DIE TORMÄNNER IM 'BRENNPUNKT!" M aric,• ein Ke eper von
Sicherheit 'und Konsequenz, klärt vor jairzinho (oberes
bestediender
Bild). Seilt brasilianischer Kollege Leao gab sich ebenfalls keine
Pele sagte das
Blöße, bei einem Bombenschuß von Petkovid war er auf dem Posten.
Unentschieden vor aus
„on, oder 1:1 oder 22 . . . aber.
ich weiß es wirklich nicht", antwor-
tete Pele in Belgrad auf die drän-
.g enden Fragen der Reporter zum
Ausgang des Eröffnungsspieles Bra-
silien — JugoslaWien. „Es wird ein
gigantischer Kampf zwischen der
ausgezei ch neten jugoslawischen Ab-
wehr und • Brasiliens Angriff,. viel-
leicht wird der Sieger dieses Spieles
neuer ,Weltmeister." Vom 'brasiliani-
schen Angriff war, nach der Pause,
nichts zu sehen!
Hauptsache,
Rhia ist gesund
Die Regierung ist zwar zurückge-
treten, aber Gigi Riva ist wieder ge-
sund, Und letzteres war nicht nur für
_D.eruccio Valcareggi, - sondern für
viele'Tifosi die wichtigere Nachricht.
Möglicherweise wird Riva am Sams-
tag schon gegen Haiti eingesetzt
werden,' im :Training.
zeigte" er sich
wie der mit voller,Schußkraft
Schulfrei
bei TV:݆bertragungen
Während- der:WM sollen, die Schü
ler in Baden-Württemberg die TV-
Obertragungen verfolgen' können.
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„Wer atifmuckt,
fliegtivorri
-Nate
Der 'noch amtierende . Präsident
des . Welt-Fußballverbandes (FIFA)
SIr.
:Stanley
Rous; stellte am • Mitt-
woch in
-
Frankfurt vor den:Delega-
tionsleitern der 16 WM-Teilnehmer
nochmals heraus, daß die WM-End-
runde "in einem '„sportlichen Geist"
ausgetragen werden müsse. 'Die
weitere Entwicklung des Weltfußballs
bei,davon
wesentlich abhängig, wür-
den;• die Spiele doch in alle Welt
übertragen. Die Schiedsrichter sind
nach den Worten von nous ange-
wiesen, „fair, aber fest" in ihrer Hal-
tung zu sein:. Widerspruch gegen
Schiedsrichterentscheidungen
werde
nicht geduldet: „Wer aufmuckt, der
fliegt vorn Platz." Schließlich stehe
der Riff des internationalen Fußbal ls
auf dem Spiel.
Angst vor der Defensive
Frei tag, 14. Juni 1974
Seite 15
Das WM-Eröffnungsspiel endete torlos
Der Weltmeister hatte Glück
Fußball-Weltmeusterschaft1974-:
Wer nach der schillernden Eröff-
13. Juni bis 7. Juli 1974
nungsfeier im ausverkauften Frank-
furter Waldstadion mit einer ebe nso
glänzenden Eröffnungsvorstellung
des
regierenden dreifachen Weltmei-
sters Brasilien gegen die erst in ei-
nem Entscheidungsspiel gegen Spa-
nien für die Endrunde qualifizierten
Jugoslawen gerechnet ha tte, wurde
bitter enttäuscht. Die brasilianischen
Ballakrobaten, denen das regneri-
. sehe Wetter und der glitschige Boden
'sichtlich zu schaffen machte, mußten
vor 62.000 Zuschauern schließlich zu-
frieden sein, gegen die ziels t rebi geren
Fußballathleten aus Belgrad, Spl it,
Sarajewo und Mostar einen Punkt zu
retten.
Einmal mehr zeigte sich der Welt-
meister in der Abwehr verwundbar,
o bwohl die brasilianischen Verteidi-
ger „europäische H ärte" an den Tag
legten. Dzajic, Petkovic und Acimo-
vic hatten mehr Torgelegenheiten vor
den Beinen, als ihre Konkurrenten
Leivinha, Jairzinho und Valdomiro.
