Von der Schweiz (St. Margrethen) kommend, traf am Samstag um 7.28 Uhr der Sonnenzug in der Landes..
hauptstadt ein. Die Militärmusik spielte einen Begrüßungsmarsch, dann hieß StR Ruez die Körperbehie•
derten und die begleitenden Personen in Bregenz herzlich willkommen. Für die Gemeinde Lochau, die
die Jahre vorher immer für die Übernachtung gesorgt hatte, sprach Bürgermeister Schallert. Erik Engl,
der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sonnenzug, bedankte sich für den netten Empfang bei dem auch
Dekan Amann und Hofrat P. Dr. Roder anwesend waren. Mit einer Verspätung von 2 Minuten traf
dann der Sonnenzug zu einem 40-Minuten-Aufenthalt in Dornbirn ein; wo er von einer großen Anza hl
Menschen empfangen wurde. Eine Studentenkapelle spielte zünftige Weisen, Bürgermeister Dr. Karl
Bohle sprach am Bahnhof zu den Sonnenzug-Reisenden, es wurden Geschenke in den Postwagen gela-
den, und man kümmerte sich auch prompt um das Eis, das im Zug ausgegangen war: Rasch war auf
Initiative eines Dornbirners Eis herbeigeschafft. Um 8.52 Uhr v erließ der Sonnenzug wieder die Stadt
In
Dornbirn.
Attnang-Puc.hheina wurden dann Sonntag die Insassen des Sonnenzuges von „VN"-Kor-
respondent Prof. Dr. Hans Huebmer begrüßt. Der Wagen mit den Tiroler und Vorarlberger Teilnehmern
wurde dort abgehängt und an den nach Westen fahrenden Schnellzug überstellt, der noch am gleichen
(Fotos:
Tag die Gäste in ihre Heimatorte brachte.
Spa ng)
Coniet: Rex -Write
46
durch:
Seite 6
fierzog-Vertag. Tübingen
Montag, 17. Juni 1974
IFAMILIENCF-IRONIK
Wünsche zum Geburtstag
Bregenz. In jugendlicher Frische
kann heute Stefan Glatz, der Be-
gründer und heutige Mitinhaber der
Firma Glatzel & Co., sein 70. Le-
bensjahr vollenden. Im Jahre 1904
erblickte er in Zollhaus-Blumberg
das Licht der Welt, erfuhr dann in
Donaueschingen und Mannheim eine
gediegene kaufmännische Ausbildung
und kam im Jahre 1927 nach Bre-
genz, um sich hier niederzulassen.
Er baute hier die Firma Glatzel &
Co. zu jener bekannten Firma auf,
die sie heute ist. Im Jahre 1973 trat
er in den verdienten Ruhestand, was
bei ihm jedoch keinesfalls wörtlich zu
nehmen ist, da er auch noch heute,
da einer se iner Söhne die Firma
leitet, seine reiche kaufmännische
Erfahrung und seinen persönlichen
Einsatz aktiv in den Dienst der Fir-
ma stellt. Im Jahre 1937 führte er
seine Gattin Ida zum Traualtar, die
ihm eine Tochter und zwei Söhne
schenkte, die heute ebenfalls bereits
Familien gegründet haben. Er war
während des Zweiten Weltkrieges
im Sudentenland und im Grenz-
schutz eingesetzt. In den Jahren 1960
bis 1963 war er von der Vorarlberger,
Handelskammer als Lehr er für das
Großhandelsfach an die kaufmän-
nischen Fortbildungsschulen berufen,
wo er aus seinem Praktikerleben
wertvolles Wissen vermitteln konn-
te. Neben den Angehörigen, Freun-
den und Bekannten wünschen ihm
auch seine Mitar beiter aus dem Be-
trieb für seinen künftigen Lebens-
weg viel Glück, Sonnenschein und
Unbeschwertheit.
Froher Nachmittag
Bregenz. „I mmer rüstig — immer
heiter", unter diesem Motto stand der
bunte Pensionisten-Nachmittag, zu
dem der Landesverband der Rentner
und Pensionisten eingeladen hatte.
Schon eine halbe Stunde vor Be-
ginn war im Gössersaal kein Platz
mehr frei. Über 500 Rentner und
Pensionisten aus allen Teilen des
Landes sind zu dieser Veranstaltung
gekommen. Nach einem Willkom-
mensgruß von Altbundesrat Anton
Mayrhauser und einem Wort des
Dankes. an Bürgermeister Dipl.-Ing.
