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Full text: Vorarlberger Nachrichten 1974 Q2 (1974)

Die Zukunft hat schon begonnen: 
  
0 
  
Seite {   
Montag, 
12 
ni 197q 
•••• 
Sonnenstrahlung, als Energiequelle bisher kaum gebräuchlich, ist um- 
weltfreundlich und unerschöpflich. Eine sauberere Art der Energiegewin- 
nung ist kaum vorstellbar. Seit .nunmehr zwei Jahren befaßt sich ein 
Team von Wissenschaftern der Universität Minnesota und der Honeywell 
Inc. mit der Nutzbarmachung der Sonnenenergie. Finanziert wird das 
dati on" (NSF). Seit Anfang dieses • 
Projekt von der „National:Science Foul' 
. 
verfügt Honeywell über ein transportables Laboratorium, das sich 
Jahres, 
zur Zeit auf einer Reise durch die nördlichen 'Klimagebiete der USA be- 
findet. 
daten liefern, die für alle interessant 
sein werden, die sich mit Sonnen- 
energie befassen",- führte Dr. Sutton 
weiter aus. 
Das Kollektorensystem nahe der 
Schule bedeckt -eine Flä che von ca. 
550 qm. Wichtigster Bestandteil der 
Plattenkollektoren ist eine Absorber- 
• 
platte, die die therMiSChe Energie der' 
Sonne absorbiert. In dieser Platte 
zirkuliert eine Wasser-Glykol-Mi- 
sc hung, die auf ca. 70 Grad Celsius 
erwärmt wird. Die mittels Wärme- 
austauschern gewonnene Energie 
wird sodann als Ergänzung der be- 
stehenden Heizungsanlage zur Was- 
ser- und Lufterwärmung verwendet. 
Dr. Leroy Norsted, der zuständige 
Schulinspektor, meinte, daß man die 
Anlage auch nach Beendigung der 
Tests betreiben werde, denn so meinte 
er, „was wir bisher gesehen haben, 
rechtfertigt bereits eine diesbezügli- 
che Entscheidung". Man darf ruhig 
annehmen, daß noch in diesem Jahr- 
hunde rt 30-50 Prozent aller Ge bäu- 
de in den Vereinigten Staaten mit 
Sonnenenergie beheizt und klimati- 
siert sein werden. 
In diesen Tagen wird Honeywell 
auch eine von der NASA mit 5 Mill. 
Schilling dotierte Studie abschließen, 
die über die beste Konzeption eines 
Kraftwerkes zur Umwandlung von 
Sonnenenergie in Elektrizität Aus- 
kunft geben soll. Honeywell-Wissen- 
schafter sind der Meinung, es sei 
durchaus möglich, innerhalb der bei- 
den nächsten Jahrzehnte ein Sonnen- 
Kraftwerk in Betrieb zu nehmen. 
Natürlich kann heutzutage noch kein 
anderer Energieträger durch Sonne n- 
energie vollständig ersetzt werden, 
der Einsatz derartiger Systeme zur 
teilweisen De ckung des Energiebe- 
darfs kann jedoch bereits wirtschaft- 
lich als durcha us vertretbar angese- 
hen werden. 
Kalkutta: 1 Million Inder 
Mit den rechtlichen Problemen der künstlichen Befruchtung beschäftigt 
„lebt" auf den Straßen 
eine. 
sich seit einigen Monaten 
Kommission britischer Wissenschafter, Po- 
litiker, Juristen und Theologen. Im Auftrag der Gesellschaft zur Förde- 
für, 
rung der Wissenschaften versucht sie, gesetzliche Grenzen 
den Betrieb 
von Spermabanken, für Organverpflanzungen und andere medizinische 
Entwicklungen zu ziehen, die längst nicht mehr in den Bereich der 
science fiction verwiesen we rden können . Schon gibt es in England 
ernstzunehmende Vorschläge, unter der Leitung des staatlichen Gesund- 
heitsdienstes Samenbanken und Stationen für künstliche Befruchtung 
einzurichten. Doch welche Garantien könnten gegeben werden, daß ge- 
spendetes Sp erma gesund oder ein Spender nicht „Vater" vieler hundert 
Kinder würde? 
Ein verheerender Sturm verwüstete in der Nähe von Chicago mehrere Flugzeughangars. Neben dem riesigen 
Sachschaden an Gebäuden, Flugzeugen und sonstigen Geräten war durch das Einstürzen mehrerer Hangars 
Das Forschungs-Laboratorium be- 
auch ein Menschenleben zu beklagen. Der Sacbschadep geht in die Millionen Dollar. (Funkbild: VN/U PI) 
steht aus zwei mobilen Einheiten. 
Eine beherbergt die technischen Ein- 
richtungen zur Umwandlung der 
Sonnenenergie, außerdem eine kom- 
ple tte Wetterstation, die andere — 
ein 16 m langer Bürowagen — re- 
präsentiert ein Gebäude, das mit 
durch Sonnenstrahlung erwärmtem 
Wa sser versorgt und beheizt wird. 64 
Plattenkollektoren mit einer Gesamt- 
oberfläche von ca. 58 qm nehmen die 
Sonnenstrahlung auf. Sie sind mit 
Sp ezia lglas und Kunststoff abgedeckt 
und enthalten Wärmeaustauscher, in 
denen Wasser durch die Sonnenein- 
strahlung auf etwa 90 Grad Celsius 
erwärmt wird. Das heiße Wasser wird 
in zwei 1800 Liter fassende Speicher 
geleitet, aus denen die konventionelle 
Warmwasserheizung des Labors ver- 
sorgt wird. Die Speicherkapazität ge- 
