Die
‚verzögerte'
rote Karte
-•
Niere
on.Josef
Mattnerx
Minute des WM-Län- -
In. der
68.
• Ber-
liner Olympiastadion wurde- der
wegen eines
Chilene Caszely
Fouls an Vogts. ausge schl ossen .
dem Süd-
Art..und Weise,
wie
amerikaner
durch-
.den türkischen
Karte
Referee- Babacan die rote
-ungewöhn-
gezeigt wurde, war
:so.
eine
lich, daß • sie zweifellos
Analyse wert ist::
ne
Aus der :TV-PerSpektive :foulte
Vogts den im Ballbesitz' befindli-
chen Chilen en, worauf die ser
ohne Ball nachschlug. Der Schieds-
richter pfiff, Vogts und Caszely
krümmten sich liegend auf dem
Rasen. Babacan sah sich bes on-
ders den Chilenen gut eine Mi-
noch länger an, alles
nute
oder
wartete dar auf, daß nach dieser
Spielunterbrechung das Match mit
einem Freistoß für die Deutschen
fortgesetzt werden würde, da griff
der Türke seelenruhig in die
Brusttasche seiner Bluse und zeig-
rote Karte. Aus-
te Caszely die
schluß! Und dann Freistoß.
Die Verblüffung im Olympia-
stadion und vor den Bildschirmen
war enorm, man hätte zunächst.
sogar • die oft zitierte Stecknadel
fallen hören k önnen. Und danac h
ein. Durfte
D ebatten
solange mit dem Aus-
der
Referee
dach te er darüber
schluß
warten,
er überhaupt einen Feld-
nach,
ob
verweis anzeigen sollte, wollte er
:zu erwartende Emotionen ab-
bauen (was ihm ja schließlich auch
gelang)?
Der deutsche Ex-Internationale
Karlheinz Schnellinger meinte,
diese Art des Ausschlusses sei Un-
er zweifellos
im' Recht ist. Grundsätzlich hat ja
der Schiedsrichter die Pflicht, bei
einem-Vergehen
sofort zu pfeifen,
.undztiahnden. Gepfiffen.hat der,
das-Spiel•un- ,
Türke sofort, womit
Ich-
terbrochen war.
meine, er
Absicht, Raufereien. auf
hatte die
dem Spielfeld zu unterbinden,
denn zweifellos wäre es zu un-
schönen Szenen gekommen, wenn
der Unparteiische einem Spieler,
sich vor (vermeintlichen?)
der
Schmerzen auf dem Boden
die rote Karte gezeigt
hätte.
Aus dieser. Sicht . hat er also
richtig gehandelt; und weii,; im
Regelbuch nicht angeführt ist, in-
nerhalb
Frist einem Spie-
ler der Ausschluß anzuzeigen ist,
werden-
Babacan die SR-Überwa-
cher keinen Strick drehen können.
•
Während Breitner das erste Tor
X. Fußball-Weltmeisterschaft
der
schoß, war der Chilene Caszely (7)
der erste Spie ler, der des Fe ldes
Hatte man vor Be- abschließend die Hoff-
verwiesen wurde.
ginn der WM geglaubt, nung, „daß die Mann-
das herrschende, kalte schaft nach diesem
und regnerische Klima Sieg besser ins Rollen
würde vor allem den kommt."
welcher zu
Südamerikanern
Befriedigung herrsch-
schaffen machen, trat te dagegen im chileni-
am Freitag das Gegen- sehen Lager. „Für uns
teil ein. Eine vorüber- hieß es ‚nicht zu hoch
gehende Föhnperiöde zu verlieren ... Unse-
brachte - so DFB- ne Mannschaft wird in
den
Coach Helmut Schön
nächsten Spielen
bundesdeutsche
die
besser aussehen", ver-
Mannschaft aus dem sprach Trainer Luis
Alamos.
Rhythmus.
Und
„Die Hitze ist keine
der chilenische
für
Entschuldigung
Verbandskapitän Fran-
Fehler",
spielerische
cisco Fluxa fügte hin-
meinte Sch ön, „aber zu: „Ein ganz ausge-
die Umstellung vom zeichnetes Resultat für
frischen Malenter Wind • uns, das uns gute Aus-
(dem deutschen 1/erbe- gangspositionen für den
reitungslager) auf die Aufstieg. in die -zweite
schwüle Berliner Luft Runde' eröffnet. Mit
machte den meisten dieser --Leistung-brau-
Spielern zu schaffen. chen wir auch gegen
-wurden
Die Chilenen
' die DDR keine Angst
be sser mit der Hitze zu haben."
len Brasilien - Jugo-
fertig." • Schön äußerte. .. Nach- den-
WM7Spe-
slawien (0:0) und BRD
gegen Chile (1:0) ist
das Stimmungsbarome-
ter der Fußball-En-
thusiasten arg ge sun-
ken, die Methode, so
lange wir kein Tor be-
kommen, können wir
nicht verlieren, wurde
zu offenkundig erkenn-
bar. Fußball-Weltmei-
sterschaft, das soll ein
Festival des Fußballs
sein, eine Propaganda
für diese faszinierende
Sportart, eine Fr eude
für den Betrachter. noso-Caszely, Ahumada.
