo-
Stand der Technik alS die
derneren
Apparate, mit denen der Lehrling
unter der Woche an sei nem Arbeits-
platz in Berührung kommt. Nicht
immer ungefährlich, wie nachfolgen-
des Beispiel veranschaulicht: Wäh-
rend etwa in der Schreinerei-Werk-
statt der Berufsschule die Maschi-
nen mit Schutzvorrichtungen verse-
hen-sind, die es dem Werkenden..
kaum ermöglichen, mit der. Hand in:
in die laufende Maschine zuseraten,-
fehlen in der.Praxis, nämlich am Ar- •
beitsplatz außerhalb der Schule, der-
artige Schutzvorrichtungen weitge-
hend. Nicht ungefährlich dann,
wenn der Lehrbub mit der gewis-
sen Portion Vertrauen zur „sicheren
Maschine",am Schulplatz vielleicht,
Maschine
zur
in seinem Betrieb
schreitet. Hier kann die Sorglosig-
keit einen oder mehrere • Finger
kosten.
über allem steht die Praxis
Oberstes Gebot der Ausbildung
an den Berufsschulen ist die Praxis-
bezogenheit. Allgemeinbildende Fä-
cher
stehen im Rahmen des theore-
tischen
im erforderli-
Unterrichtes das Berufsschulwesen,
chen
Ausmaß auf dem Stundenplan,
ansonsten wird jedoch darauf Wert
gelegt, dem jungen Menschen sein
Ii a n d werk mitzugeben. An ders als
etwa an den Jeder
len, wo lediglich ein Demonstrations-
bundesdeutschen Schu- ermöglicht wird.
unterricht abgehalten wird — der
Lehrer führt einen Arbeitsvorgang
vor, die Schüler sehen zu —, legen
die Lehrlinge in Vorarlberg selbst
Hand an. • •
Jeder Lehrling steht auch in der
Schule in einem produktiven Arbeits-
prozeß, was• psychologisch gesehen
unbedingt als Vorteil zu werten ist,
weil ein selbst angefertigtes Werk-
stück dem • Lehrling das „Leistungs-
erlebnis" und damit die Bestätigung
verschafft. Dies ist etwa im Rah-
men eines Demonstrationsunterrich-
te nicht möglich«
Als positiv ist es zu werten, wenn
sich ein. Lehrer durch • die entspre-
chende ,Gruppeneinteilung um eine
kleine und leicht überschaubare
Schülergruppe zu kümmern • hat. An
den Brüfsschulen• ist' dies möglich,
hier entsteht eine echte Lehrer-Schü-
ler-Beziehung, die in anderen Spar-
ten ' des Schulwesens ..heute leider
weitgehend vermißt werden muß.
Zum Organisatorischen:
Früher
Gemeindeangelegenheit, fallen die
Berufsschulen heute in die Kompe-
tenz der Länder. Der. gesamte Sach-
aufwand und • die. damit. -verbunde-
nen Inveititionen werden vom Land
getragen.. Und wenn sich Land und
Bund über dem • Wege des Finanz-
ausgleiches die Kosten für den Per-
sonalaufwand teilen, so-kann; hier.
das:Land imnerhalb gewisser: Band-..
breiten flexibel sein und den Gege-
benheiten im Lande* Rechnung tra-
gen, zumal die Lehrer dienst- und
besoldungsrechtlich in die Länder-
•
hoheit fallen.
Vielleicht liegt gerade in der Lan-
deskompetenz für das Berufsschul-
wesen ein Teil des Geheimnisses
begraben, warum in dieser Sparte
des Schulwesens der Begriff Lehrer-
mangel immer noch ein Fremdwort
darstellt. •
Probejahr für Lehrer
Wie der Landesschulinspektor für
-Hofrat Dr.
