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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

8. 
Montag, April 1974 
Nummer 83 — 30. Jahrgang 
Auflagenstärkste und •partelunabhängige Tageszeitung für das Land Vorarlberg 
Eigentümer, Herausgeber u. Verleger: E. Ruß & Co., Bregenz, Tel. 2 42 5e, 223 54, Anzeigen 2 3315, 2 2151, Telex: VGA 710 
Befinden des 
Erscheinungsort - Verlagspostamt 6900 Bregenz - Abonnement monatlich S 44,50, Einzelpreis S 2,—, Samstag S 3,— - P.b.b. 
Bundespräsidenten 
verschlechtert 
Wien (APA) Im Befinden des 
seit zwei Wochen in einer Wiener 
	befindlichen 
Universitätsklinik 
Bundespräsidenten Franz Janas 
ist am Sonntag abend eine 
ernste Verschlechterung eingetre- 
ten. Dies teilte Bundeskanzler 
Dr. Kreisky. der Janas offiziell 
vertritt, gestern abend mit. 
or Festsitzung der SPÖ: 
100 Jahre „Neudörfl" 
Hist 
Kärnten über-Ostern ohne Landeshauptmann 
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(ÖVP-PD—APA) 
Wien Den Österreichern bleibt der 
„Osterpreisschock" vorläufig erspart: Der Verbraucher- 
preisindex für den Monat März, der normalerweise um 
die Wochenmitte herum fällig gewesen wäre, wird nach 
Mitteilung des Statistischen Zentralamtes erst am 
Dienitag nach Ostern,.also am 16. April, veröffentlicht. 
Der_März-Verbraucherpreisindex wird nach Mei- 
nung. der Experten einen neuen , absoluten Teuerungs- 
rekord .bringen. „Und für die Folgemonate hat Han- 
delsminister Staribacher schon vorgebaut, indem er 
Teuerungsraten von über 10 Prozent in Aussicht 
ÖVP. 
meinte dazu die 
Der niederösterreichische Landeshauptmann Maurer 
, wies am Wochenende die Äußerungen von sozialisti- 
scher. Seite über die zahlreichen Kompetenzen der Lan- 
deshauptleute bei der Preisbekämpfung mit der Erklä- 
wortlichen „nicht in den Ländern, sondern in den Zen- 
tralstellen" säßen. Vor der Landeskonferenz der Jungen 
ÖVP Niederösterreich in Hollabrunn betonte Maurer, 
daß ein Landeshauptmann keinerlei Möglichkeit habe, 
auf die Erstellung des Bundesbudgets als Grundlage der 
Wirtschaftspolitik Einfluß zu nehmen, die Verhandlun- 
gen in der Paritätischen Kommission zu beeinflussen, 
sich in die Tarifverhandlungen der Sozialpartner ein- 
zuschalten und bei der Festsetzung amtlich geregelter 
Preise entscheidend mitzuwirken. 
Vorarlbergs Landeshauptmann Dr. Keßler nahm in 
einem Interview ähnlich Stellung: Die Preispolitik wer- 
de in der Hauptsache auf Bundesebene entschieden, die 
Möglichkeiten der Einflußnahme der Landeshauptleute 
seien gering. Er wehre sich, daß die SPÖ den Landes- 
hauptleuten den „Schwarzen Peter" zuzuschieben vere 
rung zurück, daß die für die 'Inflation wirklich Verant- suche. 
Podgorny.   
Nixon-Reise nach Mos kau nach. zweistündigem Gespräch mit 
vorbereitet — Bedeutsame Treffen zwischen atlantischen Politikern 
Paris (AP, AFP) Der amerikanische Präsident Nixon konferierte am 
Sonntag vormittag in Paris rund zwei Stunden lang mit dem sowjetischen 
Staatspräsidenten Podgorny. Wie • aus der Umgebung Nixons verlautete, 
diente das Gespräch vor allem der Vorbereitung der für Juni geplanten 
Freundschaftlich-jovial legte Nixon seinen Arm um die Schultern 
von Podgorny, mit dem er sich in Paris anläßlich der Trauer- 
feierlichkeiten für Pompidou traf und die nächste Moskaureise 
im Juni vorbereitete. Neben den zahlreichen Politikertreffen in der 
französischen Hauptstadt zählt das Gipfeltreffen Nixon—Podgorny 
zu den bedeutsamsten, wenngleich die Gespräche der „Atlantik- 
Partner", 'USA und Europa, zwar wellig spektakulär, doch sicher als 
nützlich zu bezeichnen sind. (Funkbild: 
	 
VN/UPI) 
Die beiden Politiker, die zur Teil- 
nahme an der Trauerfeier für den 
verstorbenen französischen Staatsprä- 
sidenten Pompidou nach Paris ge- 
kommen waren, trafen sich in der 
Residenz des US-Botschafters. Nach 
einem gemeinsamen Frühstück zogen 
sich die Staatschefs der b eiden Su- 
permächte in die Botschaftsbibliothek 
zurück und unterbrachen ihre Ge- 
spräche nur einmal zu einem Spa- 
ziergang im Garten. 