Bis jetzt war davon
- leider! -.nichts zu
sehen., • Die • Team be-
treuer allerdings sind
Mn eine Ausrede nicht !
verlegen: „Die Welt-
--meisterschaft- hat------ja
noch gar nicht richtig
begonnen, wir müssen " -
mit unseren Kräften
haushalten." Klar?
Schotten schufen gleich klare Verhältnisse:
Nach 31 Minuten 2:0 gegen
Seite 17
Zaire und dabei blieb es
samstag, 15. Juni 1974
Der Sieg der bundesdeut-
(JM)'
schen Nationalmannschaft im aus-
verkauften Olympiastadion - 83.000
Besucher - geht zwar in Ordnung,
derkamPfes BRD - Chile im denn die Mannen um Beckenbauer
bestimmten das Spiel und spielten
von der 1. bis zur 90. Minute offen-
siv, aber besonders die Darbietun-
gen nach dem Seitenwechsel waren
denn zu dürftig, um zufrieden sein
zu können, zur Begeisterung be-
stand ja ohnehin kein Anlaß. Ver-
gleichsweise war die, zweite Spiel-
hälfte des Eröffnungsmatches am
Donnerstag zwischen Brasilien und
Jugoslawien (0:0) ein Krimi, wenn
auch ein schwacher.
Die Chilenen peilten ein 0:0 an,
und als Breitner nach einem schönen
Kombinationszug in der 16. Minute
aus etwa 20 Metern einkanonierte,
wobei der Ball nicht „unhaltbar"
schien, eine knappe Niederlage. Das
ist den hervorragenden Technikern,
die den Ball auf kürzeste Entfernun-
gen hin- und herschubsten und
-tricksten, auch gelungen. Vom geg-
nerischen Tor nahmen sie kaum No-
tiz, dennoch wäre ihnen in der 20.
Min. beinahe der Ausgleich geglückt.
Gegen so eine Mannschaft ist
es schwer, Tore zu schießen, vor al-
lem dann, wenn man nur selten über
die Flügel spielt und es - wie die
Deutschen - am letzten Einsatz
mangeln läßt. Zudem fehlte ein Mit-
telfeldregisseur, der dem Match eine
Wende geben hätte könne n. Overath
konnte diese Rolle gestern nicht spie-
len, er war zu zaghaft und zu klein-
.mütig. In der 75. Minute wurde der
Kölner wegen einer Verletzung gegen
Hölzenbein ausgetauscht, danach
wurde das Spiel der Schön-Truppe
variantenreicher und druckvoller.
Immer wieder hatten die deut-
schen Fußballfachleute das Schlag-
ä
t
t E tweder Netzer oder
worgepr g, „ n
te, alles andere zählt wenig, am mei-
sten zählt, daß die 83.000 Besucher
für ihr Eintrittsgeld nicht das gese-
hen haben, was sie sehen wollten.
Aber ein Fußballspiel unterscheidet
vieler Hinsicht von einem
Theaterstück, nicht zuletzt 'dadurch,
daß man beim Kauf der Eintrittsbil-
lets nicht weiß, wie es ausgeht. Das
Publikum machte seiner Enttäu-
schung mit einem lautstarken Pfei f-
konzert Luft, aber der Großteil wird
höhe, war eine markante Erschei-
nung auf dem Spielfeld. Er zeigte,
wer der „Herr" auf dem Rasen ist,
und verteilte dreimal die gelbe
Karte an DDR-Spieler.
Bei den Australiern gefielen be-
sonders Mittelstürmer Alston, ein
trickreicher Spieler, und Richards,
der mit seinen mächtigen Out-Ein-
Würfen sogar das gegnerische Ge-
häuse in Gefah r brachte.
Volksparkstadion,
Hamburger
17.000 Zuschauer, Schiedsrichter
Yousso N'Diaye (Senegal).