Kerer, in einem Gespräch mit den
„VN" darlegte, hat• das breite Ange-
bot an Lehramtsaspiranten den Vor-
teil, daß hier eine Qualitätsauslese
nach
Lehrer wird lehrling beispielsweise wird an eine
Erfüllung der Voraussetzungen,
die je nach Fachgruppe verschieden
sind, mit einem Einjahresvertrag voll
eingesetzt. Erst wenn sich der Leh-
rer. bewährt hat, wird sein Vertrag
auf unbestimmte Zeit verlängert.
Aufgrund der notwendigen Voraus-
setzungen, die Berufsschullehrer
mitbringen müssen und die hier
nicht weiter aufgezählt wer den sol-
len, sieht die finanzielle Seite nicht
schlecht aus.
Berufsschule Feldkirch
wird noch gebaut
Neue und allen. Erfordernissen
entsprechende •Berufsschulen stehen
in Bregenz, Dornbirn und Bludenz.
Die Berufschule für das Gastgewerbe
in Lochau wird. als Internatsbetrieb
geführt. •,„ , ,
Dieleti te neu *aufzubauende Be-
rufsschule wird die in Feldkirch sein,
den-Bau ist bereits beschlossen, ein
Raum und Funktionskonzept •ist er-
stellt. Wenn die Berufsschule Feld-
kirch steht, wird das Grundkonzept
des -Vorarlberger Berufsschulwesens
erfüllt sein: Dieses sieht an Schwer-
punkten gelegene Berufsschulen vor,
damit wird der Unterhalt kostspie-
liger Internatsbetriebe vermieden.
In Vorarlberg stehen weiters 34
Hauswirtschaftliche Berufsschulen
mit ca. 1800' Schülerinnen.
•
Lehrberufe •
303
Da das Berufsausbildungsgesetz
nicht weniger. als 303 Lehrberufe
vorsieht . und verständlicherweise
nicht alle diese 303 Lehrberufe an
den Berufsschulen unterrichtet wer-
den können, stehen den Lehrlingen
noch andere Möglichkeiten offen. Ein
Galvaniseur- oder Büchsenmacher-
innerösterreichische,
als Internat ge-
führte Berufsschule geschickt, wo er
in einigen Wochen das für seine Be-
rufsausbildung erforderliche Lehr-
programm absolviert. Gleiches gilt
auch für Lehrlinge aus verkehrstech-
nisch sehr exponierten Talschaften,
die etwa im Winter Schwierigkeiten
hätten, die Berufsschule regelmäßig
zu erreichen.
Handwerk hat immer noch gol-
denen Boden, um so notwendiger ist
eine gediegene Lehrlingsausbildung.
Nicht uninteressant ist die Auf-
lingszahlen haben wir derzeit bei
den Schlossern, Gas-, Heizungs- und
Wasserinstallateuren, ebenso bei
Elektrikern, Tischlern, Zimmerern,
Tapezierern und • - Bürokaufleuten.
Fallende Tendenz w eisen die Berufs-
gruppen der Bäcker, Friseure und
Textillehrlinge auf.
Die übrigen Berufssparten wei-
sen g leichble ibende Lehrlingsraten
auf. So beispielweise ist der An-
sturm der jungen Leute in das Kraft-
fahrzeugmechanik-Gewerbe vorüber.
Die • Zahl der angehenden Kfz-Me-
zeigung des Trends: Steigende Lehr- chaniker stagniert. •
Maurer lernen in einer eigenen Halle — etwa in der Berufsschule Dorn-
birn — das Einmaleins des Bauhandwerks.
•
Allgezneinbildende Fächer sind selbstverständlich im •Ausbildungsprogramm der Berufsschulen enthalten, und die „Theorie" hat im Unterricht ihren festen Platz. Darüber hinaus sol-
len die Berufsschüler jedoch die Möglichkeit erhalten, ihr Können in der Praxis zu verwerten. Das tun beispielsweise die angehenden Damenschneiderinnen ebenso wie der Mechaniker. Mechaniker.