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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Das erste echte Bregenzerwälder Alphorn wurde 
die ser Tage f ertig ge stellt. Das Holz dafür sta mmt 
aus den höchsten Lagen des Bregenzerwälder Berg- 
waldes, u. Johann Hirlemann, ein gebürtiger Schnepf- 
auer, der jetzt in Lauterach ansässig ist, hat das Alp- 
horn selbst aus einem Stück gefertigt. Die Mühen u. 
Strapazen, das Holz im Dezember 1973 aus den 
Bergen herunterzuholen — um diese Zeit ist das 
Holz nach alter Holzfällerweisheit am besten be- 
arbeitbar, weil der Saftstrom zur Wintersonnen- 
„ruhig" ist — waren sehr groß, aber das gelungene 
wende den Tiefstpunkt erreicht hat und daher M.) 
Werk, ein Alphorn mit bestem Ton, lohnte die 
Arbeit im zwei Meter tiefen Schnee. Das Instrument 
wurde von Allgäuer Holzbläsern getestet und für 
gut befunden. Im Allgäu wurde vor rund 25 Jahren 
dieses alpenländische, aus der Schweiz stammende, 
Instrument eingeführt, heute gibt es bereits 60 
Alp- 
h ornb läs er im Allgäu und im Kleinwalsertal. Es ist 
geplant, auch im Bregenzerwald noch weitere Alp- 
hör ner herzustellen. Sollten sich, wie es den An- 
schein hat, weitere Interessenten finden, die dieses 
Instrument spielen, werden sicher bald von den 
Höhen des Bregenzerwaldes die herrlichen Alp. 
hornmelodien erklingen. 
Auf unseren Bildern links Johann Hirlernann, 
der das erste Breg en zerwä lder Alphorn herstellte, 
rech ts die von Elisabeth Rehm aus Großdorf ge- 
schaffene Malerei auf dem Instrument. 	(M. 
z 
s erste r I 
 h 
im re e zerwald 
Rexeerla:, 
Copyright: das Fohlen für diese Operation hingelegt 
durch: 
München, vertreten 
Donnerstag, 20. Juni 1974 
Seite 6 
LEAMILIENCHRON:R. 
  
* 
  
Abschied von 
Küchenchef Emil Häusler 
Bregenz. Mit großer Trauer haben 
Freunde und Kollegen vom pl ötz- 
lich en Tode von Küchenchef Emil 
Häusler erfahren, der am letzten Wo- 
chenende durch einen Verkehrsunfall 
allzu plötzlich und unerwartet aus 
dem Leben schied. 
Der Verstorbene hatte 
durch seine freund- 
liche und bescheidene 
Art viele Freunde ge- 
wonnen. Er war 
ehr- 
und fleißig, auch 
lich 
in seinem Beruf, und 
galt als Vorbild für 
seine Mitarbeiter. Für 
die Lehrlingsausbil- 
dung hat er Hervor- 
ragendes geleistet. Emil Häusler er- 
lernte in schweren Zeiten im Cafe 
Weiß 1931-34 in Bregenz das Kon- 
ditoreigewerbe und anschließend in 
Konstanz den Kochberuf. Durch die 
Einberufung zum Arbeitsdienst wur- 
de der weitere Berufsaufstieg jäh un- 
terbrochen, und es folgten viele Jahre 
des Kriegseinsatzes. Aus der Gefan- 
genschaft heimgekehrt, übernahm er 
im Jahre 1945 in Bregenz bei der 
französischen Besatzung die Küchen- 
leitung. Als Pächter des Cafes Wald- 
rast in Lochau , als Küchenchef im 
Gasthof Löwen in Bregenz, im Hotel 
Peterhof in Lindau und im Hotel 
Brändle in Bregenz war er zur Zu- 
friedenheit seiner Chefs tätig. Am 
Höhepunkt seiner beruflichen Lauf- 
bahn übernahm er im Jahre 1967 die 
verantwortungsvolle Stell e des Kü- 
chenchefs im Stadtspital Bregenz, die 
er mit viel Freude, Umsicht und Aus- 
dauer bis zuletzt ausübte. Lei der war 
ihm der Ei nzug in die neue Kranken- 
hausküche im Herbst dieses Jahres 
nicht mehr ge gönnt. Emil Häusler 
war seit dem Jahre 1970 Mitglied des 
österreichischen Kochverbandes, wo 
ihn seine Kollegen durch seine 
freundliche und hilfsbereite Art 
schätzen und lieben gelernt haben. 
