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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

DIE TORMÄNNER IM 'BRENNPUNKT!" M aric,• ein Ke eper von 
Sicherheit 'und Konsequenz, klärt vor jairzinho (oberes 
bestediender 
Bild). Seilt brasilianischer Kollege Leao gab sich ebenfalls keine 
Pele sagte das 
Blöße, bei einem Bombenschuß von Petkovid war er auf dem Posten. 
Unentschieden vor aus 
„on, oder 1:1 oder 22 . . . aber. 
ich weiß es wirklich nicht", antwor- 
tete Pele in Belgrad auf die drän- 
.g enden Fragen der Reporter zum 
Ausgang des Eröffnungsspieles Bra- 
silien — JugoslaWien. „Es wird ein 
gigantischer Kampf zwischen der 
ausgezei ch neten jugoslawischen Ab- 
wehr und • Brasiliens Angriff,. viel- 
leicht wird der Sieger dieses Spieles 
neuer ,Weltmeister." Vom 'brasiliani- 
schen Angriff war, nach der Pause, 
nichts zu sehen! 
Hauptsache, 
Rhia ist gesund 
Die Regierung ist zwar zurückge- 
treten, aber Gigi Riva ist wieder ge- 
sund, Und letzteres war nicht nur für 
_D.eruccio Valcareggi, - sondern für 
viele'Tifosi die wichtigere Nachricht. 
Möglicherweise wird Riva am Sams- 
tag schon gegen Haiti eingesetzt 
werden,' im :Training. 
zeigte" er sich 
wie der mit voller,Schußkraft 
Schulfrei 
bei TV:݆bertragungen 
Während- der:WM sollen, die Schü 
ler in Baden-Württemberg die TV- 
Obertragungen verfolgen' können. 
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sowie jeder andere 
Spieler der Manrischefr'stUS',:Gualifl- 
katien:Itind Endrunde inageSarntrd. 
890. 
,000.S..kassieren   
„Wer atifmuckt, 
fliegtivorri 
-Nate 
Der 'noch amtierende . Präsident 
des . Welt-Fußballverbandes (FIFA) 
SIr. 
:Stanley 
Rous; stellte am • Mitt- 
woch in 
- 
Frankfurt vor den:Delega- 
tionsleitern der 16 WM-Teilnehmer 
nochmals heraus, daß die WM-End- 
runde "in einem '„sportlichen Geist" 
ausgetragen werden müsse. 'Die 
weitere Entwicklung des Weltfußballs 
bei,davon 
wesentlich abhängig, wür- 
den;• die Spiele doch in alle Welt 
übertragen. Die Schiedsrichter sind 
nach den Worten von nous ange- 
wiesen, „fair, aber fest" in ihrer Hal- 
tung zu sein:. Widerspruch gegen 
Schiedsrichterentscheidungen 
werde 
nicht geduldet: „Wer aufmuckt, der 
fliegt vorn Platz." Schließlich stehe 
der Riff des internationalen Fußbal ls 
	 
auf dem Spiel. 
Angst vor der Defensive 
Frei tag, 14. Juni 1974 
Seite 15 
Das WM-Eröffnungsspiel endete torlos   
Der Weltmeister hatte Glück 
Fußball-Weltmeusterschaft1974-: 
Wer nach der schillernden Eröff- 
13. Juni bis 7. Juli 1974 
nungsfeier im ausverkauften Frank- 
furter Waldstadion mit einer ebe nso 
glänzenden Eröffnungsvorstellung 
des 
regierenden dreifachen Weltmei- 
sters Brasilien gegen die erst in ei- 
nem Entscheidungsspiel gegen Spa- 
nien für die Endrunde qualifizierten 
Jugoslawen gerechnet ha tte, wurde 
bitter enttäuscht. Die brasilianischen 
Ballakrobaten, denen das regneri- 
. sehe Wetter und der glitschige Boden 
'sichtlich zu schaffen machte, mußten 
vor 62.000 Zuschauern schließlich zu- 
frieden sein, gegen die ziels t rebi geren 
Fußballathleten aus Belgrad, Spl it, 
Sarajewo und Mostar einen Punkt zu 
retten. 
Einmal mehr zeigte sich der Welt- 
meister in der Abwehr verwundbar, 
o bwohl die brasilianischen Verteidi- 
ger „europäische H ärte" an den Tag 
legten. Dzajic, Petkovic und Acimo- 
vic hatten mehr Torgelegenheiten vor 
den Beinen, als ihre Konkurrenten 
Leivinha, Jairzinho und Valdomiro. 