Fritz Maye r, LAbg. Mag. Prof. Neu-
rurer und Altnationalrat Katzengru-
ber, richtete der Landespräsident
von -Tirol, Dr. Karl Kunst, einige
Worte an die Anwesenden. Beson-
ders informativ waren für die Rent-
ner seine Ausführungen betreffend
Rentenerhöhungen um 3 Prozent ab
1. Juli 1974 bzw. 10,2 Prozent ab
1. Jänner 1975.
Im anschließenden Unterhaltungs-
programm wirkte die bekannte
Volkstanz- und Singgruppe „Rosen-
garten" mit.
Zum Gedenken
Hard. Nach langer, mit großer
Geduld ertragener Krankheit, ist
Witwe Elisabeth Turra geb. Brug-
noli im 87. Lebensjahr gestorben.
Sie war seit 1910 mit Quir in Turra
verheiratet, der ihr schon vor 23
Jahren im Tode vorausgegangen ist.
Die Verschiedene war ihren drei
Mutter. Am vergangenen Samstag
Kindern ein beispielgebende, gute frühen Morgengrauen die Fahrt über
wurde diese allseits geachtete Mit-
bürgerin von einer ansehnlichen
Trauergemeinde auf ihrem letzten
Gz.
Weg zum Friedhof begleitet.
Volksschuldirektor 1. R.
OSR Karl Amann t
Hohenems. Eine große Zahl
Trauernder aus nah und fern nahm
am Freitag Abschied von dem nach
langem und schwerem Leiden ver-
storbenen Volksschuldirektor i. R.
Oberschulrat Karl Amann. Beim
Seelengottesdienst, den Frühmesser
Adalbert Ginzinger in Konzelebra-
tion mit vier geistlichen Mitbrüdern
feierte, gedachte Pfarrer Martin Fäß-
ler in ehrenden Worten des Verstor-
benen, der durch 46 Jahre als Lehrer
und Erzieher in seiner Heimatge-
meinde vorbildlich wirkte und auch
als Tatchrist ein Vorbild war. Für
die Marktgemeinde dankte Bürger-
meister Dipl.-Ing. Otto Amann dem
Verewigten am Grabe. Karl Amann
war fünf Jahre als Gemeinderat und
viele Jahre für das Ortshilfswerk im
Dienste der Geme insc haft tätig.
Volksschuldirektor Hary Babutzky
würdigte das Schaffen des Lehrers
und Erziehers Karl Amann, der seine
46jährige Lehrertätigkeit ganz sei-
ner Heimatgemeinde widmen konn-
te. Karl Amann wurde 1898 in Ho-
henems geboren, besuchte 6 Jahre
die Volks- und zwei Jahre die Bür-
gerschule und trat dann ins L ehrer-
seminar Feldkirch ein. Er schloß das
Lehrerstudium mit Auszeichnung ab
und wurde im September 1917 zum
supplierenden Lehrer an der Volks-
schule Hohenems-Markt ernannt.
Drei Wochen später rückte er in den
Krieg ein und kam im November
1918 wie der zurück. Er wirkte nun
bis zu seiner Pensionierung im Jahre
1963 als Lehrer in Hohenems, wo er
als Elementarlehrer bald zu einem
Begriff wurde. Mehr als 2000 Einser
Kinder hat Karl Amann in sei nen
46 Lehrer ja hren in das Lesen , Schrei-
ben und Rechnen eingeführt. Milde
und Güte waren die Leitsterne seines
Wirkens und Hingabe an den Beruf
eine Selbstverständlichkeit. Ab 1921
wirkte Karl Amann auch an der
gPr:
gewerblichen., Berufsschule,
schätzte Fachkraft; zeitweise auch als
Leiter. In den elf Jahren se iner Tä-
tigkeit als Leiter der größten Volks-
schule des Landes war er seine n
Kollegen ein väterlicher und verste-
hender Freund und Helfer. Die
Schulbehörde würdigte sein Schaffen
mit der Verleihung des Berufstitels
Oberschulrat im Jahre 1962. Der Ver-
storbene war 35 Jahre Funktionär
bei der Raiffeisenkasse Hohenems
und stand ihr zuletzt zwölf Jahre
als Obmann vor. Mit Umsicht er-
kannte er die Notwendigkeiten der
heutigen Zeit und förderte und lei-
tete die Aufwärtsentwicklung zur
Raiffeisenbank. Der Vorsitzende des
Aufsichtsrates, Hofrat Dipl.-Ing. F.
