VN"-Redaktion: BRD Topfavorit!
Wir wo llten der Frage, wer wird W eltmeis ter, nicht ausweichen,
wir wollen eine Meinung haben. Keine kollektive, sondern jeder eine
persönliche. Fünf Redaktionsmitglieder entschieden sich für
die BRD,
vier für Italien, je eines für Brasilien und Holland. Dabei fällt das
große Vertrauen in das italienische Team auf und das ge ringe Zutrauen
in das Könne n der Brasilianer.
Was meint man denn in Italien? Die Masse der Fans ist ganz
auf
ihre Mannschaft eingestellt, die bereits zweimal Weltmeister war,
aber Teamchef Valcareggi, die Spieler, Journalisten und die Prominenz
(vertreten durch Sophia Loren und Vittorio de Sica) operieren mit
Zweckpessimismus. Für sie lautet die Endabrechnung: 1. und Welt-
meister BRD, 2. Holland, 3. Brasilien, 4. Argentinien, 5, Italien. Aber
Die bisherigen
insgeheim tippen sie Wohl ganz anders.
Weltmeister
1930 Uruguay
1934 Italien
1938 Italien
1950 Uruguay
1954 Deutschland
1958 Brasilien
1962 Brasilien
1966.
England
Mittwoch, 12. Juni 1974
1970 Brasilien
eimaminmemiiamisiniaimimmemaiminizz•
mmonsisii
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autammaimmitileizzamaiumaiimmowitmnizzumarnatinimamaimimin
BBBBBBBBBBB 1111111311 ZZZZZ
Mit
Die bisherigen neun Fußball-Weltmeisterschaften:
d ieser Elf gewann die BRD in der Schweiz durch einen 3:2-Sieg
über Ung arn den WM-Titel: Fritz Walter, Toni Ture k, Horst Ecket
Helmut Hahn, Ottmar Walter, Werner Liebrich, Jupp Posipal, Hans
Tausende Menschen zogen be-
Schäfer, Werner Kohlmayer, Karl Mai und Max Morlock.
geistert durch die Straßen von
Montevideo, die Autohupen heul-
ten und krächzten stundenlang
den Rhythmus „U-ru-guay, Uru-
guay, U-ru-guay ...", die Schiffs-
sirenen dröhnten, und einen Tag
später, am 31. Juli 1930, ruhte im
ganzen Land die Arbeit. Uruguay
hatte vor 80. 000 fanatischen Zu-
schauern im „Centenario-Stadion"
durch einen 4:2-Finalsieg über
„Erzfeind" Argentinien die erste
Fußball-Weltmeisterschaft ge-
wonnen, und der längst nicht
mehr aufzuhaltende Siegeszug des
runden Leders mit der luftigen
Seele hatte den ersten Gipfel-
punkt seiner glanzvollen Ge-
schichte erreicht.
Weitere achtmal wurden in-
zwischen Weltmeisterschaften
ausgetragen, großartige Teams
wie Italien (1934 und 1938), das
Uruguay der Nachkriegsjahre
(1950), die BRD (mit dem Sen-
sationssieg von 1954 gegen Un-
garn), Brasilien (1958, 1962 und
1970) und England (als Veranstal-
ter 1966) schrieben die oft krimi-
nalfilmgleich abrollenden Kapitel,
und morg en, zu einem Zeitpunkt,
da der Fußballsport weltumfas-
sender denn je zuvor geworden
ist, beginnt um 17 Uhr im Frank-
furter Waldstadion die zehnte
Auflage des „Millionenspiels" mit
der Begegnung Brasilien—Jugo-
slawien.
Die Geschichte der Fußball-
Weltmeisterschaft begann eigent-
lich schon lange vor 1930 (schließ-
lich figuriert diese Sportart be-
reits seit dem Jahre 1908 auf dem
Die zweite WM, 1934 im den
Sport als politisches Machtmittel
nach Krä ften fördernden Italien
Benito Mussolinis veranstaltet,
stand dann ganz im Zeichen der
Europäer. 32 Länder meldeten sich
zur Teilnahme, wodurch erstmals
Qualifikationsspiele notwendig
wurden, Österreichs „Wunder-
team" zählte zu den hohen Fa-
vorits, schlug Frankreich im Ach-
telfinale 3:2, den „Erbfeind" Un-
garn im Viertelfinale mit 2:1 und
scheiterte schließlich am 3. Juni
in Mai land im Halbfinale durch
ein dubioses Tor der „Squadra
Azzurra" (Keeper Platzer konnte
einen Ball von Schiavio nicht fest-
halten und wurde von Meazza
über die Linie gerempelt) an Ita-
lien mit 0:1.