In der ersten Spielhälfte der in 
gnadenlosem Cupstil geführten Be- 
gegnung, ha tten die Jugoslawen 
sichtlich noch Respekt vor dem gro- 
ßen Gegner. Coach Miljan Miljanic 
hatte ihnen jedoch offenbar das rich- 
tige R ezept auf den Weg mitgegeben: 
Die Spielzüge des Weltmeisters 
bereits in dessen eigener Hälfte zu 
stören und selbst in geradlinigem 
Direktspiel Konterattacken zu füh- 
ren. 
Nach der Pause rollte jedoch die 
Mehrzahl der Angriffe auf das Ge- 
häuse von Leau, wobei in der 72. Mi- 
nute nach einem Oblak-Kopfball nur 
mehr der Pfosten die Brasilianer vor 
einer Niederlage rettete. 
Sp ieler der Jugoslawen 
Die besten 
waren Linksaußen Dzajic, Rechts- 
außen Petkovic, die Mittelfeldspieler 
Acimovic und Oblak sowie Torhüter 
Marie. Bei den Brasilianern konnten 
neben Goalmann Leau vor allem die 
Sturmspitzen Jairzinho und Levinha 
gefallen, während. Paulo Cesar und 
Rivelino stark abfielen. 
Die Brasilianer hatten insgesamt 
zwei gute Torchancen, die Jugosla- 
wen drei. Oblak und Acimovic wur- 
den verwarnt. 	- 
Nutznießer des Spiels waren die 
Schotten,fiie_heute bei ihrem ersten 
Spiel gegen „Zaire.. natürlich .mit zwei 
„Pflichtpunkten",. rechneff. ,Ein voller 
Erfolg'gegen' Brasilien oder Jugosla-, 
wien würde dem schottischen Team 
mit Sicherheit den Aufstieg in die 
zweite Runde bringen. 
Beile Mannschaftsführungen ver- 
zichteten auf einen Spieleraustausch, 
obw ohl der «tie fe Boden in den letz- 
ten 20 Minuten sichtlich hohe Anfor- 
derungen an die Kondition der bei- 
den Teams stellte. Ausrutscher — 
auch ohne „Feindeinwirkung" — wa- 
ren an der „Abendordnung". 
Leao; Nelinho, Pereira, 
Brasilien: 
Ma rinho (Santos), Ma rinho (Botafo- 
go); Piazza, Rivelino, Paulo Cesar 
(Flamengo), Valdomiro; Jairzinho, 
	. 
LeiVinha. 
, 
Marie; Buijan, Ka- 
Jugoslawien: 
talinski, Bogicevic: Hadziabdic, • Mu- 
zinic, Oblak, Acimovic; Petkovic, 
Surjak, Djazic. 
Schiedsrichter: Rudolf Scheurer 
	, 
(Schweiz). 
• 
Gruppe 2 
0:0 	1 
Brasilien 
1 0 1 0 
0 0:0 	1 
Jugoslawien 1 0 1 
0 0 0 0 0:0 	0 
Schottland 
0:0 	0 
Zaire • 
0 0 0 0 
• 
Nur 21 Pro zent der Frau en 
interessieren sich 
für die Weltmeisterschaft 
in der BRD sind ge- 
Die Frauen 
gen das zur Zeit grassierende Fuß- 
ballfieber weitgehend immu n. Das 
ergab eine Umfrage der Wickert- 
 zwei 
Institute während der vergangenen 
Wochen bei 2010 Personen. 79 
16 be- 
Prozent der Weiblichkeit über 
tonten das' Desinteresse an Fußball 
und Weltmeisterschaft, 21 Prozent 
bekundeten innere Teilnahme. Fast 
genau die Hälf te der 79 Prozent Des- 
interessierten fürchten, sie würden 
sich 'in den nächsten Wochen lang- 
weilen, weil überall nur über das 
Thema Fußball gesprochen werde: 
Bei den Herren der Schöpfung 
interessieren sich 73 Prozent der über 
16jährigen für das runde Led er. Die 
Frage, wer Weltmeister wird, beant- 
worteten 75 Prozent aller männlichen 
und weiblichen Befragten mit „BRD", 
14 Prozent mit „Italien", .7 Prozent 
„VN"-Leser hielten 
mit „Argentinien". ' 	• 	• 
mehr.von Brasilien 
Wenn die zahlreichen Einsen- 
11 du ngen zu unserem „WM-Ge- 
winnspiel" als repräsentativer 
Querschnitt gewertet _ werden, 
dann waren gestern gegen 18.45 
Uhr fast drei Viertel aller Sport- 
freunde enttäuscht. Enttäuscht 
deswegen, weil der überwiegende 
Teil von Brasilien mehr erwartet 
hätte. 