7--Impressum 
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leger und Druck: Vorarlberger 
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Bezirk Bludenz: Adolf Pic- 
colruaz, Herne-Sender-Str. 16, 
Immer war er spontan mit dabei, 
6700 Bludenz, Tel. 0 55 52 / 24 71. 
wenn es galt, für die Kinderdorffa- 
milie n zur Weihnachtsfeier kalte 
Platten herzustellen. Die Ant eil- 
nahme gilt besonders seiner Frau und 
seinen beiden Kindern. Zur Beerdi- 
gung am vergangenen Dienstag hatte 
sich eine große Trauergemeinde ein- 
gefunden, u. a. sprachen der Bregen- 
zer Bürgermeister und ein Vertreter 
der Kollegenschaft, die ihm rege 
Sympathie entgegenbrachte. 
Zum Gedenken 
Ilittisau. Dieser Tage starb im 
Alter von 84 Jahren Elisabeth Ba- 
der (Ritterles) nach langem, schwe- 
rem L eiden im A ltersh eim. 1890 in 
Hittisau/Mühlbach geboren, ver- 
brachte sie ihre Jugend am elter- 
lichen Bauernhof und blieb ihr gan- 
zes Leben in ihrer Heimatgemeinde. 
Nachdem sie durch den Tod ihrer 
Eltern und Geschwister allein stand 
und das elterliche Gut in andere 
Hände übergegangen war, suchte sie 
später das Altersheim auf, wo sie, 
von einer langwierigen Krankheit 
befallen, von ihrer Nichte und den 
ehrwürdigen Schwestern über meh- 
rere Jahre Pflege und Betreuung 
fand. Der Tod kam bei ihr als Er- 
löser, wie es Pfarrer Huber beim 
Bestattnisgottesdienst den Angehö- 
rigen und anwesenden Trauergästen 
als Trost sagte. 
Volksbewegung im Mai 
Götzis. Im Monat Mal stehen 
neun Geburten fünf Sterbefällen ge- 
genüber. 14 Ehen wurden im Mai 
geschlossen. — Geburten: Heinz, des 
Bernhard Büsel, Dr.-Alf.-Heinzle- 
Straße; Kasimir, des Ivan Horvat, 
Kirla; Daniela, des Petar Dokljan, 
Montfortstraße; Herbert, des Wolf- 
gang Fischer, Römerweg; Danijela, 
des Radenko Pantelic, Steig; Kurt, 
des Franz Josef Loacker, Kirla; Sel- 
wer, des Ibrahim Sekerci, Zollwehr; 
Angelika, des Ernst Schlacher, Rö- 
merweg; Elisabeth, des Hans 
Scheier, Schlößleweg. — Sterbefälle: 
Alois Heinzle, Kreuzgasse (62 Jahre ); 
Karl Kehr, Ringstraße (74); Benedikt 
Ströhle, Kirla (70); Heinz Gächter, 
Moosstraße (31); Sophie Scheyer geb. 
Büsel, Zollwehr (64). — Eheschlie- 
ßungen: Elmar Wohlgenannt mit 
Eveline Rappele aus Dornbi rn; Gün- 
ter Mair mit Hermine Keßler aus 
Meiningen; Konrad Egger mit Ma- 
ria nne Jaklitsch; Raimund Mierer 
aus Muntliz mit Elisabeth Broger; 
Harald Staffier mit Carmen Rauter 
aus Hohenems; Dipl.-Kaufmann 
Fritz Ausserer mit Reinhilde Loak- 
ker; Helmut Weite aus Sulz mit 
Maria Benzer; Predag Cvetkovic mit 
Edith Wäger; Kurt Ellensohn mit 
Renate Meier aus Nenzing; Ernst 
Stecher aus Dornbirn mit Monika 
Lerchenmüller; Kurt Schranz mit 
Gertrud Ladner aus Lustenau; Jo- 
hann Georg Ellensohn mit Monika 
Gutgsell aus Dornbirn; Hubert We- 
hinger aus Altach mit Irma Mayer; 
Karl Unterthurner aus Dornbirn mit 
Eugenie Fend. 