In der ersten Spielhälfte der in
gnadenlosem Cupstil geführten Be-
gegnung, ha tten die Jugoslawen
sichtlich noch Respekt vor dem gro-
ßen Gegner. Coach Miljan Miljanic
hatte ihnen jedoch offenbar das rich-
tige R ezept auf den Weg mitgegeben:
Die Spielzüge des Weltmeisters
bereits in dessen eigener Hälfte zu
stören und selbst in geradlinigem
Direktspiel Konterattacken zu füh-
ren.
Nach der Pause rollte jedoch die
Mehrzahl der Angriffe auf das Ge-
häuse von Leau, wobei in der 72. Mi-
nute nach einem Oblak-Kopfball nur
mehr der Pfosten die Brasilianer vor
einer Niederlage rettete.
Sp ieler der Jugoslawen
Die besten
waren Linksaußen Dzajic, Rechts-
außen Petkovic, die Mittelfeldspieler
Acimovic und Oblak sowie Torhüter
Marie. Bei den Brasilianern konnten
neben Goalmann Leau vor allem die
Sturmspitzen Jairzinho und Levinha
gefallen, während. Paulo Cesar und
Rivelino stark abfielen.
Die Brasilianer hatten insgesamt
zwei gute Torchancen, die Jugosla-
wen drei. Oblak und Acimovic wur-
den verwarnt. -
Nutznießer des Spiels waren die
Schotten,fiie_heute bei ihrem ersten
Spiel gegen „Zaire.. natürlich .mit zwei
„Pflichtpunkten",. rechneff. ,Ein voller
Erfolg'gegen' Brasilien oder Jugosla-,
wien würde dem schottischen Team
mit Sicherheit den Aufstieg in die
zweite Runde bringen.
Beile Mannschaftsführungen ver-
zichteten auf einen Spieleraustausch,
obw ohl der «tie fe Boden in den letz-
ten 20 Minuten sichtlich hohe Anfor-
derungen an die Kondition der bei-
den Teams stellte. Ausrutscher —
auch ohne „Feindeinwirkung" — wa-
ren an der „Abendordnung".
Leao; Nelinho, Pereira,
Brasilien:
Ma rinho (Santos), Ma rinho (Botafo-
go); Piazza, Rivelino, Paulo Cesar
(Flamengo), Valdomiro; Jairzinho,
.
LeiVinha.
,
Marie; Buijan, Ka-
Jugoslawien:
talinski, Bogicevic: Hadziabdic, • Mu-
zinic, Oblak, Acimovic; Petkovic,
Surjak, Djazic.
Schiedsrichter: Rudolf Scheurer
,
(Schweiz).
•
Gruppe 2
0:0 1
Brasilien
1 0 1 0
0 0:0 1
Jugoslawien 1 0 1
0 0 0 0 0:0 0
Schottland
0:0 0
Zaire •
0 0 0 0
•
Nur 21 Pro zent der Frau en
interessieren sich
für die Weltmeisterschaft
in der BRD sind ge-
Die Frauen
gen das zur Zeit grassierende Fuß-
ballfieber weitgehend immu n. Das
ergab eine Umfrage der Wickert-
zwei
Institute während der vergangenen
Wochen bei 2010 Personen. 79
16 be-
Prozent der Weiblichkeit über
tonten das' Desinteresse an Fußball
und Weltmeisterschaft, 21 Prozent
bekundeten innere Teilnahme. Fast
genau die Hälf te der 79 Prozent Des-
interessierten fürchten, sie würden
sich 'in den nächsten Wochen lang-
weilen, weil überall nur über das
Thema Fußball gesprochen werde:
Bei den Herren der Schöpfung
interessieren sich 73 Prozent der über
16jährigen für das runde Led er. Die
Frage, wer Weltmeister wird, beant-
worteten 75 Prozent aller männlichen
und weiblichen Befragten mit „BRD",
14 Prozent mit „Italien", .7 Prozent
„VN"-Leser hielten
mit „Argentinien". ' • •
mehr.von Brasilien
Wenn die zahlreichen Einsen-
11 du ngen zu unserem „WM-Ge-
winnspiel" als repräsentativer
Querschnitt gewertet _ werden,
dann waren gestern gegen 18.45
Uhr fast drei Viertel aller Sport-
freunde enttäuscht. Enttäuscht
deswegen, weil der überwiegende
Teil von Brasilien mehr erwartet
hätte.