Croy; • Kische, Bransch,
Weise, Wätzlich; Pommerenke, Spar-
'wasser, Irmscher; Löwe (60. Hoff-
mann), Streich, Vogel.
Reilly; Utjesenovic,
Australien:
Wilson, Schäfer, Curran; Richards,
Mackay, Rooney; Warren Alston,
Buljevic.
Gruppe 1
1
DDR
1 0 0.2:0 2
1 1 0 0 1:0 2
BRD
1'
Chile
0 0 1 ,0:1 0
'
Australien
1 0 0 1 0:2 0
Gruppe 2
1
Schottland
1 0 0 2:0 2
1 0 1 0 0:0 1
Brasilien
1
Jugoslawien
0 1 0 0:0 1
1
Zaire
schon heute sa gen, zwei P unkte sind
0 0 1 0:2 0
zwei Punkte.
Bei den Deutschen gefielen der
unermüdliche Vogts, der druckvolle
Breitner und nach dem Wechsel Hoe-
neß. Beckenbauer und Grabowski
wirkten temperamentlos, Heynckes
hatte gegen seinen Bewacher nichts
3 gelbe
eine rote Karte
Die Deutschen begannen nervös.
In der 2. Minute verschuldete Vogts
durch einen ungenauen Rückpaß an
Maier eine Ecke. Caszely, der in der
- Zitter=' stung-
Offenbar genug-
Jugoslawien
und BRD - Chile),-die-bis-zur'Ietz---
ten Minute noch die Gefahr einer
Wende in sich_ bargen,.. hatten ._die
Schotten, die berei ts in der ers ten
halben Stunde ihres Spiels gegen
-Front
Zaire mit 2:0 in
gingen und' 'halber Kraft,
diesen Vorsprung dann hielten. - •
Die Schotten begannen so, wie es
erwartet wurde: Voller Einsatz der
Kraft und mit Serien von hohen
Flankenbällen auf Jordan. Jordan
war es auch, der .per Kopf .das 1:0
in der 25. Minute einleitete, L o r
m e r schloß mit unhaltbarem Schuß
aus 20 in ab. Kazad i im Tor. der
Gewaltschuß Breitners entschied BRD—Chile (1:0)
Afrikaner, der eine großartige Lei-
Viel mehr Mühe als erwartet
hatte die DDR in ihrem ersten Grup-
penspiel gegen Australien, um zu
einem' 2:0-(0:0-)Sieg- zu gelangen.
über eine Stunde lang hielten sich
die
Australier gegen die routinierte-
ren Ostdeutschen prächtig, hatten
sogar zwischen der 30. und 45. Mi-
nute Vorteile, doch dann .setzte _sich
letzten Endes doch die größere
Spielreife der DDR-Mannschaft
durch.
Das, erlösende 1:0 für die DDR
kam allerdings äußerst glücklich zu-
stande. Der aus abseitsverdächtiger DDR:
Position gestartete Sparwasser
konnte das Leder knapp an dem her-
. auseilenden australischen Torhüter
Reilly vorbeischießen, (56.). Der Ret-
tungsversuch von Schäfer mißlang. von den'
15 Minuter später war die Partie spielen" (Brasilien
endgültig entschieden, als Streich
das Leder von Vogel übernahm und
mit voller Wucht ein spektakuläres
Tor erzielte. Der Ball landete unhalt-
bar in der linken, oberen Kreuz-
ecke.
Die Überraschung in diesem Spiel,
das schließlich doch den erwarteten
Sieger brachte, waren die Austra-
lier,, die unbändigen Kampfgeist bei
erstaunlichem technischem Vermö-
gen bekundeten, und auch nach dem
aussichtslosen 0:2 in ihren Be mühun-
gen nicht nachließen. Der dunkel-
häutige Schiedsrichter aus Senegal,
Yousso N'Diaye, zumeist
auf
Ball-
DDR hatte beim 2:0-Sieg.
•
über Australien viel Mühe
r'
•
Overath"; jetzt könnte man es ab-
wandeln in „Keiner, von beiden".
Vielleicht, daß jetzt Netzer gegen
Australien am Dienstag eine Chance
.ffl,1\ginute,
',erhält
nach einer Tätlichkeit ge-
,Vngts ausgeschlossen wurde, be-
'Das oft und oft versuchte: Doppel- gen.
,,Foul
sein erstes schweres
an
''der-Deutgehen'',iDatfte-'''derzgi‚ng
riDaßeie/
geschickt und ma ssiv forrnierteri'Ab-"HeYneke gleich*in den Anfangsmi-
nuten
wehr
und erhielt die gelbe Karte
der Chilenen in den Kram, das
bedächtige Spiel, das meist über all- (12. Minute) nach einer wilden At-
tac k e gegen Grabowski. Breitner,
zuviele Stationen lief, ebent alls, denn
dadurch stand Gerd Müller wieder-
holt abseits.