Glückwünsche zum 85er 
Wald a. Artberg. Heute feier t 
Alois Maur er im Kreise seiner Fa- 
 burtstages 
milie die Vollendung seines 85. Ge. 
in voller körperlicher und 
geistiger Frische. 1899 in Geiselberg/ 
Olang in einer kinderreichen Pu- 
sterer Bauernfamilie geboren, mußte 
er schon früh sein Brot in der 
Fremde hart verdienen. Als Kaiser- 
jäger in Galizien und an der italie- 
nischen Front verwundet und in Ge- 
fangenschaft geraten, hat er alle 
Leiden eines Krieges zu spüren be- 
kommen. 1923 ehelichte er Agnes 
Taschler aus Toblach, die ihm drei 
Kinder schenkte. Als Staatsangestell- 
ter 1934 mit seiner Familie in die 
Abruzzen versetzt, war er immer be- 
müht, seiner Familie auch in der 
harten Fremde alle Widerwertigkei- 
ten überwinden zu helfen. 1939 kam 
er nach Vorarlberg, faßte auch hier 
gut Fuß und darf nun endlich, nach 
sehr vielen Mühen, seinen Lebens- 
abend genießen. Leider verlor er 
letztes Jahr, knapp vor der Feier 
der goldenen Hochzeit, auf die sich 
beide so sehr gefreut hatten, seine 
Frau. Seine Kinder, Schwiegertoch- 
ter und Enkel freuen sich, mit ihm 
Geburtstag feiern zu können. 
LWIR  RATULlEREN   
Lochau. Josef Reichhalter, Sied- 
lung 11, vollendet heute sein 75. Le- 
bensjahr. 
Hard. Heute vollenden Wwe. An- 
gelika Lenz, Altersheim, das 79. und 
Rosa Lutz geb. Birnbaumer, eben- 
falls im Altersheim, das 70. Lebens- 
Lustenau. Heute wird Camilla To- 
masi, Steinackerstraße 21, 84 Jahre 
alt. 
Höchst. Alois Bartel, Kapellen- 
straße 753, gratulieren wir zum 78. 
Ge burts tag. 
Dornbirn. Katharina Funk, Rohr- 
bach 17, wird heute 84, Katharina 
Hube r, Achrain 7, 80 Jahre alt. 
Götzis. Heute vollenden Anna 
Loukota, Ringstraße, das 76., Karl 
Notz, Hütte, das 71. und Josef Stei- 
ner, Altersheim, ebenfalls das 71. Le- 
bensj ahr. 
Klaus. Erwin Halbeisen feiert 
heute sein 72. Wiegenfest. 
Schnifis. Ges tern wurde Friedrich 
Schnetzer 78 Jahre, heute vollendet 
Regina Gohm aus Röns ihr 73. Le- 
bensj ahr. 
Bludenz. Heute gratulieren wir 
Rosa Dürr, Rathausgasse 4, zum 72., 
Anna T ripp, Beim Kreuz 11, zum 75. 
und Paulina Seeberger, Obdorfweg 9, 
zum 78. Geburtstag. 
I 
Veranstaltungen -Treffpunkte 
Alpenschutzverein für Vorarlberg: 
Samstag, 22. Juni, Tagesausflug in 
den Schweizer Nationalpark Grau- 
bünden. Anmeldung noch heute, Don- 
nerstag, und morgen, Freitag, beim 
Alpenschutzverein, Dornbirn, Lan- 
nerstraße 28, Tel. 3 49 83, und beim 
Omnibusunternehmen Herburger, 
Dornbirn, Schwefel 25, Tel. 24 15. 
Bregenz. Foto-Club: Morgen, 
Freitag, 20.00 Uhr, Gasthaus „Hir- 
teten Schwarz-Weiß- und Farb-Pa- 
pierbilder der Staatsmeisterschaft 
1974. 
Bregenz. PV Nibelungen: Heute, 
Donnerstag, BC auf der Bude, Anton- 
Schneider-Straße 16, um 19.00 Uhr; 
anschließend AC. 
Bregenz. CV-Philisterzirkel: Heu- 
te, Donnerstag, Rundgang durch die 
Oberstadt, Führung Prof. Dr. Wolf- 
gang Husch; Treffpunkt 19.00 Uhr 
vor der Martinskirche. Angehörige 
und Bekannte sind eingeladen. 