72,90 Prozent aller Einsender
hatten einen Sieg des Titelvertei-
digers erwartet, die meisten davon
sogar mit mehr als einem Tor
Unterschied. 13,05 Prozent setzten
auf die Jugoslawen und etwa je-
der siebente Einseder (genau 14,05
Prozent) rechnete mit einem Un-
entschieden.
2,98 Prozent aller „VN"-Spie-
ler trauten den Stürmern kein
Tor zu und tippten auf 0:0. Da-
mit haben sie natürlich gide Aus-
sichten, die ersten 1000 S unseres
Spiels zu gewinnen, aber es müs-
sen ja erst die heuti gen Spiele ab-
gewartet werden -- und da kann
es noch Überraschungen geb en.
Heute zwei Direkt-
übertragungen
15.45 Uhr (FS 1-und ZDF):
BRD
gegen Chile, Gruppe 1 (direkt)
19.20 Uhr (ZDF ), 19.25 Uhr (FS 1):
Australien, Gru ppe 1
DDR —
'
(direkt)
•
r
21.30 Uhr (ZDF ): Zaire — Schott-
Fachleute zum
land,. Gruppe 2 (Aufzeichnung).
enttäuschenden
WM-Auftrizt
Der deut sche Ehrenspielführer
Mire" Seeler: „Die erste Hälfte
spielten beide Mannschaften auf
Sicherheit. Nach dem Wechsel
drückten die Jugoslawen dank ih-
rer besseren Kondition auf das
Tempo und brachten die Brasilia-
ner in schwere Bedrängnis. Die
Brasilianer werden Schwierigkei-
ten haben, wenn sie sich nicht auf
ein höheres Tempo umzustellen
vermögen."
Trainer „Tschik"'
Cajkovski,
an zwei Weltmeisterschaften
der
teilnahm: „Das war kein beson-
deres Spiel. Beide Mannschaften
schienen mit dem Unentschieden
zufrieden zu sein. Sie spielten zu
vorsichtig. Wenn man etwas errei-
chen will, muß man etwas riskie-
ren."
Der deutsche Bundestrainer
Helmut Schön: „Wir haben heute
gesehen, daß die Brasilianer zu
schlagen sind. Man muß bei der
Beurteilung des Spiels den
schlechten Boden berücksichtigen.
Es war ein Spiel mit Haken und
Ösen. Die Jugoslawen hatten in
der zweiten Hälfte durch ihre ag-
gressive Spielweise Vorteile, ein
Sieg von ihnen wäre nicht unver-
dient gewesen."
Franz Beckenbauer: „Das Un-
entschieden ist schmeichelhaft für
die Brasilianer, die lediglich in
der ersten Hälfte, und dabei nur
Phasenweise, wie ein Weltmeister
gespielt haben. Es war_ ein Spiel
der Taktik, wobei beide Mann-
schaften die Sicherheit über alles
stellten." •
Mario Zagal lo:
„Brasilien kann
mehr, als es heute gezeigt hat. Der
regennasse und dadurch 'schwere
Boden hat meiner Marinschaft arg
zu schaffen gemacht. Unter diesen
Umständen ist das Unentschieden
gegen eine starke jugoslawische
Mannschaft für Brasilien ein Er-
folg. Schiedsrichter Scheurer ,aus
der Schweiz hat ausgezeichnet ge-
leitet."
Sir Stanley
ein
Rous: „Es war
hartes Spiel. In der ersten Hälfte
war Brasilien besser, nach dem
Wechsel Jugoslawien. Beide spiel-
ten betont defensiv. Den anderen
Teams wird es schwer fallen, die-
se Mannschaften zu schlagen."
Das ist Zaire
Zaire, der Fußballzwerg_ aus
Zentralafrika, stammt aus einem
Land, das rund zehnmal größer
als die BRD ist: 2,34 Mill. qkm
gegenüber 0,25 Mill. qkm der BRD.