Waibel, würdigte die Verdienste des
Verstorbenen für die Raiffeisenbank
und dankte ihm dafür. OSR Dir. Jo-
hann Benzer verabschiedete sich im
Namen des Jahrganges 1898 und als
Freund von dem geschätzten Mi tbür-
ger und Schulmann, dem die Hohen-
emser ein ehrendes Andenken be-
Vom Leiden erlöst
wahren werden.
Göt zis. Im Alter von 56 Jahren
starb Frau Anna Gwehenberger geb.
Sonderegger, örflaweg. Sie wurde
in Bludenz geboren. Mitte der dreißi-
ger Jahre übersiedelte sie mit El-
tern und Geschwistern nach Götzis.
1936 hatte sie den Maler Hubert
Egle aus Götzis geheiratet. Dieser
fiel im Zweiten Weltkrieg (Oktober
1944) in Südostungarn. Von den drei
Kindern dieser Ehe starben zwei als
Kleinkinder. Im Jahre 1948 heiratete
die Kriegerwitwe Josef Gwehenber-
ger aus Götzis. Diese Ehe blieb kin-
derlos. 15 Jahre lang arbeitete sie
bei den Textilfirmen ösch und Heuß,
und half so mit, das schöne..Eigen-.
heim, am örflaweg, welches sie mit
ihrem Gatten 1957 beziehen konnte,
zu finanzieren. Seit über einem
Jahr schon war sie krank. Frau
Gwehenberger schätzte jedermann
als sehr arbeitsfrohe, häusliche Frau,
welche sehr an ihrem Gatten und
am gemeinsamen Heim hing. Die
Anteilnahme der Bevölkerung wen-
det sich besonders dem Gatten zu.
„1 9er" auf froher Fah rt,
aber mit Hindernissen
Götzis. Aus gegebenenem Anlaß
schließlich wird man nicht jedes
Jahr 55 — unternahm der Jahrgang
1919 kürzlich einen Ausflug nach
Graubünden. Für die nun auswärts
wohnenden Jahrgänger war es fast
eine Ehrensache, sich ebenfalls zum
Ausflug einzufinden oder — wie
Jahrgänger Richard Ortner in Wien
mit einer noblen Geldspende und
den besten Wünschen die Verbun-
denheit mit dem Jahr gang zu be-
kunden. Als bei gutem Wetter im
Chur, Lenzerheide nach Tiefencastel
angetreten wurde, ah nten die bestens
gelaunten „19er" noch nicht, daß es
eine Fahrt mit Hindernissen werden
sollte. Das Frühstück in Tiefencastel
und die Weiterfahrt verliefen zu-
näc hst noch programmgemäß, rund
40 km vor St. Moritz streikte jedoch
plötzlich der Bus, und die Ausflügler
waren gezwungen, einen Frühschop-
pen in einem nahe gelegenen Hotel
einzunehmen. Anni Egger vertrieb
den unfreiwillig Festgehaltenen mit
Gitarren- und Liedvorträgen die
Zeit, bis Obmann Karl Berchtold
einen Schweizer Postbus organisiert
hatte, der dann die muntere Schar
ans Ziel ihrer Reise, nach Pontresina
brachte. Auch hier -war der Aufent-
halt länger als geplant,. -mußte doch
aus der Heimat eigens ein Ersatzbus
angefordert werden. Die Zeit wurde
jedoch im Oberengadin nicht lang,
dafür sorgten schon die imposanten
Gletscher- und Gebirgsmassive, an
denen man sich kaum sattsehen
kann. Mit Verspätung ging es dann
über den Flüelapaß, Da vos, Sargans
wie der heim, wo im Gasthof Adler
in Koblach der Ausflug einen ge-
mütlichen Ausklang fand.
„1906er" unterwegs
Mitglieder-
Feldkirch. Die
des Jahr-
ganges 1906 unternahmen kürzlich
einen Ausflug, der zur besten Zu-
friedenheit aller endete. über Bre-
genz fuhr man zuerst nach Reutte
zum Mittagessen und anschließend
nach Mayrhofen, wo die Aufnahme
besonders gelobt wurde. Am anderen
Tag wurde zuerst der Gerlaspaß be-
sucht, anschließend fuhren die gut
aufgelegten Jahrgänger über Inns-
Besonderer Dank wurde Frau All-
bruck w ieder zu rück in die Heima t.
gäuer und dem Fahrer des Busses
ausgesprochen.