Für die Bundesdeutschen ist das w
Dieser Glücksschuß, den Breitner in der 16. Minute wa gte, brachte die Entscheidung: Torma nn Vallejos
Wichtigste der Gewinn bei der Punk-
-
reagierte zu spät - er hatte wohl ein Abspiel erwart et -, BRD schlug Chile 1:0.
Resultat' der deutschen Überlegen-
heit in dieser Phase, sondern war
mehr einem Glücksschuß zuzuschrei-
setzten die ben, der zwar recht effektvoll aus-
sah, in einem Weltklassetorhüter
aber doch seinen Meister gefunden
hätte. Vallejos reagierte zu spät,
und das nicht in die äußerste Ecke
plazierte Leder konnte von ihm le-
diglich noch berührt werden.
Der Bann schien nun gebrochen,
doch die Deutschen' fa nden gestört
durch die. eine oder andere härtere
Attacke der Chilenen, nicht zu ihrem
Spielrhythmus. Sie mußten sogar
froh sein, ei nige gefährliche Konters
der Chilenen heil überstanden zu
haben, Ahumada hatte die größten
Torchancen der Chilenen doch setz-
te 'er zweimal" das -Leder • daneben
(20. und 27) Ein Abseitstor von
an keine Aner ken nung
?C aszeW
'(30.).'Kurz' vor der Pause kamen die
Deutschen nochmals auf, doch Cull-
hatten
man (39.) und Hoeneß
(41.)
.
kein Glück.
Nach Seitenwechsel waren die be-
merkenswertesten Szenen der Aus-
ten für Reinoso (48.), der einen Ball
krümmte, mit der Hand herunterfing, und Gar-
cia (58.). In der 75. Minute wurde
Overath, der leicht angeschlagen war,
gegen Hölzenbein ausgetauscht. Auch
sich in, die Chilenen tauschten aus, Veliz
kam für Valdez (79.), Lara für Ro-
driguez (85.).
Berliner Olympiastadion, .83.000
Besucher, SR' Dogan tabacan (Tür-
.
kei).
BRD: Maier; Vogts, Beckenbauer,
Schwarzenbeck, Breitner; Hoeneß,
Cullmann, Overath (75. Hölzenbein);
Grabowski, Müller, Heynckes.
Chile: Vallejos; Garcia, Figueros,
Quintano, Arias; Valdes (79. Veliz),
Rodriguez (85. Lara), Paez, Rei-
zu lachen. Bei den Chilenen impo-
-liierte
die gesamte Abwehr, man
könnte damit - 'entsprechend der
Spielanlage --sagen, die gesamte
Mannschaft. Fürs Stürmen ha tten die
Südamerikaner nichts übrig. Quin-
tano und Figueroa wären kaum zu
umgehen.
der der Schütze des 'einzigen Tref-
gewöhnlich; womit fers werden sollte, versuchte nach
fünf Minuten zum erstenmal sein
Glück, doch ging sein Schuß zwei
Meter über das Tor. • -
Mimiteri-
Nach 'zehn
begann das
Spiel., der Deutschen. besser :zu lau-
t2-
fen: Der Treffer durch Paul Bre i
.n
e r :(16.). aus: einem Weitschuß
rund 25 m Entfernung in die linke
weniger-ein
obere Ecke war aber
schluß
a r der Föhn schuld ...? von Caszely in der 68. Minute
und zuvor zwei weitere gelbe 'Kar-
bot,-
-In- der-
pätZte- inir ei nitiar:
31. Minute rutschte 'ihni ein Kopf-
-ball-von --J-o-r d-a n -durch- die--Hände -
zum 2:0 über die
_Nach..der .Pause_gab.es _einen_Aus-_
fall der Flutlichtanlage, die zunächst,
nach vierminütiger „Besatzung":mitL
-dann
. wieder voll ar-
beitete. Aber während :diel
A.nlage
„zulegen" konnte, vermochten die
Schotten aus dem überlegenen Spiel
keine weiteren Tore zu erzielen.
Routinierter, härter und konzentrier-
ter als die Exoten, wahrten. sie mit
einem sicher über die Zeit gespielten
2:0 ihre Außenseiterchancen.
. Dortmund; :25.000 Zuschauer,-.: SR -
. .
-Gerhard Schulenburg (BRD).