72,90 Prozent aller Einsender 
hatten einen Sieg des Titelvertei- 
digers erwartet, die meisten davon 
sogar mit mehr als einem Tor 
Unterschied. 13,05 Prozent setzten 
auf die Jugoslawen und etwa je- 
der siebente Einseder (genau 14,05 
Prozent) rechnete mit einem Un- 
entschieden. 
2,98 Prozent aller „VN"-Spie- 
ler trauten den Stürmern kein 
Tor zu und tippten auf 0:0. Da- 
mit haben sie natürlich gide Aus- 
sichten, die ersten 1000 S unseres 
Spiels zu gewinnen, aber es müs- 
sen ja erst die heuti gen Spiele ab- 
gewartet werden -- und da kann 
es noch Überraschungen geb en. 
Heute zwei Direkt- 
übertragungen 
15.45 Uhr (FS 1-und ZDF): 
BRD 
gegen Chile, Gruppe 1 (direkt) 
19.20 Uhr (ZDF ), 19.25 Uhr (FS 1): 
Australien, Gru ppe 1 
DDR — 
	' 
(direkt) 
	• 
r 
21.30 Uhr (ZDF ): Zaire — Schott- 
Fachleute zum 
land,. Gruppe 2 (Aufzeichnung). 
enttäuschenden 
WM-Auftrizt 
Der deut sche Ehrenspielführer 
Mire" Seeler: „Die erste Hälfte 
spielten beide Mannschaften auf 
Sicherheit. Nach dem Wechsel 
drückten die Jugoslawen dank ih- 
rer besseren Kondition auf das 
Tempo und brachten die Brasilia- 
ner in schwere Bedrängnis. Die 
Brasilianer werden Schwierigkei- 
ten haben, wenn sie sich nicht auf 
ein höheres Tempo umzustellen 
vermögen." 
Trainer „Tschik"' 
Cajkovski, 
an zwei Weltmeisterschaften 
der 
teilnahm: „Das war kein beson- 
deres Spiel. Beide Mannschaften 
schienen mit dem Unentschieden 
zufrieden zu sein. Sie spielten zu 
vorsichtig. Wenn man etwas errei- 
chen will, muß man etwas riskie- 
ren." 
Der deutsche Bundestrainer 
Helmut Schön: „Wir haben heute 
gesehen, daß die Brasilianer zu 
schlagen sind. Man muß bei der 
Beurteilung des Spiels den 
schlechten Boden berücksichtigen. 
Es war ein Spiel mit Haken und 
Ösen. Die Jugoslawen hatten in 
der zweiten Hälfte durch ihre ag- 
gressive Spielweise Vorteile, ein 
Sieg von ihnen wäre nicht unver- 
dient gewesen." 
Franz Beckenbauer: „Das Un- 
entschieden ist schmeichelhaft für 
die Brasilianer, die lediglich in 
der ersten Hälfte, und dabei nur 
Phasenweise, wie ein Weltmeister 
gespielt haben. Es war_ ein Spiel 
der Taktik, wobei beide Mann- 
schaften die Sicherheit über alles 
stellten." 	• 
Mario Zagal lo: 
„Brasilien kann 
mehr, als es heute gezeigt hat. Der 
regennasse und dadurch 'schwere 
Boden hat meiner Marinschaft arg 
zu schaffen gemacht. Unter diesen 
Umständen ist das Unentschieden 
gegen eine starke jugoslawische 
Mannschaft für Brasilien ein Er- 
folg. Schiedsrichter Scheurer ,aus 
der Schweiz hat ausgezeichnet ge- 
leitet." 
Sir Stanley 
ein 
Rous: „Es war 
hartes Spiel. In der ersten Hälfte 
war Brasilien besser, nach dem 
Wechsel Jugoslawien. Beide spiel- 
ten betont defensiv. Den anderen 
Teams wird es schwer fallen, die- 
se Mannschaften zu schlagen." 
Das ist Zaire 
Zaire, der Fußballzwerg_ aus 
Zentralafrika, stammt aus einem 
Land, das rund zehnmal größer 
als die BRD ist: 2,34 Mill. qkm 
gegenüber 0,25 Mill. qkm der BRD. 