Bregenz. Jahrgang 1934: Ausflug 
am 29. Juni; letzter Anmeldetermin 
am 21. Juni. 
Kennelbach. He ute, Donnerstag, 
Werkstattabend der KJ im Jugend- 
haus; Thema „Sprache der Hände"; 
Beginn 19.30 Uhr. 
Dornbirn. Bei der Bezirkshaupt- 
mannschaft Dornbirn finde t morgen, 
Freitag, den 21. Juni 1974, kein Par- 
teienverkehr statt. (VLK) 
Feldkirch. Sprechtag der Pensions- 
versicherungsanstalt der Angestell- 
ten heute, 20. Juni, 8.00 bis 11.00 Uhr, 
Gebietskrankenkasse, Schloßgraben 
Nr. 14. 
Bludenz. 
	Arbeitsgemeinschaft 
Frau in der Wirtschaft: Heute, Don- 
nerstag, 20.00 Uhr, Schloßcafe Dörf- 
Enger, LAbg. Elfriede Blaickner über 
„Familienpolitik und Familienrecht". 
Schruns. Heute, Donnerstag, Hei- 
matabend der Trachtengruppe 
Schruns in der Batlogghalle uns 20.30 
jahr. schen", Vorführung der bestbewer- Uhr. 
49 
Und eine andere Erinnerung: zweihundert 
Lämmer in einem Schuppen an einem war- 
men Nachmittag. Wir impften sie gegen 
Nierenerkrankungen, und kein Gespräch 
konnte aufkommen wegen des lautstarken 
Protestes der Lämme r und des unaufhör- 
lichen Blökens von fast hundert Mutter- 
schafen, die sich angstvoll draußen herum. 
drängten. Ich konnte mir nicht vorstellen, 
wie diese Schafe aus der Masse der fast ge- 
nau gleich aussehenden Tierchen ihren ei- 
genen Nachwuchs herausfinden sollten. Das 
würde ja stundenlang dauern. 
Es dauerte ungefähr fünfundzwanzig Se- 
kunden. Als wir mit dem Impfen fertig wa- 
ren, öffneten wir die Scheunentore, und die 
herausströmenden Lämmer trafen auf einen 
aufgetregter 
geballten Gegenstrom 
Mütter. 
Im ersten Moment war der Lärm ohrenbe- 
legentlichen Blöken, als die letzten Streuner 
täubend, aber er erstarb rasch zu einem ge- 
zusammengetrieben waren. Dann strömte die 
Herde, ordentlich gepaart, in voller Ruhe 
dem Feld zu. 
Im Laufe des Mai und Anfang Juni wurde 
meine Welt ruhiger und wärme r. Der kalte 
Wind ließ nach, und die Luft, frisch wie das 
Meer, trug uns einen schwachen Hauch der 
trerzogeedap, Tübingen Tausende von wilde n Blumen zu, die die Wie- 
sen sprenkelten. Manchmal kam es mir ge- 
radezu ungerechtfertigt vor, daß ich für mei- 
ne Arbeit entlohnt wurde — für die Aus- 
fahrt am frühen Morgen, wenn die Felder 
im ersten fahlen Sonnenlicht glänzten und 
in den Höhen noch Nebelfetzen hingen. 
Am Skeldale-Haus brachen die Glyzinien 
zu einem Gewirr bläulich-violetter Blüten 
auf, die sich durch die offenen Fenster 
drängten, und jeden Mor gen beim Rasieren 
atmete ich den berauschenden Duft der lan- 
gen Trauben ein, die neben dem Spiegel her- 
abhingen. Das Leben war idyllisch. 
Es gab nur einen Mißton. Da mals war ja 
die Zeit der Pferde. In den dreißiger Jahren 
gab es noch eine ganze Menge davon auf den 
Höfen, obwohl die Traktoren schon angefan- 
gen hatten, ihren warnenden Grabgesang zu 
Dale, 
läuten. Auf den Höfen zu Füßen 
des 
wo es reichlich Ackerland gab, standen die 
Ställe schon halb leer, aber immerhin gab es 
noch genug Pferde, tun die Monate Mai und 
Juni arbeitsam zu machen. Es war die Jah- 
reszeit zum Kastrieren. 