Das Finale, für das sich neben
den Italienern noch die Tschecho-
slowakei qualifiziert hatte, wurde
für die Gastgeber zu einer wei-
teren „Angstpartie". Der legen-
däre Planicka schien tausend
Arme zu haben, erst in der 74. Mi-
nute glich Orsi das tschechoslo-
wakische Führungstor aus, und
der „Duce" erlebte s ch ließlich in
olympischen Programm), aber
der Verlängerung in Siegerpose zwungen wurde.
Montevideo war für die Weltmei-
sterschafts-Zeitrechnung eben das
„Jahr 1", auch wenn ausgerechnet
für dieses Championat die Be-
zeichnung etwas zu hochtrabend
gewählt schien.
1930: Uruguay gegen
Argentinien 4:2
Die Weltwirtschaftskrise ließ
damals kaum ein Land an eine
Bewerbung um die Ausrichtung
denken, und als Uruguay schließ-
lich anläßlich der 100-Jahr-Feier
seiner Unabhängigkeit einsprang,
reisten mit Frankreich, Belgien,
Rumänien und Jugoslawien nur
vier europäische Teams an, und
das Teilnehmerfeld umfaßte
schließlich nur 13 Nationen.
In insgesamt 18 Partien wurde
der Kampf um die 1,8 kg schwere
Goldtrophäe ausgefochten. Arge n-
tinien (nach einem 6:1 im Semi-
finale gegen die USA) und Uru-
guay (nach einem 6:1 gegen Jugo-
slawien) qualifizierten sich
schließlich für das Endspiel, das
an Spa nnung kaum zu überbieten
war. Die Urus lagen zur Pause
noch mit 1:2 im Nachteil, doch
Kapitän Nazazzi (der damals
schon eine ähnliche Rolle spielte
wie der heutige moderne Libero)
und der dunkelhäutige Andr ade
warfen ihre Stürmer immer wie-
. der nach vorn und wurden
schließlich zur Basis für das 4:2.
doch noch das alles entscheidende
2:1 durch Schiavio. Österreich un-
terlag im Spiel um den 3. Platz
Deutschland mit 2:3.
1938: Herberger hatte
zu wenig Zeit
1938 war Frankreich Schau-
platz der WM. Hitler hatte Öster-
reich inzwischen seinem „Groß-
deutschen Reich" einverleibt, im
von Sepp Herberger betreuten
deutschen WM-Kader hat ten
neun Österreicher Aufnahme ge-
fund en, aber die Kom bina tion der
großen Namen (Herberger: „Ich
hatte zu wenig Zeit, sonst wäre es
sicher gelungen") scheiterte be-
reits im Achtelfinale an der
Schweiz (1:1 und 2:4 in der Wie-
derholung).
Der zweifache Torschütze der
Schweizer beim 4:2, Trello Abegg-
len, sagte dazu später: „Mir tat
der Wie ner Raftl im Tor leid.
Er hielt wie ein Weltmeister und
konnte die Niederlage doch nicht
verhindern."
Titelverteidiger Italien startete
gegen Norwegen miserabel (2:1
nach Verlängerung), schaffte aber
dann über Frankreich (3:1) und
Brasilien (2:1) doch den Weg ins
Finale, wo Ungarn mit 4:2 be-
Ein Mann ging in die Ge-
schichte dieser WM ein: Brasi-
liens dunkelhäutiger Mittelstür-
mer Leonidas, der beim 6:5 gegen
Polen (n. V.) die Schuhe auszog
und sozusagen als „Bloßfüßiger"
zwei Tore schoß. Er hatte auch im
Spiel um Platz 3 großen Anteil
am 4:2-Sieg seiner Elf gegen
Schweden.
1950: Fußball-Dünkirchen
Englands
Dann kam
der Zweite Welt-
krieg, die andere Art der „inter-
nationalen Beziehungen", und erst
nach 12jähriger Pause, 1950, ging
es mit der WM in Brasilien wei-
ter. Krach und Uneinigkeit in
Europa und Südamerika führten
dazu, daß bei der Endrunde nur
13 Länder starteten (auch Öster-
reich war nicht dabei), und gleich
zum Auftakt gab es eine Riesen-
sensation. England, das „Mutter-
land des Fußballs", hatte sich erst-
mals herbeigelassen, mitzuma-
chen und mußte in Gruppe 2 nach
einem 2:0 gegen Chile und 0:1-
Niederlagen gegen die als „Kano-
nenfutter" betrachteten USA und
gegen Spanien ausscheiden. Der
bissige Kommentar des „Daily
Mirror" erschien unter dem Titel
„Englands Fußball-Dünkirchen".