Die ,Einwohnerzahl von 17,1 Mil-
lionen beträgt hingegen nur ein
Viertel der BRD (rund 65 Millio-
nen Einwohner). Zaire, das ist das
frühere Kongo-Kinshasa mit der
Hauptstadt Kinshasa, früher Leo-
poldvill e ( 730.000. Einwoh ner ). Das
Land ist seit' 1971 demokratische
Republik und •hat seinen N amen'
ebenfalls erst seit drei Jahren.
Zaires Reichtum sind die Wäl-
der, die Edelhölzer, Kautschuk,
K affee, Kakao, Baumwolle usw.
liefern. Diese Naturprodukte sind
auch für den Expor t bestimmend.
Zaire ist also wirtschaftlich kei-
nesfalls so unbedeutend, wie es
etwa die Rolle ihrer Fußballer vor
Beginn dieser WM vermuten las-
sen könnte. Die Bevölkerung setzt
sich aus Hunderten von Stämmen
zusammen, meist aus Sudan- und
Bantunegern, teils auch aus Pyg-
mäen.
WM-Eintrittskarten
noch en masse
hatten die Veranstalter
Gestern
der WM noch rund 930.000 Ein-
trittskarten zur Verfügung. Rund
270.000 davon für die zweite Fi-
nalrunde, die wahrscheinlich dann
zum größten Teil abgesetzt wer-
den können, wenn erst einmal die
Paarungen bekannt sind.
Anders sieht es mit den etwa
660.000 Tickets für die ersten
Gruppenspiele aus, denn es ist
nicht anzunehmen, daß etwa für
Chile — Australien in Berlin noch
viele Ka rten verkauft werden. Für
dieses Spiel sind erst 17.500 der
87 .500 • Billets verkauft worden,
auch DDR — Chile (59.000 Rest-
karten), Polen — Haiti (53.000),
Uruguay -- Bulgarien (47.000),
Argentinien — Haiti (47.00 0),
Schweden — Bulgarien (46.000) ,
Uruguay — Schweden (45 .000) und
Jugoslawien — Zaire (44.000) er-
weisen sich nicht eben als Publi-
kumsschlager.
Dennoch glauben die Verant-
wortlichen, daß sie das erwartete
Ziel erreichen werden, 70 Prozent
der verfügbaren Gesamtmenge zu
Uli Hoeneß, Stürmer-
verkaufen.
star des FC Baye rn
München, und sein
Vereinskamerad Paul
Breitner haben Angst
vor übermäßigem De-
fensivfußball bei der
Weltmeisterschaft.
„Zumindest in der
ersten Runde wird bei
dieser WM furchtbar
defensiv gespielt, alle
gegnerischen Spi eler
werden im eigenen
Strafraum einen Rie-
sen-Abwehrwall er-
richten", fürchtet sich
der blonde „Youngster"
Hoe neß in Helmu t
Schöns Aufgebbt.'
mindest in die zweite
„Ich hoffe, daß zu- Fußball, denn . der .Er-
Runde nur•Mannschaf-
ten einziehen,'• die of-
fensiv spielen", me inte
Hoeneß, „denn wer ins
Endspiel will, muß An-
griffsfußball spielen."
Dann werden nach
Hoeneß' Meinung „auch
die Freunde des schö-
nen Fußballs auf ihre
Kosten kommen", aber
wohl erst dann.
Diese Meinung ver-
tritt auch Hoeneß-Kol-
lege Paul Bre itner.
„Diese. Weltmeister-
schaft wird ein Parade-
beis piel für defensiven
folg wird das Spiel be-
stimmen." Zum ersten-
mal wird. sich' die bun-
'desdeutsche. Mann-
scha ft am E'reitag ge-
gen. die Chilenen mit
dieser. Ta ktik ' ausein-
andersetzen müssen,
'denn Chile-Trainer
'Alamos kündigte be-
reits, ein „Abwehrboll-
werk" gegen die Deut-
:schen ari. .
Das_' hat laut Breit-
ner allerdings auch
sein Gutes: „Endlich ist
ein Trainer einmarehr-
lich und drischt keine -
dummen Phrasen. Da
wissen Wir •Wehigstens,"
was uns. erwartet." erwartet."