nügt, um das Labor, das etwa die 
Größe eines kleinen Eigenheimes hat, 
mit der tagsüber aufgenommenen 
Energie für 24 Stunden auf 21 Grad 
Celsius zu erwärmen. Die ermittelten 
Daten werden mittels Computer in 
der Honeywell-Zentrale in Minne- 
apolis ausgewertet, um über die Ver- 
wendbarkeit von Sonnenenergie für 
Heizungszwecke in den nördlichen 
Regionen der USA Klarheit zu ge- 
winnen. Im Sommer werden weiters 
zwei durch Sonnenenergie gesteuerte 
Klimaanlagen instattiert, .mit denen 
dann die Tests fortgesetzt werden. 
Ende April nahm auch eine mit 
Sonnenenergie betriebene Heizungs- 
anlage in einer Mittelschule in 
einem. Vorort von 
Brooklyn Park, 
Minneapolis, den Betrieb auf. -„Die 
soll- 
Versuchsanlage 
die konventio- 
nelle Heizungsanlage ergänzen und 
Energie- und Kosteneinsparungen er- 
zielen",erklärte Dr. M. A. Sutton, 
Generaldirektor der Honeywell-For- 
schungsabteilung. „Das Programm 
wird Betriebs- und Instandhaltungs- 
Hitze, Kälte und Regen — so sieht 
die tägliche Realität für Hundert- 
tausende Menschen in der indischen 
Stadt Kalkutta aus. Mehr als zwei 
Millionen • der insgesamt acht Mil- 
l ionen Einwohner Kalkuttas leben 
in Slums, davon mindestens 200.0 00 
praktisch auf der Straße. Das sind 
aber nur offizielle Schätzungen. In 
Wirklichkeit dürften wahrscheinlich 
rund eine Million Obdachlose die 
Straßen der Stadt bevölkern. Ge- 
naue Zahlen werden wohl niemals 
vorliegen, da zahlreiche Obdachlose 
auf ständiger Wanderschaft sind und 
häufig auch in ande re Städte „übe r- 
siedeln". 
Abgesehen von „berufsmäßigen" 
Bettlern setzen sich die „Bewohner 
der Straße" vor allem aus Bau- 
arbeitern zusammen, die von Bau- 
stelle zu Baustelle ziehen. Das Leben 
der Obdachlosen hat seine eigenen _ 
strengen Regeln. 
Wie aus einer im Auftrag der 
indischen Regierung durchgeführten 
Untersuchung hervorgeht, leben die 
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Fe rtig installiert ist die mit 
1000 
Sonnenenergie betriebene 
Versuchs-Heizungsanlage von 
Honeywell an einer Mittel- 
schule nahe Minneapolis 
(USA). Im Vordergrund die 
246 Kollektoren, durch die 
eine Wasser-Glykol-Mischung 
zirkuliert, bis sie auf ca. 70 
Grad Celsius erwärmt ist. Die 
dar aus durch Wärmeumwand- 
1er gewonnene Energie wird 
für die Beheizung und Klima- 
tisier ung der S chule verw en- 
det (oben). Honeywell-Techni- 
ker befestigen die aus Spe- 
zialglas und Kunststoff beste- 
hende Abdeckplatte auf ei- 
nem Sonnen-Kollektor. Be- 
richt über die Gewinnung von 
Energie aus der Sonnenstrah- 
lung nebenstehend (rechts). 
Phantastischer noch, aber keines- 
wegs unmöglich: Was geschähe, 
wenn plötzlich kommerzielle Sper- 
mabanken entstünden. Was, wenn 
Pop-Stars und Fußballhelden be- 
geisterte weibliche Fans mit ihren 
Samen — per Reage nzgla s — be- 
glücken wollten? Es ist keineswegs 
von der Hand zu weisen, daß sich 
nicht unz ählige Frauen einen kleinen 
Tom Jones oder einen kl einen 
Beckenbauer wünschen. 
All das klingt vielleicht noch ein 
wenig nach Zukunftsmusik, doch die 
Mitglieder des Ausschusses sind sich 
einig, daß die gesetzlichen Grundla- 
gen für solche Entwicklungen schon 
heute geschaffen werden müssen. Sie 
verweisen darauf, daß bereits die 
Nachkommenschaft zählt? Was ge- 
derzeitige Gesetzeslage unrealistisch 
schieht gar, mit den Kindern_aus der 
Retorte? 
Diese Probleme in den Griff zu 
bekomMen, bevor sie wirklich akut 
werden, hat sich der Expertenaus- 
schuß zur Aufgabe gestellt. Wie 
schnell dabei die Anstrengungen der 
Legislative von der Realität, über- 
holt werden, zeigt sich am Beispiel 
der Organverpflanzungen. Im Vor- 
jahr billigte die britische Regiening 
die Ausgabe von einer Million Spen- 
derkarten an Personen, die sich be- 
reit erklären, im Fall eines Unfall- 
todes ihre Nieren für eine Über- 
tragung zur Verfügung zu stellen. 
De nnoch ist im tatsächlichen Tode s- 
fall noch immer die Zustimmung der 
Verwandten erforderlich und häufig 
nicht zu erhalten. 
" 
"Der Fußgänger 
prämiert 
Die 24. Internationalen File 
festspiele Berlin sind am Freitag 
abend durch den Berliner Regie- 
renden Bürgermeister Klaus 
Schütz eröffnet worden. Um den 
„Goldenen Bären" kämpfen im 
Wettbewerb 21 Länder mit 23 
Spiel- und 16 Kurzfilmen sowie 
einem Dokumentarfilm. Parallel 
zum Wettbewerb findet zum vier- 
ten Male wieder das „Forum des 
jungen Films" statt, in dem vor- 
wiegend 
junger     
vorgestellt 
    