Zum erstenmal waren die vier
Gruppensieger in einer Fin al-
runde vereint, rund 200.000 Men-
schen drängten sich im Riesen-
rund von Maracana, wenn Brasi-
liens Supertechniker spielten.
Olympiasieger Schwed en wurde
mit 7:1 überrannt, Spanien mit
6:1 niedergewalzt, und in Rio
standen vor dem alles entschei-
denden Match gegen Uruguay (die
Urus hatten gegen Spanien nur
2:2 gespielt und Schweden müh-
sam 3:2 geschlagen) die Wetten
auf 1000:1.
Brasilien führte 1:0, aber
Schiaffino glich aus, und als
Ghiggia an diesem 16. Juni 1950
das Leder zum 2:1 für Uruguay
in den Kasten jagte, da begann
das Riesenland Brasilien zu wei-
nen ... Die Erinnerung war so
nachhaltig, daß man sie erst acht
Jahre später, nach dem WM-Sieg
in Schweden, wirklich und end-
gültig bewältigte.
1954: BRD — Ungarn 3:2
Inzwischen kam aber noch
1954 der Sensationssieg der Deut-
schen in der Schweiz, die in einem
denkwürdigen Finale am 4. Juli
in Bern Ung arns großartige Trup-
pe mit 3:2 niederrangen.
3:8 hatten die Deutschen im
Gruppenspiel gegen Hidegkuti,
Puskas und Co. verloren, aber
das war bereits ein Teil von Her-
bergers genialem Schlachtplan ge-
wesen. Man kam weiter, errei chte
das Semifinale, versetzte dort
Österreich mit 6:1 eine der bitter-
sten Niederlagen seiner Fußball-
geschichte und rang sch ließlic h die
Magyaren im Endspiel nieder.
Der Trost der Österreicher: ein
3:1 im Spiel um den 3. Platz
1958: Pele machte
gegen Urugua y.
Schlagzeilen
52 Länder kämpften um die
Teilnahme am Endrundenturnier
1958 in Schweden, jenem Cham-
pionat, bei dem Brasiliens groß-
artige Ballkünstler erstmals die
Fußballwelt verzauberten, bei
dem ein 17jähriger Bursche na-
mens Pele erstmals Schlagzeilen
machte.
Die Brasilianer gewannen die
Gruppe 4 nach Siegen über Öster-
reich (3:0), die erstmals auftre-
tende UdSSR (2:0) und einem 0:0
gegen England (Österreich wurde
nach einem 0:2 gegen die UdSSR
und einem 2:2 gegen England
Gruppenletzter), schlugen im
Viertelfinale Wales 1:0, im Halb-
finale Frankreich mit 5:2 und im
Endspiel die
veranstaltenden
Sch weden ebenfalls mit 5:2. Die
Fußballartistik hatte das Fußball-
handwerk abgelöst. Dritter wurde
Frankreich durch ein 6:3 über die
BRD.
1962: Wieder Brasilien
Ein Marathonpensum von. 91
Spielen in 17 Monaten war in der
Ausscheidung für die WM 1962
in Chile zu bewältigen, Vizewelt-
meister Schweden scheiterte in
der Qualifikation an der Schweiz,
der WM-Dritte von 1958, Frank-
reic h, verlor im dritten Spiel ge-
gen Jugoslawien und Österreich
verzichtete auf die Teilnahme.
Das Turnier stand vorerst im
Zeich en des Skandals beim Spiel
Chile—Italien, das die Südameri-
kaner mit 2:0 gewannen, aber
dann vor allem im Zeichen-einer
neuerlichen Glanzleistung der
Brasilianer, die sich durch ein 3:1
im Fin ale gegen die CSSR ihren
zweiten Titel sicherten. Chile
wurde durch ein 1:0 gegen Jugo-
slawien dritter.
1966: Das denk würdi ge
Finale England — BRD
Zum erstenmal in der rund
100jährigen Geschichte des
Fuß-
balls trafen sich • die 16 „über-
lebenden" der Ausscheidung
(Österreich war in der Qualifika-
tion an Ungarn und der DDR ge-
scheitert) 1966 in England. Alf
Ramsey hatte das Team des Ver-
anstalters systematisch vorberei-
tet, die Gruppe 1 wurde nach
einem 0:0 gegen Uruguay, einem
2:0 gegen Mexiko und einem wei-
teren 2:0 gegen Frankreich ge-
wönnen und über das die Emo-
tionen in beiden Ländern zur
Siedehitze treibende Skandalspiel
gegen Argentinien (1:0) wurde
schließlich die
vier
Runde der letzten
erreicht, während mit Bra-
silien, das in sei ner Vorrunden-
gruppe hinter Portugal und Un-
garn nur dritter wurde und Ita-
lien, das mit dem 0:1 gegen Nord-
korea die negative Sensation
schlechthin lieferte, bereits einige
große Rivalen out waren.