Eisenstadt (APA) Die Gemeinde 
Neudörfl im Burgenland ist jene Ge- 
meinde, in der vor 100 Jahren der 
„Gründungsparteitag der österreichi- 
schen Sozialdemokratie" abgehalten 
wurde. Es war dies am 5. und 6. 
April 1874. In. der Zeit vom • 17. bis 
20. April wird Neudörfl Historiker 
aus der BRD, aus' Jugoslawien, Ru- 
mänien, • Polen,. Ungarn, aus • der 
auch österreichische ,Wis- 
CSSR und 
senschafter beherbergen. Anberaumt 
ist eine wissenschaftliche Tagung der 
„Historiker der Arbeiterbewegung". 
Höhepunkt der Veranstaltung wird 
eine Festsitzung des Bundespartei- 
vorstandes der SPÖ sein, an der auch 
alle Landesparteivorstände teilneh- 
men werden. Bundeskanzler Kreisky 
wird im Hause, in dem der Grün- 
dungsparteitag vor einem Jahrhun- 
dert abgehalten worden ist, eine Ge- 
denktafel enthüllen. Dieses Haus ist 
dai ehemalige Jagdschloß der Fami- 
lie. Esterhazy. 
Als Kongreßort • war 1874 ur- 
sprünglich Baden-bei Wien-vorgese- 
hen gewesen. Neudörfl, das dama ls 
zu Ungarn gehörte,- bot deri Ausweg, 
,verboten 
da`: Baden behördlich 
' wor- 
den'vcrar. Die 74 teilnehmenden De- 
legierten vertraten dann 25.00 0 Ar- 
beiter aus 48 Orten der. Monarchie. 
Der Neudörfler Kongreß beSchloß 
Zentralko- 
für ganz Österreich,. ein 
- 
mitee mit dem Sitz in Graz zu bilden, 
dem dann Landeskomitees zur'Siche- 
rung des Mitspracherechtes' in der 
Der japanische Ministerpräsident 
Partei für alle Provinzen 'beigestellt 
Tana ka war der letzte Gesprächs- 
partner Nixons vor dem Rückflug 
nach Washington. 
Nixon hatte am Samstag bereits 
intensive Besprechungen mit führen- 
den europäischen Politikern — dar- 
unter der deutsche Bundeskanzler 
Brandt, der britische Premierminister 
Wilson, der interimistische französi- 
sche Präsident Poher und der ita- 
lienische Staatspräsident Leone — 
wurden. Als Zentralorgan der Partei 
sollte die in Wiener Neustadt erschei- 
nende „Gleichheit" für die deutsch- 
sprechenden und die „Delnicke Listy" 
für die slawischen Arbeiter fungie- 
ren. 
Wie` aus Kreisen; der Partei ver-, 
lautete, werde sich Chaban-Delmas 
für eine Weiterführung der gaullisti- 
schen Außenpolitik einsetzen, wiesle 
von Charles de Gaul le und späte r 
von Pompidou vertreten wurde. 
Die Gaullisten hatten eine Politik 
der Unabhängigkeit von den beiden 
Supermächten USA und UdSSR so- 
geführt 
wie eines vereinigten Europas auf der   
und soll dabei den- Wunsch 
nach einer Bereinigung der Spannun- 
gen zwischen den USA und Europa 
geäußert haben. 
Reise des amerikanischen Präsidenten in die Sowjetunion. Wie der Stabschef des Weißen 
Hauses, Alexander Haig, und Nixons 
Pressesprecher Ronal d Ziegler mit- 
teilten, sei bei diesen Unterredungen 
„ein sehr großes Maß an überein- 
stimmung" festgestellt worden. Auf 
beiden Seiten sei der Wunsch nach 
engerer Zusammenarbeit und Kon- 
sultation innerhalb des atlantischen 
Bündnisses zum Ausdruck gebracht 
worden. 
In Beobachterkreisen wurde nicht 
ausgeschlossen, daß der „Trauergip- 
fel" in Paris den Anfang eines neuen 
amerikanisch-europäischen Dialoges 
und eine verspätete Einleitung des 
von Washington 1973 voreilig pro- 
klamierten „Europäischen Jahres" 
bi lden könnte. 
Abschied von Pompidou 
(dpa/AP/AFP) Frankreich 
Paris 
und die Welt nahm en am Samstag- 
vormittag Abschied von Georges 
Pompidou. Auf die schlichten Trauer- 
feiern, die sich am Donnerstag auf 
den engsten Familien- und Freun- 
deskreis beschränkt hatten, folgte 
das große kirchliche Zeremoniell. 