Filme w  er de. 
	Regisseure 
Am Samstag wurde auf der 
Berlinale der „Deutsche Filmpreis 
1974" verliehen. Die „Goldene 
Schale", die seit 12 Jahren nicht 
mehr vergeben w orden ist, erhielt 
"DerproFgurßagmämngfeül 
salpsielfbilemster 
‘envdoenr 
Maximilian Schell. Die damit ver- 
bundene Prämie beträgt 500.000 
Mark. Je ein Filmband in Silber 
gitte Bardot, Produk- 
vergab die Jury für die 
tionen „Der Lord von Barmbeck" 
(Regie: Ottokar Runze) sowie für 
s„Dpieenlhlaanndgleunr:gJ.a7ner" 
als bester 
programmfüllender Film ohne 
ra mfüllender 
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langjähriges und hervor" 
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Gold bedacht: - die Sc haus 
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Dieter Borsche, Pund 
GauusltavDaKhnlkueth, 
RilleagisHseournr 
,Cdaemr 
Wil- 
Kameramann 
helm Thiele, der 
Friedel Behn-Grund, der Kane 
nist Werner Eisbrenner und die 
Filmwissenschafterin Lotte Eis' 
meisten von ihnen in Gruppen von 
ner. 
vier oder fünf. Die Frauen bringen 
sich meist mit Prostitution durch. Die 
Bettler sind ihre Zuhälter. 
Der Winter ist für die Obdachlosen 
eine bittere Zeit, die Temperaturen 
sinken in manchen Nächten bis unter 
den Gefrierpunkt. Am Morgen findet 
man dann Dutzende Erfrorene auf 
den Straßen. Und die Monsunregen, 
die die Außenbezirke von Kalkutta 
in Schlammwüsten verwandeln, trei- 
ben die Obdachlosen zusammen mit 
streunenden Kühen, Hunden und 
Katzen in Scharen unter Haustore 
sei — so sind Kinder, die auf die 
und Brücken. 
künstliche Befruchtung einer Frau 
zurückgehen, weil der Mann zeu- 
gungsunfähig ist, nach geltender bri- 
tischer Rechtssprechung illegitim. 
Schon zeigen sich Möglichkeiten, 
das Geschlecht eines ungeborenen 
Kindes zu bestimmen und zu beein- 
flussen, von der Veränderung der 
Erbanlagen ganz zu schweigen. Bei- 
des kann enorme Auswirkungen ha- 
ben. 
Wo liegt die Grenze zwischen der 
Korrektur einer genetischen Fehl- 
entwicklung und der Züchtung einer 
„Superrasse", fragen sich die Wis- 
senschafter besorgt, und was ge- 
schähe in einem Land, in dem, wie 
zum Beispiel in vielen S taaten des 
Mittelmeerraums, nur die männliche männliche
	        
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