über Portugal (2:1) ging es
für die Br iten schließlich ins End-
spiel gegen die BRD (die Deut-
schen hatten die UdSSR 2:1 aus-
geschaltet), das nach denkwürdi-
gem Verlauf und Verlängerung
mit einem 4:2-(1:1, 2:2-)Sieg der
Gastgeber endete.
1970: Bra silien gewann
endgültig Coupe Rimet
Vier Jahre später, bei den Ti-
telkämpfen von 1970, gelang dann
Brasilien, was bisher noch kei-
nem Team geglückt ist — der
3. WM-Sieg. Der Schauplatz hieß
Mex iko —
ein faszinierendes
Land, auf Grund der
gewaltigen
Höhenunterschiede aber auch ein
Land, das für die Teilnehmer neue
Probleme aufwarf und eine Vor-
bereitung wie nie
zuvor erf or-
derte.
Österreich mußte
sich damit
nicht auseinandersetzen, man war
in der Qualifikation (gegen die
BRD, Schottland und Zypern) ge-
scheitert und bef and sich als Zu-
schauer zusammen mit Jugosla-
wien, Argentinien usw. in guter
Gesellschaft.
In den Gruppenspielen blie-
ben
u. a.
Schweden und die CSSR
auf der Strecke, die Glanzpaarung
des Viertelfinales hieß BRD ge-
_ gen England. Die Deutschen ge-
wannen gegen den Titelverteidi-
ger nach einem 0:2-Rückstand in
der Verlängerung noch mit 3:2
und zogen gemeinsam mit Uru-
guay (1:0 gegen UdSSR), Italien
Mexiko).
(4:1 gegen
und Brasilien
(4:2 gegen Peru) in die Vorschluß-
runde ein.
Brasilien wurde mit dem süd-
amerikanischen Rivalen Peru mit
3:1 zie mlich sich er fertig, Itali en
rang in einem mitreißenden
Kampf die BRD nach Verlänge-
rung mit 4:3 nieder.
Zwei große Teams standen im
Finale..., einem Finale, das zu
einer überraschend einseitigen
Angelegenheit wurde. Die Italie-
ner, zu sehr auf die Defensive
bedacht, waren einfach nicht im-
stande, die grandios aufspielen-
den Brasilianer zu halten, Bra-
silien siegte mit 4:1 und brachte
damit die „Coupe Jules Rimet"
endgültig in seinen Besitz. Dritter
wurde die BRD durch ein 1:0 ge-
1934: Platz 4 für Österreich
gen Uruguay.
und Angriffsspitzen., die kann
spieler
man nicht unter einen Hut bringen.
Aber Beckenbauer gehört bestimmt
dazu."
„Könnte die Bundesrepublik ohne
Beckenbauer auch Weltmeister wer-
den?" — Jusufi denkt nach. Dann:
„Ich glaube ja, denn jeder Spieler ist
zu ersetzen, ich habe das oft erlebt."
Fahrudin Jusufi hätte sich am
13. Juni in Frankfurt das Eröff-
nungsspiel Brasilien—Jugoslawien
liebend gerne angesehen, aber an
diesem Tag spielt seine Mannschaft,
Rhomberg FC Dornbirn, in Kaprun
(Beginn 14 Uhr). „Aber im Fernsehen
schau' ich mir das natürlich an, und
meine Kameraden auch."
Der 57fache jugoslawische Inter-
nationale hat es gelernt, kleinkariert
Chile war er 1962 dabei, als die Jugo-
zu denken und auch zu handeln. In
BRD im Viertelfinale mit
slawen die
1:0 aus der WM warfen, das Spiel
um Platz 3 gegen Chile ging 0:1 ver-
loren.
„Ist Kaprun ein Tiefpunkt Ihrer
Karriere als Fußballer?" — „Ja und
nein. Ja, weil ich mir vorgestellt
habe, daß es in Vorarlberg bessere
Möglichkeiten zum Fußballspielen
gibt, viel bessere, nein, weil ich die
Hoffnung nicht aufgebe, daß es bes-
ser wird. Ich lebe für den Fußball
und vom Fußball, ich will jungen
Leuten helfen, auch gute Fußballer
zu werden. So gut es mir hier gefällt,
aber für den Fußball hat man nicht
viel übrig. Und dabei gibt es Talente
hier wie überall auf der Welt, aber
— leider! — kaum Mäzene. Und ohne
die kann der Fußball nicht leben." leben."