Basis einer engen Freundschaft mit. 
-der BRD, und einer Freundschaft mit 
der arabischen- Welt, ohne militäri- 
scher Unterstützung Israels, verfolgt: 
Die Sozialistische Partei hat eine 
Kandidatur ihres Generalsekretärs 
Franeois Mitterand angedeutet, der 
auch von den Kommunisten unter- 
	. 
stützt werden dürfte. 
Fast '70 Monarchen, Staats- und Re- 
- Der, französische Sozialistenführer. 
gierungschefs sowie andere hohe 
Repräsentanten aus vielen Ländern 
erwiesen in der Kathedrale von 
Notre Dame im H erzen von Paris 
dem toten Präsidenten die letzte 
Ehre. Nur wenige hundert Meter 
von dort entfernt war Pompidou am 
Dienstag abend 62jährig in seiner 
Privatwohnung gestorben. 
Der offizielle Trauerakt machte 
Wien (APA) Der Kärntner Lan-. 
deshauptmann Sima bekräftigte am 
Wochenende in einem Fernsehinter- 
Mitterand 'kann mach': einer am 
Samstag veröffentlichten Meinungs- 
umfrage der .konservativen Pariser 
Zeitung .„L'Aurore" zur. 'Zeit mit 
einer knappen Mehrheit bei einer 
Stichwahl um die französische Prä- 
sidentschaft rechnen. 
Falls im erst en Wahlgang. keine 
Entscheidung fallen sollte, würden 
unter .den 993- befragten Franzosen 
im zweiten Wahlgang 51 Prozent Mit- 
terand., die Stimnie geben, wenn sein 
Gegner Ex-Ministerpräsident Jacques 
Chaban-Delmas ist. Bei einer Stich- 
wahl gegen Finanzminister Va lery 
Giscard d'Estaing würden sich sogar 
52 und gegen Ministerpräsident 
Pierre- Messmer. 54 eia, der Befragten 
Paris vorübergehend zur „Haupt- 
für-den Sozialisten entscheiden. 
stadt der Welt". Die Tagespolitik 
wich dem gemeinsamen Gedenken 
an den Nachfolger General de Gaul- 
les. Der Trauerakt ähnelte dem Ze- 
remoniell, das an gleicher Stelle im 
November 1970 für den verstorbenen 
General abgehalten worden war. Für 
Österreich nahm am Trauerakt der 
zweite Präsident des Nationalrates, 
Dr. Alfred Maleta, teil. 
view seine Absicht, am Karfreitag, 
den 12. April 1974, als Landeshaupt- 
mann zurückzutreten. Er habe diesen 
Ter min selbst fixiert, und er sei da- 
her für ihn „Verpflichtung", meinte 
Sima. Als vordringlich- für die wei- 
tere Landespolitik bezeichnete der 
hu- 
scheidende Landeshauptmann die 
manistische 
Geistesgestaltung in der 
Politik. Nur mit ihrer Hilfe sei es 
möglich, auch weiterhin politische 
Gegensätze im Interesse Kärntens zu- 
rückzustellen, den sozialen Frieden 
aufrechtzuerhalten und das Mitein- 
ander der Arbeitgeber und Arbeit- 
nehmer zu unterstützen. 
Es müsse ferner versucht werden, 
die guten Beziehungen zwischen dem 
Land und den Kirchen zu vertiefen, 
und jene Hypothek abzubauen, „die 
mir zum Verhängnis geworden ist". 
Sima führt den Ortstafelkonflikt an, 
und. hob die Notwendigkeit hervor, 
die Befriedigung. der Minderheit in 
Kärnten zu erreichen. 
- Mit Simas Rücktritt wird Kärnten 
über Ostern ohne Landeshauptmann 
sein. Der Nachfolger im 
Landesvater- 
Sessel, Parteiobmann Wagner, muß 
in einer eigenen Landtagssitzung ge- 
wählt und anschließend vom Bundes- 
präsidenten angelobt werden. Wag- 
ner ist derzeit Vize-Landeshaupt- 
mann; in diese Funktion rückt dann 
Paris (UPI) Das Zentralkomitee der gaullistischen UDR-Bewegung und 
Landesrat Erwin Frühbauer nach. 
die Parlamentsfraktion der UDR haben beschlossen, die Kandidatur des 
- ehemaligen Ministerpräsidenten Jacques Chaban-Delmas für die Nach- 
folge George Pompidous als Staatspräsident zu unterstützen. Dies gab 
der Generalsekretär•der-UDR Alexander Sanguinetti am Sonntag in der 
französischen Hauptstadt •auf einer Pressekonferenz bekannt. Eine Mei- 
nungsumfrage gibt Mitterand Chancen bei einer Stichwahl. Stichwahl.
	        
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