IWIR t9RATWEREN
Damüls. In der Pfarrkirche ver-
mäh lten sich Othmar Reichlin aus
Freinstein-Zürich und Klaudia Kopf
aus Bregenz.
Hard. Witwe Paula Klas geb.
Erne, Mesnergasse, vollendet heute
das 73. und Frau Anna Wolff geb.
Frommelt, Landstraße, das 71. Le-
bensjahr.
Höchst. Das 78. Lebensjahr voll-
endet heute Frau pia Leuthold, Land-
,
straße 254. • -
Lustenau. • Heute vollendet Frau
Emi lie König, Feldgasse •12, das 75.
Lebensjahr.
Haus Marktstraße
Dornbirn. Im
44 feiert heute Quido Rhomberg die
Vollendung des 80. Lebensjahres.
Götzis. Heute vollendet Julius
Schedler, Montfortstraße, das 88..
Eugen Koch, Steint,. das 75., Frau
Katharina Oberhauser, Kirlastraße,
das 73. und Frau Ida Büsel, Römer-
'
weg, das 72. Lebensjahr.
Gisingen. Frau Anna Michel,
Hauptstraße, feiert heute ihren Ge-
burtstag, sie wird 74 Jahre alt.
Bludenz. Vier Mitbürger feiern
heute ihren hohen Geburtstag: Frau
Gertha Dobrzansky, Gilmstraße 22,
Frau Irmgard Lerchenmüller, Ignaz-
Wolf-Straße 5,. und Frau Anna 'Tag-
VQn-
werker, Klarenbrunnstraße 48,
enden
das 73. Lebensjahr, Emil Mu-
ther, Ignaz-Wolf-Straße 5, wird 72
Jahre alt.
Schruns. Frau Helena Schiel,
Veltliner Weg 171, feiert heute die
Vollendung des 83. Lebensjahres.
Als wir nach Hause kamen, war Siegfried
nicht da, aber ein Z ettel für Tristan klebte
am Kaminsims: „Tristan, fahr nach Hause .
Siegfried."
Das war auch früher schon vorgekommen,
da im Skeldale-Haus alles knapp war, be-
sonders Bette n und Bettzeug. Wenn uner-
wartete Gäste kamen, wurde Tristan weg-
geschickt, um bei seiner Mutter in Brawton
zu übernachten. Im allgemeinen stieg er
dann ohne W iderrede in einen Zug, heute
abend aber war es anders.
„Lieber Himmel", sagte er, „irgend jemand
wird als Logiergast erwartet, und natürlich,
ich bin dann derjenige, der stillschweigend
zu verschwinden hat. Ein verdammt nettes
Benehmen, muß ich schon sagen! Und ist das
nicht ein reizender Brief? Es spielt gar kei-
ne Rolle, ob ich vielleicht irgendwelche eige-
Es wird überhaupt nicht gefragt, ob es mir
nen Verabredungen habe. Keine Rede davon!
paßt wegzufahren. Ganz einfach, Tristan,
fahr nach Hause!'. Höflich und rücksichtsvoll,
nicht wahr?"
Es war bei ihm ganz ungewöhnlich, sich so
aufzuregen. Ich versuchte, ihn zu besänftigen.
„Schau, Tristan, vielleicht geben wir diesen
München. vertreten Tanz lieber auf.' Es wird ja noch mehr da-
von geben."
Aber Tristan ballte die Fäuste. „Warum
soll ich mich so herumkommandieren lassen?"
fauchte er. „Bin ich ein Mensch oder nicht?
Ich muß mein eigenes Leben führen, und ich
sage dir, ich fahre heute abend nicht nach
Brawton. Ich habe mich ganz darauf einge-
stellt, heute abend zum Tanz zu gehen, und
verdammt noch mal, ich gehe tanzen."
Das war eine herausfordernde Redeweise,
und ich ahnte Schlimmes. „Augenblick noch
mal", sagte ich. „Denk an Siegfried. Was wird
er sagen, wenn er nach Hause kommt und
dich noch hier findet?"
„Zum Teufel mit Siegfried!" sagte Tristan.
So b eließ ich es dabei.
Siegfried kam heim, während wir oben
waren und uns umzogen. Ich kam als erster
herunter und fand ihn lesend am Kamin
sitzen. Ich sagte gar nichts, sondern setz te
mich still hin in der Erwartung der Exp lo-
sion.