Die ,Einwohnerzahl von 17,1 Mil- 
lionen beträgt hingegen nur ein 
Viertel der BRD (rund 65 Millio- 
nen Einwohner). Zaire, das ist das 
frühere Kongo-Kinshasa mit der 
Hauptstadt Kinshasa, früher Leo- 
poldvill e ( 730.000. Einwoh ner ). Das 
Land ist seit' 1971 demokratische 
Republik und •hat seinen N amen' 
ebenfalls erst seit drei Jahren. 
Zaires Reichtum sind die Wäl- 
der, die Edelhölzer, Kautschuk, 
K affee, Kakao, Baumwolle usw. 
liefern. Diese Naturprodukte sind 
auch für den Expor t bestimmend. 
Zaire ist also wirtschaftlich kei- 
nesfalls so unbedeutend, wie es 
etwa die Rolle ihrer Fußballer vor 
Beginn dieser WM vermuten las- 
sen könnte. Die Bevölkerung setzt 
sich aus Hunderten von Stämmen 
zusammen, meist aus Sudan- und 
Bantunegern, teils auch aus Pyg- 
mäen. 
WM-Eintrittskarten 
noch en masse 
hatten die Veranstalter 
Gestern 
der WM noch rund 930.000 Ein- 
trittskarten zur Verfügung. Rund 
270.000 davon für die zweite Fi- 
nalrunde, die wahrscheinlich dann 
zum größten Teil abgesetzt wer- 
den können, wenn erst einmal die 
Paarungen bekannt sind. 
Anders sieht es mit den etwa 
660.000 Tickets für die ersten 
Gruppenspiele aus, denn es ist 
nicht anzunehmen, daß etwa für 
Chile — Australien in Berlin noch 
viele Ka rten verkauft werden. Für 
dieses Spiel sind erst 17.500 der 
87 .500 • Billets verkauft worden, 
auch DDR — Chile (59.000 Rest- 
karten), Polen — Haiti (53.000), 
Uruguay -- Bulgarien (47.000), 
Argentinien — Haiti (47.00 0), 
Schweden — Bulgarien (46.000) , 
Uruguay — Schweden (45 .000) und 
Jugoslawien — Zaire (44.000) er- 
weisen sich nicht eben als Publi- 
kumsschlager. 
Dennoch glauben die Verant- 
wortlichen, daß sie das erwartete 
Ziel erreichen werden, 70 Prozent 
der verfügbaren Gesamtmenge zu 
Uli Hoeneß, Stürmer- 
verkaufen. 
star des FC Baye rn 
München, und sein 
Vereinskamerad Paul 
Breitner haben Angst 
vor übermäßigem De- 
fensivfußball bei der 
Weltmeisterschaft. 
„Zumindest in der 
ersten Runde wird bei 
dieser WM furchtbar 
defensiv gespielt, alle 
gegnerischen Spi eler 
werden im eigenen 
Strafraum einen Rie- 
sen-Abwehrwall er- 
richten", fürchtet sich 
der blonde „Youngster" 
Hoe neß in Helmu t 
Schöns Aufgebbt.' 
mindest in die zweite 
„Ich hoffe, daß zu- Fußball, denn . der .Er- 
Runde nur•Mannschaf- 
ten einziehen,'• die of- 
fensiv spielen", me inte 
Hoeneß, „denn wer ins 
Endspiel will, muß An- 
griffsfußball spielen." 
Dann werden nach 
Hoeneß' Meinung „auch 
die Freunde des schö- 
nen Fußballs auf ihre 
Kosten kommen", aber 
wohl erst dann. 
Diese Meinung ver- 
tritt auch Hoeneß-Kol- 
lege Paul Bre itner. 
„Diese. Weltmeister- 
schaft wird ein Parade- 
beis piel für defensiven 
folg wird das Spiel be- 
stimmen." Zum ersten- 
mal wird. sich' die bun- 
'desdeutsche. Mann- 
scha ft am E'reitag ge- 
gen. die Chilenen mit 
dieser. Ta ktik ' ausein- 
andersetzen müssen, 
'denn 	Chile-Trainer 
'Alamos kündigte be- 
reits, ein „Abwehrboll- 
werk" gegen die Deut- 
:schen ari. . 
Das_' hat laut Breit- 
ner allerdings auch 
sein Gutes: „Endlich ist 
ein Trainer einmarehr- 
lich und drischt keine - 
dummen Phrasen. Da 
wissen Wir •Wehigstens," 
was uns. erwartet." erwartet."
	        
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