Vorher aber kam die Zeit des Fohlens mit 
viel Arbeit: Nachgeburtsreinigung der Stu- 
ten, Fohlenschweife stutzen, die Krankheiten 
der Neugeborenen behandeln — Fohlen-Läh- 
me, zurückgehaltenes Darmpech. Es war har- 
die 
te und interessante Arbeit, aber als es wär- 
einjährigen Hengste kastrieren zu lassen. 
Das machte ich nicht gern, und da etwa 
hundert Fälle zu erledigen waren, warfen sie 
ihren Schatten auf diesen Frühling und auf 
viele folgende. Generationenlang hatte man 
und 
festgebunden, ungefähr wie ein verschnürtes 
Hühnchen. Es war ein bißchen mühsam, 
aber das Tier war unter völliger Kontrolle, 
und man konnte sich ganz auf den Eingriff 
konzentrieren. Aber während meiner Assi- 
stenzzeit ging man immer mehr dazu über, 
das Fohlen im Stehen zu kastrieren. Man 
brachte einfach die Nasenbremse an seiner 
Oberlippe an, spritzte ein örtliches Betäu- 
bungsmittel in jede Hode und erledigte dann 
die Sache. Der offensichtliche Nachteil be- 
stand in der zehnfach größeren Gefahr einer 
Verletzung des operi erend en Arztes und sei- 
ner Gehilfen. 
Aber zweifellos ging es schneller. Das heißt, 
falls alles glatt verlief, aber es kam vor, daß 
das Fo hlen ausschlug oder sich auf uns warf 
oder überha upt rasend wurde . Von zehn Fäl- 
len verli efen neun g latt, und beim zehnten 
k onnte es wie bei einem Rodeo zugehen. Ich 
weiß nicht, wie andere Tierärzte bei der 
Sache empfanden, aber ich selber war am 
Morgen vor Kastrierungen unleugbar in ner- 
vöser Spannung. 
Natürlich liegt das zum Teil daran, daß ich 
kein eigentlicher Pferdemensch bin und es 
nie sein werde. Es ist schwierig, diesen Be- 
griff zu def inieren , aber ich bin überzeugt, 
daß Pferdemenschen schon als solche zur 
Welt kamen oder in früher Jugend dazu wer- 
den. Ich wußte, es hatte keinen Sinn, Mitte 
 te 
Zwanzig damit anfangen zu wol len. Ich kann-. 
mer wurde, dachten die Bauern daran, die Pferdekrankheiten, und ich traute mir 
zu, kranke Pferde wirksam zu behandeln, 
aber jene Macht, über die der echte Pferde- 
mens ch verfügt, das Tier zu beruhigen, zu 
beschwichtigen, es geistig zu beh errsch en, 
war mir nicht gegeben. Es war ein Pech für 
mich, weil Pferde das zweifellos mer ken. 
So war ich an solchen Morgen ni emals sehr 
hoch gestimmt, wenn ich losfuhr und meine 
Instrumente in einer Schale auf dem Sitz 
hinter mir rollten und ratterten. Würde das 
Fohlen wild oder sanft sein? Wie groß wür- 
de es sein? 
Ich 
hatte' gehört, wie manche 
Kollegen leichthin ihre Vorliebe für große 
be- 
Fohlen bekundeten — bei Zweijährigen, 
haupteten sie, wäre es viel leichter, man be- 
käme die Hoden besser in den Griff. Für 
mich aber gab es nie einen Zweifel. Ich r noch' 
te sie klein, je kleiner, um so besser. 
Eines Morgens, als die Sais on auf dem Hö- 
hepunkt war und ich von der ganzen Pfer- 
derasse überhaupt genug hatte, rief Sieg- 
Wil- 
fried mir im Fortgehen zu: „James, bei 
kinson in White Cross ist ein Pferd mit ei- 
nem Tumor im Bauch. Fahr hin und mach es 
weg, wenn möglich heute oder nimm dir 
sonst irgendeine Zeit dafür. Das überlasse 
ich dir." 
Ein bißchen verärgert darüber, daß ich zu 
all der saisonbedingten Arbeit noch diese 
Sonderaufgabe übernehmen sollte, kochte ich 
ein Skalpell aus, dazu Tumorlöffel und eine 
zusam- 
Spritze und tat sie in meine Schale, 
men mit dem lokalen Betäubungsmittel, Jod 
und Tetanus Antitoxin. 
(Fortsetzung folgt) folgt)
	        
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