Ein paar Minuten später kam Tristan he-
rein. Er hatte sorgfältig unter seiner spär-
lichen Garderobe gewählt und sah glänzend
aus in einem dunkelgrauen Anzug mit sau-
berem Kragen, mit frisch rasiertem Gesicht
unter sorgfältig gekämmtem Haar.
Siegfried wurde dunkelrot, als er von sei-
nem Buch aufsah. „Was, zum Teufel, tust du
zu
hier? Ich habe dir befohlen, nach Brawton
fahren. Joe Ramage kommt und wird hier
übernachten."
„Konnte nicht weg."
„W arum nicht?"
„Keine Züge."
"Was, zum Kuckuck, meinst du damit,
keine Züge?"
„Eben das — keine Züge."
Der gereizte Dialog weckte in mir das üb-
liche Gefühl von Unbehagen. Es war ein Mo-
dellfall: der Fragende wü tend, sein Bruder
ausdruckslos, mit monotoner Stimme einsil-
big antwortend.
Einen Moment war Siegfried fassungslos.
Er sank in seinen Stuhl zurüc k, betrachtete
aber den Bruder weiterhin aus den Augen-
winkeln: den schicken Anzug, das glattge-
bürstete Haar, die frischpolierten Schuhe, al-
les schien ihn noch mehr zu reizen.
„Nun gut", sagte er plötzlich, " viell eicht
ist's gen auso gut, daß du hier bleibst. Du
kannst etwas für mich erledigen. Du kannst
dies Hämatom an dem Ohr von Charlie Dents
Sch wein aufschneiden."
Das war eine Bombe. über das Ohr von
Charlie Dents Schwein wurde unter uns
nicht gesprochen.
Ein paar Wochen zuvor war Siegfried selbst
zu einem Kleinbauern in einem Vorort der
Stadt gegangen, um ein Schwein mit ge-
schwollenem Ohr zu untersuchen. Es war ein
Bluterguß, und die einzige Behandlungsmög-
lichkeit wäre, es zu öffnen, aber aus irgend-
einem Grunde hatte Siegfried das nicht ge-
macht, sondern am nächsten Tag mich hin-
geschickt.
Ich hatte mich darüber gewundert, aber
nicht lange. Als ich in den Verschlag stieg,
stand die größte Sau, die ich jeh gesehen
stürzte
hatte, vom Stroh auf, grunzte brüllend und
auf mich zu, das riesige Maul weit
aufgerissen. Ich hielt mich mit keinen Be-
ruhigungsversuchen auf. Ich schwang mich
auf die Ma uer, zwei Meter über dem
Schwein, und sprang von da in den Gang
hinunter. Da stand ich und überlegte Mir,
die Lage. Vor mir hatte ich die gemeinen
roten Äuglein und das sabbernde Maul mit
seinen langen gelben Zähnen.
Im allgemeinen beachtete ich es gar nicht,.'.
wenn Schweine mich angrunzten, aber die-
ses hier schien es ernst zu meinen. Während ••
ich noch überlegte, was als nächstes zu tun.;
wäre, stieß die Sau ein wütendes Gebrüll
aus, richtete sich auf die Hinterbeine und
versuchte, mich über die Mauer hinweg an-
zugreifen. Das brachte mich rasch zum Ent-
schluß.
„Leider habe ich das richtige Instrument
nicht dabei, Mr. Dent. Ich komme •ein an-
dermal wieder, um das Ohr aufzuschneiden.
kleiner
Es 'ist nichts Schlimmes — nur ein
Eingriff.. Auf Wiedersehen."
Dabei war es geblieben, keiner von uns
hatte bis jetzt Lust gehabt, noch einmal da-
von anzufangen.
Tristan war entgeistert. „Du meinst doch.
nicht etwa, ich sollte heute abend da hin-
gehen? Samstag abend? Sicherlich
käme
auch irgendeine andere Zeit dafür in Frage.
Heute gehe ich zu meinem Tanz."
Aus der Tiefe des Stuhls lächelte Siegfried
böse. „Es hat jetzt zu geschehen. Das ist ein
Bef ehl. Zu deine m Tanzvergnügen kannst du
nachher gehen."
Tristan wollte etwas erwidern, aber er
wußte, er war schon weit genug gegangen.
,.Also gut", sagte er. „Ich werde gehen und
es erledigen."
(Fortsetzung folgt) folgt)